Die reine Lehre – oder: Ich hab da mal ne Frage

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Letzte Woche war ich auch 2x in Sachen Edutags unterwegs. Auf der Moodlemoot habe ich in Münster Edutags vorgestellt und gezeigt, wie wir mit den Schnittstellen, die wir in der letzten Zeit gebaut haben, Ergebnislisten in ein LMS (sprich: Moodle) integrieren kann. Uwe Klemm und Carola Brunnbauer berichten. Auf dem Kölner Educamp kam dann auch eine Session zu Edutags im OER-Slot zustande.

Und da hat dann Torsten Larbig einen Wunsch geäußert, der mit nicht aus dem Kopf will: Er wünscht sich als Lehrer, der selbst Bildungsressourcen frei im Netz veröffentlicht ein Plugin (z.B. für WordPress), das es ihm erlaubt, seine Inhalte direkt auf edutags zu veröffentlichen. Und ich höre den Aufschrei:

„Aber dann ist es kein echtes social bookmarking mehr! Verrat der reinen Lehre! Verfall der Sitten! Untergang des christlichen Abendlandes!“

Und doch verfängt die Idee: Müsste man nicht denen, die etwas anzubieten haben, den Zugang zu einem solchen Verweissystem ermöglichen? Die Abgrenzung zu anderen Plattformen wäre das, was den Bildungsserver schon immer ausgezeichnet hat: Verweis auf Inhalt, nicht die Inhalte selbst. Dann hätten wir einen Marktplatz für freie Produzenten neben den leuchten Shoppingmalls der Konzerne. Oder dürfen die auch auf den Markt…

Wie gesagt: Noch nicht zu Ende gedacht… aber vielleicht Anlass zu Diskussionen.

Mein erstes Mal – oder von revolutionären Sprüngen und permanentem Wandel

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So, nun war ich also auch mal auf einem Educamp. Und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal. Spannend war es. Ich habe in zwei Tagen eine Menge Eindrücke gesammelt, die in Ruhe überdacht sein wollen. Ich habe mich gefragt, wieso z.B. Lehrerfortbildung oder auch mal Unterricht nicht so (un-)organisiert werden können. Wenn ich am Ende des Tages in einem Satz zusammenfassen müsste, was das besondere an der Lernsituation „Educamp“ für mich ist, dann würde ich sagen: Da wird den Leuten zugetraut, die Zeit, den Raum zum Lernen zu nutzen. Da wird darauf vertraut, dass da Leute sind, die etwas lernen wollen.

Mandy und ich haben eine Session zum Thema „Bring your own device“ angeboten. Eine ausführliche Auswertung und Dokumentation (auch als Audiomitschnitt – Danke an Tim) folgen. Überrascht war ich, welch großen Anklang die Session gefunden hat. Der Saal war voll, die Diskussion war angeregt und wir haben in einer dreiviertel Stunde viele, viele wichtige Aspekte des Themas angeschnitten. Zu Ende diskutieren ließ sich da leider wenig, aber wir sind optimistisch, dass sich die Diskussion zumindest mit einem Teil der Leute auch online fortsetzen lässt.

Auf einen kleinen Aspekt möchte ich aber im Vorgriff auf die Zusammenfassung hier schon eingehen: Ausgehend von der Aussage eines Teilnehmers, die „alten“ 1:1-Klassen, in denen Schüler mit standardisierten, über die Schule administrierten Endgeräten arbeiten, seien nur eine Zwischenstation, kam die Frage auf, was denn dann das „Ziel“ sei. Oder ob man sich nicht eigentlich eingestehen müsse: Das einzig beständige sei der Wandel. Das wiederum rief Widerspruch hervor: Wenn es nur einen permanenten Wandel gibt, dann gäbe es keine revolutionären Sprünge mehr und die seien für große Entwicklungen nun einmal wichtig.

Und da sind wir mitten drin ein einem Dilemma. Schule sehnt sich nach Kontinuität, nach Stabilität, die sie immer weniger „bekommt“. Allein zu akzeptieren, dass der Wandel konstant und stabil ist, ist das schon eine Herausforderung. An revolutionäre Sprünge scheint da kein Denken zu sein. Andererseits: Die, die Notwendigkeit von Veränderungen sehen, wollen diese auch umgehend und radikal. Und sei es auch nur, um sich selbst mit der eigenen Revolution identifizieren und vom „Alten“ abheben zu können.

Ich selbst hänge ja auch eher an der Idee des langsamen, aber stetigen Wandels, der nicht einfach so und von alleine kommt, sondern auch gestaltet und vorangetrieben werden will. Sehr versöhnlich fand ich aber den sehr berechtigten Hinweis: Ob etwas eine Revolution war oder nicht. Das lässt sich wohl immer erst im historisch einordnenden Rückblick sagen.

In diesem Sinne: Die Session war für uns ein wichtiger Ansporn, dass wir (z.B. mit School IT Rhein Waal) den richten Weg eingeschlagen haben. Sie hat uns sehr lebhaft gezeigt, dass da Leute sind, die die Idee zu einer Bewegung machen können – vor allem, wenn es gelingt, sie über die einzelnen Schulen hinaus in Dialog zu bringen. Der Rest ist dann irgendwann Geschichte.

Und nochmals: Vielen Dank an alle für’s Mitdiskutieren. Es hat mich sehr gefreut ein paar alte Bekannte wieder zu sehn und zu so manchem Namen nun auch eine Stimme und ein Gesicht und ein begeistertes Leuchten in den Augen zu haben.

Nachtrag: Mandys ausführliche Zusammenfassung zur Session und der Audiomitschnitt der Session von Tim. (Danke!)