Zugbegleiter

Bereits seit einiger Zeit hat der Wissenschaftszug 2009, den Frau Schavan auf die Reise durch die Republik geschickt hat einen Materialordner für Lehrerinnen und Lehrer mit an Board. Der Ordner wird auch auf anderen Veranstaltungen des Wissenschaftsjahres verteilt. Ich erwähne das hier, weil ich die Anfänge dieses Ordners noch miterlebt und gestaltet habe. Es war damals (im Mai !!! ) gar nicht so einfach die sehr in die Zukunft gerichteten spannenden Themen mit den Anforderungen des heutigen Unterrichts in Einklang zu bringen. Aber es ist gelungen und nun liegt das Produkt vor: ein dicker Ordner voll Unterrichtsanregungen sortiert in acht Kapitel. Und ein schönes Beispiel, wie man auf der Erde für den Himmel trommeln kann. Also mit Papier für’s Netz werben.

Lebenswelt
Die Welt verstehen
Neue Technologien
Neues Lernen

Erwähnen muss ich noch, dass die Arbeit mit dem Projektteam des Wissenschaftsjahres viel Freude bereitet hat. Die Arbeit war von sehr klarer Kommunikation, gemeinsamen Visionen und realistischen Zielen geprägt. :-)

So langsam sind nun alle “Produkte”, die ich an  alter Stelle noch mit auf den Weg gebracht habe da. Zwei fehlen noch…

Wer einen Ordner haben will: Bis zum 18.11. läuft eine Verlosung.

Des Vaters liebster Sohn

Während es für die meisten Anwesenden auf der Herbsttagung der Kommission Medienpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften wohl eine Art Klassentreffen war, eine Station auf dem Weg durch den Tagungsherbst, war es für mich die erste Tagung dieser Art seitdem ich in Duisburg bin. Und war es ein Kulturschock? Nicht wirklich! Ich musste mir nur immer wieder klar machen, wem diese Tagung nutzen sollte. Der Schule, über die in fast allen Vorträgen gesprochen wurde? Eher nicht! (Dazu auch ein Beitrag hier.) Der Wissenschaft, die in Schule hineinschaut und forscht? Sicher! (Hier weiterlesen.) Und – wenn ich das aus meiner Perspektive beurteilen kann -  diese Zielgruppe bediente die Tagung recht gut. Ich habe jedenfalls eine Menge darüber gelernt, wie andere ihre Studien anlegen und die “im Feld” erhobenen Daten dann weiterverarbeiten. Wenn in einigen Beiträgen die Vortragenden dann selbst verwundert vor ihren Ergebnissen standen, dann hatte ich häufiger die Vermutung, dass es daran lag, das der Blick zu eng auf “Technik im Unterricht” gerichtet   war. Da, wo der Blick weiter wurde und es um “Schulentwicklung und Medien” ging, wurden – aus meiner Sicht – Zusammenhänge deutlich.

Verwundert hat mich dann aber doch die immer wieder “aufflammenden Grabenkämpfe” (so nannten das einige) zwischen Medienpädagogik und Mediendidaktik, die ich nicht wirklich verstanden habe. Ich würde es auch eher eine Art Alleinvertretungsanspruch der Medienbildner für die Medienpädagogik als Ganzes und damit die Ausgrenzung der Didaktik wahrnehmen.So mancher medienaffine Lehrer wurde seinem weniger digital veranlagten Kollegen das ganze wahrscheinlich so erklären:

  • Es geht darum, den Kinder beizubringen, was digitale Medien sind und wie man die neue Technik bedient. (Informationstechnische Grundbildung)
  • Dann geht es darum, diese Technik zum Lernen nutzen kann. Wie Lehrer also mit Hilfe dieser “neuen” Medien im Zusammenspiel mit “alten” Medien, Lernmaterialien   oder – szenarien schaffen, die den Fachunterricht bereichern. Also das Lernen mit Medien. (Mediendidaktik)
  • Und schließlich geht es darum, etwas drüber in Erfahrung zu bringen, wie diese Medien wirken und unser Leben verändern. Was es für den einzelnen bedeutet, wenn er sich dieser Medien bedient. (Medienerziehung)

Und das alles, würde der Kollege zusammenfassen, nennt man dann Medienbildung, die von Medienpädagogen betrieben wird.

