Hilde geht ins Internet

Veröffentlicht 2 KommentareVeröffentlicht in Netzwelt, Schulwelt
Mit Hilde* habe ich in den letzten drei Jahren den Karnevalszug der Grundschule organisiert. Anmeldungen schreiben, Kostüme planen, Kamelle kaufen, Strüsjer binden, kötten gehen… Insider wissen, worum es geht, alle anderen müssen das nicht. Jedenfalls hatten wir dabei eine Menge Spaß. Aber Hilde hat einen Fehler – aus meiner Sicht. Sie hat kein Internet. Terminabsprachen: Dafür haben unsere Anrufbeantworter tagelang miteinander kommuniziert! Abstimmung von Texten: Ausdruck machen, meiner Tochter mitgeben, hoffen, dass sie ihn an Hildes Sohn (Überwinden der Gendergrenze im 2. Schuljahr!) weitergibt und dass der dann Zuhause dran denkt, das Papier abzugeben. Hilde macht ihre Anmerkungen und der Postweg geht die umgekehrte Richtung. Da konnten locker mal Postlaufzeiten entstehen, die die Hauspost jeder öffentlichen Einrichtung als Expressdienst erscheinen lassen.
Aber Hilde bliebt dabei: Ich bin bis heute ohne Internet ausgekommen, also komme ich auch noch morgen ohne aus.
Klingt schlüssig und irgendwie ist es ja auch gegangen… und heute sagt Hilde so ganz nebenbei: Du kannst mir jetzt auch ne E-Mail schreiben! – und lächelt stolz-verlegen.
Wie jetzt? frage ich.
Ihre Töchter hat auf die weiterführende Schule gewechselt. Und da arbeiten die jetzt mehr mit Computern,sagt Hilde. Und auch die ganze Post für die Eltern kommt als E-Mail. Und weil Hilde weiß, wie wichtig es ist, ihre Tochter beim Lernen zu unterstützen und weil sie bereit ist, sich „dafür“ mit „dem ganzen Zeug“ auseinander zu setzen und weil so hofft, dabei auch noch was zu lernen, hat sie einen Computer gekauft und ein Internet bestellt. Und jetzt sitzen die beiden, Mutter und Tochter, vor dem Rechner. Noch geht das nicht so gut, sagt sie, aber das wird schon.

Was gemerkt, lieber Leser? Schule kann Medienkompetenz fördern, auch bei Eltern…

*Name vom Autor geändert!

Keiner Wetterkarte glauben!

Veröffentlicht Schreibe einen KommentarVeröffentlicht in Schulwelt, Vor Ort

Am Freitag endete mit einer gelungen Abschlusskonferenz das Projekt „Naturwissenschaften entdecken!“. Viele der Projektbeteiligten waren noch einmal in Bonn zusammen gekommen, auch ich als ehemaliger Projektleiter war eingeladen. Einerseits kann das Projekt sich auf einige positive Ergebnisse zurückblicken, die vor allem in den Bereichen der Vernetzung von Lehrkräften untereinander und mit der fachdidaktischen Forschung erzielt wurden und im Gefolge die Produktion hochwertiger Unterrichtsmaterialien ermöglichte. Doch nun geht es dem Projekt wie vielen Fördermaßnahmen: Die Förderschwerpunkte des Bundes haben sich verschoben und mit einem Schulterzucken wird bekannt gegeben: Ab jetzt haben wir eine andere Baustelle – in die wir die Erfahrungen aus dem Projekt selbstredend einbringen. Nun denn.

Eine kleine Episode hätte mir aber fast die Feierlaune verdorben. Ich möchte sie hier kurz berichten, weil sie einiges zur aktuellen Diskussion um Medienkompetenz aussagt – und darüber, wie unterschiedlich diese definiert wird.

