Polynesisches Segeln

Während die Weltöffentlichkeit – zumindest der Teil, der sich für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien interessiert – am vergangenen Donnerstag nach New York schaute, ging ein anderes Ereignis eher unbemerkt vonstatten. Doch für die, die dabei waren, war am Ende des Tages klar: Wir haben uns da auf eine spannende Reise gemacht. Und die Ereignisse in New York werden dabei sicher eine Rolle spielen.

Über Apples Initiative haben bereits Viele geschrieben. Besonders gefallen hat mit die Zusammenfassung von Beat. In der Tat könnte die Initiative dem Lehren und Lernen mit digitalen Medien einen Schub geben. Aber es gibt auch ein paar Fragen, die mir bisher wenig beantwortet wurden:

  1. Es ist ja toll, dass mit ibook Author jetzt multimediale Lerninhalte “ganz einfach” erstellt werden können. Aber Lerneinheiten mit eingebundenen Videos, Animationen, Simulationen, die gibt es schon. Hier oder hier, etwa. Es mag ja einfacher sein, die Elemente zu einem Buch zusammenzustellen. Aber die Arbeit, die Animation zu planen und zu gestalten bleibt… und sie bleibt aufwendig.
  2. Aus Apples Sicht mag es ausreichen, das Schulbuch zu digitalisieren und den Verkauf über den eigenen Shop zu kanalisieren. Betriebswirtschaftlich kann das wahrscheinlich ein guter Wurf sein. Aber ist die Vision vom neuen Lernen mit Medien wirklich die, dass Schüler in multimedialen Büchern blättern? Die kommunizierte Idee: Der Lehrer (am MacBook) produziert Lehrinhalte, die der Schüler am ipad konsumiert. OK… aber da geht mehr, oder? Dann braucht aber auch der Schüler in MacBook. Das wird teuer.

Beim Kick off zum Projekt School IT Rhein Waal, über das Mandy bereits berichtet hat, haben wir etwas anderes beschlossen –  und mich hat es sehr gefreut, dass die vier im Projekt versammelten Schulen gemeinsam diesen, wie ich finde, radikalen Schritt gewagt haben. Wir werden in den Schulen Pilotklassen einrichten, in denen jedes Kind sein eigenes privates Gerät mitbringen darf und soll. Egal, ob das ein Netbook ist, ein Laptop, ein Tablet oder ein Smartphone. So, werden in diesen Klassen Geräte vorhanden sein, mit denen man Filme drehen kann, andere eigenen sich gut für das Erstellen von Texten und Grafiken, wieder andere sind als schnelle Zugänge zum Internet für kurze Recherchen geeignet und mit allen kann man auf online kommunizieren.

Die Frage war einen kleinen Moment, ob es im Projekt heißen würde: Bring your own tablet  der Marke x. Oder: Bring your own netbook with min. 10 Zoll-Screen und einem Betreibssystem, das in der Lage ist eine Officesoftware aus dem Hause Y zu starten.

Aber, so war dann doch der Konsens: Spannend wird es erst, wenn wir in die Rücksäcke der Schüler schauen, wenn wir schauen, welche Geräte dort sind und wie sie im Unterricht in unterschiedlicher Weise zum Einsatz kommen können. Sicher werden sich da manche Geräte als geeigneter erweisen als andere. Manche werden eine Nische finden, für die sie genutzt werden können. Aber dieses Vorgehen, so die einhellige Meinung, bringt auch die Offenheit, neue technische Innovationen nicht als “Gegner” des bisher erreichten zu sehen, sondern als weitere Bereicherung und Möglichkeit. Und wenn sich Lehrer und Schüler auf die Heterogenität einlassen können, dann lassen sie sich auch einfach auf die Entwicklungen ein, die wir im Alltag erleben.

Die Reise ist spannend, denn wir kennen das Ziel nicht. Jedes Ziel, dass wir als konkreten Fixpunkt jetzt definieren könnten, wäre nur ein Ziel, das sich aus dem in der Vergangenheit erreichten definieren lässt. Die Klassen im Projekt werden sich auf den Weg machen, neue Ziele zu entdecken. So, wie einst in Polynesien gesegelt wurde.

 

Bring deinen eigenen Computer mit

Mit Jahresbeginn startet offiziell das Projekt “School IT Rhein Waal”. Dazu gab es schon ein paar Meldungen (hier von der Euregio, hier und hier von der Uni). Das Projekt hat ein paar spannenden Aspekte.

