Hilde geht ins Internet

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Mit Hilde* habe ich in den letzten drei Jahren den Karnevalszug der Grundschule organisiert. Anmeldungen schreiben, Kostüme planen, Kamelle kaufen, Strüsjer binden, kötten gehen… Insider wissen, worum es geht, alle anderen müssen das nicht. Jedenfalls hatten wir dabei eine Menge Spaß. Aber Hilde hat einen Fehler – aus meiner Sicht. Sie hat kein Internet. Terminabsprachen: Dafür haben unsere Anrufbeantworter tagelang miteinander kommuniziert! Abstimmung von Texten: Ausdruck machen, meiner Tochter mitgeben, hoffen, dass sie ihn an Hildes Sohn (Überwinden der Gendergrenze im 2. Schuljahr!) weitergibt und dass der dann Zuhause dran denkt, das Papier abzugeben. Hilde macht ihre Anmerkungen und der Postweg geht die umgekehrte Richtung. Da konnten locker mal Postlaufzeiten entstehen, die die Hauspost jeder öffentlichen Einrichtung als Expressdienst erscheinen lassen.
Aber Hilde bliebt dabei: Ich bin bis heute ohne Internet ausgekommen, also komme ich auch noch morgen ohne aus.
Klingt schlüssig und irgendwie ist es ja auch gegangen… und heute sagt Hilde so ganz nebenbei: Du kannst mir jetzt auch ne E-Mail schreiben! – und lächelt stolz-verlegen.
Wie jetzt? frage ich.
Ihre Töchter hat auf die weiterführende Schule gewechselt. Und da arbeiten die jetzt mehr mit Computern,sagt Hilde. Und auch die ganze Post für die Eltern kommt als E-Mail. Und weil Hilde weiß, wie wichtig es ist, ihre Tochter beim Lernen zu unterstützen und weil sie bereit ist, sich „dafür“ mit „dem ganzen Zeug“ auseinander zu setzen und weil so hofft, dabei auch noch was zu lernen, hat sie einen Computer gekauft und ein Internet bestellt. Und jetzt sitzen die beiden, Mutter und Tochter, vor dem Rechner. Noch geht das nicht so gut, sagt sie, aber das wird schon.

Was gemerkt, lieber Leser? Schule kann Medienkompetenz fördern, auch bei Eltern…

*Name vom Autor geändert!

Keiner Wetterkarte glauben!

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Am Freitag endete mit einer gelungen Abschlusskonferenz das Projekt „Naturwissenschaften entdecken!“. Viele der Projektbeteiligten waren noch einmal in Bonn zusammen gekommen, auch ich als ehemaliger Projektleiter war eingeladen. Einerseits kann das Projekt sich auf einige positive Ergebnisse zurückblicken, die vor allem in den Bereichen der Vernetzung von Lehrkräften untereinander und mit der fachdidaktischen Forschung erzielt wurden und im Gefolge die Produktion hochwertiger Unterrichtsmaterialien ermöglichte. Doch nun geht es dem Projekt wie vielen Fördermaßnahmen: Die Förderschwerpunkte des Bundes haben sich verschoben und mit einem Schulterzucken wird bekannt gegeben: Ab jetzt haben wir eine andere Baustelle – in die wir die Erfahrungen aus dem Projekt selbstredend einbringen. Nun denn.

Eine kleine Episode hätte mir aber fast die Feierlaune verdorben. Ich möchte sie hier kurz berichten, weil sie einiges zur aktuellen Diskussion um Medienkompetenz aussagt – und darüber, wie unterschiedlich diese definiert wird.

Prof. de Lange aus Osnabrück hat noch einmal Kartografix-Schule vorgestellt und gezeigt, wie technisch unaufwändig Schülerinnen und Schüler damit eigene thematische Karten erstellen können. Besonders wichtig war im dabei, dass die Jugendlichen lernen, dass jede Karte nun ein individueller Blick auf das zugrundeliegende Datenmaterial darstellt, bzw. dass man mit Karten auch Aussagen manipulieren kann. Sehr schön verdeutlicht hat er das mit zwei Karten zur Verteilung der Hochschulabsolventen auf die Bundesländer. Mit drei Klassen ergab sich eine differenzierte Karte, die es erforderte sich weitere Gedanken um die Ursachen zu machen. Eine leichte Verschiebung der Klassen und eine Reduzierung auf nur zwei Klassen ergab eine beeindruckende Karte, die einen Gegensatz zwischen alten und neuen Bundesländern suggerierte.

In der Abmoderation durch Helmut Rehmsen, der durch den Tag führte, meinte dieser, Herr de Lange sei aber sehr medienkritisch und würde sicher keiner Wetterkarte glauben. Ein paar Lacher hatte damit auf seiner Seite, und ohne Diskussion ging es weiter im Programm.

Ich denken jedoch nicht, dass das was Herr de Lange gezeigt hat medienkritisch ist, sondern eher ein wichtiger Beitrag dazu, Jugendliche dafür zu sensibilisieren, wie dünn das Eis sein kann, auf das einen Daten und Informationen aus dem Internet führen. Damit ist die Unterrichtsreihe nicht medienkritisch, sondern ein wertvoller Beitrag, eine – im positiven Sinne – kritsche Medienkompetenz aufzubauen und über Potentiale und Gefahren (digitaler) Medien zu reflektieren.

Herrn Rehmsen sei seine Bemerkung verziehen. Aus Sicht der „traditionellen“ Medien ist es wahrscheinlich zielführender unter dem Label Medienkompetenz vor den Gefahren jugendgefährdender Inhalte und datenhungriger Netzwerke zu warnen, als Jugendliche dazu zu ermuntern den Wahrheitsgehalt öffentlich-rechtlichen und privaten Infotainments zu hinterfragen…