12 von 12 im Februar

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Wie halt ich einen Tag in Bildern fest, an dem ich eigentlich nur am Schreibtisch gesehen und geschrieben habe? Mache ich Screenshots? Mache ich Fotos von der Tastatur?

Nun gut, der Tag begann mit der Schreibtischlampe und der Kräuter begleitete mich durch den Tag.

1/12 – Late at night

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2/12 – Herbal tea

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Der Tee war auch deshalb notwendig, weil die Nase läuft. Ein Ergebnis der Karnevalstage? Von denen finden sich in der ganzen Wohnung noch Überbleibsel.

3/12 – Strüsjer

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4/12 – Kamelle

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5/12 – Kostüm

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Im Garten ist alles noch auf Winter eingestellt. Grau und trist?

6/12 – Hortensie

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7/12 – Hibiskus

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8/12 – Vogel

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Aber so grau und trist ist es dann doch nicht. Es zeigen sich erste Frühlingsboten.

9/12 – Schokoladenwein

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10/12 – Schneeglöckchen

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11/12 – Rosemary

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12/12 – Tulpen

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Ich bin gespannt, wie weit der Frühling in einem Monat ist. Und gespannt bin ich auf viele andere 12 Bilder vom 12. Februar.

 

 

Das war’s … 2015

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2015-1Ein Jahr in ein paar Bildern. Geht das? Es war ein Jahr der Anfänge und Herausforderungen. Nach School IT Rhein Waal haben sich viele Kommunen mit uns auf den Weg gemacht,  einen Startpunkt gesucht um Alltag der Schule, um das Thema #Digitale Bildung und #BYOD in den Schulen voranzubringen.

 

P1040506 Dabei sind viele Ideen entstanden und viele Fragen sind noch unbeantwortet am Ende des Jahrs. Aber das Bild, die Idee, die Vison von der Schule, wie sie sein könnte und sollte, ist da und nimmt in den Köpfen vieler Gestalt an.

 

 

 

P1040768 Und wenn ich dann in den Schulen unterwegs war, dann sah ich auch immer wieder, dass die Realität dem Bild in vielen Klassen schon recht nah kommt und – besonders für die Kinder und Jugendlichen – schon selbstverständlich ist, was in der Breite noch umgesetzt werden muss.

 

P1060374 Und dann ist ja immer die Rede davon, wir in der #Digitalen Bildung würden nur Leuchtturmprojekte machen. Was mich 2015 auch gefreut hat: Die Schulen, an denen ich unterwegs bin, sind bei weitem keine Vorzeigeschule, die mit riesigem Aufwand Projekte machen. Es sind Schulen, die oft unter schwierigen Bedingungen ihre Aufgaben erfüllen und mit viel Engagement Neues versuchen.
18850097162_450d6d2883_oAber es waren nicht nur die Schulen und die Kommunen, die sich auf den Weg gemacht haben. Das Thema ist wieder auf der großen politischen Bühne angekommen. Mich hat gefreut, dass ich da ein wenig mitreden durfte und vielleicht die eine oder andere Idee auch gehört wurde.  Wichtiger aber: Vieles was 2015 besprochen wurde, wird 2016 weitergehen und umgesetzt werden.

PC190742 Das Jahr hatte noch mehr Themen. #OER geht weiter in Deutschland und wächst. Das IT-Cluster spielt im Konzert um #Digitale Bildung mit und @Edutags hat ein neues Gesicht. Und dann war da noch eine Menge mehr. Pfeffer hatte das. Manchmal fast zu viel.
PC060322 Vieles ging 2015 rasend schnell. Und manchmal hatte ich auch den Eindruck nicht vom Fleck zu kommen und war mit meiner Geduld am Ende. Das ist es dann manchmal schon hilfreich in einer Stadt zu leben, in der sich immer alles ändert und doch bleibt wie es ist.

Wir haben die Revolution verschlafen

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Gerade ist viel Aufbruch und Bewegung im Thema „Digitale Bildung in der Schule“. Das ist gut und richtig. Der Herbst ist voll mit BarCamps zum Thema und viele Schulen und Lehrkräfte nutzen den Schwung des Schuljahresanfang, sich noch einmal Gedanken zum Thema zu machen. Und diese auch in der Schulentwicklung oder einfach nur in kleinen Versuchen im Unterricht umzusetzen.