1) IT-Assistenten
Immer wieder wird betont, dass Schülerinnen und Schüler ihren Lehrkräften im Umgang mit digitalen Medien um Längen voraus sind. Häufig wird dies aber als Hemmnis für den unterrichtlichen Einsatz gesehen, weil es die Lehrkräfte verunsichert. Wir wollen im Projekt aber das Potential Nutzen, das darin steckt und ausgewählte Jugendlichen bewusst als IT-Assistenten einsetzen, die sowohl ihre Lehrer als auch ihre Mitschüler vor allem bei technischen Fragen zum Einsatz digitaler Medien behilflich sein können. Damit sie diesen Aufgaben gewachsen sind, erhalten die Schüler eine Ausbildung, die auch Aspekte des Jugendmedienschutzes berücksichtigt und die die Schulen in Zusammenarbeit mit regionalen IT-Unternehmen gestalten.

2) Projektseminare
Eine wichtige Motivation der euregio das Projekt zu unterstützen, ist der Bedarf der Unternehmen in der Region an jungen Nachwuchskräften, die das nötige Rüstzeug mitbringen, in einem von IT durchdrungenen Arbeitsalltag zu bestehen. Daher werden im Projekt “Projektseminare” durchgeführt, in denen ganze Klasse Projektaufgaben bewältigen, die die Lehrer zusammen mit Mitarbeitern aus IT-Unternehmen entwickeln. Die Schüler können dann bei der Bearbeitung auch auf die Unterstützung der Mitarbeiter bauen.

3) Niederländisch-deutscher Austausch
In einem ersten Schritt arbeiten im Projekt 2 niederländische und 2 deutsche Schulen mit. Schon in der Phase der Projektentwicklung hat sich gezeigt, wie unterschiedliche die Stand der Medienintegration in beiden Ländern ist und wie hoch das Potential ist, voneinander lernen zu können.

4) Bring deinen eigenen Computer mit (BYOD: Bring your own device)
Der letzte Aspekt ist derjenige, der mir persönlich besonders wichtig ist. Wir verzichten im Projekt bewusst auf eine technische Ausstattung der Schüler mit Endgeräten. Projektmaßnahmen beziehen sich auf die Entwicklung einer technischen Infrastruktur, die es den Schüler erlaubt, ihre eigenen Geräte mitzubringen, d.h. die Geräte, über die schon heute verfügen.

Die Chancen, die wir darin sehen:

  • Jede Schülergeneration wird auch ihre eigenen Geräte mitbringen. Die Schulen finden einen Weg aus der “Ausstattungsfalle”.
  • Die Schüler arbeiten mit den Geräte, die sie auch privat Nutzen, d.h. die ihnen vertraut sind und für die sie sich verantwortlich fühlen.
  • Schüler und Lehrer erleben ein Vielfalt von Geräten und Plattformen und lernen mit dieser Vielfalt umzugehen.
  • Letztlich: Wenn jeder Schüler sein eigenes Geräte mitbringen und nutzen kann, können die Geräte auch wirklich immer dann eingesetzt werden, wenn es sinnvoll und gewünscht ist.

Aber auch Herausforderungen sind mit diesem Ansatz verbunden:

  • Überfordert die Heterogenität der Ausstattung die Lehrkräfte?
  • Überfordert die Heterogenität der Technik, die Infrastruktur in der Schule?
  • Haben wirklich alle Schüler eigene Geräte und wie werden soziale Ungleichheiten ausgeglichen?

Zum Teil gilt in den Projektschulen jetzt noch ein Handyverbot. Der Schritt von diesem Verbot zur Aufforderung, Handys, Smartphones, Netbooks, Tablets und Notebooks mitzubringen und zu nutzen ist ein großer. Aber ob die Schulen, das wollen oder nicht: Diese Geräte werden sich immer mehr in den Schultaschen der Jugendlichen finden. Wir wollen im Projekt aktiv gestalten, damit umzugehen und die Chancen zu nutzen.

Ich bin gespannt und werde hier berichten.

 

Eigentlich nichts Neues

Vor zwei Wochen erschien das neue Heft “Computer und Unterricht” mit dem Titel 1:1-Ausstattungen, dass ich mit Ute Bienengräber-Killmann und Jörg Stratmann zusammenstellen durfte. Worum geht es? Darum, das jedes Kind ein eigenes mobiles Endgerät zur Verfügung hat und es immer dann nutzt, wenn es sinnvoll erscheint.