Prof. de Lange aus Osnabrück hat noch einmal Kartografix-Schule vorgestellt und gezeigt, wie technisch unaufwändig Schülerinnen und Schüler damit eigene thematische Karten erstellen können. Besonders wichtig war im dabei, dass die Jugendlichen lernen, dass jede Karte nun ein individueller Blick auf das zugrundeliegende Datenmaterial darstellt, bzw. dass man mit Karten auch Aussagen manipulieren kann. Sehr schön verdeutlicht hat er das mit zwei Karten zur Verteilung der Hochschulabsolventen auf die Bundesländer. Mit drei Klassen ergab sich eine differenzierte Karte, die es erforderte sich weitere Gedanken um die Ursachen zu machen. Eine leichte Verschiebung der Klassen und eine Reduzierung auf nur zwei Klassen ergab eine beeindruckende Karte, die einen Gegensatz zwischen alten und neuen Bundesländern suggerierte.

In der Abmoderation durch Helmut Rehmsen, der durch den Tag führte, meinte dieser, Herr de Lange sei aber sehr medienkritisch und würde sicher keiner Wetterkarte glauben. Ein paar Lacher hatte damit auf seiner Seite, und ohne Diskussion ging es weiter im Programm.

Ich denken jedoch nicht, dass das was Herr de Lange gezeigt hat medienkritisch ist, sondern eher ein wichtiger Beitrag dazu, Jugendliche dafür zu sensibilisieren, wie dünn das Eis sein kann, auf das einen Daten und Informationen aus dem Internet führen. Damit ist die Unterrichtsreihe nicht medienkritisch, sondern ein wertvoller Beitrag, eine – im positiven Sinne – kritsche Medienkompetenz aufzubauen und über Potentiale und Gefahren (digitaler) Medien zu reflektieren.

Herrn Rehmsen sei seine Bemerkung verziehen. Aus Sicht der „traditionellen“ Medien ist es wahrscheinlich zielführender unter dem Label Medienkompetenz vor den Gefahren jugendgefährdender Inhalte und datenhungriger Netzwerke zu warnen, als Jugendliche dazu zu ermuntern den Wahrheitsgehalt öffentlich-rechtlichen und privaten Infotainments zu hinterfragen…

Workshop „Lerninfrastruktur in Schulen“

Veröffentlicht 1 KommentarVeröffentlicht in Schulwelt, Vor Ort

Mein erster Workshop auf einer Konferenz liegt hinter mir. Puh! Konkret: der erste Workshop den ich organisiert habe und auf dem ich auch einen Beitrag geleistet habe. Aufregend war da schon. Auch weil es neu war. Fachtagungen, Workshops bei SaN da wusste ich ja irgendwann, wie das geht, aber eine wissenschaftlichen Konferenz, das war dann doch ein neues Format.

Gefreut hat mich, dass auch ganz am Ende der dreitägigen Konferenz Interaktive Kulturen, als viele der wohl über 500 Teilnehmer schon auf dem Heimweg waren, das Duisburg Learning Lab noch gut gefüllt war.

Die Konferenz insgesamt war spannend und ich habe einige sehr anregende Beiträge gehört. Es scheint aber in der Natur der Sache zu liegen, dass auch Sessions die einen Obertitel haben Beiträge bieten, die sehr unterschiedliche Themen adressieren. Ich glaube uns (dem Organisationskommitee an dem auch noch Herr Breiter, Herr Kerres, Frau Schulz-Zander und Herr Welling beteiligt waren) ist es gelungen, fünf Beiträge zusammenzubringen, die das Thema „Lerninfrastruktur an Schulen“ nicht nur aus unterschiedlichen Perspektiven darstellten und unterschiedliche Akzente setzten, sondern insgesamt, die Thematik umfassend darstellten. In der Diskussion der Einzelbeiträge und der abschließenden Diskussion wurde dann auch sehr deutlich, wie wichtig es ist, bei der nachhaltigen Integrationen digitaler Medien in den Alltag von Schulen, eine systemische Perspektive einzunehmen, die nicht nur die einzelne Schule wahrnimmt, sondern auch ihre Eingebundenheit in ein Gesamtsystem, das sich von der Ebene der Einzelschule über den kommunalen Schulträger, die bildungspolitischen Institutionen auf Landesebene bis hin zu Bund und internationalen Organisationen erstreckt.

