When the killing’s done – Rückblick auf die OERde14

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Zum zweiten Mal hatte die Wikimedia zur OERde nach Berlin eingeladen. Wieder hat Jöran das Programm zusammengestellt und wurde von Guido und anderen beim Barcamp unterstützt. Ich bin mit immer noch nicht sicher, ob ich die Kombination von Konferenz und Barcamp gut finde – wenn ich drüber nachdenke. Wenn ich da bin und die Vielfalt erlebe, bin ich begeistert und fasziniert.

Aber zum Inhaltlichen: Wir haben da ein paar wichtige Schritte nach vorne getan. Immer noch prallen zwei Welten aufeinander. OER-Aktivisten fordern Freiheit für alle Materialien – und wollen dafür staatliche Alimentationen. Verlagspatrone sehen den Untergang der Bildungsverlag und im Gefolge der schulischen Bildung und des christlichen Abendlandes gekommen, wenn OER sich verbreitet und gefördert wird. Und immer noch wird OER als Motor für pädagogischen Wandel gesehen. Das ist das plakativ.

Dazwischen aber werden immer mehr Zwischentöne hörbar. Nicole Allen stellt den Gegensatz von OER und Verlagen auf den Kopf, wenn sie sagt, wir bräuchten OER auf denen dann Verlage ihre Produkte aufbauen und auch Geschäfte machen können und dürfen. Mark Rackles stellte die Idee einer OER-Landesinitiative vor, die nicht versucht, dass Schulbuch zu erfinden, sondern die ER im Land sichtbar zu machen, die schon immer entstanden sind und denen nur das O hinzugefügt werden muss, um sie nicht nur für andere nutzbar zu machen, sondern auch einen Beitrag zu leisten, dass sich eine Kultur der Offenheit und des Teilens überhaupt erst entwickeln können, die für pädagogischen Wandel wichtig wären. Da werden Ansätze erkennbar, da ist nicht mehr die Aufbruchstimmung, die im letzten Jahr spürbar war, sondern da waren viele auf dem Weg.

ScheinkonkurrenzUnd so erklärt sich dann auch der Titel zum Post: Wir habe in unserem Vortrag (man sagt wohl heute: Talk) das Beispiel des Island-Fox gebracht, der scheinbar von ausgewilderten Schweinen aus einem Lebensraum, der Insel Santa Crux im Pazifik vor Los Angels vertreiben wurde. Tatsächlich war es aber der Weißkopfseeadler, der ausstarb, weil er gejagt und mit DDT vergiftet wurde und das Habitat so dem Steinadler überließ. Der wiederum jagte den Fuchs. Die Konkurrenz zwischen Füchsen und Schweinen in einem Ökosystem ist das erste so belegte Beispiel einer Scheinkonkurrenz. Nachzulesen ist das alles bei T.C. Boyle in dessen Roman „When the killing’s done“.

Es gab deutliche Anzeichen, dass eine Scheinkonkurrenz, die die Diskussion in der Vergangenheit wenn nicht bestimmt, so doch überschattet hat, erkennbar wird. Damit öffnet sich mehr und mehr die Tür auf der OERde15 offen und konstruktiv über ein Zusammenspiel der verschiedenen Akteure zu diskutieren. Nicht um OER voranzutreiben oder Verlage zu erhalten, sondern um zu klären, wie in Zeiten der Digitalisierung gelernt werden kann.

Und dann folgen wir Jan Neumanns Idee:

Neumann-OERde14

Die reine Lehre – oder: Ich hab da mal ne Frage

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Letzte Woche war ich auch 2x in Sachen Edutags unterwegs. Auf der Moodlemoot habe ich in Münster Edutags vorgestellt und gezeigt, wie wir mit den Schnittstellen, die wir in der letzten Zeit gebaut haben, Ergebnislisten in ein LMS (sprich: Moodle) integrieren kann. Uwe Klemm und Carola Brunnbauer berichten. Auf dem Kölner Educamp kam dann auch eine Session zu Edutags im OER-Slot zustande.

