lit.COLOGNE – Familienwahn

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Stellt dir vor, deine Mutter denkt, du könntest deinen Vater umbringen. Deinen Vater der im Wachkoma liegt und offensichtlich noch eine Filiale unterhielt.
Stell dir vor, deine Schwester, die du jahrelang verdrängt und nicht gesehen hast, drängt sich mit Macht wieder in dein Leben und auch in die Betten, in denen du sonst liegst.
Stell dir vor, das Osterfest rückt wieder einmal näher und wieder einmal machen sich alle auf zur gemeinsamen Weihnachtsfeier, wissend alle peinlichst genau darauf achten werden, nicht, aber auch gar nichts zu sagen, was eines der unter eine nur brüchigen, dünnen Decke versteckten Familiengeheimnis an die Oberfläche schnellen lassen könnten. Daher wird kaum einer überhaupt etwas sagen und zu ertragen ist das alles nur unter starkem Alkoholeinfluss. (mehr …)

lit.COLOGNE – gebadet wird samstags

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Mein Gott was muss das gestunken haben! Damals! In den siebzigern. Geraucht haben die da wie die Schlote und gesoffen wie die Stiere. Bier immer und Schnaps dazu. Und Zwiebeln wurden immer angebraten zum Fleisch und dann noch Kohl und Bohnen. Das windet. Und all die Ausdünstungen. Und gebadet wurde samstags. Der Sauberste zuerst. Erinnern kann ich mich ja nicht an den Geruch. Nur wenn der Bauer drei Straßen weiter bei Ostwind die Fenster am Schweinestall aufmachte… Puh! Und was hat das nun mit Literatur zu tun? (mehr …)

Virtuelle Lehrer

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1996 habe ich zum ersten Mal meine Schüler auf einer Reise durch das Internet geschickt. 1997 habe ich mein erstes E-Mail-Projekt vor die Wand gefahren und im selben Jahr auch eins zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Ende 1997 hat an der UL ein Mensch von der Open University in England gesprochen und ich habe die ersten Artikel von Helmut Brammerts und David Little gelesen. So fing das an mit den digitalen Medien im Unterricht. Begleitet wurde das ganze immer von der bangen Frage mancher Kollegen: Wird uns der Computer denn ersetzen?

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Ende einer Dienstzeit

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Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie mag, diese Anleihen bei Romantiteln – besonders dann nicht, wenn der Artikel, der dann folgt so ganz und gar nicht mit dem Roman zu tun hat. Stimmt eigentlich der Eindruck, dass Heinrich Böll recht häufig herhalten muss, wenn mal wieder kein Titel zum Artikel gefunden werden will.

In diesem Fall geht es in der Zeit um den Tod einer Lehrerin, die -so sieht es aus- an ihrem Beruf, nein, am Wandel ihres Berufes, nein, auch so stimmt das nicht, zerbrochen ist.  In der Zeit wird es dann Zweidimensiona: Da sind die Bösen und die Guten. Die Vorschrittlichen und die Konservativen. Die Reformer und die Bremser. Aber ganz so einfach ist das wohl alles nicht. Sehr empfehlenswert ist daher der Kommentar von .shift, in dem die Vielschichtigkeit der Problematik deutlich wird.

Brauchen wir eine radikal geänderte Lehrerrolle?

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Im Konzeptblog habe ich den Hinweis auf einen Artikel von Peter Baumgartner gelesen, der beim Lesen an mancher Stelle meinen Widerspruch hervorrief.

Zunächst scheint mir die Einschränkung sozialer Software auf nur sehr sehr wenige Programme zu eng. Podcast, Wikis und Weblog werden ausgeschlossen, während Bildarchiven und Bookmarksystemen eine besondere Bedeutung zugeschrieben wird. Meine eigenen Erfahrungen sind da andere, durch das lesen, schreiben und kommentieren von Weblog habe ich alleine in den letzten Woche mehr Kontakte knüpfen können, als ich vermutet hätte. Hingegen konnte ich durch die gelegentliche und noch nicht sehr systematische Durchforstung und Nutzung von del.icio.us zwar eine Reihe interessanter Webseiten entdecken, aber bin auf diesem Weg in keinen Kontakt zu anderen getreten.

