BYOD oder Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen

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Lernifra5Unter dem Schlagwort BYOD – Bring your own device hat das Projekt School IT Rhein Waal, an dem ich in den letzten 2 1/2 Jahren intensiv gearbeitet habe, einige Sichtbarkeit erlangt und Interesse hervorgerufen. Dazu gehört auch, dass es in der Transferphase nicht nur Einzelschulen waren, die Interesse gezeigt haben, sondern oft Kommunen, die hier neue Lösungen für Lerninfrastrukturen an ihren Schulen kennen lernen wollten.

Mit der Fachtagung „Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen“ am 25.9.2014 hat nun die Schlussphase des Projektes begonnen. Ca. 170 Interessierte waren in das neuen Audimax am Campus Duisburg gekommen, um erst im Plenumsteil nicht nur in unser Projekt zu schauen, sondern auch Einblicke in anderen Projekte zu nehmen, die sich ebenfalls mit den Möglichkeiten von Tablets und Smartphones im Unterricht beschäftigt haben. Am Nachmittag standen in den Workshops dann die Erfahrungen der Projektschulen in Moers und Xanten und von Transfer-Schulen und -Kommunen im Mittelpunkt. Die Veranstaltung ist hier dokumentiert und hier ist ein Teil des Medienechos zusammengefasst.

Wir haben insgesamt versucht deutlich zu machen: Im Projekt ging es zwar auch darum, eine WLAN-Infrastruktur zu schaffen, die das Einbinden privater Geräte erlaubt. Wichtiger aber war es, in den Schulen Strategien zu entwicklen, wie mit einer heterogenen Vielfalt an Geräten im Unterricht gut gearbeitet werden kann. Dabei wurde in den Projektschulen auch deutlich: BYOD ist immer nur eine Ergänzung zur schulischen Ausstattung, kann dabei aber der entscheidende Baustein sein, um digitale Medien im Klassenraum zu verankern. Zudem wurde deutlich: Genauso wie andere technische Konzepte hat auch BYOD das Potential Lehrer zu untersützten einen schülerzentrierteren, projektorientierteren und an individuellen Bedürfnissen ausgerichteten Unterricht zu gestalten. Automatisch passiert das aber nicht. Vielmehr mussten sich die Projektteams in den Schulen zunächst darauf verständigen, wie sie den Unterricht in den Projektklassen gestalten wollen, dann konnten Smartphones und Tablets als Werkzeuge in Schülerhand auch einen Beitrag leisten.

Ich bin gespannt, was in den nächsten Wochen und Monaten in den beiden deutschen Pilotschulen passiert. Pläne zur Weiterentwicklung haben beide. Noch mehr bin ich aber gespannt, wie sich die Idee weiterverbreitet und verbreiten lässt. Auch hier gilt wohl: Ein Selbstläufer ist das zunächst nicht, sondern erfordert Unterstützung und Vernetzung der Schulen und Kommunen.

Ein sehr erfreulicher Nebeneffekt der Fachtagung: Wir konnten so die vor vier Jahren in Duisburg begonnene Reihe der Workshops „Lerninfrastruktur an Schulen“ vorsetzen. Damals in Duisburg haben wir als Workshop im Rahmen der DeLFI 2010 mit vielleicht 20 Personen zusammengesessen und diskutiert. Weitere Stationen waren dann die DeFLI in Dresden und Hagen und die GMW in Frankfurt. Glücklich waren wir mit der Lösung nie wirklich. Die DeLFI war eine gute Heimat für den Workshop, aber als Konferenz der GI  zog sie vor allem Informatiker an. Die GMW wiederrum ist eher auf den Hochschulbereich ausgerichtet. Dazu kommt: Für Lehrkräfte ist das Format ungewohnt. In diesem Jahr haben wir den Workshop dann als eigenständige Verstaltung im Kontext eines Projektes gemacht. Damit haben wir dann tatsächlich Lehrkräfte in großer Zahl erreicht und auch der Wissenschaft Raum gegeben. Ich bin gespannt, ob wir das so als Format weiteführen können.

 

Die reine Lehre – oder: Ich hab da mal ne Frage

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Letzte Woche war ich auch 2x in Sachen Edutags unterwegs. Auf der Moodlemoot habe ich in Münster Edutags vorgestellt und gezeigt, wie wir mit den Schnittstellen, die wir in der letzten Zeit gebaut haben, Ergebnislisten in ein LMS (sprich: Moodle) integrieren kann. Uwe Klemm und Carola Brunnbauer berichten. Auf dem Kölner Educamp kam dann auch eine Session zu Edutags im OER-Slot zustande.