Und da hat dann Torsten Larbig einen Wunsch geäußert, der mit nicht aus dem Kopf will: Er wünscht sich als Lehrer, der selbst Bildungsressourcen frei im Netz veröffentlicht ein Plugin (z.B. für WordPress), das es ihm erlaubt, seine Inhalte direkt auf edutags zu veröffentlichen. Und ich höre den Aufschrei:

„Aber dann ist es kein echtes social bookmarking mehr! Verrat der reinen Lehre! Verfall der Sitten! Untergang des christlichen Abendlandes!“

Und doch verfängt die Idee: Müsste man nicht denen, die etwas anzubieten haben, den Zugang zu einem solchen Verweissystem ermöglichen? Die Abgrenzung zu anderen Plattformen wäre das, was den Bildungsserver schon immer ausgezeichnet hat: Verweis auf Inhalt, nicht die Inhalte selbst. Dann hätten wir einen Marktplatz für freie Produzenten neben den leuchten Shoppingmalls der Konzerne. Oder dürfen die auch auf den Markt…

Wie gesagt: Noch nicht zu Ende gedacht… aber vielleicht Anlass zu Diskussionen.

Mein erstes Mal – oder von revolutionären Sprüngen und permanentem Wandel

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So, nun war ich also auch mal auf einem Educamp. Und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal. Spannend war es. Ich habe in zwei Tagen eine Menge Eindrücke gesammelt, die in Ruhe überdacht sein wollen. Ich habe mich gefragt, wieso z.B. Lehrerfortbildung oder auch mal Unterricht nicht so (un-)organisiert werden können. Wenn ich am Ende des Tages in einem Satz zusammenfassen müsste, was das besondere an der Lernsituation „Educamp“ für mich ist, dann würde ich sagen: Da wird den Leuten zugetraut, die Zeit, den Raum zum Lernen zu nutzen. Da wird darauf vertraut, dass da Leute sind, die etwas lernen wollen.

Mandy und ich haben eine Session zum Thema „Bring your own device“ angeboten. Eine ausführliche Auswertung und Dokumentation (auch als Audiomitschnitt – Danke an Tim) folgen. Überrascht war ich, welch großen Anklang die Session gefunden hat. Der Saal war voll, die Diskussion war angeregt und wir haben in einer dreiviertel Stunde viele, viele wichtige Aspekte des Themas angeschnitten. Zu Ende diskutieren ließ sich da leider wenig, aber wir sind optimistisch, dass sich die Diskussion zumindest mit einem Teil der Leute auch online fortsetzen lässt.

Auf einen kleinen Aspekt möchte ich aber im Vorgriff auf die Zusammenfassung hier schon eingehen: Ausgehend von der Aussage eines Teilnehmers, die „alten“ 1:1-Klassen, in denen Schüler mit standardisierten, über die Schule administrierten Endgeräten arbeiten, seien nur eine Zwischenstation, kam die Frage auf, was denn dann das „Ziel“ sei. Oder ob man sich nicht eigentlich eingestehen müsse: Das einzig beständige sei der Wandel. Das wiederum rief Widerspruch hervor: Wenn es nur einen permanenten Wandel gibt, dann gäbe es keine revolutionären Sprünge mehr und die seien für große Entwicklungen nun einmal wichtig.

Und da sind wir mitten drin ein einem Dilemma. Schule sehnt sich nach Kontinuität, nach Stabilität, die sie immer weniger „bekommt“. Allein zu akzeptieren, dass der Wandel konstant und stabil ist, ist das schon eine Herausforderung. An revolutionäre Sprünge scheint da kein Denken zu sein. Andererseits: Die, die Notwendigkeit von Veränderungen sehen, wollen diese auch umgehend und radikal. Und sei es auch nur, um sich selbst mit der eigenen Revolution identifizieren und vom „Alten“ abheben zu können.

Ich selbst hänge ja auch eher an der Idee des langsamen, aber stetigen Wandels, der nicht einfach so und von alleine kommt, sondern auch gestaltet und vorangetrieben werden will. Sehr versöhnlich fand ich aber den sehr berechtigten Hinweis: Ob etwas eine Revolution war oder nicht. Das lässt sich wohl immer erst im historisch einordnenden Rückblick sagen.