Die Gleichsetzung von Wiki und Forum halte ich ebenfalls für gewagt, da ich in der Arbeit mit Wikis eine deutlich stärkere Ergebnis- und Produktorientierung sehe, verbunden mit dem Wunsch der einzelnen Beteiligten diese Produkt gemeinsam zu schaffen.

Besonders auffällig sind aber die Probleme die Baumgartner bei der Nutzung sozialer Software im Unterricht sind. Zentraler Punkt ist für ihn dabei der Kontrollverlust nicht nur über Inhalte, die das Internet schon vor dem Web 2.0 mit sich gebracht haben soll, sondern auch über die Kontakte die Lernende nutzen.

Ich habe den „Verlust“ über die Kontrolle der Inhalte im Unterricht immer als Herausforderung empfunden und für die Lernenden als Bereicherung gesehen. Eine Kontrolle habe ich nur in den Fällen versucht auszuüben, wenn ich eine didaktische Reduzierung der Stoffmenge für angezeigt hielt.

Ein LMS würde ich kaum als abgeschotteten Raum mit ausgewählten Inhalten sehen, sondern als vorbereitetes Basislager für die Expedition ins Internet, denn wenn ich aus den engen Räumen nicht in die weiten des Internets losziehen kann, muss ich doch fragen, warum ich überhaupt eine Software im Internet nutze.

Sich der Herausforderung, ein Seminar nicht nur über sondern auch mit Social Software zu gestalten, zu stellen, sollte  eine Selbstverständlichkeit sein. Damit aus dem „Lernen und Reden über“ ein Erleben wird. Und dann bin ich pädagogischen Ansätzen, die es schon lange vor dem Computer, dem Internet und dem Web 2.0 im Unterricht gab.

Die geforderte Änderung der Lehrerrolle besteht auch ebenso lange. Die Frage ist, ob ich mich der Forderung stelle und ob ich vielleicht neue oder geänderte technische Möglichkeiten zum Anlass nehme meine Lehrerrolle zu ändern.

Eine veränderte Lehrerrolle werden wir auch in 10 Jahren noch brauchen, wenn das Web 2.0 längst Geschichte ist. Und Lehrer mit der geforderten Sichtweise gibt es auch heute schon. Und manche von ihnen haben noch nie einen Computer im Unterricht zum Einsatz gebracht.

Die Reputation verteidigen

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Privat oder öffentlich? Ich oute mich dann mal als Kölner Immi. D.h. ich lebe in dieser Stadt und ich liebe ihre fünfte Jahreszeit. Gestern musste ich aber wieder mal erleben, dass Menschen sich der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Handlungen nicht bewusst sind. Die Sitzung einer kleinen Karnevalsgesellschaft war mit guten bis sehr guten Nummern vollgestopft. Traditionscours beim Tanz muss ich nicht wirklich sehen, aber sie gehören dazu. Danken muss ich Bernd Stelter für die neue Version von 54, 74, 90, 2010. Bei ihm heißt es : 54, 57, 61 und B1 und wer hier in der Gegend wohnt, weißt was man da macht: Im Stau! Und das auch ein Immi was vom Karneval versteht, zeigt sein neues Köln-Lied. Da heißt es:

„Darum haken wir jetzt Arme unter Ellenbogen ein,
und singen endlich mal ne Hymne auf die schöne Stadt am Rhein… “

Und auf das Lied kann man alles, nur nicht schunkeln. So gebrochen macht Karneval dann wieder richtig Spaß. Nicht wenn da ein anderen steht und weint, dass es die alten Redner nicht mehr gibt, das die Neuen nur noch Comedians sind und auch kein Kölsch mehr sprechen.

