Ein Schmierfink im OER-Workshop

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Für meinen persönlichen Rückblick auf die Didacta 2016 ist es noch ein wenig früh, denn in den möchte ich gerne auch die Dokumentation der Podiumsdiskussion einbinden, die wir am Freitag mit Schulen und Schulämtern aus vier Kommunen in NRW, der Medienberatung und der Initiative D21 gemacht haben. Da braucht der didacta-Verband aber noch ein paar Tage.

Schneller geht das beim 1. Barcamp auf einer Bildungsmesse. Große Teile der Veranstaltung hätte man LIVE auf Periscope sehen können. Und der Sessionplan und die Dokumentationen der einzelnen Sessions sind bei einem Workshop ja standardmässig online. So war es auch gestern in Köln. Zudem wurde unter dem Hashtag #vbmcamp16 getwitter, was das Zeug hält. Leider konnte ich nicht LIVE dabei sein und dachte mir: Schau doch mal in die Session-Dokus. Klar interessiert mich da natürlich das Thema OER. Vorbildlich: alles dokumentiert.

Was mich dann aber irritiert: André Spang (@Tastenspieler) ruft dazu auf, die Kolleginnen und Kollegen zu verscheißern?

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Natürlich hat das der André nicht getan. Denn als um ca. 14:30 die Session endet, endet auch die Dokumenation. Und da steht im Protokoll (Version 1676), man solle die Kollegen begeistern.

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Die Veränderung (begeistern -> verscheißern) wurde um 15:49 angebracht und bildet sicher nicht den Stand der Diskussion im Workshop ab.Was lernen wir daraus:

  • Es war super endlich ein Barcamp auf einer Didakta zu haben.
  • Toll auch, dass auf dem Camp, dessen Ausrichter ja immerhin die Verband der Bildungsmedien war, über OER gesprochen werden konnte.
  • Erfreulich, dass die Diskussion (folgt man Twitter offen und vielfältig war).
  • Schade, dass es (mindestens einen Menschen) gab, die ihre Meinung nicht offen und ehrlich gesagt hat, sondern lieber ins Etherpad geschmiert hat.

Und über Datenschutz und das Internet hat dieser Mensch jetzt auch etwas gelernt – wenn er denn von diesem Blog erfährt: Das Internet vergißt nicht, auch ein Etherpad vergißt nicht. Im Etherpad einfach mal den Button „Time Slider“ ausprobieren. Den kennen in den Klassen, die am Niederrhein BYOD machen, die Schüler nach der ersten Stunde. 😉

[Update – 21.2.16 – 18:21] Dankenswerterweise schickt André den Link zur Aufzeichnung der Session bei Youtube. Viel offene Diskussion, viel Aufbruch. Kein Aufruf, zu verschei….

 

 

 

Wir müssen reden

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Das Land NRW hat eine Initiative auf den Weg gebracht, die sich dem „Lernen im digitalen Wandel“ widmet und diesen in allen Bildungsbereichen gestalten so. Ziel ist es ein allgemein verbindliches Leitbild des Landes zu entwicklen. Der erste Schritt war eine Online-Diskussion in einer eigens eingerichteten Plattform, auf der alle Interessierten von Mitte November bis Mitte Januar diskutieren konnten. Inhaltlich haben die Beiträge ein breites Spektrum abgedeckt. Eine Diskussion kam aber kaum auf lediglich einzelne Beiträge erhielten Kommentare. Allerdings: Der Dialog fand weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Im Themenforum „Schule“ finden sich insgesamt 224 Interaktionen. Davon sind 43 eigenständige Beiträge, 54 Kommentare und 127 Bewertungen. Stellen wir diese Zahl einfach mal in Relation zur Zahl der Lehrkräfte in NRW (im Schuljahr 2014/15: 194.800) dann haben sich 0.1 Prozent der Lehrkräfte in NRW am Dialog beteiligt. Doch halt: Alle Interessierten waren eingeladen. Also auch die 2.547.676 Schülerinnen und Schüler – und mindestens ein Elternteil. Schon schrumpft die Beteiligung auf 0,0046 %. Kann man da noch von Beteiligung sprechen?

Und was bedeutet das? Ist das Thema Lernen im Digitalen Wandel nicht relevant? Ist es ein Nischenthema für wenig Nerds (auf der einen) und bewahrpädagogisch besorgte Eltern auf der anderen Seite?

Eine Beobachtung: Viele, denen ich von dem Online-Dialog berichtet habe, wussten nichts davon. Viele von diesen Menschen waren interessiert, wollten mehr wissen, einige haben sich dann auch beteiligt und finden sich unter den 224 Interagierenden. Was aber nachdenklich stimmt: Viele von diesen Menschen mit denen ich gesprochen habe, waren Verantwortliche in Schulen und Kommunen und dort die, die sich für das Thema „Digitale Bildung“ einsetzen.

Die Idee hinter „Bildung 4.0“ ist grandios. Wir brauchen einen breiten gesellschaftlichen Diskurs, darüber was Lernen im digitalen Wandel sein kann, soll, muss. Aber wir müssen mehr darüber reden und wir müssen das immer wieder und öffentlich tun. Nicht nur in den Foren, in denen es im digitale Bildung geht, sondern überall:

  • Wenn irgendwo über individuelle Förderung gesprochen wird, müssen wir uns einmischen und sagen: Das geht gut mit digitalen Medien.
  • Wenn irgendwo über den MINT-Unterricht gesprochen wird, müssen wir uns einmischen und sagen: Das geht gut mit digitalen Medien.
  • Wenn irgendwo über Integration von Flücktlingen durch Teilhabe an Bildung besprochen wird, müssen wir uns einmischen und sagen: Das geht gut mit digitalen Medien.
  • Wenn über Lernen gesprochen wird, müssen wir uns einmsichen und sagen: Lernen heute ist lernen im digitalen Wandel.

 

 

 

Ob das Silicon Valley die Lösung ist?

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Ja, wir können uns freuen. Wir, die wir gerne mal als Digitalisten beschimpft werden – aber vielleicht ist das ja auch ein Titel den wir mit einigem Stolz tragen dürfen. Wir dürfen uns freuen, weil wir wieder mehr gehört werden, denn lange war das Lernen mit digitalen Medien eine nette Spielerei, etwas das wir gerne am Ende des Schuljahrs machen durften, etwas für das wir uns rechtfertigen mussten: Und wann machst du wieder richtigen Unterricht?

Aber die öffentliche Diskussion wandelt sich. Ganz oben in der Politik ist die Botschaft angekommen: Das Internet geht nicht mehr weg. Schlimmer noch: Es wird sich in alles uns jedes einnisten. Es wird nicht nur unser Arbeitsleben noch grundlegend verändern, ganze Berufsgruppen und Berufe werden verschwinden und von digitalen Arbeitsprozessen ersetzt werden. Gut oder schlecht? Das ist nicht die Frage, die Frage ist: Wie gestalten wir das? Und wie gestalten wir es so, dass unsere Gesellschaft auch in Zukunft lebenswert ist.

