BYOD oder Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen

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Lernifra5Unter dem Schlagwort BYOD – Bring your own device hat das Projekt School IT Rhein Waal, an dem ich in den letzten 2 1/2 Jahren intensiv gearbeitet habe, einige Sichtbarkeit erlangt und Interesse hervorgerufen. Dazu gehört auch, dass es in der Transferphase nicht nur Einzelschulen waren, die Interesse gezeigt haben, sondern oft Kommunen, die hier neue Lösungen für Lerninfrastrukturen an ihren Schulen kennen lernen wollten.

Mit der Fachtagung „Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen“ am 25.9.2014 hat nun die Schlussphase des Projektes begonnen. Ca. 170 Interessierte waren in das neuen Audimax am Campus Duisburg gekommen, um erst im Plenumsteil nicht nur in unser Projekt zu schauen, sondern auch Einblicke in anderen Projekte zu nehmen, die sich ebenfalls mit den Möglichkeiten von Tablets und Smartphones im Unterricht beschäftigt haben. Am Nachmittag standen in den Workshops dann die Erfahrungen der Projektschulen in Moers und Xanten und von Transfer-Schulen und -Kommunen im Mittelpunkt. Die Veranstaltung ist hier dokumentiert und hier ist ein Teil des Medienechos zusammengefasst.

Wir haben insgesamt versucht deutlich zu machen: Im Projekt ging es zwar auch darum, eine WLAN-Infrastruktur zu schaffen, die das Einbinden privater Geräte erlaubt. Wichtiger aber war es, in den Schulen Strategien zu entwicklen, wie mit einer heterogenen Vielfalt an Geräten im Unterricht gut gearbeitet werden kann. Dabei wurde in den Projektschulen auch deutlich: BYOD ist immer nur eine Ergänzung zur schulischen Ausstattung, kann dabei aber der entscheidende Baustein sein, um digitale Medien im Klassenraum zu verankern. Zudem wurde deutlich: Genauso wie andere technische Konzepte hat auch BYOD das Potential Lehrer zu untersützten einen schülerzentrierteren, projektorientierteren und an individuellen Bedürfnissen ausgerichteten Unterricht zu gestalten. Automatisch passiert das aber nicht. Vielmehr mussten sich die Projektteams in den Schulen zunächst darauf verständigen, wie sie den Unterricht in den Projektklassen gestalten wollen, dann konnten Smartphones und Tablets als Werkzeuge in Schülerhand auch einen Beitrag leisten.

Ich bin gespannt, was in den nächsten Wochen und Monaten in den beiden deutschen Pilotschulen passiert. Pläne zur Weiterentwicklung haben beide. Noch mehr bin ich aber gespannt, wie sich die Idee weiterverbreitet und verbreiten lässt. Auch hier gilt wohl: Ein Selbstläufer ist das zunächst nicht, sondern erfordert Unterstützung und Vernetzung der Schulen und Kommunen.

Ein sehr erfreulicher Nebeneffekt der Fachtagung: Wir konnten so die vor vier Jahren in Duisburg begonnene Reihe der Workshops „Lerninfrastruktur an Schulen“ vorsetzen. Damals in Duisburg haben wir als Workshop im Rahmen der DeLFI 2010 mit vielleicht 20 Personen zusammengesessen und diskutiert. Weitere Stationen waren dann die DeFLI in Dresden und Hagen und die GMW in Frankfurt. Glücklich waren wir mit der Lösung nie wirklich. Die DeLFI war eine gute Heimat für den Workshop, aber als Konferenz der GI  zog sie vor allem Informatiker an. Die GMW wiederrum ist eher auf den Hochschulbereich ausgerichtet. Dazu kommt: Für Lehrkräfte ist das Format ungewohnt. In diesem Jahr haben wir den Workshop dann als eigenständige Verstaltung im Kontext eines Projektes gemacht. Damit haben wir dann tatsächlich Lehrkräfte in großer Zahl erreicht und auch der Wissenschaft Raum gegeben. Ich bin gespannt, ob wir das so als Format weiteführen können.