Die Diskssion, die nun geführt wurde, war – so schien es mir manchmal – der nicht unähnlich, die die drei Söhne führten, über die Frage, welcher Sohn dem Vater am liebsten sei.

Der medienaffine Lehrer im Lehrerzimmer würde wahrscheinlich der Meinung sein,

  • dass ITG am besten im Fachunterricht thematisch eingebunden wird, damit z.B. beim Erlernen, wie man gute Präsentationen erstellt, nicht inhaltsleere Medienfeuerwerke entstehen, sondern (Fach-)Inhalte medial gut aufbereitet werden.
  • dass Lernszenarien bis auf die einzelne sehr konkrete Unterrichtsstunde gestaltet sein wollen und fachspezifische Besonderheiten berücksichtigen müssen. Dem Mathematiker ist seine dynamische Mathematik, dem Geographen sein GIS zunächst näher als das große LMS. Wenn aber alles gut Zusammengefügt wird, dann kann anderes Lernen mit Medien stattfinden.
  • dass schließlich das Lernen über Medien zielgerichtet sein sollte darauf, Medien souverän zu nutzen. Und auch da böte sich wohl wieder der Fachunterricht an, damit der Geschichtslehrer vermittelt, wie man (Internet-)Quellen sachkundig auf ihre Qualität überprüft, der Geographielehrer zeigt, wie man Karten und Statistiken liest und erkennt, wie damit auch manipuliert wird und der Deutschlehrer und der Politiklehrer und und und

Fazit: Es scheint gut und richtig zu sein, dass sich die Wissenschaft auf Tagungen mit sich beschäftigt und um ihre Qualitätsstandards kümmert. Ich fand die Tage in Dortmund daher auch sehr informativ und anregend. Ich glaube aber auch, dass es wichtige ist die unterschiedlichen Richtungen  unter dem Dach der Medienpädagogik gleichberechtigt und integrativ voranzutreiben. Dies würde dann wahrscheinlich auch dem Lehrer weiterhelfen, der seinen Unterricht “modern” gestalten will. Und Vorschläge hierzu gibt es ja auch aus der Mediendidaktik.

Man möge mir an dieser Stelle verzeihen, nur von Lehrern, Schülern, Vätern und Söhnen gesprochen zu haben – ich wollte in diesem Fall schlicht die Analogie zur literarischen Vorlage waren. ;-)

Kein Inhalt

offlineSeitdem ich vom Auto auf den ÖPNV umgestiegen bin, ist mein Radio 103,1, das mich viele Kilometer auf der A59 begleitet hat, stumm. In der Bahn höre ich lieber Musik, die mir einen heimeligen geschützten Raum schafft und den morgendlichen Lärm draußen hält. Und ich kann nun auf dem Weg zur Arbeit das tun, was ich während der Autofahrten werden konnte noch durfte: Lesen.

Neben Büchern, Zeitschriften und kopierten Artikeln gehören dazu seit ein paar Wochen auch meine täglichen RSS-Feeds. Mein MP3-Player ist in der LAge, diese morgens im heimischen WLAN für mich einzusammeln und ich kann sie dann sehr bequem in der Bahn lesen. Hilfreich dabei sind zwei kleine Applikationen “Byline” und “Read It Later“.  Das klappt auch ganz gut, nur gibt es wenige Seiten die sich nicht oder nicht immer synchronisieren lassen. Ich weiß nicht warum und bisher war auch noch keine Seite dabei, die ich nicht auch am Rechner hätte lesen können oder deren Lektüre ich nicht wirklich vermisst hätte.

Heute hatte ich dann wieder eine Problemfall. Allerdings war da nicht ganz klar ersichtlich, ob es sich um ein technisches Problem oder die ironische Interpretation der Überschrift durch die Technik handelte (Screenshot anklicken). ;-)

Lokalzeit: Notebooks in Bochum

Bereits am Montagabend zeigt die Lokalzeit in Essen einen Bericht über eine neu eingerichtete Notebook-Klasse an der Erich-Kästner-Gesamtschule in Bochum. Der Einblick zeigt eine Klasse, die gerade mit der Arbeit begonnen hat. Erfreulicherweise kommen neben der Lehrerin und der Schulleitung auch die Kinder und vor allem auch die Eltern mit ihren Erwartungen zu Wort.