Und da hat dann Torsten Larbig einen Wunsch geäußert, der mit nicht aus dem Kopf will: Er wünscht sich als Lehrer, der selbst Bildungsressourcen frei im Netz veröffentlicht ein Plugin (z.B. für WordPress), das es ihm erlaubt, seine Inhalte direkt auf edutags zu veröffentlichen. Und ich höre den Aufschrei:

„Aber dann ist es kein echtes social bookmarking mehr! Verrat der reinen Lehre! Verfall der Sitten! Untergang des christlichen Abendlandes!“

Und doch verfängt die Idee: Müsste man nicht denen, die etwas anzubieten haben, den Zugang zu einem solchen Verweissystem ermöglichen? Die Abgrenzung zu anderen Plattformen wäre das, was den Bildungsserver schon immer ausgezeichnet hat: Verweis auf Inhalt, nicht die Inhalte selbst. Dann hätten wir einen Marktplatz für freie Produzenten neben den leuchten Shoppingmalls der Konzerne. Oder dürfen die auch auf den Markt…

Wie gesagt: Noch nicht zu Ende gedacht… aber vielleicht Anlass zu Diskussionen.

Mein erstes Mal – oder von revolutionären Sprüngen und permanentem Wandel

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So, nun war ich also auch mal auf einem Educamp. Und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal. Spannend war es. Ich habe in zwei Tagen eine Menge Eindrücke gesammelt, die in Ruhe überdacht sein wollen. Ich habe mich gefragt, wieso z.B. Lehrerfortbildung oder auch mal Unterricht nicht so (un-)organisiert werden können. Wenn ich am Ende des Tages in einem Satz zusammenfassen müsste, was das besondere an der Lernsituation „Educamp“ für mich ist, dann würde ich sagen: Da wird den Leuten zugetraut, die Zeit, den Raum zum Lernen zu nutzen. Da wird darauf vertraut, dass da Leute sind, die etwas lernen wollen.

Mandy und ich haben eine Session zum Thema „Bring your own device“ angeboten. Eine ausführliche Auswertung und Dokumentation (auch als Audiomitschnitt – Danke an Tim) folgen. Überrascht war ich, welch großen Anklang die Session gefunden hat. Der Saal war voll, die Diskussion war angeregt und wir haben in einer dreiviertel Stunde viele, viele wichtige Aspekte des Themas angeschnitten. Zu Ende diskutieren ließ sich da leider wenig, aber wir sind optimistisch, dass sich die Diskussion zumindest mit einem Teil der Leute auch online fortsetzen lässt.

Auf einen kleinen Aspekt möchte ich aber im Vorgriff auf die Zusammenfassung hier schon eingehen: Ausgehend von der Aussage eines Teilnehmers, die „alten“ 1:1-Klassen, in denen Schüler mit standardisierten, über die Schule administrierten Endgeräten arbeiten, seien nur eine Zwischenstation, kam die Frage auf, was denn dann das „Ziel“ sei. Oder ob man sich nicht eigentlich eingestehen müsse: Das einzig beständige sei der Wandel. Das wiederum rief Widerspruch hervor: Wenn es nur einen permanenten Wandel gibt, dann gäbe es keine revolutionären Sprünge mehr und die seien für große Entwicklungen nun einmal wichtig.

Und da sind wir mitten drin ein einem Dilemma. Schule sehnt sich nach Kontinuität, nach Stabilität, die sie immer weniger „bekommt“. Allein zu akzeptieren, dass der Wandel konstant und stabil ist, ist das schon eine Herausforderung. An revolutionäre Sprünge scheint da kein Denken zu sein. Andererseits: Die, die Notwendigkeit von Veränderungen sehen, wollen diese auch umgehend und radikal. Und sei es auch nur, um sich selbst mit der eigenen Revolution identifizieren und vom „Alten“ abheben zu können.

Ich selbst hänge ja auch eher an der Idee des langsamen, aber stetigen Wandels, der nicht einfach so und von alleine kommt, sondern auch gestaltet und vorangetrieben werden will. Sehr versöhnlich fand ich aber den sehr berechtigten Hinweis: Ob etwas eine Revolution war oder nicht. Das lässt sich wohl immer erst im historisch einordnenden Rückblick sagen.