Aber darum geht es nicht. Da stand ein Elferrat auf der Bühne, der bestand aus 7 oder 8 Personen, warum auch immer. Die hatten alle viel Spaß da oben. Nur 4 oder 5 nicht. Die standen da, als wäre ihnen der Kanarienvogel gestorben. Die haben nicht gelacht, die haben nicht getanzt, die haben keine Minute daran gedacht, dass ihnen 2000 Menschen bei ihrer zur Schau getragenen Trostlosigkeit zuschauen. Die waren sich ihrer Öffentlichkeit in keinster Weise bewusst. Und sie waren Thema: Wie kann man sich nur dahin stellen und dann so gucken!

So und jetzt kommt der Link zum Internet. Die Welt schreibt über die Probleme, die Spuren im Internet bereiten können. Eine amerikanische Firma hilft nun dabei, diese Spuren zu beseitigen. Das Internet ist hier nicht böse. Das Internet zerstört nicht, wie der Artikel es nahe legen will, die Karriere. Wenn ich auf Partyfotos im Netz immer wieder nicht fröhlich feiernd sondern volltrunken zu sehen bin, dann wir das mein neuer Arbeitgeber vielleicht auf der ersten betrieblichen Feier auch mitbekommen. Im Artikel wird ein Mensch zitiert, der unter „enormen seelischen Problemen“ litt und diese in Foren unter seinem Namen diskutierte. Wird er das nicht wahrscheinlich auch im Tennisverein oder der Kaffeepause tun?

Wenn ich nicht will, dass bestimmte Informationen über mich andere erreichen, dann darf ich sie nicht mit meinem Namen verknüpfen. Weder im Internet noch im realen Leben. Wer sich seiner Schandtaten im Internet rühmt, darf sich nicht wundern, wenn sie von realen Menschen gelesen werden. Wer sich seiner Seitensprünge im Internet rühmt und sich dann wundert, wenn er zuhause Ärger bekommt, ist schlicht dumm.

Also, immer gut überlegen, was man sagt oder schreibt. Das schränkt die Möglichkeiten des Mit-mach-Webs nicht ein. Vielleicht erhöht es aber seine Qualität.

Visionen 2

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Michael Kerres umschreibt in einem Artikel aus dem Sommer letzten Jahres eine „Personal Learning Enviornment“ (PLE) als etwas, in den Lernenden „etwa einen Weblog für individuelle Refelxionen, Wikis für kollaborative Arbeiten“ nutzen. Das ist eigentlich das, was ich in meinen Visionen in Merz gesagt habe – ohne Kerres Text zu kennen. Den habe ich dann erst später wahrgenommen und nun wieder gelesen.
Spannender ist, wie er PLEs von Lernplattformen abgrenzt und wie er Portale, die er für wichtig hält, beschreibt. Der Artikel ist einerseits eine schöne Zusammenfassung, die aber auch manchmal idealisiert, befürchte ich. Beim Lesen jetzt, erinnere ich mich daran, ihn vor Monaten bereits angelesen zu haben. Damals war mir das alles noch zu pro Web 2.0. Auch Ralf Hilgenstock hat im Weiterbildungsblog ein paar bedenkenswerte kritische Fragen gestellt.
Doch heute kann ich mich anders auf dieses schöne Modewort einlassen, weil es sich für mich an vielen Stellen mit Leben gefüllt hat.

Mit Lehrer-Online sind wir an vielen Stellen auf einem richtigen Weg. Aber Das Lehrer-Online als Portal gut etabliert ist, wissen wir ja nun schon ein Weile. Wichtiger für mich daher die Frage nach der Lernplattform und Arbeitsumgebung, in unserem Fall als lo-net2.de. Hier haben wir jetzt die Möglichkeit selbst Lernszenarien zu entwickeln und zu erproben. lo-net2.de hat, glaube ich, dabei viele Potentiale des Web 2.0. Aber die bereitgestellte Funktionalität ist es ja nun noch nicht, erst die Nutzung macht es.

Genau werden wir beobachten, was die nutzende Lehrerschaft draus macht, aber wir werden uns auch aktiv selbst mit einbringen. Die Fachcommunities von Naturwissenschaften entdecken! sind ein erster sichtbarer Schritt. Damit sind wir aber erst in der Lehrerwelt, die e-learning-Rahmenbedingungen sind hier sicherlich mit denen an der Uni vergleichbarer, als mit denen an der Schule…