Der Erkenntnis, dass sich die Arbeitswelt verändern wird, folgt die Schlussfolgerung, dass sich das Lernen in der Schule, im Studium und darüber hinaus auch verändern muss. Ja, wir haben die Rufe nach mehr „Educational Technology“ im letzten Jahrhundert immer wieder gehört – und ungehört verschallen hören. Aber könnte es sein, dass es diesmal anders ist? Das wir vielleicht doch an einer „Zeitenwende“ stehen?

Also: Schule, Lernen verändert sich? Aber wie? Es mehren sich die Versprechungen, dass das Silikon Valley mit seinen Start Ups und viel Geld die Lösung bring. Jörg Dräger und Ralf Müller-Eiselt geben in ihrem Buch, das im Herbst du die Bildungslandschaft rauschte Beispiele, wie Lernpläne für Schüler automatisch errechnet werden, basierend auf den Ergebnissen abertausender anderer Lernender und den bereits erbrachten Leistungen des einzelnen. Die Kommentatoren im Blätterwald sind entsetzt. Von Orwell ist die Rede – wieder mal. Vom Datenschutz. Was wenn ein schlechter Mathetest in der dritten Klasse bei der Bewerbung als Chefarzt ans Tageslicht kommt. Denn das Internet vergißt ja nichts.

Ich kann dem zunächst auch Gutes abgewinnen: Wie viele Grundschul-Lehrerinnen verbringen Stunden damit immer wieder die Testblätter des Hamburger Rechtschreibtests auszufüllen, um ihren Schülern die passenden Übungsblätter herauszusuchen. Warum sollte ein Computer diese Aufgabe nicht übernehmen können? Oder das Üben des kleinen 1×1? Phase6 ist schon jetzt ein sehr erfolgreiches Programm mit dem Schüler Vokabeln lernen. Könnte das Programm nicht noch besser werden, wenn es besser verstehen würde, welche Vokabeln einem oder vielen Lernern schwer fallen und welche Fehler sie machen?

Schauen wir uns die Beispiele genau an, diese hier und die in den Büchern und Zeitungen, dann fällt etwas anderes auf: Immer geht es ums auswendig lernen, richtig machen, üben. Das ist wichtig und  muss gemacht werden. Ohne das geht vieles nicht. Aber muss Lernen in einer digitalen Zeit nicht auch etwas anderes sein? Probleme lösen, gemeinsam Arbeiten, überhaupt erst einmal Fragen stellen und Aufgaben finden? Dabei helfen die Lernprogramme nicht, aber Computer, Tablets und Smartphones und Lehrer, die Schülern helfen, diese als Werkzeuge zu nutzen. Wenn Lernprogramm Lehrern helfen, mehr Zeit zu haben, dann können sei nicht gut genug sein. Aber dann müssen wir auch darüber reden, was die Lehrer mit der gewonnenen Zeit machen. Dann erst fängt die Diskussion um das „Lernen in digitaler Zeit“ an wirklich spannend zu werden. Aber dabei hilft wahrscheinlich so schnell kein Start up aus dem Silikon Valley, die Diskussion müssen wir hier in unseren Schulen führen.

Ein Begriff, den ich nicht mag, der aber die Diskussion um #DigitaleBildung verändern kann

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On the road againKurz vor Weihnachten habe ich auf einer kleinen, feinen Veranstaltung zum ersten mal einen Begriff gebraucht, den ich auch gestern wieder verwendet habe. Wieder auf einer kleinen, feinen Veranstaltung, die wieder nicht öffentlich war.
Ich mag diesen Begriff nicht und das hat Gründe: Er ist zu englisch und er weckt bei vielen unangenehme Gefühle, weil ein sehr ähnlicher Begriff seit Jahren in der öffentlichen Debatte steht.

So, jetzt aber mit der Katze aus dem Sack: Ich habe zweimal von „Digital Mainstreaming“ gesprochen.

Zunächst das Hauptargument, das dagegen spricht: Gerade im Bildungsbereich verdrehen immer wieder Leute die Augen, wenn von Gender Mainstreaming die Rede ist. Dieser Begriff steht dabei für eine bis heute ungelöste Aufgabe, die vielen unter diesem Label auch unbequem ist. Aber: Die Aufgabe des Gender Mainstreaming ist wichtig. Es geht dabei nicht nur um Sprachregelungen und wenn wir bei dieser Aufgabe als Gesellschaft weiter wären, dann wäre es vielleicht auch nicht zu den Ereignissen gekommen, die in der Silvesternacht am Kölner Bahnhof stattgefunden haben. Ereignisse, die mir als Kölner die Schames- und Wutröte ins Gesicht treiben und mir Sorgen bereiten, wenn meine beiden Teenager alleine in der Stadt unterwegs sind. Es geht bei den Übergriffen nicht darum, wie sich „Menschen mit Migrationshintergrund“ verhalten, sondern darum, wie Männer mit Frauen umgehen.

Sieht man es als ungelöste Aufgabe, dann ist die Analogie zwischen Gender und Digital Mainstreaming vielleicht gar nicht so falsch.

Was aber meine ich, wenn ich von „Digital Mainstreaming“ spreche?

Ich glaube, wir denken das Thema Digitalisierung in Bildung (sprich: Schule) oft noch zu klein. Wir sprechend davon, dass wir Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz vermitteln müssen und dass wir, „wenn es didaktisch sinnvoll“ ist digitale „oder auch andere“ Medien in Lernprozessen einbauen können. Mit den beiden Einschüben „didaktisch sinnvoll“ und „auch andere“ eröffnen uns und anderen immer wieder Hintertüren zu sagen: In diesem Jahr was das einfach nirgendwo didaktisch sinnvoll und ich habe ja andere Medien verwendet.

Digital Mainstreaming meint einen Perspektivwechsel. In gewisser Weise ist die Zeit vorbei, in der es sinnvoll und / oder ausreichend war, immer wieder tolle Beispiele zu zeigen, um die Potentiale digitaler Medien zu belegen und Akteure auf allen Ebenen aufzufordern, diesen Beispielen zu folgen. Wir müssen vielmehr konsequent überlegen, wie lässt sich eine bestimmte Aufgabe digital lösen.

Eine Anekdote: Es ist schon ein paar Jahre her, da war ich „im ländlichen Raum“ an einer Schule, die auch Notebook-Klassen hat. Ich besuche eine Stunde in einer Notebook-Klasse. Fünf Reihen Tische hintereinander. Beamer an der Decke. Whiteboard. Stahlschränke zum Wegschließen und Aufladen der Notebooks. Ansonsten ein Klassenzimmer wie 100.000 andere auch. An den Inhalt der Stunde erinnere ich mich nicht, aber auf dem Weg zurück ins Lehrerzimmer werfe ich einen Blick in eine andere Klasse. Dort: Tische zu in Gruppen. Regale voller Bücher. Lernplackte an den Wänden.
Ich schaue verwundert und Frage die mich begleitende Schulleiterin, wie das sein kann. Antwort: Naja, wir waren gerade in der Medienklasse. Hier das ist die Klasse für individuelle Förderung.

