Wir haben die Revolution verschlafen

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Gerade ist viel Aufbruch und Bewegung im Thema „Digitale Bildung in der Schule“. Das ist gut und richtig. Der Herbst ist voll mit BarCamps zum Thema und viele Schulen und Lehrkräfte nutzen den Schwung des Schuljahresanfang, sich noch einmal Gedanken zum Thema zu machen. Und diese auch in der Schulentwicklung oder einfach nur in kleinen Versuchen im Unterricht umzusetzen.

In diese Atmosphäre hinein veröffentlich die OECD wieder einmal eine PISA-Auswertung. Die Kernbotschaft darin: Technik alleine hilft nicht. Es geht um die Pädagogik. Richtig. Man könnte es auch anders sagen: Wir machen Schule nicht, damit da Computer geutzt werden. Wir machen Schule, damit Kinder und Jugendliche das Lernen, was sie für ein erfolgreiches Leben in unserer Gesellschaft benötigen. In einer sich verändernden Welt benötigt Schule daher auch andere Herangehensweisen und die können wahrscheinlich mit IT sinnvoll unterstützt werden.

Was aber bisher keinen gestört hat an derVeröffentlich der OECD ist eine kleine Zahl: 4,2 Schüler teilen sich demnach einen Computer in einer deutschen Schule. Damit liege Deutschland – mal wieder und wen wundert das noch – im unteren Drittel.

All jene, die diese Zahl gestern nachgedruckt (oder wie sagt man das digital?) haben, haben wahrscheinlich im letzte Herbst auch über die ICILS-Ergebnisse geschrieben. Da wurde auch gezählt. Ergebnis: 11 Schüler teilen sich einen Rechner. Noch älter sind die letzten Zahlen vom BMBF. Da haben fleißige Hände auch 11 Schüler vor jedem Rechner gezählt. Wir haben also Zahlen aus 2006 (BMBF), 2012 (PISA) und 2013 ICILS. Und wenn das alles stimmt, dann hat die Revolution in der digitalen Bildung 2012 stattgefunden, als kurzfristig unzählige Computer in Schulen vorhanden waren. Ich habe das mal aufgemalt…

Bildschirmfoto 2015-09-16 um 09.01.38Gemerkt hat das wohl keiner. Weder 2012 in der Schule, noch gestern beim nachbeten der neuen Zahlen – die älter sind als die der ICILS-Studie aus dem Herbst.

Wie es zu diesen Zahlen kommt, weiß ich noch nicht. Ich versuche das mal rauszukriegen.

Aber drüber nachdenken, was da so alles geschrieben wird, könnte man schon.

 

 

BYOD oder Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen

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Lernifra5Unter dem Schlagwort BYOD – Bring your own device hat das Projekt School IT Rhein Waal, an dem ich in den letzten 2 1/2 Jahren intensiv gearbeitet habe, einige Sichtbarkeit erlangt und Interesse hervorgerufen. Dazu gehört auch, dass es in der Transferphase nicht nur Einzelschulen waren, die Interesse gezeigt haben, sondern oft Kommunen, die hier neue Lösungen für Lerninfrastrukturen an ihren Schulen kennen lernen wollten.

Mit der Fachtagung „Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen“ am 25.9.2014 hat nun die Schlussphase des Projektes begonnen. Ca. 170 Interessierte waren in das neuen Audimax am Campus Duisburg gekommen, um erst im Plenumsteil nicht nur in unser Projekt zu schauen, sondern auch Einblicke in anderen Projekte zu nehmen, die sich ebenfalls mit den Möglichkeiten von Tablets und Smartphones im Unterricht beschäftigt haben. Am Nachmittag standen in den Workshops dann die Erfahrungen der Projektschulen in Moers und Xanten und von Transfer-Schulen und -Kommunen im Mittelpunkt. Die Veranstaltung ist hier dokumentiert und hier ist ein Teil des Medienechos zusammengefasst.

Wir haben insgesamt versucht deutlich zu machen: Im Projekt ging es zwar auch darum, eine WLAN-Infrastruktur zu schaffen, die das Einbinden privater Geräte erlaubt. Wichtiger aber war es, in den Schulen Strategien zu entwicklen, wie mit einer heterogenen Vielfalt an Geräten im Unterricht gut gearbeitet werden kann. Dabei wurde in den Projektschulen auch deutlich: BYOD ist immer nur eine Ergänzung zur schulischen Ausstattung, kann dabei aber der entscheidende Baustein sein, um digitale Medien im Klassenraum zu verankern. Zudem wurde deutlich: Genauso wie andere technische Konzepte hat auch BYOD das Potential Lehrer zu untersützten einen schülerzentrierteren, projektorientierteren und an individuellen Bedürfnissen ausgerichteten Unterricht zu gestalten. Automatisch passiert das aber nicht. Vielmehr mussten sich die Projektteams in den Schulen zunächst darauf verständigen, wie sie den Unterricht in den Projektklassen gestalten wollen, dann konnten Smartphones und Tablets als Werkzeuge in Schülerhand auch einen Beitrag leisten.

