Keep calm and carry on!

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Ein wenig hat es mich dann doch beruhigt, dass ich mindestens eine zweite Berufsgruppe gefunden habe, die sich netzöffentlich Gedanken macht, ob das ipad denn nun etwas für ihren Berufsstand ist. Das es ausgerechnet die in den letzten Jahren und Monaten nicht unbedingt im Ansehen gestiegenen Banker waren, schmälert die Freude unwesentlich. Aber natürlich kam, kaum hatte Steve Jobs die Bühne im Buena Vista Center of the Arts verlassen, die Frage auf, ob das ipad in die Schule gehört und ob es das Gerät ist, auf das die Schulwelt gewartet hat, damit Medieneinsatz an der Schule nunmehr zur Selbstverständlichkeit wird. Ebenso schnell waren dann auch die Skeptiker zu Stelle, die anmerkten, dass das Tippen auf bunte Icons nichts mit Lernen und das Kaufen (wohlgemerkt kaufen noch nicht lesen) von eBooks im AppStore noch nichts mit Medienkompetenz zu tun hat.
Wahrscheinlich haben jene Recht, die mit dem ipad -mal wieder – eine Zeitenwende kommen sehen. Aber ob das ipad deshalb in jede Schultasche gehört, ist dann doch die Frage. Lange war es ja unter dem Decknamen iSlate unterwegs und dass eine Schiefertafel in die Schule gehört liegt nahe. Falsch ist es aber hier zunächst wieder auf die Ausstattung zu schauen, das iPad macht genauso wenig, vielleicht noch weniger (da möchte ich den Skeptikern beipflichten) guten Unterricht, wie irgendeine andere technische Errungenschaft das aus sich heraus tut.
Steve Jobs hat zwischen dem iPhone und dem Notebook eine Lücke entdeckt, die uns bisher gar nicht so sehr aufgefallen war, die Apple aber nun mit einem edlen Gerät schließt. Und andere Anbieter werden mit ähnlichen Geräten folgen oder haben diese (vom Käufer unbemerkt) schon längst auf den Markt gebracht. Diese neuen Schiefertafeln sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zum „Allways-On“, zum Immer-und-Überallnetz und sicher auch zu noch mehr Audio- und Video und weniger Print zu noch mehr Medienkonvergenz. Darüber nun sollte sich Schule Gedanken machen und sich fragen, wie sie diese Lebensrealität aufgreift, abbildet und Kinder und Jugendliche darauf vorbereitet. Das geht sicher nicht nur mit der alten Kreidetafel, muss aber auch nicht unbedingt mit der neuen digitalen Schiefertafel gesehen. Manche Schule ist auf dem richtigen Weg. Sei es mit Medienecken, Selbstlernzentren, Notebook-Wagen und 1:1-Ausstattungen mit Note- und Netbooks. All diesen Schulen muss man sagen:
Keep calm and carry on!

Weitermachen auf dem Weg zur Schule für die Wissensgesellschaft. Nicht von den Skeptikern bremsen lassen und nicht von jeder neuen Entwicklung aus der Bahn werfen lassen. Die Richtung ist klar, der Weg lang, aber ans Ziel kommt man nur Schritt für Schritt.
Sehr gefreut hat mich dann auch noch die Frage auf „Kreide fressen„:  Gibt’s eigentlich schon erste didaktische (sic!) Überlegungen zum iPad?

Volker Rüddigkeit

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Digitale Medien in der Schule, das ist – und das wissen wir alle, die ihn gehen – ein langer steiniger Weg. Ein Weg, auf dem es wichtig ist, Mitstreiter zu haben, besonders solche, die die Ideen und Anliegen, die uns umtreiben, auch anderen nahe bringen können und dabei die Sorgen, Zweifel und Vorbehalte hören.

Volker Rüddigkeit hat es nicht nur verstanden, andere für einen medialen Unterricht zu gewinnen, er hat auch immer wieder vorausgedacht und neue Entwicklungen an Schule herangetragen. Wenn er z.B. den Begriff des Web 2.0 für die Schule entschlüsselt hat, dann nicht, um sie vor neue Herausforderungen zu stellen, sondern um Möglichkeiten, Chancen und Machbarkeiten zu zeigen. Er war unermüdlich in seinem Engagement für und seiner Geduld mit Schule. Getrieben hat in die Aufgabe, Lernen zu ermöglichen, nicht die Faszination an der Technik, der er für Schule nutzbar gemacht hat.

Den Kampf gegen eine lange Krankheit hat er verloren. Volker Rüddigkeit starb gestern.

Ich nehme Abschied von einem Weggefährten und Wegweiser.

