Kölner Doppelpack: lit.COLOGNE und Didacta

Veröffentlicht am Schreibe einen KommentarVeröffentlicht in Gelesen, Hörbar, Schulwelt, Vor Ort

Schnell war sie in diesem Jahr vorbei die lit.COLOGNE. Das kann aber auch damit zu tun haben, dass sich mit der Bildungsmesse didacta überschnitten hat. Die war dankenswerterweise in Köln, so das ein Besuch beider Veranstaltungen problemlos möglich war. Der Rückblick erfolgt daher auch auf beide Events gemeinsam.

Zunächst die Literatur

Mit fünf Veranstaltungen war ich diesmal dabei. Zwei Erkenntnisse:

1. Die Bedeutung der Moderation

Den Anfang machte Martin Suter in den Rheinterassen. Der Saal ist mit immer wieder zu groß und zu hallenartig für eine Lesung, aber wenn ich eben doch dem Massengeschmack folge, dann muss ich eben damit Leben, dass viele Leute neben mir sitzen. Martin Suter hatte es nicht leicht. Er musste sich mit einer Moderation herumschlagen, die wissen wollte, ob er in der edlen Küche seinem edlen Haus denn überhaupt Plastikutensilien habe. Sie wollte mit ihm diskutieren, ob „der Schweizer“ seine Identität denn nun eher aus dem Bankgeheimnis oder aus der Neutralität heraus definiere. Und sie musste vom Publikum deutlich zur Ordnung gerufen werden, als sie nachfasste („Doch doch, unser Publikum interessiert sich für den ganzen Martin Suter!“), wie es ihm denn nach dem Tod seines Sohnes ergangen sei. Obwohl der Autor klar und deutlich geäußert hatte, dass er dieses Thema für einen unterhaltsamen Abend für ungeeignet hielt.

Das geht so gar nicht.

Nach Suter kam McCarten. Hier zeigte die Moderation wie man es machen kann. Sie bot dem Autor eine Bühne und war sachkundige Stichwortgeberin. Ihre Ankündigung nach Lesung und Gespräch über Autor, Buch und Beruf natürlich auch alle wichtigen Fragen zu Leben, Hobby und Marotten zu stellen, war offensichtlich ironisch gemeint. War sie zuvor auch bei Suter gewesen?  Der Autor selbst war erstaunlich zurückhaltend und doch unterhaltsam.

Und die dritte Lesung mit Moderation: Nick Hornby. Knauzig saß der Autor auf der Bühne, kratzte immer wieder seinen kahlen Schädel und hatte Spaß. Spaß am Lesen, am Erzählen, am Wechselspiel mit dem Moderator, der seine Rolle wunderbar ausfüllte. Da saßen zwei auf der Bühne, die vor allem ein Ziel hatten: Gute Unterhaltung abzuliefern. Und das gelang! Unterstützt wurden sie dabei von Hornbys deutscher Stimme. Das wurde in aller bester Hörbuchqualität vorgelesen. Und die hört man ja in manchem Hörbuch noch nicht.

2. Autoren dürfen auch Alleine auf die Bühne

Gleich zwei Veranstaltungen kamen ganz ohne Moderation aus und es ist schön zu sehen, dass es Autoren gibt, die nicht nur Bücher sondern auch Bühnen ausfüllen. Zuerst die Kinderabteilung: KNISTER liest nicht, er erzählt, fabuliert, malt, tanzt, singt, rockt und beantwortet Fragen. Und er lässt es sich nicht anmerken, dass er ein Autor von Weltruhm ist. Vielmehr bringt er seine Freude und fast schon Verwunderung zum Ausdruck, dass er all diese schönen Bücher schreiben, Filme machen und vor allem Kinder immer wieder treffen darf. So sieht aktive Leseförderung aus!

In der Erwachsenenabteilung Wolf Haas. Eine Ein-Mann-Show mit einer ordentlichen Portion Selbstironie. Bisher habe ich noch keinen Autor erlebt, der auf der Bühne Leserpost (aus Internetforen) vorliest, die bescheinigen, dass er nur des Geldes wegen schreibt und obendrein noch schlechte Bücher. Die LitCologne-Macher hätten ihn nicht aufs Boot setzen müssen. Da wäre auch so keiner gegangen.

In zehn Jahren ist sie groß geworden die Lit. Sie gehört in den kölschen Jahreszyklus irgendwo zwischen Karneval und Spargelzeit… Ostern nicht vergessen, Herr Kardinal. Sie ist beständiger als der FC und (meist) pünktlicher als die KVB. Und bei all der Atmosphäre vergibt man ihr auch Thalia. Wer nachhören will: http://www.wdr.de/radio/home/podcasts/channelausspielung.phtml?channel=litcologne

Und nun noch die Bildungsmesse

Die größte war es wohl, mit über 100.000 Besuchern. Beeindruckend. Schwimmnudeln gab es dieses Jahr keine. Jedenfalls nicht kostenlos. Dafür Fähnchen. Weiß der Henker, was man damit macht. Aber ich habe Leute gesehen, die stolz dicke Bündel davon nach Hause schleppten. Beeindruckend. E-Learning, digitale Medien im Unterricht. Entweder waren sie kein Thema oder das ganz große Thema. Wie man das sehen will. Interaktive Whiteboards waren der Renner, wie schon im letzten Jahr. „Prima, da hab ich wieder alles im Griff und bin trotzdem modern!“, sagt der eine, der andere: „Teuer sind sie ja schon, aber so kann ich die Schüler nochmal so richtig beeindrucken.“ Das sind Anfänge, aber keine Ziel. Würde ich mal sagen.