Anschließend habe ich das Thema mit der Modertorin der Sendung in einem kleinen Interview noch vertieft. Selbstkritisch muss man sagen: Wahrscheinlich hätte das Publikum der Sendung die “Igel” und”Mr. und Mrs. Universium” auf die Plätze 1 und 2 gewählt. Wetten daß…? ;-)

Update: Der Beitrag (ohne Igel und Bodybuilder) gleich hier:

Is Google Evil?

Nach dem nur wenig subtilen Werbblog-block der letzten Woche ist nun an der Zeit, die kleine Google-Serie zu beenden. Auch wenn der erste Teil nur wenig Scrollradbewegungen weiter unten steht, gibt die mir Werbepause aber die Gelegenkeit für einen kleinen “Was-bisher-geschah”-Einspieler.

Also:

Ausgangspunk war die Frage: Warum googles Angebote auf dem deutschen Bildungsmarkt keinen Anklan finden. Ich habe die Vermutung geäußert, dass es die Angst davor ist, dass googel vielleicht unachtsam mit den Daten seiner User umgehe, ohne das diese darauf Einfluß hätten. Meiner Meinung nach aber basiert das Geschäftsmodell eben auf einem achtsamen Umgang mit Daten, gleichwohl aber auf deren Auswertung zu Werbzwecken. Der wesentliche Unterschied: Im ersten Fall wäre der User dem Treiben des Datensammlers hilflos ausgeliefert, im zweiten Fall könnte er eventuell davon provitieren.

Wie auch immer. Das Ganze leitete etwas weg von der Frage der google’schen Bildungsangebote. Denn die sind komplett werbefrei. Und Sie sind gut. Was mich besonders beeindruckt: Viele der Werbzeuge sehen aus, als wäre der Designer auf halbem Wege durch einen Praktikanten ersetzt worden. Wo andere einen Riesenaufwand treiben bunte und hilfreich Buttons und vermeintlich userfreundliche Navigationen aufzubauen, herrscht bei google Schlichtheit. Und die lässt sich erstaunlich intuituv bedienen, flexibel nutzen und leicht administrieren.

Doch warum dann die Zurückhaltung. Meine Vermutung (neben der Angst vor der Datengier): Die Angst vor dem Unbekannten. Und da geht es denn gar nicht so sehr um google. Da ist google, wie Mircosoft nur Stellvertreter. Es geht, so vermute ich darum, dass mir als Lehrer die Sicherheit genommen wird, dass Geschehen zu überblicken, zu wissen, was passiert. Bin ich auf der schuleigenen Plattform unterwegs, kann ich mich wenigstens dem (Irr-)Glauben hingeben, alles im Blick zu haben. Schöner als ich dies Angst vor dem Unbekannten und den Gefahren des Internets hätte beschreiben können, hat dies Nancy Shui-Yen Cheng vom E.M.A. in Bonn getan. Und damit auch gleich den Ausweg aufgezeigt. Denn die vielschichtige, selbstkritische und unaufgeregte Auseinandersetzung der Lehrerin mit den (vermeintlichen und realen)  Gefahren und Untiefen des Internets ist der “Weg aus der Krise” (um noch einmal einen Slogan der letzten Wochen zu missbrauchen, der nun mehr in der Versenkung verschwinden wird). Nur so kann aus dem Fremden Vertrautes werden. Das ist wahrscheinlich ein schwieriger, langer Weg, bei dem behutsam jeder Schritt erst nach festen Stand tastet, aber er ist gangbar.

Und für den jenigen, der diesen Weg gegangen ist, verlieren auch große Anbieter ihre Stellvertreterfunktion und ihre Angebote können neu bewertet werden, vor allem unter dem Aspekt: Was nutzen sie mir und meiner Einrichtung und dann komme ich zu neuen Ergebnissen und dann steht da eher “google is education”.

N.B.: Eine kleine Hürde gibt es dann doch noch zu nehmen: All die Betreiber kleiner Server in Schulen und bei Schulträgern lieben ihre Server. Und auch ich pflege eine Website lieber mit Drupal als mit google sites. Einfach weil es mir Spaß macht, Module auszutesten und in Skripten rumzufummeln.