Schlagabtausch

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Die Sache ist so einfach wie banal: Die Initiative D21 setzt das Projekt „Die besten Lehrkräfte für Deutschland“ fort. Das alleine ist löblich. Denn viele kleine Tropfen bilden irgendwann einen großen Strom. Weil aber hinter der Initiative D21 viel Industrie steht, wird das Ganze mit einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne flankiert. Auch das ist noch nicht verwerflich. D21 gibt eine  Studie in Auftrag, die belegt, dass Deutschland Schlusslicht bei der Medienausstattung und -nutzung in Schulen ist. Die Studie wird exklusiv an „Die Welt“, Rene Scheppler nutzt den Projektblog um das Thema in die Lehrer-Blogosphäre bringen. Und da fährt die Kampagne vor die Wand.

Worum geht es: Die Studie zählt Computer und ihre Nutzung und verortet Deutschland ganz am Ende einer langen Liste. Das deutsche Schulsystem wird als zu starr bezeichnet, mehr Autonomie für Schulen gefordert. Bis hierher ist das ja noch OK. Dann aber bekommen die Lehrer ihr Fett weg: Die Schüler bezeichnen deren Medienkompetenz als unzureichend. Und das kann man natürlich nicht machen ohne sich den berechtigten Unmut der Lehrerschaft zuzuziehen.

Herr Rau setzt sich dann auch kritisch mit der Studie auseinander. Als Bayer mahnt er natürlich den differenzierten Blick in die Länder an und rechnet schnell vor, dass in Bayern alles besser ist. (Nagut, wussten wir eigentlich auch schon. Wenn zieht es bei den Verhältnissen dort nicht in die weiß-blaue Welt?) Es folgt der Hieb gegen die sehr gut ausgestatteten amerikanischen Schulen, die diese Ausstattung nicht nutzen und die Selbstkritik, an einer gut ausgestatteten Schule zu sein, die die Potentiale auch nicht hinreichend nutzt, gefolgt von einer gute Begründung, warum auch ihm Medieneinsatz oft zu aufwendig ist. Ein „interessantes“ Selbstverständnis wird allerdings sichtbar, wenn er sich beschwert, dass die Kinder die nötige Medienkompetenz nicht von Zuhause mitbringen. Da wären wir ja nicht weit davon weg, dass die Eltern ihren Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen und und und beibringen und die Schule nur noch prüft und attestiert. Doch zurück zum Thema: Schließlich verweist er auf einen Beitrag von BeeHive. Dort wird der Industrie vorgehalten, sie würde mit der Studie nur ihre eignen Interessen verfolgen (Hardware und Software verkaufen – Jugendliche auf Produkte einschwören).

Damit haben wir den klassischen und hinlänglich bekannten Schlagabtausch und es stehen sich plötzlich wieder zwei als Gegner gegenüber, die eigentlich an einem Strang ziehen sollten. Die Lehrer verteufeln die Industrie, die nur Geld verdienen will. Und die Industrie schimpft auf die „schlechten“ Lehrer. Besonders ärgerlich: Die Lehrer die sich – zu recht – wehren, sind die, die sich durch ihr Handeln durchaus aus kritisch medienkompetent erweisen. Was geht da nun also schief?

Vielleicht zielen beide aufs falsche Ziel. Die Lösung findet sich – wie so oft – im Kleingedruckten. Diesmal in einem Kommentar der – wie immer  – weisen Lisa Rosa auf Renés Beitrag. 😉

Vom SchülerVZ zur Forschungsfrage

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Gestern fand der Auftakt zum Schülerkolleg Pädagogik statt, das wir seit einigen Wochen vorbereitet haben. Über 60 Schülerinnen und Schüler bevölkerten einen Hörsaal, labten sich in der Mensa wuselten durch das LC-Gebäude und diskutierten im Learning Lab. Ein paar O-Töne der Jugendlichen und der begleitenden Lehrer haben wir hier eingefangen und Judith, die die meiste Arbeit in der Vorbereitung geleistet hat, hat ihre Erfahrung schon hier aufgeschrieben.

Die Selbstverständlichkeit der Jugendlichen im Umgang mit SchülerVZ, mit dem Internet zur Unterhaltung, Kommunikation und auch zum Lernen hat mich wenig überrascht. Begeistert war ich aber von der Ernsthaftigkeit mit der sie bei der Sache waren und der klare und kritische Blick auf Möglichkeiten und Grenzen des Internets. Schwer getan haben sich die 7. und 8.-Klässler, die ich betreut habe, zunächst, sich in Arbeitsgruppen mit Schülern anderer Schulen zusammen zu tun. Am Ende des Tages haben sie sich dann aber gewünscht, dass dies auch an den kommenden Kollegtagen möglich sein soll. Nicht nur weil es ihnen Spaß gemacht hat, sondern auch weil im Austausch mit anderen, die Diskussionen ergiebiger waren. Und das haben die Schüler so gesehen und selbst geäußert.