In diese Atmosphäre hinein veröffentlich die OECD wieder einmal eine PISA-Auswertung. Die Kernbotschaft darin: Technik alleine hilft nicht. Es geht um die Pädagogik. Richtig. Man könnte es auch anders sagen: Wir machen Schule nicht, damit da Computer geutzt werden. Wir machen Schule, damit Kinder und Jugendliche das Lernen, was sie für ein erfolgreiches Leben in unserer Gesellschaft benötigen. In einer sich verändernden Welt benötigt Schule daher auch andere Herangehensweisen und die können wahrscheinlich mit IT sinnvoll unterstützt werden.

Was aber bisher keinen gestört hat an derVeröffentlich der OECD ist eine kleine Zahl: 4,2 Schüler teilen sich demnach einen Computer in einer deutschen Schule. Damit liege Deutschland – mal wieder und wen wundert das noch – im unteren Drittel.

All jene, die diese Zahl gestern nachgedruckt (oder wie sagt man das digital?) haben, haben wahrscheinlich im letzte Herbst auch über die ICILS-Ergebnisse geschrieben. Da wurde auch gezählt. Ergebnis: 11 Schüler teilen sich einen Rechner. Noch älter sind die letzten Zahlen vom BMBF. Da haben fleißige Hände auch 11 Schüler vor jedem Rechner gezählt. Wir haben also Zahlen aus 2006 (BMBF), 2012 (PISA) und 2013 ICILS. Und wenn das alles stimmt, dann hat die Revolution in der digitalen Bildung 2012 stattgefunden, als kurzfristig unzählige Computer in Schulen vorhanden waren. Ich habe das mal aufgemalt…

Bildschirmfoto 2015-09-16 um 09.01.38Gemerkt hat das wohl keiner. Weder 2012 in der Schule, noch gestern beim nachbeten der neuen Zahlen – die älter sind als die der ICILS-Studie aus dem Herbst.

Wie es zu diesen Zahlen kommt, weiß ich noch nicht. Ich versuche das mal rauszukriegen.

Aber drüber nachdenken, was da so alles geschrieben wird, könnte man schon.

 

 

Mythos Qualität – Wenn es passt, ist es gut!

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Was ist ein gutes Lernmaterial? Was ist ein gutes Schulbuch? Eine gute Lernsoftware? Ein gutes Arbeitsblatt? Und wer hat das Recht und die Qualifikation über die Qualität eines Lehr- oder Lernmaterials zu entscheiden?

Nie wurden diese Fragen häufiger aufgeworfen und nie weniger beantwortet als in der Diskussion um offene Bildungsressourcen (OER) in der Schule. Früher war die Welt in Ordnung. Da haben Verlage Bücher gemacht, Bundesländer haben sie geprüft und zugelassen und damit war für alle klar: Das ist Qualität. Selten wurde gefragt: Was wird denn da überhaupt geprüft? Von wem? Nach welchen Kriterien? Und noch weniger hat man sicher gewundert, warum die Verfahren zur Zulassung in den einzelnen Bundesländern höchst unterschiedlich sind. Auch dass einzelne Länder mittlerweile auf Schulbuchzulassungen gänzlich verzichten, hat niemanden aus der Bahn geworfen; ebenso wenig wie die Tatsache, dass der überwiegende Teil der von Verlagen hergestellten Lehr- und Lernmaterialien noch nie einer staatlichen Zulassung bedurfte – diese bezog sich (fast) immer nur auf Schulbücher, die den Stoff ganzer Schuljahre abdeckten und nie auf Zusatzmaterialien, Übungshefte oder digitale Begleitmedien. Und bei den „Freien“ war es ähnlich, damals als es noch kein OER gab. Da haben Stiftungen, Initiativen oder einfach Zusammenschlüsse von engagierten Lehrkräften Material erstellt, im Netz veröffentlicht und wer wollte, hat es genutzt. Das ist bis heute so.

Qualitätssicherung? Wenn es passt, ist es gut! Doch wer sichert die Qualität bei OER?