In diesem Sinne: Die Session war für uns ein wichtiger Ansporn, dass wir (z.B. mit School IT Rhein Waal) den richten Weg eingeschlagen haben. Sie hat uns sehr lebhaft gezeigt, dass da Leute sind, die die Idee zu einer Bewegung machen können – vor allem, wenn es gelingt, sie über die einzelnen Schulen hinaus in Dialog zu bringen. Der Rest ist dann irgendwann Geschichte.

Und nochmals: Vielen Dank an alle für’s Mitdiskutieren. Es hat mich sehr gefreut ein paar alte Bekannte wieder zu sehn und zu so manchem Namen nun auch eine Stimme und ein Gesicht und ein begeistertes Leuchten in den Augen zu haben.

Nachtrag: Mandys ausführliche Zusammenfassung zur Session und der Audiomitschnitt der Session von Tim. (Danke!)

Polynesisches Segeln

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Während die Weltöffentlichkeit – zumindest der Teil, der sich für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien interessiert – am vergangenen Donnerstag nach New York schaute, ging ein anderes Ereignis eher unbemerkt vonstatten. Doch für die, die dabei waren, war am Ende des Tages klar: Wir haben uns da auf eine spannende Reise gemacht. Und die Ereignisse in New York werden dabei sicher eine Rolle spielen.

Über Apples Initiative haben bereits Viele geschrieben. Besonders gefallen hat mit die Zusammenfassung von Beat. In der Tat könnte die Initiative dem Lehren und Lernen mit digitalen Medien einen Schub geben. Aber es gibt auch ein paar Fragen, die mir bisher wenig beantwortet wurden:

  1. Es ist ja toll, dass mit ibook Author jetzt multimediale Lerninhalte „ganz einfach“ erstellt werden können. Aber Lerneinheiten mit eingebundenen Videos, Animationen, Simulationen, die gibt es schon. Hier oder hier, etwa. Es mag ja einfacher sein, die Elemente zu einem Buch zusammenzustellen. Aber die Arbeit, die Animation zu planen und zu gestalten bleibt… und sie bleibt aufwendig.
  2. Aus Apples Sicht mag es ausreichen, das Schulbuch zu digitalisieren und den Verkauf über den eigenen Shop zu kanalisieren. Betriebswirtschaftlich kann das wahrscheinlich ein guter Wurf sein. Aber ist die Vision vom neuen Lernen mit Medien wirklich die, dass Schüler in multimedialen Büchern blättern? Die kommunizierte Idee: Der Lehrer (am MacBook) produziert Lehrinhalte, die der Schüler am ipad konsumiert. OK… aber da geht mehr, oder? Dann braucht aber auch der Schüler in MacBook. Das wird teuer.

Beim Kick off zum Projekt School IT Rhein Waal, über das Mandy bereits berichtet hat, haben wir etwas anderes beschlossen –  und mich hat es sehr gefreut, dass die vier im Projekt versammelten Schulen gemeinsam diesen, wie ich finde, radikalen Schritt gewagt haben. Wir werden in den Schulen Pilotklassen einrichten, in denen jedes Kind sein eigenes privates Gerät mitbringen darf und soll. Egal, ob das ein Netbook ist, ein Laptop, ein Tablet oder ein Smartphone. So, werden in diesen Klassen Geräte vorhanden sein, mit denen man Filme drehen kann, andere eigenen sich gut für das Erstellen von Texten und Grafiken, wieder andere sind als schnelle Zugänge zum Internet für kurze Recherchen geeignet und mit allen kann man auf online kommunizieren.

Die Frage war einen kleinen Moment, ob es im Projekt heißen würde: Bring your own tablet  der Marke x. Oder: Bring your own netbook with min. 10 Zoll-Screen und einem Betreibssystem, das in der Lage ist eine Officesoftware aus dem Hause Y zu starten.