2 Wettbewerbe

Aus gegebenem Anlass möchte ich hier noch auf zwei Wettbewerbe hinweisen:

ExaMedia NRW

Der Wettbewerb möchte die Auseinandersetzung künftiger Lehrerinnen und Lehrer mit den Chancen und Möglichkeiten des Lehrens und Lernens mit digitalen Medien fördern.

Durch den Wettbewerb ExaMedia NRW sollen Lehramtsstudierende und Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter darin bestärkt werden,

  • digitale Medien innovativ in der schulischen und wissenschaftlichen Arbeit einzusetzen;
  • Voraussetzungen, Bedingungen und Ergebnisse von Lehr- Lernkonzepten zu erforschen;
  • den Mehrwert digitaler Medien in Lehr- und Lernprozessen anhand eigenständiger Überlegungen zu entfalten und
  • digitale Medien in Schulentwicklungsprozesse einzubinden.

Weitere Informationen hier.

D-Elina

Auch in diesem Jahr suchen wir innovative Lösungen, pfiffige Ideen und kreative Köpfe. Prämiert werden erfolgreiche und erfolgversprechende innovative Konzepte und Lernszenarien, die beispielhaft digitale Technologien und Tools integrieren (E-Learning).
Ihr könnt ab sofort Eure Beiträge einreichen. Verliehen wird der Preis im Februar 2010 auf der LEARNTEC, der Leitmesse für Bildungs- und Informationstechnologie, in Karlsruhe. Neben attraktiven Geld- und Sachpreisen habt Ihr die Möglichkeit direkte Kontakten zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen. Denn auch in diesem Jahr besteht für alle nominierten Projekt die Möglichkeit sich auf der Sonderausstellungsfläche der LEARNTEC der Presse und Fachöffentlichkeit zu präsentieren.

Wie im Vorjahr wird auch 2010 ein Sonderpreis für innovative Lösungen von am Markt erfahrenen Unternehmen vergeben.

Weitere Informationen hier.

Duisburg Learning Lab

Für alle Onkeln und Tanten und sonstigen Verwandten, Karnevalsvereinmitgliedern, Joggingpartnern, Nachbarn, Straßenbahnhaltestellenbekanntschaften und andere Interessierte, denen ich in den letzten Wochen erklärt habe, was ich jetzt mache und wo ich dies tue, gibt es jetzt ein Video über das Duisburg Learning Lab, in dem alles sehr anschaulich erklärt wird.

Duisburg Learning Lab der Universität Duisburg-Essen from Britta Voß on Vimeo.

Weiterlesen kann man dann hier und hier.

Alle die schon wissen, was das Duisburg Learning Lab ist, bietet der Film ein aktuelles Update und ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Google is evil

Vor einigen Tagen machte sich Michael Kerres Gedanken, warum Microsoft und Google mit ihren Online-Angeboten keine Chance auf dem deutschen Bildungsmarkt haben. Seit einiger Zeit nutze ich vor allem auch Google-Dienste, die ich bisher nur privat nutzen konnte auch dienstlich und bin damit sehr zufrieden, stoße aber allgemein und vor allem im Gespräch mit “Leuten aus dem Bildungsbereich” immer wieder auf große Skepsis, die sich zunächst (fast) immer mit dem Slogan “Google is evil” oder manchmal auch auf Deutsch “Google ist böse” Bahn bricht.

Wenn man dann nachfragt, dann wird es ein wenig differenzierter: Grundsätzlich wird Google zugetraut, Daten vor dem Zugriff unberechtigter Dritter gut schützen zu können. Die Frage ist aber: Was macht Google mit den Daten? Wie genau schauen die hin? Und wem Verkaufen die meine Daten oder das, was sie daraus lernen. Schließt Google aus meinem Surf-  und Suchverhalten auf meine Medienkompetenz? Analysieren Sie mein Mailaufkommen zeitabhängig und können daher aussahen über meinen Einsatz am Arbeitsplatz machen? Und geben sie dieses Wissen an andere (vielleicht sogar potentielle Arbeitgeber) gegen Bezahlung weiter? So oder ähnlich sind die Befürchtungen.