Hatten wir doch schon! Alter Hut! Mag nun mancher einwerfen. Gibt es doch schon seit 10 Jahren! Was Neues muss her: Lernen mit dem Smartphone, dem ipad, noch mehr. Und das ist dann der Paradigmenwechsel, der das Lernen revolutioniert.

Ob 1:1-Ausstattung ein guter Titel ist? Notebooks im Unterricht spricht von einer Geräteklasse. Mobiles Lernen wird zu sehr mit einer anderen verbunden. 1:1-Computing? Sehr Englisch und zu technisch. 1:1-Lernen auch wieder nicht klar? Geht es um Tandems von zwei Leuten. Also doch die Ausstattung, die die technische Basis ist für Lernszenarien, didaktische Konzepte und der Kristallisationspunkt für viele andere Aktivitäten: Die Planung von LMS und WLAN, den Einsatz von Whiteboards. Die Arbeit an Medienkonzept und interner Lehrerfortbildung. 1:1 setzt aber auch Prioritäten: Nicht der Übergang will gestaltet werden, nicht der Mangel verwaltet. Es geht darum alle Technik dadurch letztlich in den Hintergrund zu drängen, aus dem Fokus zu nehmen, das man ihr den Status des Besonderen nimmt.

Im Heft sind einige Beispiele dokumentiert, die dies anschaulich machen. Dies sind Schulen, die seit Jahren (z.T. seit einem Jahrzehnt) eine solche Medienwirklichkeit in ihren Klassen realisieren.

Ein ideales Publikum fand das Heft bereits auf der Tagung One to One Computing in der Schule: Wie viele Computer braucht ein Schulkind? am 11.02.  in Goldau in der Schweiz. Hier waren über 150 Lehrerinnen und Lehrer der Einladung gefolgt, um sich zu informieren, ob und wie 1:1 an ihren Schulen eingeführt werden könnte… und warum.

Tagung und Heft stehen an einer wichtigen Gelenkstelle in der Entwicklung: Denn die Ausstattung von Kindern und Jugendlichen zu Hause ist zu umfassend wie nie zuvor. Das bietet Schulen die Möglichkeit auf diese Ausstattung “einfach” zuzugreifen und stellt sie gleichzeitig vor die Herausforderung sie integrieren zu müssen und den Nutzenden einen verantwortungsbewussten Umgangen beizubringen.

Das ist sicher für viele Schulen ein neuer Weg. Aber es muss nichts grundsätzlich Neues sein und vor allem muss es nicht immer wieder etwas anderes sein. Eigentlich geht es drum die Versprechen einzulösen, mit denen der Computer einst in die Schulen getragen wurde. Jetzt und in der Breite. Nichts Neues.

Hilde geht ins Internet

Mit Hilde* habe ich in den letzten drei Jahren den Karnevalszug der Grundschule organisiert. Anmeldungen schreiben, Kostüme planen, Kamelle kaufen, Strüsjer binden, kötten gehen… Insider wissen, worum es geht, alle anderen müssen das nicht. Jedenfalls hatten wir dabei eine Menge Spaß. Aber Hilde hat einen Fehler – aus meiner Sicht. Sie hat kein Internet. Terminabsprachen: Dafür haben unsere Anrufbeantworter tagelang miteinander kommuniziert! Abstimmung von Texten: Ausdruck machen, meiner Tochter mitgeben, hoffen, dass sie ihn an Hildes Sohn (Überwinden der Gendergrenze im 2. Schuljahr!) weitergibt und dass der dann Zuhause dran denkt, das Papier abzugeben. Hilde macht ihre Anmerkungen und der Postweg geht die umgekehrte Richtung. Da konnten locker mal Postlaufzeiten entstehen, die die Hauspost jeder öffentlichen Einrichtung als Expressdienst erscheinen lassen.
Aber Hilde bliebt dabei: Ich bin bis heute ohne Internet ausgekommen, also komme ich auch noch morgen ohne aus.
Klingt schlüssig und irgendwie ist es ja auch gegangen… und heute sagt Hilde so ganz nebenbei: Du kannst mir jetzt auch ne E-Mail schreiben! – und lächelt stolz-verlegen.
Wie jetzt? frage ich.
Ihre Töchter hat auf die weiterführende Schule gewechselt. Und da arbeiten die jetzt mehr mit Computern,sagt Hilde. Und auch die ganze Post für die Eltern kommt als E-Mail. Und weil Hilde weiß, wie wichtig es ist, ihre Tochter beim Lernen zu unterstützen und weil sie bereit ist, sich “dafür” mit “dem ganzen Zeug” auseinander zu setzen und weil so hofft, dabei auch noch was zu lernen, hat sie einen Computer gekauft und ein Internet bestellt. Und jetzt sitzen die beiden, Mutter und Tochter, vor dem Rechner. Noch geht das nicht so gut, sagt sie, aber das wird schon.