Und genau da liegt das Problem. Wir denken zu sehr in Sparten. Die Aufgabe für dieses Jahr muss nicht lauten, mehr digitale Bildung. Vielmehr müssen wir immer die Frage stellen, wie wir das, was wir gerade vorhaben auch mit digitalen Medien machen können. Also: Die Arbeit in der Willkommensklasse für Flüchtlinge: Wie können digitale Medien helfen? Die Unterstützung von Kindern mit besonderen Bedarfen: Wie können digitale Medien da helfen? Die Vorbereitung der Klassenfahrt und die Abstimmung darüber mit den Eltern. Wie kann das digital reibungsloser gehen? Jedes beliebige Thema im Fachunterricht. Feedback an die Lernenden? Und und und

Es geht um die Erkenntnis, dass wir aufhören müssen, #DigitaleBildung alles nettes Addon für Technik-begeisterte zu sehen, sondern verstehen müssen, dass nur eine Schule die „digital“ konsquent zu Ende denkt, ihre Aufgaben jetzt und in Zukunft gut machen kann. Und das heißt nicht nur über Ausstattung und Arbeit an Rechnern zu sprechen, sondern auch darüber, wie ich Fortbildungen im Kollegium anders gestalten kann und wie ich die Diskussion über „guten“ Unterricht in der Schule anders führen muss. Wenn wir als Anforderungen an Jugendliche immer wieder postulieren, sie müssen kooperativ und vernetzt arbeiten, dann muss das auch zum transparenten Prinzip in Schulen werden. Auch „unplugged“.

Wir haben die Revolution verschlafen

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Gerade ist viel Aufbruch und Bewegung im Thema „Digitale Bildung in der Schule“. Das ist gut und richtig. Der Herbst ist voll mit BarCamps zum Thema und viele Schulen und Lehrkräfte nutzen den Schwung des Schuljahresanfang, sich noch einmal Gedanken zum Thema zu machen. Und diese auch in der Schulentwicklung oder einfach nur in kleinen Versuchen im Unterricht umzusetzen.

In diese Atmosphäre hinein veröffentlich die OECD wieder einmal eine PISA-Auswertung. Die Kernbotschaft darin: Technik alleine hilft nicht. Es geht um die Pädagogik. Richtig. Man könnte es auch anders sagen: Wir machen Schule nicht, damit da Computer geutzt werden. Wir machen Schule, damit Kinder und Jugendliche das Lernen, was sie für ein erfolgreiches Leben in unserer Gesellschaft benötigen. In einer sich verändernden Welt benötigt Schule daher auch andere Herangehensweisen und die können wahrscheinlich mit IT sinnvoll unterstützt werden.

Was aber bisher keinen gestört hat an derVeröffentlich der OECD ist eine kleine Zahl: 4,2 Schüler teilen sich demnach einen Computer in einer deutschen Schule. Damit liege Deutschland – mal wieder und wen wundert das noch – im unteren Drittel.

All jene, die diese Zahl gestern nachgedruckt (oder wie sagt man das digital?) haben, haben wahrscheinlich im letzte Herbst auch über die ICILS-Ergebnisse geschrieben. Da wurde auch gezählt. Ergebnis: 11 Schüler teilen sich einen Rechner. Noch älter sind die letzten Zahlen vom BMBF. Da haben fleißige Hände auch 11 Schüler vor jedem Rechner gezählt. Wir haben also Zahlen aus 2006 (BMBF), 2012 (PISA) und 2013 ICILS. Und wenn das alles stimmt, dann hat die Revolution in der digitalen Bildung 2012 stattgefunden, als kurzfristig unzählige Computer in Schulen vorhanden waren. Ich habe das mal aufgemalt…

Bildschirmfoto 2015-09-16 um 09.01.38Gemerkt hat das wohl keiner. Weder 2012 in der Schule, noch gestern beim nachbeten der neuen Zahlen – die älter sind als die der ICILS-Studie aus dem Herbst.

Wie es zu diesen Zahlen kommt, weiß ich noch nicht. Ich versuche das mal rauszukriegen.

Aber drüber nachdenken, was da so alles geschrieben wird, könnte man schon.

 

 

Mythos Qualität – Wenn es passt, ist es gut!

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Was ist ein gutes Lernmaterial? Was ist ein gutes Schulbuch? Eine gute Lernsoftware? Ein gutes Arbeitsblatt? Und wer hat das Recht und die Qualifikation über die Qualität eines Lehr- oder Lernmaterials zu entscheiden?

Nie wurden diese Fragen häufiger aufgeworfen und nie weniger beantwortet als in der Diskussion um offene Bildungsressourcen (OER) in der Schule. Früher war die Welt in Ordnung. Da haben Verlage Bücher gemacht, Bundesländer haben sie geprüft und zugelassen und damit war für alle klar: Das ist Qualität. Selten wurde gefragt: Was wird denn da überhaupt geprüft? Von wem? Nach welchen Kriterien? Und noch weniger hat man sicher gewundert, warum die Verfahren zur Zulassung in den einzelnen Bundesländern höchst unterschiedlich sind. Auch dass einzelne Länder mittlerweile auf Schulbuchzulassungen gänzlich verzichten, hat niemanden aus der Bahn geworfen; ebenso wenig wie die Tatsache, dass der überwiegende Teil der von Verlagen hergestellten Lehr- und Lernmaterialien noch nie einer staatlichen Zulassung bedurfte – diese bezog sich (fast) immer nur auf Schulbücher, die den Stoff ganzer Schuljahre abdeckten und nie auf Zusatzmaterialien, Übungshefte oder digitale Begleitmedien. Und bei den „Freien“ war es ähnlich, damals als es noch kein OER gab. Da haben Stiftungen, Initiativen oder einfach Zusammenschlüsse von engagierten Lehrkräften Material erstellt, im Netz veröffentlicht und wer wollte, hat es genutzt. Das ist bis heute so.

Qualitätssicherung? Wenn es passt, ist es gut! Doch wer sichert die Qualität bei OER?

Und vor dem „Wer?“, steht die Frage nach dem „Was?“. Wir müssen verschiedene Bereiche unterscheiden, in denen ein Material Qualität haben kann:

  1. Zunächst die Besonderheit für OER: Die korrekte Verwendung von Lizenzen. Die Offenheit der Formate.
  2. Die inhaltliche Korrektheit. Die fachliche Richtigkeit.
  3. Die Passung eines Materials zu den Lehr- und Bildungsplänen eines Bundeslandes. Die Zuordnung zu Schulformen und Jahrgangsstufen.
  4. Die Eignung für eine bestimmte Lerngruppe oder – in Zeiten der individuellen Förderung – für einzelne Lernende. Zunächst die Besonderheit für OER: Die korrekte Verwendung von Lizenzen. Die Offenheit der Formate.