Aber, so war dann doch der Konsens: Spannend wird es erst, wenn wir in die Rücksäcke der Schüler schauen, wenn wir schauen, welche Geräte dort sind und wie sie im Unterricht in unterschiedlicher Weise zum Einsatz kommen können. Sicher werden sich da manche Geräte als geeigneter erweisen als andere. Manche werden eine Nische finden, für die sie genutzt werden können. Aber dieses Vorgehen, so die einhellige Meinung, bringt auch die Offenheit, neue technische Innovationen nicht als „Gegner“ des bisher erreichten zu sehen, sondern als weitere Bereicherung und Möglichkeit. Und wenn sich Lehrer und Schüler auf die Heterogenität einlassen können, dann lassen sie sich auch einfach auf die Entwicklungen ein, die wir im Alltag erleben.

Die Reise ist spannend, denn wir kennen das Ziel nicht. Jedes Ziel, dass wir als konkreten Fixpunkt jetzt definieren könnten, wäre nur ein Ziel, das sich aus dem in der Vergangenheit erreichten definieren lässt. Die Klassen im Projekt werden sich auf den Weg machen, neue Ziele zu entdecken. So, wie einst in Polynesien gesegelt wurde.

 

Brustimplantate

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Zugegeben: Die Überschrift steht nur da, um Aufmerksamkeit zu erheischen. Aber sie hat auch eine kleine Berechtigung (s.u.). Ich kann ja schlecht schreiben: Guckt mal! Ich war im Fernsehen… könnte ich schon, wäre aber eitel.

Worum geht es: Gestern hat die WDR Lokalzeit Ruhr einen Bericht über unser Projekt, die Medienscouts NRW, gebracht und ich war als Studiogast zum anschließenden Interview da. Man kennt das ja: Was passt schon in einen Drei-Minuten-Beitrag von einem monatelangen Projekt? Und was kann man in 3 Minuten Interview sagen, bei dem das Vorgespräch schon um ein Vielfaches länger gedauert hat? Aber in diesem Fall muss ich beide loben: Toni Antoniou, den Journalisten, der den Beitrag gemacht und Lars Tottmann, der die Sendung moderiert hat. Denn beide haben eine Haltung eingenommen, die mir sehr gefallen hat und die mir in vielen Medienberichten zum Thema Jugendliche und Soziale Netze oft fehlt. Da wird immer über die Gefahren berichtet, über die Opfer von Cybermobbing, über Datenklau und Anmache im Internet, über Strafanzeigen wegen ungewollter Parties und verbauter Karrieren wegen Sauffotos im Internet. Je schlimmer der Fall, je auswegloser die Situation, je böser „DAS INTERNET“, umso besser.

Ganz anders gestern: Faszination Facebook ist für Jugendliche Alltag und für Erwachsene fremd und damit bedrohlich. Jugendliche können anderen Jugendlichen helfen einen sicheren Weg durch das Internet zu weisen und dabei selbst aktiv und kreativ die Möglichkeiten digitaler Medien nutzen. Schulen können ihren Schülern helfen, einfach schon indem sie sich dem Thema annehmen, darüber sprechen, es zum Thema machen, und bei Eltern geht es gar nicht so sehr darum, zu kontrollieren, sondern im Kontakt mit ihren Kindern zu bleiben – und ihnen dann die Freiheit zu gehen, sich zu erproben und ihre Freiräume zu erobern. Ich fand Bericht und Interview sehr konstruktiv und ressourcenorientiert.

Das als Sender so rüber zu bringen, ist nicht so reißerisch, wie das weinende Mobbingopfer und die Mutter mit dem entsetzend Blick, aber es hilft auch bei der Zielgruppe der Lokalzeit, um Verständnis zu werben, für die Medienerfahrung und die Mediennutzung der Jugendlichen heute. So stelle ich mir guten Journalismus vor. Und das muss einfach mal anerkennend gesagt werden.