Und vor dem „Wer?“, steht die Frage nach dem „Was?“. Wir müssen verschiedene Bereiche unterscheiden, in denen ein Material Qualität haben kann:

  1. Zunächst die Besonderheit für OER: Die korrekte Verwendung von Lizenzen. Die Offenheit der Formate.
  2. Die inhaltliche Korrektheit. Die fachliche Richtigkeit.
  3. Die Passung eines Materials zu den Lehr- und Bildungsplänen eines Bundeslandes. Die Zuordnung zu Schulformen und Jahrgangsstufen.
  4. Die Eignung für eine bestimmte Lerngruppe oder – in Zeiten der individuellen Förderung – für einzelne Lernende. Zunächst die Besonderheit für OER: Die korrekte Verwendung von Lizenzen. Die Offenheit der Formate.

Nun das „Wer“ in den vier Bereichen:

1. Lizenzen

Für ersteres sind die Herausgebenden verantwortlich. Doch wenn man sich viele Diskussionen anschaut, dann scheint es nicht immer ganz einfach zu sein, die verschiedenen Lizenzen beim Erstellen eines Materials und noch weniger beim Remixen verschiedener Materialien korrekt anzugeben – und dabei eine lerngerechte Gestaltung zu erzielen. Gehen wir hier einfach einmal davon aus: Der gute Wille zählt. OER hat das Ziel, Bildungsmaterialien frei zugänglich zu machen und eine weitgehende Nachnutzung und Veränderung zu ermöglichen. Die CC-Lizenzen, die sich zu einem Quasi-Standard für OER entwickeln sind hier eine gute Grundlage. Ein Urheberrecht, das Bildung aber eine besondere Rolle einräumt, könnte die Sachlage hier noch vereinfachen und Produzenten und Lehrkräften mehr Rechtssicherheit geben, als komplexe CC-Lizenzen dies können.

2. Inhaltliche Korrektheit, fachliche Richtigkeit

Inhaltliche Fehler passieren immer wieder. Überall im Netz finden sich Sammlungen von fachlichen Fehlern in gedruckten und zugelassenen Schulbüchern. Anders als bei Druckwerken, kann die Aufmerksamkeit der Nutzenden bei OER direkt wirken. Ein Hinweis an die Autorin oder den Autor und ein Fehler in einem digitalen Werk lässt sich schnell beheben. Oder die Finderin und Finder besseren den Fehler selbst aus und stellen das korrigierte Werk wieder zur Verfügung. Wenn das auf der gleichen Plattform und zum Beispiel mit Hilfe einer Versionierung geschieht, kann ein Werk so schrittweise verbessert werden. Eine Versionierung von Derivaten bringt einen zusätzlichen Gewinn. Für Nutzende wird erkennbar, dass ein Werk nicht mehr ausschließlich von (bekannten) Herausgebenden stammt, sondern von anderen (unbekannten) Autorinnen und Autoren verändert wurde. Ob dies zu einer Verbesserung oder Verschlechterung der Qualität beiträgt, kann aber pauschal nicht beantwortet werden.

3. Lehrplananbindung

Für viele Lehrkräfte bildet das linear aufgebaute, gedruckte Schulbuch heute eine wichtige Hilfestellung bei der Planung von Unterricht. Es gibt den roten Faden vor, an dem sich der Unterricht aufbaut; es stellt die handhabbare Übersetzung des Lehrplans für die Lehrkraft dar. Dabei weichen Lehrkräfte schon heute oft vom Buch ab und wählen anderes Material – aus dem Internet oder selbst erstellt – um die Inhalte zu vermitteln. Die Funktion des roten Fadens könnten in Zukunft Einrichtungen der Bundesländer wahrnehmen, die jetzt für die Schulbuchzulassung verantwortlich sind. Sie könnten Material sichten und Themen, Kompetenzen, Schulformen und Jahrgängen anhand der Lehr- und Bildungspläne zuordnen. Diese Informationen mit Verweisen auf die jeweiligen Materialien können zum Beispiel über die Landesbildungsserver bereitgestellt werden. Aber auch andere Einrichtungen, die sich besonderen Aspekten des Unterrichtens widmen, könnten solche Zuordnungen vornehmen. Wenn es dabei etwa um die Förderung von besonders naturwissenschaftlich interessierten Lernenden geht oder um die Umsetzung von Inklusion, können diese Zuordnungen dann durchaus unterschiedlich ausfallen. Unabhängig davon, wo solche Sammlungen zusammengetragen werden: Sie können die Funktion des roten Fadens ersetzen.