 

Die reine Lehre – oder: Ich hab da mal ne Frage

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Letzte Woche war ich auch 2x in Sachen Edutags unterwegs. Auf der Moodlemoot habe ich in Münster Edutags vorgestellt und gezeigt, wie wir mit den Schnittstellen, die wir in der letzten Zeit gebaut haben, Ergebnislisten in ein LMS (sprich: Moodle) integrieren kann. Uwe Klemm und Carola Brunnbauer berichten. Auf dem Kölner Educamp kam dann auch eine Session zu Edutags im OER-Slot zustande.

Und da hat dann Torsten Larbig einen Wunsch geäußert, der mit nicht aus dem Kopf will: Er wünscht sich als Lehrer, der selbst Bildungsressourcen frei im Netz veröffentlicht ein Plugin (z.B. für WordPress), das es ihm erlaubt, seine Inhalte direkt auf edutags zu veröffentlichen. Und ich höre den Aufschrei:

„Aber dann ist es kein echtes social bookmarking mehr! Verrat der reinen Lehre! Verfall der Sitten! Untergang des christlichen Abendlandes!“

Und doch verfängt die Idee: Müsste man nicht denen, die etwas anzubieten haben, den Zugang zu einem solchen Verweissystem ermöglichen? Die Abgrenzung zu anderen Plattformen wäre das, was den Bildungsserver schon immer ausgezeichnet hat: Verweis auf Inhalt, nicht die Inhalte selbst. Dann hätten wir einen Marktplatz für freie Produzenten neben den leuchten Shoppingmalls der Konzerne. Oder dürfen die auch auf den Markt…

Wie gesagt: Noch nicht zu Ende gedacht… aber vielleicht Anlass zu Diskussionen.

Mein erstes Mal – oder von revolutionären Sprüngen und permanentem Wandel

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So, nun war ich also auch mal auf einem Educamp. Und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal. Spannend war es. Ich habe in zwei Tagen eine Menge Eindrücke gesammelt, die in Ruhe überdacht sein wollen. Ich habe mich gefragt, wieso z.B. Lehrerfortbildung oder auch mal Unterricht nicht so (un-)organisiert werden können. Wenn ich am Ende des Tages in einem Satz zusammenfassen müsste, was das besondere an der Lernsituation „Educamp“ für mich ist, dann würde ich sagen: Da wird den Leuten zugetraut, die Zeit, den Raum zum Lernen zu nutzen. Da wird darauf vertraut, dass da Leute sind, die etwas lernen wollen.

Mandy und ich haben eine Session zum Thema „Bring your own device“ angeboten. Eine ausführliche Auswertung und Dokumentation (auch als Audiomitschnitt – Danke an Tim) folgen. Überrascht war ich, welch großen Anklang die Session gefunden hat. Der Saal war voll, die Diskussion war angeregt und wir haben in einer dreiviertel Stunde viele, viele wichtige Aspekte des Themas angeschnitten. Zu Ende diskutieren ließ sich da leider wenig, aber wir sind optimistisch, dass sich die Diskussion zumindest mit einem Teil der Leute auch online fortsetzen lässt.

Auf einen kleinen Aspekt möchte ich aber im Vorgriff auf die Zusammenfassung hier schon eingehen: Ausgehend von der Aussage eines Teilnehmers, die „alten“ 1:1-Klassen, in denen Schüler mit standardisierten, über die Schule administrierten Endgeräten arbeiten, seien nur eine Zwischenstation, kam die Frage auf, was denn dann das „Ziel“ sei. Oder ob man sich nicht eigentlich eingestehen müsse: Das einzig beständige sei der Wandel. Das wiederum rief Widerspruch hervor: Wenn es nur einen permanenten Wandel gibt, dann gäbe es keine revolutionären Sprünge mehr und die seien für große Entwicklungen nun einmal wichtig.

Und da sind wir mitten drin ein einem Dilemma. Schule sehnt sich nach Kontinuität, nach Stabilität, die sie immer weniger „bekommt“. Allein zu akzeptieren, dass der Wandel konstant und stabil ist, ist das schon eine Herausforderung. An revolutionäre Sprünge scheint da kein Denken zu sein. Andererseits: Die, die Notwendigkeit von Veränderungen sehen, wollen diese auch umgehend und radikal. Und sei es auch nur, um sich selbst mit der eigenen Revolution identifizieren und vom „Alten“ abheben zu können.