Die drei zentralen Beiträge kamen von Alfons Musolf und Claus Bauer, die sehr praxisorientiert aus Schulen berichteten, die Medienarbeit aktiv gestalten und dabei sehr unterschiedliche Entwicklungsstände erreicht haben und Wolfgang Vaupel, der die konkreten Unterstützungsangebote und Strategien der Medienberatung NRW darstellte. Herr Welling und ich haben mit unseren Beiträgen am Anfang und Ende versucht den Rahmen zu schaffen und den Blick von der Einzelschule auf das Gesamtsystem zu lenken.

Besonders danken möchte ich Frau Schulz-Zander. Nicht nur für die sehr nette Moderation des Nachmittags, sondern auch für den gelassenen Rückblick am Ende: Viele der Fragen seien ähnlich bereits vor 40 Jahren diskutiert worden als Technik erstmal den Weg in die Schule antragt. Das muss nicht entmutigen, denn es heißt nicht, dass es keine Lösungen gab und gibt, sondern das es für Schulen immer wieder eine Herausforderung ist, sich auf veränderte Bedingungen einzustellen, dass es aber nichtsdestotrotz wichtig ist, an der Entwicklung der Schulen weiterzudenken und Schulen zu unterstützen, eine möglichst gut Schule für ihre Zeit zu sein.

Aber das mache ich heute nicht mehr. Der RE1 von Duisburg nach Köln, der diese Strecke normalerweise in 45 Minuten zurücklegt, ist heute aufgrund eines Problems mit einem ICE vor uns nach nunmehr mehr als 3 Stunden in Düsseldorf angekommen… Wenn das hier online geht, bin ich immerhin wieder in Köln.

Kölner Doppelpack: lit.COLOGNE und Didacta

Veröffentlicht Schreibe einen KommentarVeröffentlicht in Gelesen, Hörbar, Schulwelt, Vor Ort

Schnell war sie in diesem Jahr vorbei die lit.COLOGNE. Das kann aber auch damit zu tun haben, dass sich mit der Bildungsmesse didacta überschnitten hat. Die war dankenswerterweise in Köln, so das ein Besuch beider Veranstaltungen problemlos möglich war. Der Rückblick erfolgt daher auch auf beide Events gemeinsam.

Zunächst die Literatur

Mit fünf Veranstaltungen war ich diesmal dabei. Zwei Erkenntnisse:

1. Die Bedeutung der Moderation

Den Anfang machte Martin Suter in den Rheinterassen. Der Saal ist mit immer wieder zu groß und zu hallenartig für eine Lesung, aber wenn ich eben doch dem Massengeschmack folge, dann muss ich eben damit Leben, dass viele Leute neben mir sitzen. Martin Suter hatte es nicht leicht. Er musste sich mit einer Moderation herumschlagen, die wissen wollte, ob er in der edlen Küche seinem edlen Haus denn überhaupt Plastikutensilien habe. Sie wollte mit ihm diskutieren, ob „der Schweizer“ seine Identität denn nun eher aus dem Bankgeheimnis oder aus der Neutralität heraus definiere. Und sie musste vom Publikum deutlich zur Ordnung gerufen werden, als sie nachfasste („Doch doch, unser Publikum interessiert sich für den ganzen Martin Suter!“), wie es ihm denn nach dem Tod seines Sohnes ergangen sei. Obwohl der Autor klar und deutlich geäußert hatte, dass er dieses Thema für einen unterhaltsamen Abend für ungeeignet hielt.

Das geht so gar nicht.