Ich bin gespannt, was in den nächsten Wochen und Monaten in den beiden deutschen Pilotschulen passiert. Pläne zur Weiterentwicklung haben beide. Noch mehr bin ich aber gespannt, wie sich die Idee weiterverbreitet und verbreiten lässt. Auch hier gilt wohl: Ein Selbstläufer ist das zunächst nicht, sondern erfordert Unterstützung und Vernetzung der Schulen und Kommunen.

Ein sehr erfreulicher Nebeneffekt der Fachtagung: Wir konnten so die vor vier Jahren in Duisburg begonnene Reihe der Workshops „Lerninfrastruktur an Schulen“ vorsetzen. Damals in Duisburg haben wir als Workshop im Rahmen der DeLFI 2010 mit vielleicht 20 Personen zusammengesessen und diskutiert. Weitere Stationen waren dann die DeFLI in Dresden und Hagen und die GMW in Frankfurt. Glücklich waren wir mit der Lösung nie wirklich. Die DeLFI war eine gute Heimat für den Workshop, aber als Konferenz der GI  zog sie vor allem Informatiker an. Die GMW wiederrum ist eher auf den Hochschulbereich ausgerichtet. Dazu kommt: Für Lehrkräfte ist das Format ungewohnt. In diesem Jahr haben wir den Workshop dann als eigenständige Verstaltung im Kontext eines Projektes gemacht. Damit haben wir dann tatsächlich Lehrkräfte in großer Zahl erreicht und auch der Wissenschaft Raum gegeben. Ich bin gespannt, ob wir das so als Format weiteführen können.

 

Workshop „Lerninfrastruktur in Schulen“

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Mein erster Workshop auf einer Konferenz liegt hinter mir. Puh! Konkret: der erste Workshop den ich organisiert habe und auf dem ich auch einen Beitrag geleistet habe. Aufregend war da schon. Auch weil es neu war. Fachtagungen, Workshops bei SaN da wusste ich ja irgendwann, wie das geht, aber eine wissenschaftlichen Konferenz, das war dann doch ein neues Format.

Gefreut hat mich, dass auch ganz am Ende der dreitägigen Konferenz Interaktive Kulturen, als viele der wohl über 500 Teilnehmer schon auf dem Heimweg waren, das Duisburg Learning Lab noch gut gefüllt war.

Die Konferenz insgesamt war spannend und ich habe einige sehr anregende Beiträge gehört. Es scheint aber in der Natur der Sache zu liegen, dass auch Sessions die einen Obertitel haben Beiträge bieten, die sehr unterschiedliche Themen adressieren. Ich glaube uns (dem Organisationskommitee an dem auch noch Herr Breiter, Herr Kerres, Frau Schulz-Zander und Herr Welling beteiligt waren) ist es gelungen, fünf Beiträge zusammenzubringen, die das Thema „Lerninfrastruktur an Schulen“ nicht nur aus unterschiedlichen Perspektiven darstellten und unterschiedliche Akzente setzten, sondern insgesamt, die Thematik umfassend darstellten. In der Diskussion der Einzelbeiträge und der abschließenden Diskussion wurde dann auch sehr deutlich, wie wichtig es ist, bei der nachhaltigen Integrationen digitaler Medien in den Alltag von Schulen, eine systemische Perspektive einzunehmen, die nicht nur die einzelne Schule wahrnimmt, sondern auch ihre Eingebundenheit in ein Gesamtsystem, das sich von der Ebene der Einzelschule über den kommunalen Schulträger, die bildungspolitischen Institutionen auf Landesebene bis hin zu Bund und internationalen Organisationen erstreckt.

Die drei zentralen Beiträge kamen von Alfons Musolf und Claus Bauer, die sehr praxisorientiert aus Schulen berichteten, die Medienarbeit aktiv gestalten und dabei sehr unterschiedliche Entwicklungsstände erreicht haben und Wolfgang Vaupel, der die konkreten Unterstützungsangebote und Strategien der Medienberatung NRW darstellte. Herr Welling und ich haben mit unseren Beiträgen am Anfang und Ende versucht den Rahmen zu schaffen und den Blick von der Einzelschule auf das Gesamtsystem zu lenken.

Besonders danken möchte ich Frau Schulz-Zander. Nicht nur für die sehr nette Moderation des Nachmittags, sondern auch für den gelassenen Rückblick am Ende: Viele der Fragen seien ähnlich bereits vor 40 Jahren diskutiert worden als Technik erstmal den Weg in die Schule antragt. Das muss nicht entmutigen, denn es heißt nicht, dass es keine Lösungen gab und gibt, sondern das es für Schulen immer wieder eine Herausforderung ist, sich auf veränderte Bedingungen einzustellen, dass es aber nichtsdestotrotz wichtig ist, an der Entwicklung der Schulen weiterzudenken und Schulen zu unterstützen, eine möglichst gut Schule für ihre Zeit zu sein.

Aber das mache ich heute nicht mehr. Der RE1 von Duisburg nach Köln, der diese Strecke normalerweise in 45 Minuten zurücklegt, ist heute aufgrund eines Problems mit einem ICE vor uns nach nunmehr mehr als 3 Stunden in Düsseldorf angekommen… Wenn das hier online geht, bin ich immerhin wieder in Köln.