Ich selbst hänge ja auch eher an der Idee des langsamen, aber stetigen Wandels, der nicht einfach so und von alleine kommt, sondern auch gestaltet und vorangetrieben werden will. Sehr versöhnlich fand ich aber den sehr berechtigten Hinweis: Ob etwas eine Revolution war oder nicht. Das lässt sich wohl immer erst im historisch einordnenden Rückblick sagen.

In diesem Sinne: Die Session war für uns ein wichtiger Ansporn, dass wir (z.B. mit School IT Rhein Waal) den richten Weg eingeschlagen haben. Sie hat uns sehr lebhaft gezeigt, dass da Leute sind, die die Idee zu einer Bewegung machen können – vor allem, wenn es gelingt, sie über die einzelnen Schulen hinaus in Dialog zu bringen. Der Rest ist dann irgendwann Geschichte.

Und nochmals: Vielen Dank an alle für’s Mitdiskutieren. Es hat mich sehr gefreut ein paar alte Bekannte wieder zu sehn und zu so manchem Namen nun auch eine Stimme und ein Gesicht und ein begeistertes Leuchten in den Augen zu haben.

Nachtrag: Mandys ausführliche Zusammenfassung zur Session und der Audiomitschnitt der Session von Tim. (Danke!)

Polynesisches Segeln

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Während die Weltöffentlichkeit – zumindest der Teil, der sich für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien interessiert – am vergangenen Donnerstag nach New York schaute, ging ein anderes Ereignis eher unbemerkt vonstatten. Doch für die, die dabei waren, war am Ende des Tages klar: Wir haben uns da auf eine spannende Reise gemacht. Und die Ereignisse in New York werden dabei sicher eine Rolle spielen.

Über Apples Initiative haben bereits Viele geschrieben. Besonders gefallen hat mit die Zusammenfassung von Beat. In der Tat könnte die Initiative dem Lehren und Lernen mit digitalen Medien einen Schub geben. Aber es gibt auch ein paar Fragen, die mir bisher wenig beantwortet wurden:

  1. Es ist ja toll, dass mit ibook Author jetzt multimediale Lerninhalte „ganz einfach“ erstellt werden können. Aber Lerneinheiten mit eingebundenen Videos, Animationen, Simulationen, die gibt es schon. Hier oder hier, etwa. Es mag ja einfacher sein, die Elemente zu einem Buch zusammenzustellen. Aber die Arbeit, die Animation zu planen und zu gestalten bleibt… und sie bleibt aufwendig.
  2. Aus Apples Sicht mag es ausreichen, das Schulbuch zu digitalisieren und den Verkauf über den eigenen Shop zu kanalisieren. Betriebswirtschaftlich kann das wahrscheinlich ein guter Wurf sein. Aber ist die Vision vom neuen Lernen mit Medien wirklich die, dass Schüler in multimedialen Büchern blättern? Die kommunizierte Idee: Der Lehrer (am MacBook) produziert Lehrinhalte, die der Schüler am ipad konsumiert. OK… aber da geht mehr, oder? Dann braucht aber auch der Schüler in MacBook. Das wird teuer.

Beim Kick off zum Projekt School IT Rhein Waal, über das Mandy bereits berichtet hat, haben wir etwas anderes beschlossen –  und mich hat es sehr gefreut, dass die vier im Projekt versammelten Schulen gemeinsam diesen, wie ich finde, radikalen Schritt gewagt haben. Wir werden in den Schulen Pilotklassen einrichten, in denen jedes Kind sein eigenes privates Gerät mitbringen darf und soll. Egal, ob das ein Netbook ist, ein Laptop, ein Tablet oder ein Smartphone. So, werden in diesen Klassen Geräte vorhanden sein, mit denen man Filme drehen kann, andere eigenen sich gut für das Erstellen von Texten und Grafiken, wieder andere sind als schnelle Zugänge zum Internet für kurze Recherchen geeignet und mit allen kann man auf online kommunizieren.

Die Frage war einen kleinen Moment, ob es im Projekt heißen würde: Bring your own tablet  der Marke x. Oder: Bring your own netbook with min. 10 Zoll-Screen und einem Betreibssystem, das in der Lage ist eine Officesoftware aus dem Hause Y zu starten.