Nun das „Wer“ in den vier Bereichen:

1. Lizenzen

Für ersteres sind die Herausgebenden verantwortlich. Doch wenn man sich viele Diskussionen anschaut, dann scheint es nicht immer ganz einfach zu sein, die verschiedenen Lizenzen beim Erstellen eines Materials und noch weniger beim Remixen verschiedener Materialien korrekt anzugeben – und dabei eine lerngerechte Gestaltung zu erzielen. Gehen wir hier einfach einmal davon aus: Der gute Wille zählt. OER hat das Ziel, Bildungsmaterialien frei zugänglich zu machen und eine weitgehende Nachnutzung und Veränderung zu ermöglichen. Die CC-Lizenzen, die sich zu einem Quasi-Standard für OER entwickeln sind hier eine gute Grundlage. Ein Urheberrecht, das Bildung aber eine besondere Rolle einräumt, könnte die Sachlage hier noch vereinfachen und Produzenten und Lehrkräften mehr Rechtssicherheit geben, als komplexe CC-Lizenzen dies können.

2. Inhaltliche Korrektheit, fachliche Richtigkeit

Inhaltliche Fehler passieren immer wieder. Überall im Netz finden sich Sammlungen von fachlichen Fehlern in gedruckten und zugelassenen Schulbüchern. Anders als bei Druckwerken, kann die Aufmerksamkeit der Nutzenden bei OER direkt wirken. Ein Hinweis an die Autorin oder den Autor und ein Fehler in einem digitalen Werk lässt sich schnell beheben. Oder die Finderin und Finder besseren den Fehler selbst aus und stellen das korrigierte Werk wieder zur Verfügung. Wenn das auf der gleichen Plattform und zum Beispiel mit Hilfe einer Versionierung geschieht, kann ein Werk so schrittweise verbessert werden. Eine Versionierung von Derivaten bringt einen zusätzlichen Gewinn. Für Nutzende wird erkennbar, dass ein Werk nicht mehr ausschließlich von (bekannten) Herausgebenden stammt, sondern von anderen (unbekannten) Autorinnen und Autoren verändert wurde. Ob dies zu einer Verbesserung oder Verschlechterung der Qualität beiträgt, kann aber pauschal nicht beantwortet werden.

3. Lehrplananbindung

Für viele Lehrkräfte bildet das linear aufgebaute, gedruckte Schulbuch heute eine wichtige Hilfestellung bei der Planung von Unterricht. Es gibt den roten Faden vor, an dem sich der Unterricht aufbaut; es stellt die handhabbare Übersetzung des Lehrplans für die Lehrkraft dar. Dabei weichen Lehrkräfte schon heute oft vom Buch ab und wählen anderes Material – aus dem Internet oder selbst erstellt – um die Inhalte zu vermitteln. Die Funktion des roten Fadens könnten in Zukunft Einrichtungen der Bundesländer wahrnehmen, die jetzt für die Schulbuchzulassung verantwortlich sind. Sie könnten Material sichten und Themen, Kompetenzen, Schulformen und Jahrgängen anhand der Lehr- und Bildungspläne zuordnen. Diese Informationen mit Verweisen auf die jeweiligen Materialien können zum Beispiel über die Landesbildungsserver bereitgestellt werden. Aber auch andere Einrichtungen, die sich besonderen Aspekten des Unterrichtens widmen, könnten solche Zuordnungen vornehmen. Wenn es dabei etwa um die Förderung von besonders naturwissenschaftlich interessierten Lernenden geht oder um die Umsetzung von Inklusion, können diese Zuordnungen dann durchaus unterschiedlich ausfallen. Unabhängig davon, wo solche Sammlungen zusammengetragen werden: Sie können die Funktion des roten Fadens ersetzen.

4. Passung für den Unterricht

Bei aller Qualitätssicherung im Produktionsprozess und der Zuordnung zu Bildungsplänen: Am Ende entscheidet sich die Qualität eines Materials erst in der Verwendung in einer Lehr- und Lernsituation. Nur die Lehrkraft und die Lernenden können entscheiden, ob das Material hilfreich war und ob es zur gewählten Methodik passt.

Und so sind wir wieder bei der Erkenntnis vom Anfang: Wenn es passt, ist es gut!

Allerdings: Das wertvolle Wissen vieler Lehrkräfte und Lernenden über die Erfahrungen, die sie mit einzelnen Materialien gemacht haben, werden bisher kaum für andere nutzbar gemacht. Dieses Wissen sollte besonders mit Blick auf OER, aber auch für andere Materialien systematisch zugänglich gemacht werden. Dazu braucht es zweierlei:

  • Plattformen, die dieses Erfahrungswissen sammeln und zugänglich machen und die dabei unabhängig von den Produzenten sind, müssen geschaffen und bekannt gemacht werden. Bei der Reiseplanung und der Auswahl von Restaurants kennen und nutzen wir solche Angebote bereits. Für den Bildungssektor müssten sie ausgebaut und bekannt gemacht werden. Verknüpfungen zu den Plattformen der Materialanbieter schaffen zusätzlich Übersicht.
  • Lehrkräfte müssten animiert und motiviert werden, ihr Erfahrungswissen bereitzustellen – und auch ihre Lernenden dabei einzubeziehen. Zu überlegen wäre hier, welche Anreizsysteme dabei hilfreich sein könnten. Noch wichtiger aber wäre es, bereits in der Ausbildung zu üben, eine Lerneinheit damit abzuschließen, die persönliche Meinung über die verwendeten Materialien öffentlich zu machen.

Fazit: Bisher wurde bei der Qualität von Materialien vor allem auf die Erstellung geschaut. Es ist auch wichtig, dass hier Material erprobt wird und dass für Korrektheit gesorgt wird. Aber die tatsächliche Nutzung und Eignung im Lernprozess selbst, entscheidet letztlich über Brauchbarkeit und Qualität. Diese Informationen gilt es zu sammeln und nutzbar zu machen.

cc_byDer Beitrag erschien zuerst auf der Webseite des Projektes MappingOER von Wikimedia. Er ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution International 4.0 (CC by 4.0) lizensiert.

„Durch Stärkung der Digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“

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Am 22. April war ich als Gesprächspartner im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Bundestages. Diskutiert wurde der Antrag der Fraktionen von CDU/CSU und SPD mit dem Titel „Durch Stärkung der Digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“. Eine Aufzeichnung der Sitzung findet sich in der Mediathek des Bundestages.

Meine Positionen habe ich in der folgenden Stellungnahme zum Antrag zusammengefasst.

Die Diskussion um eine stärkere und systematischere Nutzung digitaler Medien im Unterricht mit dem Ziel Medienkompetenz zu fördern und digitale Spaltung zu verhindern ist zum jetzigen Zeitpunkt richtig und wichtig. Sie muss aber immer in den Gesamtkonzept gesellschaftlicher Entwicklung gestellt werden und fragen, welche Aufgaben Schule in dieser Gesellschaft wahrnehmen muss.