Was gemerkt, lieber Leser? Schule kann Medienkompetenz fördern, auch bei Eltern…

*Name vom Autor geändert!

Wo man so überall rein gerät!

So, der Nubbel ist verbrannt, wenden wir uns wieder den wesentlichen Dingen des Lebens zu! ;-)

Nun gehöre ich also auch zu den Beforschten. Rolf Schulmeister hat mich ausgehend von Gabi Reinmanns Blogroll als Edublogger identifiziert, in ein paar Grafiken eingebaut und dann als irrelevant (zu wenige Beiträge, zu wenige Kommentare) wieder aussortiert. So kann es gehen.

Wie reagiert man denn nun darauf? Fühle ich mich geehrt, weil beforscht? Bin ich beleidigt, weil aussortiert? Einsam, weil natürlich auch nicht zum Kreise der Nicht-Beforschten gehörig?

Ich habe mich erstmal gefragt, ob ich den zum Untersuchungszeitraum überhaupt Edu-Blogger war. Da sich fünf der zehn Artikel im Untersuchungszeitraum mit „Edu-Themen“ beschäftigen, ist die Zuordnung wohl berechtigt. Auffällig aber, dass vier dieser fünf Artikel bereits im April erscheinen, einer dann im Juli. Dazwischen nicht nur zu Edu-Themen überwiegend Schweigen. Wie das? Ich habe meinen Blog auch als Teil meiner beruflichen Aufgaben bei meinem damaligen Arbeitgeber gesehen, über meine Projekte auf unterschiedlichen Kanälen zu berichten. Das ich dies nicht in einem „Projektblog“ sondern einem „privaten“ Blog tat, war eine bewusste Entscheidung, die so auch Konsens war. Personelle Veränderungen führten dazu das dieser Konsens nicht mehr vorhanden war und „dienstliches“ bloggen im „privaten“ Blog nicht mehr gewünscht war. Verklausuliert habe ich das auch ein paarmal in Blogbeiträgen thematisiert. Da die Sache aber eskalierte und ich dann doch eher auf Burgfrieden aus war, habe ich dann eben weniger bis gar nicht mehr gebloggt. Beruflichen Rahmenbedingungen ist es also geschuldet, dass ich von Rolf Schulmeister „aussortiert“ wurde. Also, kein Grund beleidigt zu sein und da alle am damaligen „Redeverbot“ beteiligten heute beruflich andere Wege gehen, gibt es auch hier keinen Grund für nachtragenden Groll. Andersherum war aber der Aufsatz Anstoß, noch einmal über die damalige Situation nachzudenken und auch darüber zu schreiben, denn sie ist auch ein Teil der Geschichte der Kommentarkultur.

Aber zurück zum Beforscht-werden. Über den Artikel selbst ist schon viel geschrieben worden. Von den Beforschten und den Beleidigten. Was mir in der ganzen — tja ist das nun eine Diskussion — in den ganzen Kommentaren auffällt: Die Blogosphere verteidigt sich. Sie tut dies sachlich argumentieren, aber auch unsachlich und polemisch. Beides erscheint mir gerechtfertigt, denn auch der Stein des Anstoßes ist meist sachlich, aber eben auch manchmal polemisch. Das polemische betrübt mich ein wenig, denn es dient auf beiden Seiten nicht der Sache. Würde ich als außenstehender Journalist über die Diskussion der letzten Tage schreiben müssen, die Überschrift

Neue Flügelkämpfe zwischen Realos und Fundis der deutschen Bildungswissenschaften

würde sich geradezu aufdrängen. Aber auch die „Verteidigungslinie“ mutet bizarr an. Ich versuche das mal Ganz einfach:

  • Es wird behauptet, Blogs seien toll, weil jeder einfach veröffentlichen können und Veröffentlichungen einfach (!) kommentieren können.
  • Eine Untersuchung zeigt, dass es mit der Kommentarkultur nicht weit her ist.
  • Und plötzlich geht es nicht mehr darum, dass Kommentieren einfach (!) ist, sondern dass das Ganze eine hoch komplexe Angelegenheit ist, die sich nicht nur über verschiedenste Online-Dienste erstreckt, sondern auch noch im realen Leben ihre Fortführung findet.
  • Und auch diese Erklärung zerfasert über eben diese zahlreichen Online-Dienste. Tenor aber bleibt: Das Ganze ist toll und bringt uns nach vorne.