Aufklären muss ich jetzt noch die Überschrift: 3x wurde unser Beitrag verschoben, weil aktuelleres sich in den Vordergrund drängte – oder wie die Redakteurin formulierte: „Ihr Thema ist ja dauerhaft aktuell…“ Zuerst wurden wir verschoben, weil tote Fische im Baldeneysee in Essen umhertrieben. Danach gab es eine Trittbrettfahrer zum Amoklauf in Lüttich, der einen Tag lang eine Schule in Aufruhr brachte und letzte Woche flogen wir zum dritten Mal aus dem Programm: Wegen Brustimplantaten…

Bring deinen eigenen Computer mit

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Mit Jahresbeginn startet offiziell das Projekt „School IT Rhein Waal“. Dazu gab es schon ein paar Meldungen (hier von der Euregio, hier und hier von der Uni). Das Projekt hat ein paar spannenden Aspekte.

1) IT-Assistenten
Immer wieder wird betont, dass Schülerinnen und Schüler ihren Lehrkräften im Umgang mit digitalen Medien um Längen voraus sind. Häufig wird dies aber als Hemmnis für den unterrichtlichen Einsatz gesehen, weil es die Lehrkräfte verunsichert. Wir wollen im Projekt aber das Potential Nutzen, das darin steckt und ausgewählte Jugendlichen bewusst als IT-Assistenten einsetzen, die sowohl ihre Lehrer als auch ihre Mitschüler vor allem bei technischen Fragen zum Einsatz digitaler Medien behilflich sein können. Damit sie diesen Aufgaben gewachsen sind, erhalten die Schüler eine Ausbildung, die auch Aspekte des Jugendmedienschutzes berücksichtigt und die die Schulen in Zusammenarbeit mit regionalen IT-Unternehmen gestalten.

2) Projektseminare
Eine wichtige Motivation der euregio das Projekt zu unterstützen, ist der Bedarf der Unternehmen in der Region an jungen Nachwuchskräften, die das nötige Rüstzeug mitbringen, in einem von IT durchdrungenen Arbeitsalltag zu bestehen. Daher werden im Projekt „Projektseminare“ durchgeführt, in denen ganze Klasse Projektaufgaben bewältigen, die die Lehrer zusammen mit Mitarbeitern aus IT-Unternehmen entwickeln. Die Schüler können dann bei der Bearbeitung auch auf die Unterstützung der Mitarbeiter bauen.

3) Niederländisch-deutscher Austausch
In einem ersten Schritt arbeiten im Projekt 2 niederländische und 2 deutsche Schulen mit. Schon in der Phase der Projektentwicklung hat sich gezeigt, wie unterschiedliche die Stand der Medienintegration in beiden Ländern ist und wie hoch das Potential ist, voneinander lernen zu können.

4) Bring deinen eigenen Computer mit (BYOD: Bring your own device)
Der letzte Aspekt ist derjenige, der mir persönlich besonders wichtig ist. Wir verzichten im Projekt bewusst auf eine technische Ausstattung der Schüler mit Endgeräten. Projektmaßnahmen beziehen sich auf die Entwicklung einer technischen Infrastruktur, die es den Schüler erlaubt, ihre eigenen Geräte mitzubringen, d.h. die Geräte, über die schon heute verfügen.

Die Chancen, die wir darin sehen:

  • Jede Schülergeneration wird auch ihre eigenen Geräte mitbringen. Die Schulen finden einen Weg aus der „Ausstattungsfalle“.
  • Die Schüler arbeiten mit den Geräte, die sie auch privat Nutzen, d.h. die ihnen vertraut sind und für die sie sich verantwortlich fühlen.
  • Schüler und Lehrer erleben ein Vielfalt von Geräten und Plattformen und lernen mit dieser Vielfalt umzugehen.
  • Letztlich: Wenn jeder Schüler sein eigenes Geräte mitbringen und nutzen kann, können die Geräte auch wirklich immer dann eingesetzt werden, wenn es sinnvoll und gewünscht ist.

Aber auch Herausforderungen sind mit diesem Ansatz verbunden:

  • Überfordert die Heterogenität der Ausstattung die Lehrkräfte?
  • Überfordert die Heterogenität der Technik, die Infrastruktur in der Schule?
  • Haben wirklich alle Schüler eigene Geräte und wie werden soziale Ungleichheiten ausgeglichen?