Bildung in und für eine digital geprägte Welt

Schule hatte immer die Aufgabe, junge Menschen in ihrem Bildungsprozess zu begleiten und zu unterstützen. Dabei ist es das Ziel, dass sich selbstständige, problemlösungsfähige und lebenstüchtige Persönlichkeiten entwickeln können. Gemessen werden muss dies aber immer an den gesellschaftlichen Bedingungen, in und mit denen eine Person lebt. Statt von „digitaler Bildung“ sollten wir also präzise von einer „Bildung in und für eine digital geprägte Welt“ sprechen. So wird deutlich, dass es nicht um eine Technisierung von Schule und Bildung geht, sondern um die Befähigung von Schulen, ihre Aufgaben auch in Zukunft erfolgreich zu bewältigen. Dies geht nicht ohne die entsprechende Technik, erfordert aber auch dazu zurücktreten von dieser, um ihre Wirkungen zu reflektieren.

In einer digital geprägten und zunehmend globalisierten Welt sind vielfältige Kompetenzen erforderlich, die über Medienkompetenz weit hinausgehen. Im englischen Sprachraum hat sich hierfür der Begriff der 21st century skills eingebürgert. Schlagworte sind hier u.a.: critical thinking, communication, collaboration und creativity. Diese beziehen sich einerseits auf digitale Medien als Gegenstand, können anderseits mit digitalen Medien aber auch umgesetzt und unterstützt werden. Die Bedeutung von Wissen verändert sich hierbei. Ziel ist nicht mehr einen vorgegebenen Wissenskanon zu beherrschen, sondern zu lernen, Wissen im Bedarfsfall verfügbar zu haben und es dann im jeweiligen Kontext nutzbar zu machen. (Schulisches) Lernen sollte jeden einzelnen in seinen Fähigkeiten fördern und herausfordern und ihn zu kooperativen Arbeitsformen befähigen. In beiden Fällen können digitale Medien unterstützend eingesetzt werden. Besonders Lernende mit besonderen Bedürfnissen können von diesen Unterstützungsfunktionen profitieren.

Die „Digitalisierung“ der Bildung zielt nicht auf eine Technisierung oder Automatisierung von Bildung und Lernen, sondern auf die Befähigung zu einem erfolgreichen Leben und Arbeiten in einer digital geprägten Welt. Dazu sind umfassende Kompetenzen erforderlich, zu deren Erwerb digitale Medien im Lernprozessen einen festen Platz haben sollten. Grundsätzlich geht es aber darum, unser Verständnis von schulischem Lernen zu überdenken und Schule auf aktuelle gesellschaftliche Anforderungen auszurichten.

Schulentwicklung in regionalen Bildungsnetzwerken

Der Professionalisierung der Lehrkräfte kommt in den erforderlichen Entwicklungsprozessen eine besondere Bedeutung zu. Diese bezieht sich aber nicht nur auf die Kenntnisse der einzelnen Lehrkraft, sondern vor allem auf deren professionelle Kooperation in einer Schule. Die Einzelschule ist als zentraler Ort von Veränderungsprozessen anzusehen. Benötigt werden daher keine (zentralen) (top-down) Fortbildungen. Einzelne Schulen müssen bei Entwicklungsprozessen unterstützt und gefördert werden. (Lokale und regionale) Bildungsnetzwerke können solche Entwicklungsprozesse unterstützen. Gute Ansätze gibt es dabei z.B. zum Thema der individuellen Förderung, die Schulentwicklungsforschung hat hierzu wichtige Erkenntnis hervorgebracht. Allerdings wird die Bedeutung der Digitalisierung in beiden Themenfeldern bisher bestenfalls am Rande diskutiert. Die Diskussionen sollten hier zusammengeführt werden.

In den erforderlichen Veränderungsprozessen können die Lehrkräfte, die bereits Erfahrungen mit digitalen Medien erworben haben, eine wichtige Promotorenfunktion in Schulen wahrnehmen. Dazu ist es wichtig, diesen engagierten Lehrkräften Austauschstrukturen zu bieten und Unterstützung zu gewähren.
Andere Lehrkräfte scheuen vor Veränderungsprozessen häufig zurück, weil damit Grundsätze ihrer bisherigen Arbeitsweise massiv in Frage gestellt werden. Aus eigenständig und getrennt arbeitenden Experten, sollen Teamplayer werden. (Vermeintliche) bessere IT-Kenntnisse von Jugendlichen werden als Bedrohung wahrgenommen und führen zur Angst vor einem Autoritätsverlust. Die Öffnung des Klassenzimmers durch das (stets verfügbare) Internet und eine vielfältige technische Ausstattung in der Klasse nährt die Sorge vor einem Kontrollverlust im Klassenzimmer. Ebenso wächst die Angst von Lehrkräften, durch die Verfügbarkeit von Informationen aus dem Internet in ihrer fachlichen Kompetenz in Frage gestellt zu werden.
Diesen (verständlichen und aus der Sozialisation von Lehrkräften erklärlichen) Ängsten kann nicht durch Fortbildungen begegnet werden. Auch hier sind vor allem schulinterne Austausch und Kooperationsstrukturen erforderlich. Schulen müssen gemeinsame Strategien und kollegiale Beratungsstrukturen entwickeln.
Eine Weiterentwicklung der Lehrerausbildung kann zukünftige Lehrkräfte besser auf die neue Situation vorbereiten.

Die Befähigung von Lehrkräften, Unterricht so zu gestalten, dass er Lernende auf ein Leben und Arbeiten in einer digital geprägten Welt vorbereitet, ist ein Prozess, der vor allem in der Einzelschule gestaltet werden muss. Lokale und regionale Netzwerke können diese Entwicklungsprozesse unterstützen. Lehrkräfte, die bereits über eigenständig erworbene Kompetenzen verfügen, können schulinterne Entwicklungsprozesse unterstützen und mitgestalten.

Maßnahmen
  • Anpassung der Curricula für die Lehrausbildung
  • Regionale Bildungsnetzwerke als Unterstützungssystem für Schulentwicklung stärken

Leistungsstarke Infrastrukturen, BYOD als Ergänzung, professioneller Support

Medien müssen im Klassenraum verfügbar sein und situativ eingesetzt werden können. Lernende müssen dabei (auch) selbstgestimmt entscheiden können, wann und wie sie Medien verwenden. Lerninfrastrukturen, in denen eine Vielfalt an Geräten vorhanden ist, können zu unterschiedlichen Lernszenarien, aber auch zur Reflektion über den nutzen einzelner Geräte und Anwendungen anregen. In diesem Kontext können private Geräte von Lernenden (BYOD) schulische Ausstattungen sinnvoll ergänzen und bereichern.
Die schulische (bzw. staatliche) Ausstattung von Lernenden mit persönlichen Geräten erscheint dauerhaft weder sinnvoll noch realistisch. Investitionen sollten sich auf eine gute schulische Infrastruktur (offenes und sicheres WLAN), einen breitbandigen Anschluss an das Internet, Präsentationsmedien und Leihgerätepool für besondere Aufgaben und sozial Schwache konzentrieren. Die professionelle Wartung dieser Infrastruktur durch Fachpersonal in den Schulen ist bisher in Deutschland nicht berücksichtigt worden.
Eine Aufteilung der finanziellen Belastung auf Schulen und Elternhäuser führt dabei insgesamt zu mehr Bildungsgerechtigkeit, weil Lernen mit und über Medien in Schulen so ermöglicht wird und der Erwerb von IT-Kompetenzen weniger stark vom Elternhaus abhängig ist.