Nach Suter kam McCarten. Hier zeigte die Moderation wie man es machen kann. Sie bot dem Autor eine Bühne und war sachkundige Stichwortgeberin. Ihre Ankündigung nach Lesung und Gespräch über Autor, Buch und Beruf natürlich auch alle wichtigen Fragen zu Leben, Hobby und Marotten zu stellen, war offensichtlich ironisch gemeint. War sie zuvor auch bei Suter gewesen?  Der Autor selbst war erstaunlich zurückhaltend und doch unterhaltsam.

Und die dritte Lesung mit Moderation: Nick Hornby. Knauzig saß der Autor auf der Bühne, kratzte immer wieder seinen kahlen Schädel und hatte Spaß. Spaß am Lesen, am Erzählen, am Wechselspiel mit dem Moderator, der seine Rolle wunderbar ausfüllte. Da saßen zwei auf der Bühne, die vor allem ein Ziel hatten: Gute Unterhaltung abzuliefern. Und das gelang! Unterstützt wurden sie dabei von Hornbys deutscher Stimme. Das wurde in aller bester Hörbuchqualität vorgelesen. Und die hört man ja in manchem Hörbuch noch nicht.

2. Autoren dürfen auch Alleine auf die Bühne

Gleich zwei Veranstaltungen kamen ganz ohne Moderation aus und es ist schön zu sehen, dass es Autoren gibt, die nicht nur Bücher sondern auch Bühnen ausfüllen. Zuerst die Kinderabteilung: KNISTER liest nicht, er erzählt, fabuliert, malt, tanzt, singt, rockt und beantwortet Fragen. Und er lässt es sich nicht anmerken, dass er ein Autor von Weltruhm ist. Vielmehr bringt er seine Freude und fast schon Verwunderung zum Ausdruck, dass er all diese schönen Bücher schreiben, Filme machen und vor allem Kinder immer wieder treffen darf. So sieht aktive Leseförderung aus!

In der Erwachsenenabteilung Wolf Haas. Eine Ein-Mann-Show mit einer ordentlichen Portion Selbstironie. Bisher habe ich noch keinen Autor erlebt, der auf der Bühne Leserpost (aus Internetforen) vorliest, die bescheinigen, dass er nur des Geldes wegen schreibt und obendrein noch schlechte Bücher. Die LitCologne-Macher hätten ihn nicht aufs Boot setzen müssen. Da wäre auch so keiner gegangen.

In zehn Jahren ist sie groß geworden die Lit. Sie gehört in den kölschen Jahreszyklus irgendwo zwischen Karneval und Spargelzeit… Ostern nicht vergessen, Herr Kardinal. Sie ist beständiger als der FC und (meist) pünktlicher als die KVB. Und bei all der Atmosphäre vergibt man ihr auch Thalia. Wer nachhören will: http://www.wdr.de/radio/home/podcasts/channelausspielung.phtml?channel=litcologne

Und nun noch die Bildungsmesse

Die größte war es wohl, mit über 100.000 Besuchern. Beeindruckend. Schwimmnudeln gab es dieses Jahr keine. Jedenfalls nicht kostenlos. Dafür Fähnchen. Weiß der Henker, was man damit macht. Aber ich habe Leute gesehen, die stolz dicke Bündel davon nach Hause schleppten. Beeindruckend. E-Learning, digitale Medien im Unterricht. Entweder waren sie kein Thema oder das ganz große Thema. Wie man das sehen will. Interaktive Whiteboards waren der Renner, wie schon im letzten Jahr. „Prima, da hab ich wieder alles im Griff und bin trotzdem modern!“, sagt der eine, der andere: „Teuer sind sie ja schon, aber so kann ich die Schüler nochmal so richtig beeindrucken.“ Das sind Anfänge, aber keine Ziel. Würde ich mal sagen.