Einerseits stimme ich der Gegenargumentation ja in vielen Punkten zu und kann sie aus eigenem Erleben (!) bestätigen. Aber vermisst habe ich ihn schon, den kleinen Moment des Innehaltens bevor der Sturm losbrach. Denn das scheint mir dieser Tanz im Web während der tollen Tage doch – leider – auch zu zeigen: Anschlussfähig ist das für viele im Bildungsbereich, die wir doch von den Ideen und Möglichkeiten des Web 2.0 begeistern wollen nicht mehr. Oder?

Und wer ist jetzt Schuld?

Der Nubbel!

Daher wurde er auch soeben den Flammen übergeben.

PS: Ich verzichte hier einmal bewusst auf Links. Die würden an dieser Stelle nur verwirren, könnten lange nicht mehr vollständig sein. Aber wir sind ja in kleinen Kreisen unterwegs und wissen wovon wir sprechen.

Keep calm and carry on!

Ein wenig hat es mich dann doch beruhigt, dass ich mindestens eine zweite Berufsgruppe gefunden habe, die sich netzöffentlich Gedanken macht, ob das ipad denn nun etwas für ihren Berufsstand ist. Das es ausgerechnet die in den letzten Jahren und Monaten nicht unbedingt im Ansehen gestiegenen Banker waren, schmälert die Freude unwesentlich. Aber natürlich kam, kaum hatte Steve Jobs die Bühne im Buena Vista Center of the Arts verlassen, die Frage auf, ob das ipad in die Schule gehört und ob es das Gerät ist, auf das die Schulwelt gewartet hat, damit Medieneinsatz an der Schule nunmehr zur Selbstverständlichkeit wird. Ebenso schnell waren dann auch die Skeptiker zu Stelle, die anmerkten, dass das Tippen auf bunte Icons nichts mit Lernen und das Kaufen (wohlgemerkt kaufen noch nicht lesen) von eBooks im AppStore noch nichts mit Medienkompetenz zu tun hat.
Wahrscheinlich haben jene Recht, die mit dem ipad -mal wieder – eine Zeitenwende kommen sehen. Aber ob das ipad deshalb in jede Schultasche gehört, ist dann doch die Frage. Lange war es ja unter dem Decknamen iSlate unterwegs und dass eine Schiefertafel in die Schule gehört liegt nahe. Falsch ist es aber hier zunächst wieder auf die Ausstattung zu schauen, das iPad macht genauso wenig, vielleicht noch weniger (da möchte ich den Skeptikern beipflichten) guten Unterricht, wie irgendeine andere technische Errungenschaft das aus sich heraus tut.
Steve Jobs hat zwischen dem iPhone und dem Notebook eine Lücke entdeckt, die uns bisher gar nicht so sehr aufgefallen war, die Apple aber nun mit einem edlen Gerät schließt. Und andere Anbieter werden mit ähnlichen Geräten folgen oder haben diese (vom Käufer unbemerkt) schon längst auf den Markt gebracht. Diese neuen Schiefertafeln sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zum „Allways-On“, zum Immer-und-Überallnetz und sicher auch zu noch mehr Audio- und Video und weniger Print zu noch mehr Medienkonvergenz. Darüber nun sollte sich Schule Gedanken machen und sich fragen, wie sie diese Lebensrealität aufgreift, abbildet und Kinder und Jugendliche darauf vorbereitet. Das geht sicher nicht nur mit der alten Kreidetafel, muss aber auch nicht unbedingt mit der neuen digitalen Schiefertafel gesehen. Manche Schule ist auf dem richtigen Weg. Sei es mit Medienecken, Selbstlernzentren, Notebook-Wagen und 1:1-Ausstattungen mit Note- und Netbooks. All diesen Schulen muss man sagen:
Keep calm and carry on!

Weitermachen auf dem Weg zur Schule für die Wissensgesellschaft. Nicht von den Skeptikern bremsen lassen und nicht von jeder neuen Entwicklung aus der Bahn werfen lassen. Die Richtung ist klar, der Weg lang, aber ans Ziel kommt man nur Schritt für Schritt.
Sehr gefreut hat mich dann auch noch die Frage auf “Kreide fressen“:  Gibt’s eigentlich schon erste didaktische (sic!) Überlegungen zum iPad?