Eine durchdachte Lerninfrastruktur in Schulen sollte in Zukunft aus einer Mischung schulischer und privater Geräte in einer leistungsstarken, offenen und sicheren Infrastruktur bestehen, die von professionellen Fachkräften vor Ort gewartet wird. Staat und Eltern übernehmen Verantwortung für die Realisierung und ermöglichen so mehr Bildungsgerechtigkeit.

Maßnahmen
  • Breitbandausbau in Schulen
  • Gesetzliche Grundlagen für sicheren und offenen Internetzugang schafften
  • Nutzung privater Geräte grundsätzlich ermöglichen
  • IT-Personal an Schulen aufbauen

OER als Standard für Bildungsmedien

Medienkonvergenz, die Möglichkeit mit einem Geräte Text, Töne, Bilder und Filme anzusehen und zu produzieren, erweitert didaktische Szenarien ungemein. Das aktuelle Urheberrecht schränkt diese Möglichkeiten wieder ein. Lehrkräfte können eigenständig zusammengestellte Kollektionen von Lernmitteln weder austauschen noch dauerhaft digital verfügbar machen. Wichtiger noch: Lernende können vorhandene Lernmittel nicht in eigene Lernprodukte integrieren und dauerhaft zugänglich machen. Eine Lizenzierung von Lernmittel als OER (Open Educational Resources) und / oder eine grundlegende Anpassung urheberrechtlicher Bestimmungen können hier helfen. Damit digitale OER nachhaltig im schulischen Lernen wirken können, bedarf es des systematischen Aufbaus dieser Ressourcen. Dazu ist eine professionelle Arbeitsteilung zwischen Autoren (Lehrkräften) und Medienproduzenten (Verlagen) erforderlich. Die Geschäftsmodelle, nach denen die Akteure agieren, müssen aber neu gestaltet werden. Zudem helfen Metadatenstandards und ein System vernetzter Verweissystem die Auffindbarkeit von OER zu verbessern.
Die Qualität eines Lernmittels entscheidet sich zukünftig nicht nur an seinem Inhalt, sondern daran, ob die „5 R“ von OER erfüllt sind: Reuse, Revise, Remix, Republish und Retain.

Lernmittel, die (von Lehrenden und Lernenden) wiederverwendet, überarbeitet, neu zusammengestellt und veröffentlich werden können und die ihnen dauerhaft zur Verfügung stehen, stellen eine wichtige Voraussetzung für veränderte Unterrichtsszenarien dar, die a) die Möglichkeiten digitaler Medien ausschöpfen und b) auf einen digitale geprägte Welt vorbereiten. Sie führen aber nicht „automatisch“ zu unterrichtlichen Veränderungen. Bei der Erstellung von Lernmitteln bedarf es einer professionellen Arbeitsteilung. Um die Auffindbarkeit und Wiederverwertung zu gewährleisten müssen informationell offene Ökosysteme geschaffen werden. Über die Qualität von Lernmittel entscheidet ihre Nutzung und Nutzbarkeit im Unterricht.

Maßnahmen
  • Gesetzliche Grundlagen für OER in der Bildung schaffen
  • Über Ausschreibungen und Wettbewerbe OER entwickeln lassen
  • Infrastrukturen schaffen, die OER verfügbar, auffindbar und austauschbar machen.

Schlussbemerkung

Schulen müssen befähigt werden, auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen durch die Digitalisierung vieler Lebensbereiche angemessen zu reagieren, um ihrer Aufgabe auch in Zukunft gerecht werden können. Dies ist nicht nur für den „Wirtschaftsstandort Deutschland“ wichtig, es gebt noch mehr darum, Jugendlichen eine Perspektive zu eröffnen für ein kreatives, selbstbestimmtes und sicheres Agieren in einer digitale geprägten Welt.

Man mag beklagen, dass das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich hier bisher nur „mittelmäßig“, in manchen Bereichen sogar Schlusslicht ist. Diese Sichtweise lässt aber außer Acht, dass an vielen Schulen, in Kommunen und Bundesländern wichtig Ansätze erkennbar sind. Es erscheint zielführend, diese Ansätze stärker zu unterstützen und hervorzugeben. Es bedarf einer deutlichen Wertschätzung der Arbeit, die an vielen Schulen bereits in die richtige Richtung erfolgt.
Die Digitalisierung der Gesellschaft ist ein unumkehrbarer Prozess. Schulen darauf vorzubereiten eine Notwendigkeit. Über das „Wie“ muss man im Detail sprechen. Der Prozess ist aber zu bedeutsam, um ihn übermäßig zu politisieren. Bund und Länder sollten hier zu einer gemeinsamen Unterstützungsstrategie finden. Kritische Stimmen sind wichtig, sollten sich aber aktiv gestalten einbringen. Unterschiedliche Fachdisziplinen aus der Wissenschaft (z.B. Medienpädagogik und Informatik) haben ihre Berechtigung, aber auch hier sind gemeinsame Strategie wichtig und nicht konkurrierende Interessen.

Den Blick heben

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Im September haben wir zum offiziellen Abschluss des Projektes School IT Rhein Waal in Duisburg eine Fachtagung organisiert. Die Frage stand dann im Raum: Und jetzt? Natürlich, ein Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass es einen festen Beginn und ein zeitlich festgesetztes Ende hat. Gleichzeitig war aber auch allen Beteiligten von Beginn an klar: Die angestrebten Veränderungen im Lehren und Lernen mit digitalen Medien brauchen an den Projektschulen mehr Zeit als die 2 Erprobungsjahre. Für die Schulen geht mit dem Projektende also vor allem eine Zeit des organisierten Austauschs und der Zusammenarbeit im Projekt zu Ende. Schulintern geht es weiter. In manchen Fällen wurden aber sowohl die Zusammenarbeit mit den kritischen Fragern von der Uni und der Austausch mit gleichgesinnten Schulen als Hilfe im Entwicklungsprozesse gesehen. Hier keimen gerade neue Netzwerke. Aber wie das mit Keimungsprozessen so ist, sie bedürfen manchmal der Ruhe und Geborgenheit. Dazu also später mehr.