Zum Teil gilt in den Projektschulen jetzt noch ein Handyverbot. Der Schritt von diesem Verbot zur Aufforderung, Handys, Smartphones, Netbooks, Tablets und Notebooks mitzubringen und zu nutzen ist ein großer. Aber ob die Schulen, das wollen oder nicht: Diese Geräte werden sich immer mehr in den Schultaschen der Jugendlichen finden. Wir wollen im Projekt aktiv gestalten, damit umzugehen und die Chancen zu nutzen.

Ich bin gespannt und werde hier berichten.

 

Eigentlich nichts Neues

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Vor zwei Wochen erschien das neue Heft „Computer und Unterricht“ mit dem Titel 1:1-Ausstattungen, dass ich mit Ute Bienengräber-Killmann und Jörg Stratmann zusammenstellen durfte. Worum geht es? Darum, das jedes Kind ein eigenes mobiles Endgerät zur Verfügung hat und es immer dann nutzt, wenn es sinnvoll erscheint.

Hatten wir doch schon! Alter Hut! Mag nun mancher einwerfen. Gibt es doch schon seit 10 Jahren! Was Neues muss her: Lernen mit dem Smartphone, dem ipad, noch mehr. Und das ist dann der Paradigmenwechsel, der das Lernen revolutioniert.

Ob 1:1-Ausstattung ein guter Titel ist? Notebooks im Unterricht spricht von einer Geräteklasse. Mobiles Lernen wird zu sehr mit einer anderen verbunden. 1:1-Computing? Sehr Englisch und zu technisch. 1:1-Lernen auch wieder nicht klar? Geht es um Tandems von zwei Leuten. Also doch die Ausstattung, die die technische Basis ist für Lernszenarien, didaktische Konzepte und der Kristallisationspunkt für viele andere Aktivitäten: Die Planung von LMS und WLAN, den Einsatz von Whiteboards. Die Arbeit an Medienkonzept und interner Lehrerfortbildung. 1:1 setzt aber auch Prioritäten: Nicht der Übergang will gestaltet werden, nicht der Mangel verwaltet. Es geht darum alle Technik dadurch letztlich in den Hintergrund zu drängen, aus dem Fokus zu nehmen, das man ihr den Status des Besonderen nimmt.

Im Heft sind einige Beispiele dokumentiert, die dies anschaulich machen. Dies sind Schulen, die seit Jahren (z.T. seit einem Jahrzehnt) eine solche Medienwirklichkeit in ihren Klassen realisieren.

Ein ideales Publikum fand das Heft bereits auf der Tagung One to One Computing in der Schule: Wie viele Computer braucht ein Schulkind? am 11.02.  in Goldau in der Schweiz. Hier waren über 150 Lehrerinnen und Lehrer der Einladung gefolgt, um sich zu informieren, ob und wie 1:1 an ihren Schulen eingeführt werden könnte… und warum.

Tagung und Heft stehen an einer wichtigen Gelenkstelle in der Entwicklung: Denn die Ausstattung von Kindern und Jugendlichen zu Hause ist zu umfassend wie nie zuvor. Das bietet Schulen die Möglichkeit auf diese Ausstattung „einfach“ zuzugreifen und stellt sie gleichzeitig vor die Herausforderung sie integrieren zu müssen und den Nutzenden einen verantwortungsbewussten Umgangen beizubringen.

Das ist sicher für viele Schulen ein neuer Weg. Aber es muss nichts grundsätzlich Neues sein und vor allem muss es nicht immer wieder etwas anderes sein. Eigentlich geht es drum die Versprechen einzulösen, mit denen der Computer einst in die Schulen getragen wurde. Jetzt und in der Breite. Nichts Neues.

Die 5 Prozent

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Gestern hatte ich meine erste Lehrveranstaltung mit BA-Studierenden in Deutschland. Kontakt zu einer neuen Spezies? Am Ende des Semester werde ich es wissen. Eines aber ist mir gestern aufgefallen und wiederholt sich nun im Online-Forum, etwas das ich bereits vor 15 Jahren in Irland erlebt habe.