Der Lehrstuhl war ebenfalls mit einem Stand vertreten. Der lag zwar ein wenig in der Ecke, aber gleich am Forum E-Learning, war klar und übersichtlich gestaltet und wurde – und das kann sicher nicht jeder Stand von sich behaupten – immer wieder gezielt angesteuert. So macht Standdienst Spass, wenn nicht einfach nur Gummibärchen, Fähnchen (!) und Messerabatte abgegriffen werden, sondern wenn Leute kommen und sagen: Gut, dass ich Sie gefunden haben, ich interessiere mich für Ihren Studiengang und habe da mal ein paar Fragen.

Keep calm and carry on!

Veröffentlicht Schreibe einen KommentarVeröffentlicht in Netzwelt, Schulwelt
Ein wenig hat es mich dann doch beruhigt, dass ich mindestens eine zweite Berufsgruppe gefunden habe, die sich netzöffentlich Gedanken macht, ob das ipad denn nun etwas für ihren Berufsstand ist. Das es ausgerechnet die in den letzten Jahren und Monaten nicht unbedingt im Ansehen gestiegenen Banker waren, schmälert die Freude unwesentlich. Aber natürlich kam, kaum hatte Steve Jobs die Bühne im Buena Vista Center of the Arts verlassen, die Frage auf, ob das ipad in die Schule gehört und ob es das Gerät ist, auf das die Schulwelt gewartet hat, damit Medieneinsatz an der Schule nunmehr zur Selbstverständlichkeit wird. Ebenso schnell waren dann auch die Skeptiker zu Stelle, die anmerkten, dass das Tippen auf bunte Icons nichts mit Lernen und das Kaufen (wohlgemerkt kaufen noch nicht lesen) von eBooks im AppStore noch nichts mit Medienkompetenz zu tun hat.
Wahrscheinlich haben jene Recht, die mit dem ipad -mal wieder – eine Zeitenwende kommen sehen. Aber ob das ipad deshalb in jede Schultasche gehört, ist dann doch die Frage. Lange war es ja unter dem Decknamen iSlate unterwegs und dass eine Schiefertafel in die Schule gehört liegt nahe. Falsch ist es aber hier zunächst wieder auf die Ausstattung zu schauen, das iPad macht genauso wenig, vielleicht noch weniger (da möchte ich den Skeptikern beipflichten) guten Unterricht, wie irgendeine andere technische Errungenschaft das aus sich heraus tut.
Steve Jobs hat zwischen dem iPhone und dem Notebook eine Lücke entdeckt, die uns bisher gar nicht so sehr aufgefallen war, die Apple aber nun mit einem edlen Gerät schließt. Und andere Anbieter werden mit ähnlichen Geräten folgen oder haben diese (vom Käufer unbemerkt) schon längst auf den Markt gebracht. Diese neuen Schiefertafeln sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zum „Allways-On“, zum Immer-und-Überallnetz und sicher auch zu noch mehr Audio- und Video und weniger Print zu noch mehr Medienkonvergenz. Darüber nun sollte sich Schule Gedanken machen und sich fragen, wie sie diese Lebensrealität aufgreift, abbildet und Kinder und Jugendliche darauf vorbereitet. Das geht sicher nicht nur mit der alten Kreidetafel, muss aber auch nicht unbedingt mit der neuen digitalen Schiefertafel gesehen. Manche Schule ist auf dem richtigen Weg. Sei es mit Medienecken, Selbstlernzentren, Notebook-Wagen und 1:1-Ausstattungen mit Note- und Netbooks. All diesen Schulen muss man sagen:
Keep calm and carry on!

Weitermachen auf dem Weg zur Schule für die Wissensgesellschaft. Nicht von den Skeptikern bremsen lassen und nicht von jeder neuen Entwicklung aus der Bahn werfen lassen. Die Richtung ist klar, der Weg lang, aber ans Ziel kommt man nur Schritt für Schritt.
Sehr gefreut hat mich dann auch noch die Frage auf „Kreide fressen„:  Gibt’s eigentlich schon erste didaktische (sic!) Überlegungen zum iPad?