Aber, so war dann doch der Konsens: Spannend wird es erst, wenn wir in die Rücksäcke der Schüler schauen, wenn wir schauen, welche Geräte dort sind und wie sie im Unterricht in unterschiedlicher Weise zum Einsatz kommen können. Sicher werden sich da manche Geräte als geeigneter erweisen als andere. Manche werden eine Nische finden, für die sie genutzt werden können. Aber dieses Vorgehen, so die einhellige Meinung, bringt auch die Offenheit, neue technische Innovationen nicht als „Gegner“ des bisher erreichten zu sehen, sondern als weitere Bereicherung und Möglichkeit. Und wenn sich Lehrer und Schüler auf die Heterogenität einlassen können, dann lassen sie sich auch einfach auf die Entwicklungen ein, die wir im Alltag erleben.

Die Reise ist spannend, denn wir kennen das Ziel nicht. Jedes Ziel, dass wir als konkreten Fixpunkt jetzt definieren könnten, wäre nur ein Ziel, das sich aus dem in der Vergangenheit erreichten definieren lässt. Die Klassen im Projekt werden sich auf den Weg machen, neue Ziele zu entdecken. So, wie einst in Polynesien gesegelt wurde.

 

Brustimplantate

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Zugegeben: Die Überschrift steht nur da, um Aufmerksamkeit zu erheischen. Aber sie hat auch eine kleine Berechtigung (s.u.). Ich kann ja schlecht schreiben: Guckt mal! Ich war im Fernsehen… könnte ich schon, wäre aber eitel.

Worum geht es: Gestern hat die WDR Lokalzeit Ruhr einen Bericht über unser Projekt, die Medienscouts NRW, gebracht und ich war als Studiogast zum anschließenden Interview da. Man kennt das ja: Was passt schon in einen Drei-Minuten-Beitrag von einem monatelangen Projekt? Und was kann man in 3 Minuten Interview sagen, bei dem das Vorgespräch schon um ein Vielfaches länger gedauert hat? Aber in diesem Fall muss ich beide loben: Toni Antoniou, den Journalisten, der den Beitrag gemacht und Lars Tottmann, der die Sendung moderiert hat. Denn beide haben eine Haltung eingenommen, die mir sehr gefallen hat und die mir in vielen Medienberichten zum Thema Jugendliche und Soziale Netze oft fehlt. Da wird immer über die Gefahren berichtet, über die Opfer von Cybermobbing, über Datenklau und Anmache im Internet, über Strafanzeigen wegen ungewollter Parties und verbauter Karrieren wegen Sauffotos im Internet. Je schlimmer der Fall, je auswegloser die Situation, je böser „DAS INTERNET“, umso besser.

Ganz anders gestern: Faszination Facebook ist für Jugendliche Alltag und für Erwachsene fremd und damit bedrohlich. Jugendliche können anderen Jugendlichen helfen einen sicheren Weg durch das Internet zu weisen und dabei selbst aktiv und kreativ die Möglichkeiten digitaler Medien nutzen. Schulen können ihren Schülern helfen, einfach schon indem sie sich dem Thema annehmen, darüber sprechen, es zum Thema machen, und bei Eltern geht es gar nicht so sehr darum, zu kontrollieren, sondern im Kontakt mit ihren Kindern zu bleiben – und ihnen dann die Freiheit zu gehen, sich zu erproben und ihre Freiräume zu erobern. Ich fand Bericht und Interview sehr konstruktiv und ressourcenorientiert.

Das als Sender so rüber zu bringen, ist nicht so reißerisch, wie das weinende Mobbingopfer und die Mutter mit dem entsetzend Blick, aber es hilft auch bei der Zielgruppe der Lokalzeit, um Verständnis zu werben, für die Medienerfahrung und die Mediennutzung der Jugendlichen heute. So stelle ich mir guten Journalismus vor. Und das muss einfach mal anerkennend gesagt werden.