In diesem Sinne: Die Session war für uns ein wichtiger Ansporn, dass wir (z.B. mit School IT Rhein Waal) den richten Weg eingeschlagen haben. Sie hat uns sehr lebhaft gezeigt, dass da Leute sind, die die Idee zu einer Bewegung machen können – vor allem, wenn es gelingt, sie über die einzelnen Schulen hinaus in Dialog zu bringen. Der Rest ist dann irgendwann Geschichte.

Und nochmals: Vielen Dank an alle für’s Mitdiskutieren. Es hat mich sehr gefreut ein paar alte Bekannte wieder zu sehn und zu so manchem Namen nun auch eine Stimme und ein Gesicht und ein begeistertes Leuchten in den Augen zu haben.

Nachtrag: Mandys ausführliche Zusammenfassung zur Session und der Audiomitschnitt der Session von Tim. (Danke!)

Polynesisches Segeln

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Während die Weltöffentlichkeit – zumindest der Teil, der sich für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien interessiert – am vergangenen Donnerstag nach New York schaute, ging ein anderes Ereignis eher unbemerkt vonstatten. Doch für die, die dabei waren, war am Ende des Tages klar: Wir haben uns da auf eine spannende Reise gemacht. Und die Ereignisse in New York werden dabei sicher eine Rolle spielen.

Über Apples Initiative haben bereits Viele geschrieben. Besonders gefallen hat mit die Zusammenfassung von Beat. In der Tat könnte die Initiative dem Lehren und Lernen mit digitalen Medien einen Schub geben. Aber es gibt auch ein paar Fragen, die mir bisher wenig beantwortet wurden:

  1. Es ist ja toll, dass mit ibook Author jetzt multimediale Lerninhalte „ganz einfach“ erstellt werden können. Aber Lerneinheiten mit eingebundenen Videos, Animationen, Simulationen, die gibt es schon. Hier oder hier, etwa. Es mag ja einfacher sein, die Elemente zu einem Buch zusammenzustellen. Aber die Arbeit, die Animation zu planen und zu gestalten bleibt… und sie bleibt aufwendig.
  2. Aus Apples Sicht mag es ausreichen, das Schulbuch zu digitalisieren und den Verkauf über den eigenen Shop zu kanalisieren. Betriebswirtschaftlich kann das wahrscheinlich ein guter Wurf sein. Aber ist die Vision vom neuen Lernen mit Medien wirklich die, dass Schüler in multimedialen Büchern blättern? Die kommunizierte Idee: Der Lehrer (am MacBook) produziert Lehrinhalte, die der Schüler am ipad konsumiert. OK… aber da geht mehr, oder? Dann braucht aber auch der Schüler in MacBook. Das wird teuer.

Beim Kick off zum Projekt School IT Rhein Waal, über das Mandy bereits berichtet hat, haben wir etwas anderes beschlossen –  und mich hat es sehr gefreut, dass die vier im Projekt versammelten Schulen gemeinsam diesen, wie ich finde, radikalen Schritt gewagt haben. Wir werden in den Schulen Pilotklassen einrichten, in denen jedes Kind sein eigenes privates Gerät mitbringen darf und soll. Egal, ob das ein Netbook ist, ein Laptop, ein Tablet oder ein Smartphone. So, werden in diesen Klassen Geräte vorhanden sein, mit denen man Filme drehen kann, andere eigenen sich gut für das Erstellen von Texten und Grafiken, wieder andere sind als schnelle Zugänge zum Internet für kurze Recherchen geeignet und mit allen kann man auf online kommunizieren.

Die Frage war einen kleinen Moment, ob es im Projekt heißen würde: Bring your own tablet  der Marke x. Oder: Bring your own netbook with min. 10 Zoll-Screen und einem Betreibssystem, das in der Lage ist eine Officesoftware aus dem Hause Y zu starten.