Gegenzeichnet sind sie durch eine passive Haltung, Hier spricht die Angst, man könne schlecht über mich reden – wobei: Wenn die Analysen gut wären, wäre es ja nur “die Wahrheit”… Und es spricht die, ja ist es Selbstüberschätzung ich als einzelne Person könne für Google von Interesse sein.

Ich sehe die Gefahr eher auf einer anderen Ebene. Google nutzt die Daten um die Werbeangebote zu optimieren und mir damit Dinge zu verkaufen, die ich eigentlich gar nicht will. Und das machen sie noch nicht einmal besonders gut. Andere machen das besser. Ein paar Beispiele: Vor 13 (!) Jahren war ich in meiner damaligen irischen WG u.a. für den Einkauf von Toilettenpapier zuständig – und kaufte daher überproportional viel 2-Lagiges. Ich war im Besitz einer “Better-Value-Card” und erhielt regelmässig Gutscheine  für besseres (4-lagig) und teureres Papier. Gut gemacht… gewirkt hat es nicht, ich hatte die WG-Kasse im Blick.

Amazon bietet mir immer wieder Produkte (und bei Leibe nicht nur Bücher) an, die andere die das von mir gewählte Produkt gekauft haben, ebenfalls gekauft habe. Da habe ich schon manchen hilfreichen Tipp bekommen.

Auf meinem Computer ist eine Bildbearbeitungssoftware, die mir gleich anbietet aus meinen Bilder ein Fotoalbum zu machen und dieses bei einem Dienstleister ausdrucken, hübsch verpacken und an die Oma schicken zu lassen. Das ist bequem und teuer.

Ein Freund wurde vor fast drei Jahren erstmals Vater, damals mailten wir unter anderem über das Wechseln von Babywindeln. Google warb in der rechten Spalte für tena lady. Vor wenigen Wochen wurde er erneut Vater und es gab eine ähnliche Mail. Der Werbeeintrag, der noch am besten zum Inhalt der Mail passte, war dieser. Viel gelernt hat Google da in den letzten Jahren offensichtlich nicht…. außer dass ich älter werde und damit der Zielgruppe näher komme… aber noch nicht nahe genug.

Worum es mit geht: In allen Fällen werten Unternehmen aus, wie ich mich verhalten, um mir daraufhin passgenau Angebote zu machen, die mein Leben schöner, besser, bequemer, aufregender oder eben entspannter machen. Dabei geht es ihnen aber nicht um mich als Person, sondern schnöde um mein Geld. D.h. ich muss mich damit abfinden, eigentlich uninteressant zu sein. Aber ich bin auf einmal auch in einer anderen Rolle: Ich kann den Versuchen mir in die Tasche zu greifen, aktiv begegnen: Im Supermarkt, habe ich weiterhin das billige Papier gekauft. Angebotene Bücher waren zwar durchaus schonmal interessant, aber auch bei Tauschticket zu bekommen. Das Fotoalbum gab es beim Drogeriemarkt um die Ecke mit weniger Komfort aber zu einem deutlich günstigeren Preis. Tja, und Google Angebot liefen ins Leere.

Also: Ja, die Welt ist böse. Und der Kapitalismus will nur an meinen Kies. Aber ich lebe in dem (Irr-?)Glauben, damit umgehen zu können. An die übergeordneten Verschwörungstheorien zwischen Headhuntern und Suchmaschinen will ich noch nicht glauben.

Entschleunigung

Schnell, schnell da gibt es was neues, tolles im Internet. Wenn ihr noch schnell einsteigt, seit ihr von Anfang an dabei. Wer ab jetzt dabei ist, kann noch alles nachholen, soviel ist noch nicht passiert.

Giesbert Damaschke veröffentlicht den Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller neu. Als Blog. In Echtzeit. Ich habe den RSS-Feed seit ein paar Monaten abonniert. Es macht nicht nur Spaß, die Briefe wieder zu lesen. Ihr Auftauchen zwischen all den täglich, wöchentlich und leider auch stündlich aktualisierten anderen Feeds ist beruhigend langsam. Ich empfehle den Feed als Metronom in den Reader einzubauen.

Aber auch dem schnellen sei Tribut gezollt: Ein Interview von Denis Scheck mit Rüdiger Safranski über die Freundschaft der beiden Briefeschreiber.