Volker Rüddigkeit

Veröffentlicht 1 KommentarVeröffentlicht in Netzwelt, Schulwelt

Digitale Medien in der Schule, das ist – und das wissen wir alle, die ihn gehen – ein langer steiniger Weg. Ein Weg, auf dem es wichtig ist, Mitstreiter zu haben, besonders solche, die die Ideen und Anliegen, die uns umtreiben, auch anderen nahe bringen können und dabei die Sorgen, Zweifel und Vorbehalte hören.

Volker Rüddigkeit hat es nicht nur verstanden, andere für einen medialen Unterricht zu gewinnen, er hat auch immer wieder vorausgedacht und neue Entwicklungen an Schule herangetragen. Wenn er z.B. den Begriff des Web 2.0 für die Schule entschlüsselt hat, dann nicht, um sie vor neue Herausforderungen zu stellen, sondern um Möglichkeiten, Chancen und Machbarkeiten zu zeigen. Er war unermüdlich in seinem Engagement für und seiner Geduld mit Schule. Getrieben hat in die Aufgabe, Lernen zu ermöglichen, nicht die Faszination an der Technik, der er für Schule nutzbar gemacht hat.

Den Kampf gegen eine lange Krankheit hat er verloren. Volker Rüddigkeit starb gestern.

Ich nehme Abschied von einem Weggefährten und Wegweiser.

Schlagabtausch

Veröffentlicht 2 KommentareVeröffentlicht in Schulwelt

Die Sache ist so einfach wie banal: Die Initiative D21 setzt das Projekt „Die besten Lehrkräfte für Deutschland“ fort. Das alleine ist löblich. Denn viele kleine Tropfen bilden irgendwann einen großen Strom. Weil aber hinter der Initiative D21 viel Industrie steht, wird das Ganze mit einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne flankiert. Auch das ist noch nicht verwerflich. D21 gibt eine  Studie in Auftrag, die belegt, dass Deutschland Schlusslicht bei der Medienausstattung und -nutzung in Schulen ist. Die Studie wird exklusiv an „Die Welt“, Rene Scheppler nutzt den Projektblog um das Thema in die Lehrer-Blogosphäre bringen. Und da fährt die Kampagne vor die Wand.

Worum geht es: Die Studie zählt Computer und ihre Nutzung und verortet Deutschland ganz am Ende einer langen Liste. Das deutsche Schulsystem wird als zu starr bezeichnet, mehr Autonomie für Schulen gefordert. Bis hierher ist das ja noch OK. Dann aber bekommen die Lehrer ihr Fett weg: Die Schüler bezeichnen deren Medienkompetenz als unzureichend. Und das kann man natürlich nicht machen ohne sich den berechtigten Unmut der Lehrerschaft zuzuziehen.

Herr Rau setzt sich dann auch kritisch mit der Studie auseinander. Als Bayer mahnt er natürlich den differenzierten Blick in die Länder an und rechnet schnell vor, dass in Bayern alles besser ist. (Nagut, wussten wir eigentlich auch schon. Wenn zieht es bei den Verhältnissen dort nicht in die weiß-blaue Welt?) Es folgt der Hieb gegen die sehr gut ausgestatteten amerikanischen Schulen, die diese Ausstattung nicht nutzen und die Selbstkritik, an einer gut ausgestatteten Schule zu sein, die die Potentiale auch nicht hinreichend nutzt, gefolgt von einer gute Begründung, warum auch ihm Medieneinsatz oft zu aufwendig ist. Ein „interessantes“ Selbstverständnis wird allerdings sichtbar, wenn er sich beschwert, dass die Kinder die nötige Medienkompetenz nicht von Zuhause mitbringen. Da wären wir ja nicht weit davon weg, dass die Eltern ihren Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen und und und beibringen und die Schule nur noch prüft und attestiert. Doch zurück zum Thema: Schließlich verweist er auf einen Beitrag von BeeHive. Dort wird der Industrie vorgehalten, sie würde mit der Studie nur ihre eignen Interessen verfolgen (Hardware und Software verkaufen – Jugendliche auf Produkte einschwören).