Der Lehrstuhl war ebenfalls mit einem Stand vertreten. Der lag zwar ein wenig in der Ecke, aber gleich am Forum E-Learning, war klar und übersichtlich gestaltet und wurde – und das kann sicher nicht jeder Stand von sich behaupten – immer wieder gezielt angesteuert. So macht Standdienst Spass, wenn nicht einfach nur Gummibärchen, Fähnchen (!) und Messerabatte abgegriffen werden, sondern wenn Leute kommen und sagen: Gut, dass ich Sie gefunden haben, ich interessiere mich für Ihren Studiengang und habe da mal ein paar Fragen.

Wir lesen vor – unser eigener Podcast

Veröffentlicht am 3 KommentareVeröffentlicht in Gelesen, Hörbar

lesenEin nebliger Samstagmorgen in der Herbstferien. Nach dem Frühstück sitzen alle rum und warten auf besser Wetter. Das kommt aber nicht. Also wird Tee gekocht und jeder sitzt irgendwo und liest irgendwas. Aus Papas Zeitung fällt eine kleine Werbebroschüre für die Initiative „Wir lesen vor„. Meine Tochter hebt sie auf und fragt: „Wer liest denn da wem vor?“ Ich erkläre es ihr. Sie fragt: „Und warum dürfen da keine Kinder vorlesen? Wir lesen euch abends doch auch immer was vor.“

„Stimmt. Dann dürft ihr auch was vorlesen!“ „Und wem?“ „Allen!“ „???“

Die Idee ist schon ein paar Jahre alt und von Marco unter dem Namen Leselilli erdacht. Ich erkläre: „Wir machen einen Podcast. Ihr lest vor und wir bringen das ins Internet und dann kann das jeder hören!“ „Super, mach doch schonmal den Computer an.“ Doch so schnell geht das mit dem Computer nicht. Zuerst muss jeder überlegen,  welche Stelle aus welchem Buch er denn vorlesen will. Die will geübt werden. Die Kinder überlegen gemeinsam. Lesen sich gegenseitig vor. Wählen aus, ändern um und fragen sich gegenseitig, warum sie gerade dieses Buch ausgewählt haben. Daraus entsteht die Idee sich auch gegenseitig zu interviewen. Fragen werden notiert, verworfen, Interviews geübt und schließlich stehen die drei (Tim, der Neffe ist Besuch) vor mir: „Wir haben alles! Können wir jetzt aufnehmen.“ Das ist dann recht schnell gemacht und gemeinsam macht es Spaß die „Ähs und Öhs“ aus dem Interview zu schneiden.

„Aber im Radio ist vorher immer noch Musik.“ Achim sagt: „Klar könnt ich was aus dem Luca nehmen!“ Die CD ist zwar schon verkratzt, aber sie tut es noch. Und als alles zusammengebaut ist. Sehen die Seiten ein wenig langweilig aus. Also malt auch noch jeder ein Bild.

Wir haben den ganzen Morgen gelesen, über Bücher und das Lesen erzählt und am Ende einen kleinen Podcast fertig gehabt. Dann kam die Sonne, es war ein stürmischer Herbstnachmittag und wir haben Drachen steigen lassen.

Heute erscheint die erste Folge des Podcast. Die beiden weiteren Folgen immer freitags bis zum Vorlesetag… und das da dann die Erwachsenen vorlesen ist auch ok.

Wenn ihr es nicht kennt, ist es von uns

Veröffentlicht am 1 KommentarVeröffentlicht in Hörbar, Vor Ort

Wenn ich immer wieder behaupte, in Köln zu wohnen, dann ist das aus Sicht mancher Leute ja nicht ganz richtig. Sie nennen die Gegend hier eher despektierlich Westsauerland, Kölsches Outback oder Dellbronx. Richtig ist: Die Häuser der Bergisch Gladbacher Straße tragen hier bereits Nummer weit im vierstelligen Bereich und die Straßen sind staubig. Und wenn man im Staub sucht, findet man Diamanten: Die Betterband(mehr …)

Wenn es doch so simpel wäre

Veröffentlicht am Schreibe einen KommentarVeröffentlicht in Gelesen, Hörbar, Vor Ort, Wortschätze

Auf den Stunden, die ich tätglich auf der Autobahn verbinge, höre ich zur Zeit noch die Lesungen, die WDR5 auf der LitCologne mitgeschnitten hat. Dass es da eine Lesung mit Werken von Jaroslav Hašek gab, hatte ich „aus dem Augenwinkel gesehen. Dass das Buch, aus dem gelesen wurde, von Viktor Böll zusammengestellt wurde, wusste ich nicht. Und so traf mich die Nachricht am Beginn der Lesung völlig unvorbereitet auf der A59 kurz vor Spich.

Viktor Böll ist tot. Und das schon seit dem 31.1.

(mehr …)

Sex im Radio

Veröffentlicht am Schreibe einen KommentarVeröffentlicht in Hörbar

Werktäglich fahre ich die A59 vom Dreieck Heumar in Köln bis zum Kreuz Bonn Ost. Dort wechsle ich auf die A 562 nach Bad Godesberg. Folgt man der A59 weiter Richtung Süden wird Sie zu Autostraße und ein Tunnel signalisiert den Anfang des Siebengebirges.

Es muss schon einiges passieren, wenn ich die Abfahrt auf die A 562 verpasse und mich plötzlich im Tunnel befinde. (mehr …)

Schnee

Veröffentlicht am Schreibe einen KommentarVeröffentlicht in Hörbar, Netzwelt

Das ist nicht üblich, dass Schnee in Köln liegen bleibt. Deshalb macht der Kölner auch ein Foto, wenn es scheint. Und zwar sofort und sei es mitten in der Nacht. Das Foto ist nun schon über eine Woche alt und der Schnee liegt immer noch und macht die Welt erstaunlich klar und leise. (mehr …)