Aber, so war dann doch der Konsens: Spannend wird es erst, wenn wir in die Rücksäcke der Schüler schauen, wenn wir schauen, welche Geräte dort sind und wie sie im Unterricht in unterschiedlicher Weise zum Einsatz kommen können. Sicher werden sich da manche Geräte als geeigneter erweisen als andere. Manche werden eine Nische finden, für die sie genutzt werden können. Aber dieses Vorgehen, so die einhellige Meinung, bringt auch die Offenheit, neue technische Innovationen nicht als „Gegner“ des bisher erreichten zu sehen, sondern als weitere Bereicherung und Möglichkeit. Und wenn sich Lehrer und Schüler auf die Heterogenität einlassen können, dann lassen sie sich auch einfach auf die Entwicklungen ein, die wir im Alltag erleben.

Die Reise ist spannend, denn wir kennen das Ziel nicht. Jedes Ziel, dass wir als konkreten Fixpunkt jetzt definieren könnten, wäre nur ein Ziel, das sich aus dem in der Vergangenheit erreichten definieren lässt. Die Klassen im Projekt werden sich auf den Weg machen, neue Ziele zu entdecken. So, wie einst in Polynesien gesegelt wurde.

 

Brustimplantate

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Zugegeben: Die Überschrift steht nur da, um Aufmerksamkeit zu erheischen. Aber sie hat auch eine kleine Berechtigung (s.u.). Ich kann ja schlecht schreiben: Guckt mal! Ich war im Fernsehen… könnte ich schon, wäre aber eitel.

Worum geht es: Gestern hat die WDR Lokalzeit Ruhr einen Bericht über unser Projekt, die Medienscouts NRW, gebracht und ich war als Studiogast zum anschließenden Interview da. Man kennt das ja: Was passt schon in einen Drei-Minuten-Beitrag von einem monatelangen Projekt? Und was kann man in 3 Minuten Interview sagen, bei dem das Vorgespräch schon um ein Vielfaches länger gedauert hat? Aber in diesem Fall muss ich beide loben: Toni Antoniou, den Journalisten, der den Beitrag gemacht und Lars Tottmann, der die Sendung moderiert hat. Denn beide haben eine Haltung eingenommen, die mir sehr gefallen hat und die mir in vielen Medienberichten zum Thema Jugendliche und Soziale Netze oft fehlt. Da wird immer über die Gefahren berichtet, über die Opfer von Cybermobbing, über Datenklau und Anmache im Internet, über Strafanzeigen wegen ungewollter Parties und verbauter Karrieren wegen Sauffotos im Internet. Je schlimmer der Fall, je auswegloser die Situation, je böser „DAS INTERNET“, umso besser.

Ganz anders gestern: Faszination Facebook ist für Jugendliche Alltag und für Erwachsene fremd und damit bedrohlich. Jugendliche können anderen Jugendlichen helfen einen sicheren Weg durch das Internet zu weisen und dabei selbst aktiv und kreativ die Möglichkeiten digitaler Medien nutzen. Schulen können ihren Schülern helfen, einfach schon indem sie sich dem Thema annehmen, darüber sprechen, es zum Thema machen, und bei Eltern geht es gar nicht so sehr darum, zu kontrollieren, sondern im Kontakt mit ihren Kindern zu bleiben – und ihnen dann die Freiheit zu gehen, sich zu erproben und ihre Freiräume zu erobern. Ich fand Bericht und Interview sehr konstruktiv und ressourcenorientiert.

Das als Sender so rüber zu bringen, ist nicht so reißerisch, wie das weinende Mobbingopfer und die Mutter mit dem entsetzend Blick, aber es hilft auch bei der Zielgruppe der Lokalzeit, um Verständnis zu werben, für die Medienerfahrung und die Mediennutzung der Jugendlichen heute. So stelle ich mir guten Journalismus vor. Und das muss einfach mal anerkennend gesagt werden.

Aufklären muss ich jetzt noch die Überschrift: 3x wurde unser Beitrag verschoben, weil aktuelleres sich in den Vordergrund drängte – oder wie die Redakteurin formulierte: „Ihr Thema ist ja dauerhaft aktuell…“ Zuerst wurden wir verschoben, weil tote Fische im Baldeneysee in Essen umhertrieben. Danach gab es eine Trittbrettfahrer zum Amoklauf in Lüttich, der einen Tag lang eine Schule in Aufruhr brachte und letzte Woche flogen wir zum dritten Mal aus dem Programm: Wegen Brustimplantaten…

Bring deinen eigenen Computer mit

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Mit Jahresbeginn startet offiziell das Projekt „School IT Rhein Waal“. Dazu gab es schon ein paar Meldungen (hier von der Euregio, hier und hier von der Uni). Das Projekt hat ein paar spannenden Aspekte.

