BYOD oder Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen

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Lernifra5Unter dem Schlagwort BYOD – Bring your own device hat das Projekt School IT Rhein Waal, an dem ich in den letzten 2 1/2 Jahren intensiv gearbeitet habe, einige Sichtbarkeit erlangt und Interesse hervorgerufen. Dazu gehört auch, dass es in der Transferphase nicht nur Einzelschulen waren, die Interesse gezeigt haben, sondern oft Kommunen, die hier neue Lösungen für Lerninfrastrukturen an ihren Schulen kennen lernen wollten.

Mit der Fachtagung „Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen“ am 25.9.2014 hat nun die Schlussphase des Projektes begonnen. Ca. 170 Interessierte waren in das neuen Audimax am Campus Duisburg gekommen, um erst im Plenumsteil nicht nur in unser Projekt zu schauen, sondern auch Einblicke in anderen Projekte zu nehmen, die sich ebenfalls mit den Möglichkeiten von Tablets und Smartphones im Unterricht beschäftigt haben. Am Nachmittag standen in den Workshops dann die Erfahrungen der Projektschulen in Moers und Xanten und von Transfer-Schulen und -Kommunen im Mittelpunkt. Die Veranstaltung ist hier dokumentiert und hier ist ein Teil des Medienechos zusammengefasst.

Wir haben insgesamt versucht deutlich zu machen: Im Projekt ging es zwar auch darum, eine WLAN-Infrastruktur zu schaffen, die das Einbinden privater Geräte erlaubt. Wichtiger aber war es, in den Schulen Strategien zu entwicklen, wie mit einer heterogenen Vielfalt an Geräten im Unterricht gut gearbeitet werden kann. Dabei wurde in den Projektschulen auch deutlich: BYOD ist immer nur eine Ergänzung zur schulischen Ausstattung, kann dabei aber der entscheidende Baustein sein, um digitale Medien im Klassenraum zu verankern. Zudem wurde deutlich: Genauso wie andere technische Konzepte hat auch BYOD das Potential Lehrer zu untersützten einen schülerzentrierteren, projektorientierteren und an individuellen Bedürfnissen ausgerichteten Unterricht zu gestalten. Automatisch passiert das aber nicht. Vielmehr mussten sich die Projektteams in den Schulen zunächst darauf verständigen, wie sie den Unterricht in den Projektklassen gestalten wollen, dann konnten Smartphones und Tablets als Werkzeuge in Schülerhand auch einen Beitrag leisten.

Ich bin gespannt, was in den nächsten Wochen und Monaten in den beiden deutschen Pilotschulen passiert. Pläne zur Weiterentwicklung haben beide. Noch mehr bin ich aber gespannt, wie sich die Idee weiterverbreitet und verbreiten lässt. Auch hier gilt wohl: Ein Selbstläufer ist das zunächst nicht, sondern erfordert Unterstützung und Vernetzung der Schulen und Kommunen.

Ein sehr erfreulicher Nebeneffekt der Fachtagung: Wir konnten so die vor vier Jahren in Duisburg begonnene Reihe der Workshops „Lerninfrastruktur an Schulen“ vorsetzen. Damals in Duisburg haben wir als Workshop im Rahmen der DeLFI 2010 mit vielleicht 20 Personen zusammengesessen und diskutiert. Weitere Stationen waren dann die DeFLI in Dresden und Hagen und die GMW in Frankfurt. Glücklich waren wir mit der Lösung nie wirklich. Die DeLFI war eine gute Heimat für den Workshop, aber als Konferenz der GI  zog sie vor allem Informatiker an. Die GMW wiederrum ist eher auf den Hochschulbereich ausgerichtet. Dazu kommt: Für Lehrkräfte ist das Format ungewohnt. In diesem Jahr haben wir den Workshop dann als eigenständige Verstaltung im Kontext eines Projektes gemacht. Damit haben wir dann tatsächlich Lehrkräfte in großer Zahl erreicht und auch der Wissenschaft Raum gegeben. Ich bin gespannt, ob wir das so als Format weiteführen können.

 

Die 5 Prozent

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Gestern hatte ich meine erste Lehrveranstaltung mit BA-Studierenden in Deutschland. Kontakt zu einer neuen Spezies? Am Ende des Semester werde ich es wissen. Eines aber ist mir gestern aufgefallen und wiederholt sich nun im Online-Forum, etwas das ich bereits vor 15 Jahren in Irland erlebt habe.

Damals stand ein Student vor mir und hielt mir ein aus einem Kollegblock gerissenes Stück Papier in, das in einer kaum lesbaren Handschrift beschrieben war. Die Tinte war zum Teil von Teeflecken verschmiert. Er hielt das Papier mit spitzen Finger zwischen uns. Ich schaute es mir an, war mir aber noch nicht sicher, ob es gesundheitlich unbedenklich wäre, es anzufassen.

What is this?

, fragte ich.

The 5 percent.

, war die Antwort.

Die Studienleistungen, die für jedes Modul zu erbringen waren, waren im Modulhandbuch in den irischen BA-Studiengängen schon damals genau geregelt. Und ein schriftlich einzureichende Essay schlug mit 5 Prozent der Gesamtnote zu Buche. Der Student damals tat gut daran, nicht zu behaupten, das auf dem Papier, sei ein Essay. Das Stück Papier schlug mit 5 Prozent zu Buche. Aber das trug wenig zur Gesamtnote bei.

Wo ist die Parallele zur Einführungsveranstaltung heute? Die Studierenden berichteten über die bisher gemachten Erfahrungen mit digitalen Medien in Schule und Hochschule.

In 6.3 haben wir mit einer Lernplattform gearbeitet.

In 3.4, nee,  4.3 gab es Tests, mit denen man für die Prüfung lernen konnte.

In 7.5 haben wir drüber geredet, wie Jugendliche sich heute im Internet beegen.

So in der Art hörten sich die Sätze an.

Ich weiß mittlerweile auch, dass ich in den Augen der Studierenden 10.2 „bin“, obwohl ich eigentlich dachte, ich biete das Seminar „Konzeption mediengestützter Lernangebote“ an. Und ich bin der Meinung, dass das ein Unterschied sein könnte.