Aufklären muss ich jetzt noch die Überschrift: 3x wurde unser Beitrag verschoben, weil aktuelleres sich in den Vordergrund drängte – oder wie die Redakteurin formulierte: „Ihr Thema ist ja dauerhaft aktuell…“ Zuerst wurden wir verschoben, weil tote Fische im Baldeneysee in Essen umhertrieben. Danach gab es eine Trittbrettfahrer zum Amoklauf in Lüttich, der einen Tag lang eine Schule in Aufruhr brachte und letzte Woche flogen wir zum dritten Mal aus dem Programm: Wegen Brustimplantaten…

Keiner Wetterkarte glauben!

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Am Freitag endete mit einer gelungen Abschlusskonferenz das Projekt „Naturwissenschaften entdecken!“. Viele der Projektbeteiligten waren noch einmal in Bonn zusammen gekommen, auch ich als ehemaliger Projektleiter war eingeladen. Einerseits kann das Projekt sich auf einige positive Ergebnisse zurückblicken, die vor allem in den Bereichen der Vernetzung von Lehrkräften untereinander und mit der fachdidaktischen Forschung erzielt wurden und im Gefolge die Produktion hochwertiger Unterrichtsmaterialien ermöglichte. Doch nun geht es dem Projekt wie vielen Fördermaßnahmen: Die Förderschwerpunkte des Bundes haben sich verschoben und mit einem Schulterzucken wird bekannt gegeben: Ab jetzt haben wir eine andere Baustelle – in die wir die Erfahrungen aus dem Projekt selbstredend einbringen. Nun denn.

Eine kleine Episode hätte mir aber fast die Feierlaune verdorben. Ich möchte sie hier kurz berichten, weil sie einiges zur aktuellen Diskussion um Medienkompetenz aussagt – und darüber, wie unterschiedlich diese definiert wird.

Prof. de Lange aus Osnabrück hat noch einmal Kartografix-Schule vorgestellt und gezeigt, wie technisch unaufwändig Schülerinnen und Schüler damit eigene thematische Karten erstellen können. Besonders wichtig war im dabei, dass die Jugendlichen lernen, dass jede Karte nun ein individueller Blick auf das zugrundeliegende Datenmaterial darstellt, bzw. dass man mit Karten auch Aussagen manipulieren kann. Sehr schön verdeutlicht hat er das mit zwei Karten zur Verteilung der Hochschulabsolventen auf die Bundesländer. Mit drei Klassen ergab sich eine differenzierte Karte, die es erforderte sich weitere Gedanken um die Ursachen zu machen. Eine leichte Verschiebung der Klassen und eine Reduzierung auf nur zwei Klassen ergab eine beeindruckende Karte, die einen Gegensatz zwischen alten und neuen Bundesländern suggerierte.

In der Abmoderation durch Helmut Rehmsen, der durch den Tag führte, meinte dieser, Herr de Lange sei aber sehr medienkritisch und würde sicher keiner Wetterkarte glauben. Ein paar Lacher hatte damit auf seiner Seite, und ohne Diskussion ging es weiter im Programm.

Ich denken jedoch nicht, dass das was Herr de Lange gezeigt hat medienkritisch ist, sondern eher ein wichtiger Beitrag dazu, Jugendliche dafür zu sensibilisieren, wie dünn das Eis sein kann, auf das einen Daten und Informationen aus dem Internet führen. Damit ist die Unterrichtsreihe nicht medienkritisch, sondern ein wertvoller Beitrag, eine – im positiven Sinne – kritsche Medienkompetenz aufzubauen und über Potentiale und Gefahren (digitaler) Medien zu reflektieren.

Herrn Rehmsen sei seine Bemerkung verziehen. Aus Sicht der „traditionellen“ Medien ist es wahrscheinlich zielführender unter dem Label Medienkompetenz vor den Gefahren jugendgefährdender Inhalte und datenhungriger Netzwerke zu warnen, als Jugendliche dazu zu ermuntern den Wahrheitsgehalt öffentlich-rechtlichen und privaten Infotainments zu hinterfragen…

Workshop „Lerninfrastruktur in Schulen“

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Mein erster Workshop auf einer Konferenz liegt hinter mir. Puh! Konkret: der erste Workshop den ich organisiert habe und auf dem ich auch einen Beitrag geleistet habe. Aufregend war da schon. Auch weil es neu war. Fachtagungen, Workshops bei SaN da wusste ich ja irgendwann, wie das geht, aber eine wissenschaftlichen Konferenz, das war dann doch ein neues Format.