Damals stand ein Student vor mir und hielt mir ein aus einem Kollegblock gerissenes Stück Papier in, das in einer kaum lesbaren Handschrift beschrieben war. Die Tinte war zum Teil von Teeflecken verschmiert. Er hielt das Papier mit spitzen Finger zwischen uns. Ich schaute es mir an, war mir aber noch nicht sicher, ob es gesundheitlich unbedenklich wäre, es anzufassen.

What is this?

, fragte ich.

The 5 percent.

, war die Antwort.

Die Studienleistungen, die für jedes Modul zu erbringen waren, waren im Modulhandbuch in den irischen BA-Studiengängen schon damals genau geregelt. Und ein schriftlich einzureichende Essay schlug mit 5 Prozent der Gesamtnote zu Buche. Der Student damals tat gut daran, nicht zu behaupten, das auf dem Papier, sei ein Essay. Das Stück Papier schlug mit 5 Prozent zu Buche. Aber das trug wenig zur Gesamtnote bei.

Wo ist die Parallele zur Einführungsveranstaltung heute? Die Studierenden berichteten über die bisher gemachten Erfahrungen mit digitalen Medien in Schule und Hochschule.

In 6.3 haben wir mit einer Lernplattform gearbeitet.

In 3.4, nee,  4.3 gab es Tests, mit denen man für die Prüfung lernen konnte.

In 7.5 haben wir drüber geredet, wie Jugendliche sich heute im Internet beegen.

So in der Art hörten sich die Sätze an.

Ich weiß mittlerweile auch, dass ich in den Augen der Studierenden 10.2 „bin“, obwohl ich eigentlich dachte, ich biete das Seminar „Konzeption mediengestützter Lernangebote“ an. Und ich bin der Meinung, dass das ein Unterschied sein könnte.

Hilde geht ins Internet

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Mit Hilde* habe ich in den letzten drei Jahren den Karnevalszug der Grundschule organisiert. Anmeldungen schreiben, Kostüme planen, Kamelle kaufen, Strüsjer binden, kötten gehen… Insider wissen, worum es geht, alle anderen müssen das nicht. Jedenfalls hatten wir dabei eine Menge Spaß. Aber Hilde hat einen Fehler – aus meiner Sicht. Sie hat kein Internet. Terminabsprachen: Dafür haben unsere Anrufbeantworter tagelang miteinander kommuniziert! Abstimmung von Texten: Ausdruck machen, meiner Tochter mitgeben, hoffen, dass sie ihn an Hildes Sohn (Überwinden der Gendergrenze im 2. Schuljahr!) weitergibt und dass der dann Zuhause dran denkt, das Papier abzugeben. Hilde macht ihre Anmerkungen und der Postweg geht die umgekehrte Richtung. Da konnten locker mal Postlaufzeiten entstehen, die die Hauspost jeder öffentlichen Einrichtung als Expressdienst erscheinen lassen.
Aber Hilde bliebt dabei: Ich bin bis heute ohne Internet ausgekommen, also komme ich auch noch morgen ohne aus.
Klingt schlüssig und irgendwie ist es ja auch gegangen… und heute sagt Hilde so ganz nebenbei: Du kannst mir jetzt auch ne E-Mail schreiben! – und lächelt stolz-verlegen.
Wie jetzt? frage ich.
Ihre Töchter hat auf die weiterführende Schule gewechselt. Und da arbeiten die jetzt mehr mit Computern,sagt Hilde. Und auch die ganze Post für die Eltern kommt als E-Mail. Und weil Hilde weiß, wie wichtig es ist, ihre Tochter beim Lernen zu unterstützen und weil sie bereit ist, sich „dafür“ mit „dem ganzen Zeug“ auseinander zu setzen und weil so hofft, dabei auch noch was zu lernen, hat sie einen Computer gekauft und ein Internet bestellt. Und jetzt sitzen die beiden, Mutter und Tochter, vor dem Rechner. Noch geht das nicht so gut, sagt sie, aber das wird schon.

Was gemerkt, lieber Leser? Schule kann Medienkompetenz fördern, auch bei Eltern…

*Name vom Autor geändert!