4. Passung für den Unterricht

Bei aller Qualitätssicherung im Produktionsprozess und der Zuordnung zu Bildungsplänen: Am Ende entscheidet sich die Qualität eines Materials erst in der Verwendung in einer Lehr- und Lernsituation. Nur die Lehrkraft und die Lernenden können entscheiden, ob das Material hilfreich war und ob es zur gewählten Methodik passt.

Und so sind wir wieder bei der Erkenntnis vom Anfang: Wenn es passt, ist es gut!

Allerdings: Das wertvolle Wissen vieler Lehrkräfte und Lernenden über die Erfahrungen, die sie mit einzelnen Materialien gemacht haben, werden bisher kaum für andere nutzbar gemacht. Dieses Wissen sollte besonders mit Blick auf OER, aber auch für andere Materialien systematisch zugänglich gemacht werden. Dazu braucht es zweierlei:

  • Plattformen, die dieses Erfahrungswissen sammeln und zugänglich machen und die dabei unabhängig von den Produzenten sind, müssen geschaffen und bekannt gemacht werden. Bei der Reiseplanung und der Auswahl von Restaurants kennen und nutzen wir solche Angebote bereits. Für den Bildungssektor müssten sie ausgebaut und bekannt gemacht werden. Verknüpfungen zu den Plattformen der Materialanbieter schaffen zusätzlich Übersicht.
  • Lehrkräfte müssten animiert und motiviert werden, ihr Erfahrungswissen bereitzustellen – und auch ihre Lernenden dabei einzubeziehen. Zu überlegen wäre hier, welche Anreizsysteme dabei hilfreich sein könnten. Noch wichtiger aber wäre es, bereits in der Ausbildung zu üben, eine Lerneinheit damit abzuschließen, die persönliche Meinung über die verwendeten Materialien öffentlich zu machen.

Fazit: Bisher wurde bei der Qualität von Materialien vor allem auf die Erstellung geschaut. Es ist auch wichtig, dass hier Material erprobt wird und dass für Korrektheit gesorgt wird. Aber die tatsächliche Nutzung und Eignung im Lernprozess selbst, entscheidet letztlich über Brauchbarkeit und Qualität. Diese Informationen gilt es zu sammeln und nutzbar zu machen.

cc_byDer Beitrag erschien zuerst auf der Webseite des Projektes MappingOER von Wikimedia. Er ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution International 4.0 (CC by 4.0) lizensiert.

Sketchnote von @legereaude

Worüber wir reden (sollten), wenn wir von digitaler Bildung reden

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Heute durfte ich auf der Fachtagung der SPD-Fraktion einen kleinen Einführungsimpuls geben. Die Gedanken, die ich dort vorgetragen habe, möchte ich hier kurz zusammenfassen – und hoffe, sie dürfen sich in die Reihe der Beiträge zu Christian Ebels Blogparade einreihen.

Wir reden schon lange über digitale Bildung – und doch kann man den Eindruck gewinnen, als stünden wir noch ganz am Anfang, als wäre immer noch viel Aufbruch und wenig erreicht. Vielleicht liegt das daran, dass wir immer wieder auf die Versprechungen digitaler Medien schauen, immer wieder die Potentiale in den Vordergrund stellen, immer wieder die neuste technische Errungenschaft als Startpunkt ausrufen – und einige wichtige Punkte aus den Augen verlieren, an denen wir arbeiten müssten, damit aus einem permanten Erproben und Ausprobieren ein systematisches Einführen und nachhaltiges Verankern wird.