Volker Rüddigkeit

Digitale Medien in der Schule, das ist – und das wissen wir alle, die ihn gehen – ein langer steiniger Weg. Ein Weg, auf dem es wichtig ist, Mitstreiter zu haben, besonders solche, die die Ideen und Anliegen, die uns umtreiben, auch anderen nahe bringen können und dabei die Sorgen, Zweifel und Vorbehalte hören.

Volker Rüddigkeit hat es nicht nur verstanden, andere für einen medialen Unterricht zu gewinnen, er hat auch immer wieder vorausgedacht und neue Entwicklungen an Schule herangetragen. Wenn er z.B. den Begriff des Web 2.0 für die Schule entschlüsselt hat, dann nicht, um sie vor neue Herausforderungen zu stellen, sondern um Möglichkeiten, Chancen und Machbarkeiten zu zeigen. Er war unermüdlich in seinem Engagement für und seiner Geduld mit Schule. Getrieben hat in die Aufgabe, Lernen zu ermöglichen, nicht die Faszination an der Technik, der er für Schule nutzbar gemacht hat.

Den Kampf gegen eine lange Krankheit hat er verloren. Volker Rüddigkeit starb gestern.

Ich nehme Abschied von einem Weggefährten und Wegweiser.

Vom SchülerVZ zur Forschungsfrage

Gestern fand der Auftakt zum Schülerkolleg Pädagogik statt, das wir seit einigen Wochen vorbereitet haben. Über 60 Schülerinnen und Schüler bevölkerten einen Hörsaal, labten sich in der Mensa wuselten durch das LC-Gebäude und diskutierten im Learning Lab. Ein paar O-Töne der Jugendlichen und der begleitenden Lehrer haben wir hier eingefangen und Judith, die die meiste Arbeit in der Vorbereitung geleistet hat, hat ihre Erfahrung schon hier aufgeschrieben.

Die Selbstverständlichkeit der Jugendlichen im Umgang mit SchülerVZ, mit dem Internet zur Unterhaltung, Kommunikation und auch zum Lernen hat mich wenig überrascht. Begeistert war ich aber von der Ernsthaftigkeit mit der sie bei der Sache waren und der klare und kritische Blick auf Möglichkeiten und Grenzen des Internets. Schwer getan haben sich die 7. und 8.-Klässler, die ich betreut habe, zunächst, sich in Arbeitsgruppen mit Schülern anderer Schulen zusammen zu tun. Am Ende des Tages haben sie sich dann aber gewünscht, dass dies auch an den kommenden Kollegtagen möglich sein soll. Nicht nur weil es ihnen Spaß gemacht hat, sondern auch weil im Austausch mit anderen, die Diskussionen ergiebiger waren. Und das haben die Schüler so gesehen und selbst geäußert.

Herzlich willkommen in der vernetzten Forscher-Community. ;-)

Nette Aktion und falsche Frage

In mehreren Blogs (z.B. hier, hier, hier und hier) sind mit die Antworten auf die auf die Blogaktion “Mehr Bildung in Blogs” aufgefallen und ich habe die zum Teil umfangreichen Antworten mit Interesse gelesen. Jetzt gegen Ende der Aktion fasse ich mich kurz und antworte im “Twitter-Style”, vielleicht erzeugt das ja auch Bilder in den Köpfen der Leser.

Was mich aber ehrlich gewundert hat: Die letzte Frage wurde nur einmal (Ich habe aber auch nicht alle Beiträge gelesen.) in Frage gestellt.

1.Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

An die Pausen mit Freunden (Peers), meinen Chemielehrer in der Mittelstufe (Persönlichkeiten), die Theater-AG (Emotionen). (122)

2.Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Vor allem Papier: Bedrucktes und zum Beschreiben. VHS-Videos, Kassettenrecorder, das Sprachlabor, den OHP. Computer (Triumph und Olivetti). (139)

3.Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?

Da ist (wenn es gut umgesetzt wird) Vieles auf dem richtigen Weg: Uni und Schule zusammenbringen. Früher Praxis, dauerhaft Fortbildung. (135)

4.Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?

Gehören in den Werkzeugkasten des Lehrers, genauso wie: Plakate, Experimente, Exkursionen, Partnerarbeit, Lehrervortrag. Etc. eben! ;-) (135)

5.Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Falsche Frage! Eher so: Kann Unterricht durch Online-Angebote so verbessert werden, dass  massenhafte Nachhilfe nicht zum Normalfall wird?  (138)