Gefreut hat mich, dass auch ganz am Ende der dreitägigen Konferenz Interaktive Kulturen, als viele der wohl über 500 Teilnehmer schon auf dem Heimweg waren, das Duisburg Learning Lab noch gut gefüllt war.

Die Konferenz insgesamt war spannend und ich habe einige sehr anregende Beiträge gehört. Es scheint aber in der Natur der Sache zu liegen, dass auch Sessions die einen Obertitel haben Beiträge bieten, die sehr unterschiedliche Themen adressieren. Ich glaube uns (dem Organisationskommitee an dem auch noch Herr Breiter, Herr Kerres, Frau Schulz-Zander und Herr Welling beteiligt waren) ist es gelungen, fünf Beiträge zusammenzubringen, die das Thema „Lerninfrastruktur an Schulen“ nicht nur aus unterschiedlichen Perspektiven darstellten und unterschiedliche Akzente setzten, sondern insgesamt, die Thematik umfassend darstellten. In der Diskussion der Einzelbeiträge und der abschließenden Diskussion wurde dann auch sehr deutlich, wie wichtig es ist, bei der nachhaltigen Integrationen digitaler Medien in den Alltag von Schulen, eine systemische Perspektive einzunehmen, die nicht nur die einzelne Schule wahrnimmt, sondern auch ihre Eingebundenheit in ein Gesamtsystem, das sich von der Ebene der Einzelschule über den kommunalen Schulträger, die bildungspolitischen Institutionen auf Landesebene bis hin zu Bund und internationalen Organisationen erstreckt.

Die drei zentralen Beiträge kamen von Alfons Musolf und Claus Bauer, die sehr praxisorientiert aus Schulen berichteten, die Medienarbeit aktiv gestalten und dabei sehr unterschiedliche Entwicklungsstände erreicht haben und Wolfgang Vaupel, der die konkreten Unterstützungsangebote und Strategien der Medienberatung NRW darstellte. Herr Welling und ich haben mit unseren Beiträgen am Anfang und Ende versucht den Rahmen zu schaffen und den Blick von der Einzelschule auf das Gesamtsystem zu lenken.

Besonders danken möchte ich Frau Schulz-Zander. Nicht nur für die sehr nette Moderation des Nachmittags, sondern auch für den gelassenen Rückblick am Ende: Viele der Fragen seien ähnlich bereits vor 40 Jahren diskutiert worden als Technik erstmal den Weg in die Schule antragt. Das muss nicht entmutigen, denn es heißt nicht, dass es keine Lösungen gab und gibt, sondern das es für Schulen immer wieder eine Herausforderung ist, sich auf veränderte Bedingungen einzustellen, dass es aber nichtsdestotrotz wichtig ist, an der Entwicklung der Schulen weiterzudenken und Schulen zu unterstützen, eine möglichst gut Schule für ihre Zeit zu sein.

Aber das mache ich heute nicht mehr. Der RE1 von Duisburg nach Köln, der diese Strecke normalerweise in 45 Minuten zurücklegt, ist heute aufgrund eines Problems mit einem ICE vor uns nach nunmehr mehr als 3 Stunden in Düsseldorf angekommen… Wenn das hier online geht, bin ich immerhin wieder in Köln.

Kölner Doppelpack: lit.COLOGNE und Didacta

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Schnell war sie in diesem Jahr vorbei die lit.COLOGNE. Das kann aber auch damit zu tun haben, dass sich mit der Bildungsmesse didacta überschnitten hat. Die war dankenswerterweise in Köln, so das ein Besuch beider Veranstaltungen problemlos möglich war. Der Rückblick erfolgt daher auch auf beide Events gemeinsam.