Eine erste sichtbare Folgeerscheinung des Projektes war die Zukunftswerkstatt, die wir am learninglab in dieser Woche in Zusammenarbeit mit der Stadt Duisburg, der Medienzentrum der Stadt und dem Kompetenzteam durchgeführt haben. Schulleitungen, Medienbeauftragte und Lehrkräfte von 5 Duisburger Schulen haben einen Tag lang geplant, ob und wie sie den Weg gemeinsam gehen könnten, zu dem, was wir mittlerweile gerne hybride oder vielfältige Lerninfrastrukturen nennen. Der Auftakt war spannend und das Engagement groß. Die Zukunft wird zeigen, was sich hier entwickelt. Ein paar Ansatzpunkte aber sind mir wichtig:
– Die Stadt engagiert sich mit verschiedenen Organisationen in der Zusammenarbeit. Der Schulträger übernimmt nicht nur Verantwortung für die technische Ausstattung der Schulen, er setzt sich mit ihnen an einen Tisch, um sie bei der Nutzung dieser Ausstattung zu unterstützen.
– Die Schulen haben sich klar gemacht, dass es bei der gemeinsamen Arbeit zwar auch um technische Lösungen geht. Wichtiger aber ist ihnen, dass sie sich gemeinsam über pädagogische und didaktische Fragestellungen austauschen.
– Sie haben ein Bewusstsein dafür, dass es ein längerer Prozess ist, das gesamte Kollegium mitzunehmen, dass hierfür nicht nur Fortbildungen erforderlich sind, sondern dass in den Kollegien ein Austausch untereinander entwickelt werden muss.
– Es besteht die Hoffnung, dass diese Prozesse besser gelingen können, wenn man sich mit mehreren Schulen gemeinsam auf den Weg macht.

Mit diesen Eindrücken nach einem spannenden Tag fiel mir dann der Artikel in der aktuellen GEO in die Hände. „Digital macht schlau!“ Im Anleser werden die Chancen beschworen, die Tablets und Internet für das Lernen bieten. Der folgende Artikel weist aber einige interessante Leerstellen auf.

  1. Zunächst wird ein Bild entworfen, wie es sein könnte: Also Bespiel werden die Steve-Jobs-Schulen angeführt, die in den Niederlanden im letzten Jahr gegründet wurden. Papier und Bücher scheint es dort nicht mehr zu geben – alles findet am, auf und mit dem iPad statt. Alles? Nicht alles, denn auf dem Schulhof getobt wird trotzdem. Ich will nicht diskutieren, ob digitale Medien (jetzt, heute, in diesem Jahrzehnt) analoge komplett ersetzen können oder sollten. Das wichtige an diesen Schulen in den Niederlanden ist – in meiner Wahrnehmung – aber nicht das digitale, sondern die Organisation von Lernen insgesamt. In offenen altersübergreifenden Lerngruppen, mit individuellen Zielvereinbarungen und Lernplänen. In enger Abstimmung zwischen Lernenden, Eltern und betreuenden (!) Lehrkräften. In dieses visionäre (oder auch alte bekannte?) pädagogische Konzept integriert sind die Tablets, sie dienen einer Vision vom Lernen im 21. Jahrhundert. Sie sind nicht die Vision.
  2. Nach dem Blick über die Grenzen werden zwei Lehrer aus Deutschland vorgestellt, die zeigen wie es „richtig“ gehen könnte. Es wird in beiden Fällen deutlich: Diese Lehrer stehen nicht exemplarisch für ihre Schulen, sondern sind Ausnahmeerscheinungen. Der eine „lebt“ in einem analogen Lehrerzimmer als Exot, der andere wird mit seinen Schülern in den Keller „verbannt“. Die Arbeit von beiden ist richtig und wichtig. Der Artikel stellt aber nicht die Frage: Warum sind die beiden Ausnahmen und nicht Ansporn.
  3. Im Gefolge verliert sich der Artikel in einer Vielzahl von Beispielen und Fragestellungen. Computerspiele versus Bücher. Die Sicherheit analoger Schulbücher versus die rudimentäre Umsetzung digitaler Schulbücher. Der Ruf nach mehr Informatik. Was dabei aber völlig aus dem Blick gerät, ist die Vision davon, wie Lernen gestaltet werden könnte oder sollte. Der Blick bleibt am Detail und am Digitalen hängen. Und mit diesen Einschränkungen hebt er sich auch nicht, auf die Organisation, um die es geht: Die einzelne Schule in ihrer Gesamtheit. Die Frage ist nicht, ob digital schlau macht. Die Frage ist: Wie wollen wir Schule in einer digitalen Welt gestalten?

Peinlich: Nur Mittelfeld…

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Eine neue Vergleichsstudie und Deutschland landet „nur“ um Mittelfeld. Zwei, drei Tage geht nun ein Rauschen durch den Blätterwald und schon ist alles wieder vergessen. Oder?

Werfen wir einen Blick in den Blätterwald. Die Zeit nennt das Ergebnis, dass Deutschland bei der internationalen Vergleichsstudie ICILS erreicht hat, peinlich. Die Studie vergleicht die  computer- und informationsbezogenen Kenntnisse von Achtklässlern.  Insgesamt landet Deutschland auf einem mittleren Platz. Was ist daran nun peinlich? Vielleicht die Kluft, die sich auftut, zwischen Gymnasiasten und Lernenden anderer Schulformen? Denn die Jugendlichen am deutschen Gymnasium erzielen bessere Werte als die insgesamt führenden Tschechen. Das deutsche System mal wieder hochgradig ungerecht? Peinlich!

Der Stern sprach davon, dass die Digital Natives Nachhilfe benötigen. Der Titel wurde geändert, in der URL lebt er fort. Ein wenig schwingt da die Häme mit: So dolle ist das mit den Jungen gar nicht, wir Alten können doch noch was. Peinlich!

Reflexartig sind dann auch die berichteten Reaktion:
Digitale Medien müssen in die Lehrpläne. Sind sie schon, wenn man genau liest und es wahr haben will.

Die Ausstattung ist „mittelalterlich“. Da muss dringend was geschehen. Ja! Da hat es in den letzten Jahren im Vergleich zum Ausland an Investitionen und vor allem an Strategie gefehlt. Aber die Rede von der mittelalterlichten Ausstattung ignoriert völlig die vielfältig Technik, die Jugendliche täglich mit in die Schule bringen und nicht nutzen dürfen. Peinlich!

Klar, kommt die Forderung nach einer besseren Lehrerausbildung. Sollten wir unbedingt machen, keine Frage. Also: Studienordnung ändern, Studierende aufnehmen. BA machen. MA machen. Referendariat… und in 10 Jahren haben wir die ersten nach neuen Grundsätzen ausgebildeten Lehrkräfte. Prima! Es sei den, sie werden von denen unterrichtet, die selbst noch nicht wissen (wollen) was man mit digitalen Medien im Unterricht machen kann. Peinlich!

Na, gut, dann werden eben mehr Fortbildungen gefordert. Dumm nur: Wenn man wollte könnte man sich fortbilden. Angebote gibt es. Nur: Es geht keiner hin! Und kam eine Schulleitung fordert es ein! Peinlich!