1) IT-Assistenten
Immer wieder wird betont, dass Schülerinnen und Schüler ihren Lehrkräften im Umgang mit digitalen Medien um Längen voraus sind. Häufig wird dies aber als Hemmnis für den unterrichtlichen Einsatz gesehen, weil es die Lehrkräfte verunsichert. Wir wollen im Projekt aber das Potential Nutzen, das darin steckt und ausgewählte Jugendlichen bewusst als IT-Assistenten einsetzen, die sowohl ihre Lehrer als auch ihre Mitschüler vor allem bei technischen Fragen zum Einsatz digitaler Medien behilflich sein können. Damit sie diesen Aufgaben gewachsen sind, erhalten die Schüler eine Ausbildung, die auch Aspekte des Jugendmedienschutzes berücksichtigt und die die Schulen in Zusammenarbeit mit regionalen IT-Unternehmen gestalten.

2) Projektseminare
Eine wichtige Motivation der euregio das Projekt zu unterstützen, ist der Bedarf der Unternehmen in der Region an jungen Nachwuchskräften, die das nötige Rüstzeug mitbringen, in einem von IT durchdrungenen Arbeitsalltag zu bestehen. Daher werden im Projekt „Projektseminare“ durchgeführt, in denen ganze Klasse Projektaufgaben bewältigen, die die Lehrer zusammen mit Mitarbeitern aus IT-Unternehmen entwickeln. Die Schüler können dann bei der Bearbeitung auch auf die Unterstützung der Mitarbeiter bauen.

3) Niederländisch-deutscher Austausch
In einem ersten Schritt arbeiten im Projekt 2 niederländische und 2 deutsche Schulen mit. Schon in der Phase der Projektentwicklung hat sich gezeigt, wie unterschiedliche die Stand der Medienintegration in beiden Ländern ist und wie hoch das Potential ist, voneinander lernen zu können.

4) Bring deinen eigenen Computer mit (BYOD: Bring your own device)
Der letzte Aspekt ist derjenige, der mir persönlich besonders wichtig ist. Wir verzichten im Projekt bewusst auf eine technische Ausstattung der Schüler mit Endgeräten. Projektmaßnahmen beziehen sich auf die Entwicklung einer technischen Infrastruktur, die es den Schüler erlaubt, ihre eigenen Geräte mitzubringen, d.h. die Geräte, über die schon heute verfügen.

Die Chancen, die wir darin sehen:

  • Jede Schülergeneration wird auch ihre eigenen Geräte mitbringen. Die Schulen finden einen Weg aus der „Ausstattungsfalle“.
  • Die Schüler arbeiten mit den Geräte, die sie auch privat Nutzen, d.h. die ihnen vertraut sind und für die sie sich verantwortlich fühlen.
  • Schüler und Lehrer erleben ein Vielfalt von Geräten und Plattformen und lernen mit dieser Vielfalt umzugehen.
  • Letztlich: Wenn jeder Schüler sein eigenes Geräte mitbringen und nutzen kann, können die Geräte auch wirklich immer dann eingesetzt werden, wenn es sinnvoll und gewünscht ist.

Aber auch Herausforderungen sind mit diesem Ansatz verbunden:

  • Überfordert die Heterogenität der Ausstattung die Lehrkräfte?
  • Überfordert die Heterogenität der Technik, die Infrastruktur in der Schule?
  • Haben wirklich alle Schüler eigene Geräte und wie werden soziale Ungleichheiten ausgeglichen?

Zum Teil gilt in den Projektschulen jetzt noch ein Handyverbot. Der Schritt von diesem Verbot zur Aufforderung, Handys, Smartphones, Netbooks, Tablets und Notebooks mitzubringen und zu nutzen ist ein großer. Aber ob die Schulen, das wollen oder nicht: Diese Geräte werden sich immer mehr in den Schultaschen der Jugendlichen finden. Wir wollen im Projekt aktiv gestalten, damit umzugehen und die Chancen zu nutzen.

Ich bin gespannt und werde hier berichten.

 

Eigentlich nichts Neues

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Vor zwei Wochen erschien das neue Heft „Computer und Unterricht“ mit dem Titel 1:1-Ausstattungen, dass ich mit Ute Bienengräber-Killmann und Jörg Stratmann zusammenstellen durfte. Worum geht es? Darum, das jedes Kind ein eigenes mobiles Endgerät zur Verfügung hat und es immer dann nutzt, wenn es sinnvoll erscheint.