Herzlich willkommen in der vernetzten Forscher-Community. 😉

Kartenständer

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Gespräch mit meiner Tochter (5.Klasse):

„Und Papa, dann kommt der Herr X (Lehrer) immer in die Klasse und hängt erstmal sein Jackett an den Kartenständer.“

Kartenständer. Sofort habe ich das Bild von großen Landkarten mit Flecken und Löchern wieder vor mir, die unentzifferbar in weiter Ferne, vorne neben dem Lehrer hingen, auch der modrige Geruch des Kartenraumes ist wieder da – ein Raum voller Wissen auf Rollen und irgendwie unheimlich.

„Was macht ihr denn sonst mit dem Kartenständer?“

„Nix! Herr X hängt halt immer sein Jackett dran.“

„Und woher weißt du dann, dass das ein Kartenständer und keine Garderobe ist?“

„Weil wir in der Grundschule auch schon einen Kartenständer hatten!“

„Echt? Und was habt ihr damit gemacht?“

„Da haben wir immer den Bühnenhintergrund beim Theaterspielen dran aufgehängt.“

„Aha!“

„Du Papa, warum heißt der dann eigentlich Kartenständer?“

Nette Aktion und falsche Frage

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In mehreren Blogs (z.B. hier, hier, hier und hier) sind mit die Antworten auf die auf die Blogaktion „Mehr Bildung in Blogs“ aufgefallen und ich habe die zum Teil umfangreichen Antworten mit Interesse gelesen. Jetzt gegen Ende der Aktion fasse ich mich kurz und antworte im „Twitter-Style“, vielleicht erzeugt das ja auch Bilder in den Köpfen der Leser.

Was mich aber ehrlich gewundert hat: Die letzte Frage wurde nur einmal (Ich habe aber auch nicht alle Beiträge gelesen.) in Frage gestellt.

1.Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

An die Pausen mit Freunden (Peers), meinen Chemielehrer in der Mittelstufe (Persönlichkeiten), die Theater-AG (Emotionen). (122)

2.Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Vor allem Papier: Bedrucktes und zum Beschreiben. VHS-Videos, Kassettenrecorder, das Sprachlabor, den OHP. Computer (Triumph und Olivetti). (139)

3.Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?

Da ist (wenn es gut umgesetzt wird) Vieles auf dem richtigen Weg: Uni und Schule zusammenbringen. Früher Praxis, dauerhaft Fortbildung. (135)

4.Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?

Gehören in den Werkzeugkasten des Lehrers, genauso wie: Plakate, Experimente, Exkursionen, Partnerarbeit, Lehrervortrag. Etc. eben! 😉 (135)

5.Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Falsche Frage! Eher so: Kann Unterricht durch Online-Angebote so verbessert werden, dass  massenhafte Nachhilfe nicht zum Normalfall wird?  (138)

Das Ende der Kreidezeit

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Das 21. Türchen

Dieser kleine Adventskalender ist ja auch ein kleiner persönlicher Jahresrückblick, das Wühlen im Zettelkasten des Jahres. Viele „Zettelchen“ (heute eher: tags, booksmarks, tweets…) habe ich bei der Suche nach 24. Überraschungen für die Weihnachtszeit kurz verwundert angesehen und dann weggeschmissen.

Zwei Titel haben sich aber für mich durch das ganze Jahr gezogen:

  • Das Ende der Kreidezeit
  • Der Computer enthält in sich ein Versprechen auf die Zukunft

Mit dem Ende der Kreidezeit habe ich so meine Probleme. Die Euphorie die der Whiteboard-Boom (angeheizt durch das Konjunkturpaket) mancherorts ausgelöst hat, will ich nicht teilen.  In diesem Zweifel bestärkt mich die Mahnung von Rolf Schulmeister (S.317).

Beide Titel begegnen sich in einem Vortrag von Beat Döbli Honegger (bes. Folie 4) auf den ich bei Michael Kerres aufmerksam geworden bin.

Wie bei Kuhlenkampf

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Das 19. Türchen

Zuerst gesehen habe ich den Hinweis bei Michael Kerres und dann quasi überall. Das war fast wie früher Kuhlenkampf. Montags wusste man, was alle am Samstagabend gesehen hatten. Das war ein schönes Gefühl zu merken, wie da eine Gruppe über die ganze Republik verteilt (und auch in der Schweiz und Österreich) sitzt und sich gemeinsam einen Vortrag anschaut. Wiedergucken lohnt sich.