Damit haben wir den klassischen und hinlänglich bekannten Schlagabtausch und es stehen sich plötzlich wieder zwei als Gegner gegenüber, die eigentlich an einem Strang ziehen sollten. Die Lehrer verteufeln die Industrie, die nur Geld verdienen will. Und die Industrie schimpft auf die „schlechten“ Lehrer. Besonders ärgerlich: Die Lehrer die sich – zu recht – wehren, sind die, die sich durch ihr Handeln durchaus aus kritisch medienkompetent erweisen. Was geht da nun also schief?

Vielleicht zielen beide aufs falsche Ziel. Die Lösung findet sich – wie so oft – im Kleingedruckten. Diesmal in einem Kommentar der – wie immer  – weisen Lisa Rosa auf Renés Beitrag. 😉

Vom SchülerVZ zur Forschungsfrage

Veröffentlicht Schreibe einen KommentarVeröffentlicht in Netzwelt, Schulwelt, Vor Ort

Gestern fand der Auftakt zum Schülerkolleg Pädagogik statt, das wir seit einigen Wochen vorbereitet haben. Über 60 Schülerinnen und Schüler bevölkerten einen Hörsaal, labten sich in der Mensa wuselten durch das LC-Gebäude und diskutierten im Learning Lab. Ein paar O-Töne der Jugendlichen und der begleitenden Lehrer haben wir hier eingefangen und Judith, die die meiste Arbeit in der Vorbereitung geleistet hat, hat ihre Erfahrung schon hier aufgeschrieben.

Die Selbstverständlichkeit der Jugendlichen im Umgang mit SchülerVZ, mit dem Internet zur Unterhaltung, Kommunikation und auch zum Lernen hat mich wenig überrascht. Begeistert war ich aber von der Ernsthaftigkeit mit der sie bei der Sache waren und der klare und kritische Blick auf Möglichkeiten und Grenzen des Internets. Schwer getan haben sich die 7. und 8.-Klässler, die ich betreut habe, zunächst, sich in Arbeitsgruppen mit Schülern anderer Schulen zusammen zu tun. Am Ende des Tages haben sie sich dann aber gewünscht, dass dies auch an den kommenden Kollegtagen möglich sein soll. Nicht nur weil es ihnen Spaß gemacht hat, sondern auch weil im Austausch mit anderen, die Diskussionen ergiebiger waren. Und das haben die Schüler so gesehen und selbst geäußert.

Herzlich willkommen in der vernetzten Forscher-Community. 😉

Kartenständer

Veröffentlicht 2 KommentareVeröffentlicht in Schulwelt

Gespräch mit meiner Tochter (5.Klasse):

„Und Papa, dann kommt der Herr X (Lehrer) immer in die Klasse und hängt erstmal sein Jackett an den Kartenständer.“

Kartenständer. Sofort habe ich das Bild von großen Landkarten mit Flecken und Löchern wieder vor mir, die unentzifferbar in weiter Ferne, vorne neben dem Lehrer hingen, auch der modrige Geruch des Kartenraumes ist wieder da – ein Raum voller Wissen auf Rollen und irgendwie unheimlich.

„Was macht ihr denn sonst mit dem Kartenständer?“

„Nix! Herr X hängt halt immer sein Jackett dran.“

„Und woher weißt du dann, dass das ein Kartenständer und keine Garderobe ist?“

„Weil wir in der Grundschule auch schon einen Kartenständer hatten!“

„Echt? Und was habt ihr damit gemacht?“

„Da haben wir immer den Bühnenhintergrund beim Theaterspielen dran aufgehängt.“

„Aha!“

„Du Papa, warum heißt der dann eigentlich Kartenständer?“