Was in der aktuelle Lage keine Rolle spielt ist die Frage, was in der Schule passiert. Gefordert werden Aktionen der Politik und der Bildungsbürokratie. OK. Gefordert wird Engagement der Lehrkräfte. Auch OK. Aber das der Ort in dem beides zusammenkommt und Unterricht und Lernen gestaltet werden – müssen, die Schule ist, bleibt außen vor.

Meine Meinung:

  • Die Politik und die Bildungsbürokratie sind gefordert: Über zentrale Prüfungen und das genaue Hinschauen auf das Thema kann man einiges bewirken.
  • Die Schulträger sind gefordert. Sie müssen einen Infrastruktur schaffen, die allen das Lernen mit Medien ermöglicht und dabei private Geräte mitdenkt.
  • Die Unis sind gefordert. Digitale Medien können verbindlicher eingesetzt werden.
  • Vor allem aber sind die Schulen gefordert. Jede einzelne von ihnen muss eine Vision vom Lernen mit digitalen Medien entwicklen und eine Strategie, wie diese Vision erreicht werden kann. Dau braucht es
    • eine Schulleitung, die dies unterstützt, fordert und fördert
    • Lehrkräfte, die bereit sind auszuprobieren und Erkenntnisse zu teilen
    • Freiräume, auch etwas zu tun, dass nicht im ersten Schritt klappt
    • Austausch zwischen Schulen, denn nicht jede Schule muss alles selbst entwickeln, aber auf die eigene Schule anpassen
    •  die Offenheit, die Potentiale zu nutzen, die die Lernenden mitbringen. Das betrifft deren Geräte aber auch ihre Kompetenzen diese zu nutzen.

Oder auf den Punkt gebracht: Es braucht Schulentwicklung. Nicht mehr und nicht weniger!

Dumm nur, dass mir in dieser Woche noch ein Mitarbeiter eines großen Projektes zur Schulentwicklung sagt: Naja, wissen Sie: Wir betreiben Schulentwicklung. Das hat ja mit Medien erstmal nichts zu tun. … Peinlich!

Achso: Noch ein Wort zum Qualitätsjournalismus. Die Zeit zitiert aus der Studie, dass sich in Deutschland immer noch 11 Schüler einen Rechner teilen… und bebildert dies mit einem Foto in dem jeder Schüler ein Notebook hat. Von daher die Empfehlung: Die Studie im Original lesen.

http://icils2013.de/

Die Macht der Bilder

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Irgendwas ist ja immer. Mal ist die Webseite unübersichtlich und die Registrierung eine Tortur. Mal ist das Catering mässig oder die Räumlichkeiten zu klein, zu groß, zu unübersichtlich. Am schlimmsten aber ist es, wenn das Programmkommitee die falschen Leute ausgesucht hat oder die Abstracts mehr versprachen als die Vorträge halten können. Um so erfreulicher, dass von alledem auf die Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE nichts von alledem zutraf. Ich saß Freitagabend im Zug und war auf dem Weg nach Hause und hatte eine rundum gelungene Tagung hinter mir. Angefangen von der ersten Keynote bis zur Postersession und den letzten Vorträgen. Dem Kerstin Mayerberger und ihrem Team dafür ein großes Lob und herzliches Dankeschön.
Was mich gefreut hat, das die Zuhörer meinen Gedanken zur Verbindung von Medienintegration und Schulentwicklung gefolgt sind und sich entlang dieser Überlegungen eine angeregte Diskussion entwickelt hat, wie Schwerpunktsetzungen bei zukünftigen Ansätzen zur Medieninteration in Schule erfolgen sollten… könnten… müssten.
Im Zug nach Hause kam mir aber noch ein anderer Gedanke, der in den letzten Tagen und Wochen beim Lesen oder Überfliegen des einen oder anderen Artikels in Zeitung und Online-Magazin schon mal am Rande aufgetaucht war. Michael Kerres hatte sich am Beginn der Tagung in seinem Vortrag Gedanken darüber gemacht, wie die Metaphern, die wir Nutzen, um das Lernen mit digitalen Medien zu beschreiben auf unsere Wahrnehmung eben dieses Lernens zurückwirken. Viel Aufmerksamkeit widmete er dabei der Raum-Metapher und zeigte an Bildern, wie die Gestaltung von Räumen Rückschlüsse auf die Didaktik erlaubt, die dem Lernen in diesen Räumen zugrunde liegt. Und hier schließen sich nun meine Gedanken an.
Im Rahmen der „digitalen Agenda“ wird in letzte Zeit auch immer öfter die Digitalisierung der Schule thematisiert – und die entsprechenden Artikel werden bebildert. Das Foto in der Frankfurter Neuen Presse zeigt offentlicht ein altes Archivbild. Aber wir sehen hier Lernen eingekeilt zwischen großen Bildschirmen und Rechnern. Offensichtlich ist jeder einzelne Schüler mit einer ähnliche Aufgabe befasst. In der Augsburger Allgemeinen findet sich ein Bild von zwei Grundschüler mit Tabletts. Die Tabletts dominieren die Bücher, auf denen sie abgestellt sind und die vereinzelt Lerner verschwinden hinter den Bildschirmen. Ein Beitrag in der Welt zeigt Schüler ebenfalls alleine hinter Notebook-Deckeln. Das leuchtenden Logo der Geräte und der abgedunkelte Raum verbreiten eine bedrückende Atmosphäre. Diese wird noch durch den Titel des Artikels betont. Es geht nicht nur um Digitalisierung, sondern um die totale (sic!) Computerisierung. Da scheint dann doch deutlich der Luhmannsche Technologie-Verdacht durch, denke ich.
Anders zwei Artikel (Heise und Spektrum), die eine BYOD-Situation zeigen. Hier sehen wir jeweils Lernende, die gemeinsam auf Smartphones und Tabletts blicken. Mit im Bild in beiden Fällen auch ein Desktop-Rechner. Hier ändert sich die Aussage grundlegend: Mobile Endgeräte verbinden, animieren zum gemeinsamen Arbeiten. Die kleinen Geräte ersetzen dabei die Schulischen Rechner aber nicht, sondern ergänzen die schulische Ausstattung. Hier wird auch sichtbar, dass es bei BYOD nicht um die Art Technologisierung geht, die die anderen Bilder suggerieren und die in der Diskussion um den Computer in der Klasse oft mitschwingt. Es geht nicht um das Abarbeiten von Programmen, das Lernen im durch den Computer vorgegebenen – man mög mir verzeihen – Gleichschritt. Es geht um das gemeinsame Entwickeln von Idee, Kommunikation, Kooperation und Konstruktion. Und da dreht sich die Herausforderung vor der wir stehen wieder: Die totale Computerisierung abzulehnen, kann aus bildungstheoretischer Sicht gut argumentiert werden. Das Wahrnehmung von BYOD, wie es sich in den beiden Bilder darstellt, unterstützt aber eben diese bildungstheoretische Sicht  – und stellt diese Position vor die Herausforderung, ihren Technologieverdacht kritisch zu hinterfragen.