Zunächst die Literatur

Mit fünf Veranstaltungen war ich diesmal dabei. Zwei Erkenntnisse:

1. Die Bedeutung der Moderation

Den Anfang machte Martin Suter in den Rheinterassen. Der Saal ist mit immer wieder zu groß und zu hallenartig für eine Lesung, aber wenn ich eben doch dem Massengeschmack folge, dann muss ich eben damit Leben, dass viele Leute neben mir sitzen. Martin Suter hatte es nicht leicht. Er musste sich mit einer Moderation herumschlagen, die wissen wollte, ob er in der edlen Küche seinem edlen Haus denn überhaupt Plastikutensilien habe. Sie wollte mit ihm diskutieren, ob „der Schweizer“ seine Identität denn nun eher aus dem Bankgeheimnis oder aus der Neutralität heraus definiere. Und sie musste vom Publikum deutlich zur Ordnung gerufen werden, als sie nachfasste („Doch doch, unser Publikum interessiert sich für den ganzen Martin Suter!“), wie es ihm denn nach dem Tod seines Sohnes ergangen sei. Obwohl der Autor klar und deutlich geäußert hatte, dass er dieses Thema für einen unterhaltsamen Abend für ungeeignet hielt.

Das geht so gar nicht.

Nach Suter kam McCarten. Hier zeigte die Moderation wie man es machen kann. Sie bot dem Autor eine Bühne und war sachkundige Stichwortgeberin. Ihre Ankündigung nach Lesung und Gespräch über Autor, Buch und Beruf natürlich auch alle wichtigen Fragen zu Leben, Hobby und Marotten zu stellen, war offensichtlich ironisch gemeint. War sie zuvor auch bei Suter gewesen?  Der Autor selbst war erstaunlich zurückhaltend und doch unterhaltsam.

Und die dritte Lesung mit Moderation: Nick Hornby. Knauzig saß der Autor auf der Bühne, kratzte immer wieder seinen kahlen Schädel und hatte Spaß. Spaß am Lesen, am Erzählen, am Wechselspiel mit dem Moderator, der seine Rolle wunderbar ausfüllte. Da saßen zwei auf der Bühne, die vor allem ein Ziel hatten: Gute Unterhaltung abzuliefern. Und das gelang! Unterstützt wurden sie dabei von Hornbys deutscher Stimme. Das wurde in aller bester Hörbuchqualität vorgelesen. Und die hört man ja in manchem Hörbuch noch nicht.

2. Autoren dürfen auch Alleine auf die Bühne

Gleich zwei Veranstaltungen kamen ganz ohne Moderation aus und es ist schön zu sehen, dass es Autoren gibt, die nicht nur Bücher sondern auch Bühnen ausfüllen. Zuerst die Kinderabteilung: KNISTER liest nicht, er erzählt, fabuliert, malt, tanzt, singt, rockt und beantwortet Fragen. Und er lässt es sich nicht anmerken, dass er ein Autor von Weltruhm ist. Vielmehr bringt er seine Freude und fast schon Verwunderung zum Ausdruck, dass er all diese schönen Bücher schreiben, Filme machen und vor allem Kinder immer wieder treffen darf. So sieht aktive Leseförderung aus!

In der Erwachsenenabteilung Wolf Haas. Eine Ein-Mann-Show mit einer ordentlichen Portion Selbstironie. Bisher habe ich noch keinen Autor erlebt, der auf der Bühne Leserpost (aus Internetforen) vorliest, die bescheinigen, dass er nur des Geldes wegen schreibt und obendrein noch schlechte Bücher. Die LitCologne-Macher hätten ihn nicht aufs Boot setzen müssen. Da wäre auch so keiner gegangen.

In zehn Jahren ist sie groß geworden die Lit. Sie gehört in den kölschen Jahreszyklus irgendwo zwischen Karneval und Spargelzeit… Ostern nicht vergessen, Herr Kardinal. Sie ist beständiger als der FC und (meist) pünktlicher als die KVB. Und bei all der Atmosphäre vergibt man ihr auch Thalia. Wer nachhören will: http://www.wdr.de/radio/home/podcasts/channelausspielung.phtml?channel=litcologne

Und nun noch die Bildungsmesse

Die größte war es wohl, mit über 100.000 Besuchern. Beeindruckend. Schwimmnudeln gab es dieses Jahr keine. Jedenfalls nicht kostenlos. Dafür Fähnchen. Weiß der Henker, was man damit macht. Aber ich habe Leute gesehen, die stolz dicke Bündel davon nach Hause schleppten. Beeindruckend. E-Learning, digitale Medien im Unterricht. Entweder waren sie kein Thema oder das ganz große Thema. Wie man das sehen will. Interaktive Whiteboards waren der Renner, wie schon im letzten Jahr. „Prima, da hab ich wieder alles im Griff und bin trotzdem modern!“, sagt der eine, der andere: „Teuer sind sie ja schon, aber so kann ich die Schüler nochmal so richtig beeindrucken.“ Das sind Anfänge, aber keine Ziel. Würde ich mal sagen.