Hatten wir doch schon! Alter Hut! Mag nun mancher einwerfen. Gibt es doch schon seit 10 Jahren! Was Neues muss her: Lernen mit dem Smartphone, dem ipad, noch mehr. Und das ist dann der Paradigmenwechsel, der das Lernen revolutioniert.

Ob 1:1-Ausstattung ein guter Titel ist? Notebooks im Unterricht spricht von einer Geräteklasse. Mobiles Lernen wird zu sehr mit einer anderen verbunden. 1:1-Computing? Sehr Englisch und zu technisch. 1:1-Lernen auch wieder nicht klar? Geht es um Tandems von zwei Leuten. Also doch die Ausstattung, die die technische Basis ist für Lernszenarien, didaktische Konzepte und der Kristallisationspunkt für viele andere Aktivitäten: Die Planung von LMS und WLAN, den Einsatz von Whiteboards. Die Arbeit an Medienkonzept und interner Lehrerfortbildung. 1:1 setzt aber auch Prioritäten: Nicht der Übergang will gestaltet werden, nicht der Mangel verwaltet. Es geht darum alle Technik dadurch letztlich in den Hintergrund zu drängen, aus dem Fokus zu nehmen, das man ihr den Status des Besonderen nimmt.

Im Heft sind einige Beispiele dokumentiert, die dies anschaulich machen. Dies sind Schulen, die seit Jahren (z.T. seit einem Jahrzehnt) eine solche Medienwirklichkeit in ihren Klassen realisieren.

Ein ideales Publikum fand das Heft bereits auf der Tagung One to One Computing in der Schule: Wie viele Computer braucht ein Schulkind? am 11.02.  in Goldau in der Schweiz. Hier waren über 150 Lehrerinnen und Lehrer der Einladung gefolgt, um sich zu informieren, ob und wie 1:1 an ihren Schulen eingeführt werden könnte… und warum.

Tagung und Heft stehen an einer wichtigen Gelenkstelle in der Entwicklung: Denn die Ausstattung von Kindern und Jugendlichen zu Hause ist zu umfassend wie nie zuvor. Das bietet Schulen die Möglichkeit auf diese Ausstattung „einfach“ zuzugreifen und stellt sie gleichzeitig vor die Herausforderung sie integrieren zu müssen und den Nutzenden einen verantwortungsbewussten Umgangen beizubringen.

Das ist sicher für viele Schulen ein neuer Weg. Aber es muss nichts grundsätzlich Neues sein und vor allem muss es nicht immer wieder etwas anderes sein. Eigentlich geht es drum die Versprechen einzulösen, mit denen der Computer einst in die Schulen getragen wurde. Jetzt und in der Breite. Nichts Neues.

Hilde geht ins Internet

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Mit Hilde* habe ich in den letzten drei Jahren den Karnevalszug der Grundschule organisiert. Anmeldungen schreiben, Kostüme planen, Kamelle kaufen, Strüsjer binden, kötten gehen… Insider wissen, worum es geht, alle anderen müssen das nicht. Jedenfalls hatten wir dabei eine Menge Spaß. Aber Hilde hat einen Fehler – aus meiner Sicht. Sie hat kein Internet. Terminabsprachen: Dafür haben unsere Anrufbeantworter tagelang miteinander kommuniziert! Abstimmung von Texten: Ausdruck machen, meiner Tochter mitgeben, hoffen, dass sie ihn an Hildes Sohn (Überwinden der Gendergrenze im 2. Schuljahr!) weitergibt und dass der dann Zuhause dran denkt, das Papier abzugeben. Hilde macht ihre Anmerkungen und der Postweg geht die umgekehrte Richtung. Da konnten locker mal Postlaufzeiten entstehen, die die Hauspost jeder öffentlichen Einrichtung als Expressdienst erscheinen lassen.
Aber Hilde bliebt dabei: Ich bin bis heute ohne Internet ausgekommen, also komme ich auch noch morgen ohne aus.
Klingt schlüssig und irgendwie ist es ja auch gegangen… und heute sagt Hilde so ganz nebenbei: Du kannst mir jetzt auch ne E-Mail schreiben! – und lächelt stolz-verlegen.
Wie jetzt? frage ich.
Ihre Töchter hat auf die weiterführende Schule gewechselt. Und da arbeiten die jetzt mehr mit Computern,sagt Hilde. Und auch die ganze Post für die Eltern kommt als E-Mail. Und weil Hilde weiß, wie wichtig es ist, ihre Tochter beim Lernen zu unterstützen und weil sie bereit ist, sich „dafür“ mit „dem ganzen Zeug“ auseinander zu setzen und weil so hofft, dabei auch noch was zu lernen, hat sie einen Computer gekauft und ein Internet bestellt. Und jetzt sitzen die beiden, Mutter und Tochter, vor dem Rechner. Noch geht das nicht so gut, sagt sie, aber das wird schon.