Der Lehrstuhl war ebenfalls mit einem Stand vertreten. Der lag zwar ein wenig in der Ecke, aber gleich am Forum E-Learning, war klar und übersichtlich gestaltet und wurde – und das kann sicher nicht jeder Stand von sich behaupten – immer wieder gezielt angesteuert. So macht Standdienst Spass, wenn nicht einfach nur Gummibärchen, Fähnchen (!) und Messerabatte abgegriffen werden, sondern wenn Leute kommen und sagen: Gut, dass ich Sie gefunden haben, ich interessiere mich für Ihren Studiengang und habe da mal ein paar Fragen.

Vom SchülerVZ zur Forschungsfrage

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Gestern fand der Auftakt zum Schülerkolleg Pädagogik statt, das wir seit einigen Wochen vorbereitet haben. Über 60 Schülerinnen und Schüler bevölkerten einen Hörsaal, labten sich in der Mensa wuselten durch das LC-Gebäude und diskutierten im Learning Lab. Ein paar O-Töne der Jugendlichen und der begleitenden Lehrer haben wir hier eingefangen und Judith, die die meiste Arbeit in der Vorbereitung geleistet hat, hat ihre Erfahrung schon hier aufgeschrieben.

Die Selbstverständlichkeit der Jugendlichen im Umgang mit SchülerVZ, mit dem Internet zur Unterhaltung, Kommunikation und auch zum Lernen hat mich wenig überrascht. Begeistert war ich aber von der Ernsthaftigkeit mit der sie bei der Sache waren und der klare und kritische Blick auf Möglichkeiten und Grenzen des Internets. Schwer getan haben sich die 7. und 8.-Klässler, die ich betreut habe, zunächst, sich in Arbeitsgruppen mit Schülern anderer Schulen zusammen zu tun. Am Ende des Tages haben sie sich dann aber gewünscht, dass dies auch an den kommenden Kollegtagen möglich sein soll. Nicht nur weil es ihnen Spaß gemacht hat, sondern auch weil im Austausch mit anderen, die Diskussionen ergiebiger waren. Und das haben die Schüler so gesehen und selbst geäußert.

Herzlich willkommen in der vernetzten Forscher-Community. 😉

Denkwerk

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Unser noch junges Team vom „Schülerkolleg Pädagogik“ macht sich am vergangenen Freitag auf den Weg nach Stuttgart. Dort fand das 4- Denkwerksymposium statt, auf dem sich die verschiedenen Projekte des Denkwerks präsentierten. Wir stellten im Rahmen einer Posterausstellung unsere Idee und Konzept vor. Schüler, die an Projekten teilnahmen, die bereits fortgeschrittener sind, stellten in Vorträgen ihre Ergebnisse vor. Und das war schon beeindruckend! Die Schüler haben ein enormes Fachwissen erworben, haben Einblicke in das Uni-Leben bekommen und waren in der Lage, ihr Wissen souverän vor einem großen Auditorium zu präsentieren.

Noch spannender aber waren die zahlreichen Gespräche mit den Schülern am Rande. Hier wurde schnell deutlich, dass sie ein großes Interesse an der Zusammenarbeit hatten, bereit waren, sich engagiert in die Arbeit einzubringen, aber auch klare Forderungen nach Unterstützung stellten – sowohl an die Materialien, die Studenten, die in einigen Projekten als Bindeglied aktiv sind, aber auch an die Wissenschaftler und Professoren.

Ein Schüler brachte es auf den Punkt: Das Programm soll ja den Sprung von der Schule an die Uni erleichtern. Wenn das aber ein Sprung ins kalte Wasser ist, dann hilft das wenig, wenn er einfach ein paar Jahre früher passiert. Es wäre schon nett, wenn Sie uns auf dem Weg in die Uni ein wenig begleiten würden.

Wir werden es beherzigen! 😉