Was gemerkt, lieber Leser? Schule kann Medienkompetenz fördern, auch bei Eltern…

*Name vom Autor geändert!

Keiner Wetterkarte glauben!

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Am Freitag endete mit einer gelungen Abschlusskonferenz das Projekt „Naturwissenschaften entdecken!“. Viele der Projektbeteiligten waren noch einmal in Bonn zusammen gekommen, auch ich als ehemaliger Projektleiter war eingeladen. Einerseits kann das Projekt sich auf einige positive Ergebnisse zurückblicken, die vor allem in den Bereichen der Vernetzung von Lehrkräften untereinander und mit der fachdidaktischen Forschung erzielt wurden und im Gefolge die Produktion hochwertiger Unterrichtsmaterialien ermöglichte. Doch nun geht es dem Projekt wie vielen Fördermaßnahmen: Die Förderschwerpunkte des Bundes haben sich verschoben und mit einem Schulterzucken wird bekannt gegeben: Ab jetzt haben wir eine andere Baustelle – in die wir die Erfahrungen aus dem Projekt selbstredend einbringen. Nun denn.

Eine kleine Episode hätte mir aber fast die Feierlaune verdorben. Ich möchte sie hier kurz berichten, weil sie einiges zur aktuellen Diskussion um Medienkompetenz aussagt – und darüber, wie unterschiedlich diese definiert wird.

Prof. de Lange aus Osnabrück hat noch einmal Kartografix-Schule vorgestellt und gezeigt, wie technisch unaufwändig Schülerinnen und Schüler damit eigene thematische Karten erstellen können. Besonders wichtig war im dabei, dass die Jugendlichen lernen, dass jede Karte nun ein individueller Blick auf das zugrundeliegende Datenmaterial darstellt, bzw. dass man mit Karten auch Aussagen manipulieren kann. Sehr schön verdeutlicht hat er das mit zwei Karten zur Verteilung der Hochschulabsolventen auf die Bundesländer. Mit drei Klassen ergab sich eine differenzierte Karte, die es erforderte sich weitere Gedanken um die Ursachen zu machen. Eine leichte Verschiebung der Klassen und eine Reduzierung auf nur zwei Klassen ergab eine beeindruckende Karte, die einen Gegensatz zwischen alten und neuen Bundesländern suggerierte.

In der Abmoderation durch Helmut Rehmsen, der durch den Tag führte, meinte dieser, Herr de Lange sei aber sehr medienkritisch und würde sicher keiner Wetterkarte glauben. Ein paar Lacher hatte damit auf seiner Seite, und ohne Diskussion ging es weiter im Programm.

Ich denken jedoch nicht, dass das was Herr de Lange gezeigt hat medienkritisch ist, sondern eher ein wichtiger Beitrag dazu, Jugendliche dafür zu sensibilisieren, wie dünn das Eis sein kann, auf das einen Daten und Informationen aus dem Internet führen. Damit ist die Unterrichtsreihe nicht medienkritisch, sondern ein wertvoller Beitrag, eine – im positiven Sinne – kritsche Medienkompetenz aufzubauen und über Potentiale und Gefahren (digitaler) Medien zu reflektieren.

Herrn Rehmsen sei seine Bemerkung verziehen. Aus Sicht der „traditionellen“ Medien ist es wahrscheinlich zielführender unter dem Label Medienkompetenz vor den Gefahren jugendgefährdender Inhalte und datenhungriger Netzwerke zu warnen, als Jugendliche dazu zu ermuntern den Wahrheitsgehalt öffentlich-rechtlichen und privaten Infotainments zu hinterfragen…