Aus meiner Sicht war PISA ein „schwarzer Montag“ für die digitale Bildung in Deutschland. Denn anders als in anderen Ländern, in denen die Analyse der PISA-Ergebnisse dazu geführt hat, dass man überlegt hat, wie sich Pädagogik auch mit Hilfe von IT verändern muss, um Schulen besser zu machen, war die Reaktion in Deutschland – vereinfacht gesagt: Wir müssen in PISA besser werden und wenn wir das geschafft haben, machen wir wieder was mit Computern. Das sich etwa zu der Zeit auch der Bund aus den gemeinsamen Aktivitäten von Bund, Ländern und Wirtschaft zurückziehen musste, war dabei nicht förderlich. Jetzt, als Reaktion auf ICILS, laufen wir Gefahr, den gleichen erneut zu machen. Wir fragen: Was müssen wir tun, damit wir bei ICILS besser werden? Was müssen wir tun, damit die Medienkompetemz unserer Jugendlichen besser wird? Dabei verkennen wir: PISA ging und geht es nicht darum, ob Kinder besser rechnen, schreiben und lesen, genausowenig geht es bei ICILS darum, wie gut sie am Computer sind. In beiden Studien geht es darum, wie gut unser Bildungssystem die Lernenden auf das Leben in der jeweiligen Gesellschaft vorbreitet. Und wenn wir dieses Frag ernst nehmen, dann wird klar, dass es nicht um Medienbildung versus ITG versus Pflichtinformatik geht, sondern darum, wie wir IT für das Lernen in allen Bereichen von Schule nutzbar machen und wie IT den erforderlichen Wandel von Schulen unterstützten kann. Dann ist IT, dann ist digital Bildung keine Zusatzaufgabe mehr, der man sich – zu allem anderen Übel – auch noch widmen muss, sondern dann stellt sich die Frage, wie IT, wie digitale Bildung Schulen unterstützen kann, Inklusion besser zu machen, individuelle Förderung besser zu realisieren, längeres gemeinsames Lernen besser zu organisieren und wie die Aufgaben alle heißen.

Wir waren immer wieder erfreut, wenn eine Bildungsministerin versprochen hat, jedem Kind ein Notebook oder Tablett zu geben. Eingelöst hat keine Ministerin dieses Versprechen. Schlimmer noch, seit 2006 hat sich am Verhältnis Schüler : Rechner nichts geändert. Immer noch teilen sich bei uns mehr als 11 Schüler einen schulischen Rechner. Nur ein Beispiel zum Vergleich: In Norwegen hat sich das Verhältnis in etwas diesem Zeitraum von 5,5 Schülern auf 2,4 Schüler verbessert. Mit einen einfachen Trick könnten wir das diesem Ausstattungsdilemma finden und dabei auch einiges tun, um Veränderungen an Schulen zu unterstützen. Wir müssten lediglich die Geräte, die die Jugendlichen bereits heute mit in die Schule bringen auch zum lernen verwenden. Sie selbst tun das oft schin, aber wir nutzen die Möglichkeiten nicht im Unterricht.

Würden wir das tun, hätten wir mit einem mal eine 1:1-Ausstattung in der Klasse. Wir hätten eine Atmosphäre, die Technik nicht mehr ausgrenzt und verfolgt, sondern willkommen heißt und einbezieht. Das würde auch den Lehrkräften helfen, die jetzt schon hinter verschlossenen Türen experimentieren. Sie könnten einfacher offen über ihre Erfahrungen sprechen und müssten nicht mehr vermuten, mit ihrem Tun nur geduldet zu sein. Sozial gerecht wäre es auch, denn die Frage der sozialen Gerechtigkeit entscheidet sich heute nicht mehr am Besitz, sondern an der Art der Nutzung. Und hier erleben wir wieder, dass diejenigen, die von ihren Eltern unterstützt werden (können), mehr Kompetenzen erwerben als andere. Wenn Schule nicht beginnt, umfassend mit Medien zu arbeiten, dann wäre das sozial ungerecht… wie manches im deutschen Bildungssystem.

Die Vermutung liegt dann nahe, dass Kommunen mit einem konsequenten BYOD nur Kosten auf die Eltern abwälzen. Aber dem ist nicht so. Auf die Eltern kamen keine neuen, zusätzlichen Kosten  zu, nur würde ihr Investment sich nun auch für das schulische Lernen bezahlt machen. Und die Kommunen müssten nicht nur bessere Internetzugänge, starke, sichere und offene WLANs und Präsentationsmedien zur Verfügung stellen. Auch der Support müsste verbessert werden, denn wenn auf einmal viele im Netz sind, dann muss das Netz auch laufen.

BYOD – bedeutet das nicht ein unübersichtliches Chaos an Geräten und System, dass keine Lehrkraft mehr überblicken kann. Ja, vielliecht. Aber das muss sie oder er auch nicht. Die Vielfalt bietet auch vielfältige Möglichkeiten, Geräte, Apps und Systeme zu vergleichen – und sich Gedanken über die (Über-)Macht einzelne Anbieter zu machen. Auch das eine Facette kritischer Medienkompetenz.

1:1, BYOD, eine gute Ausstattung in der Klassen sind wichtig, damit das Lernen mit Medien überhaupt zu einem Standard werden kann, damit sich die Arbeitsweisen in den Klassenzimmern verändern können. Wichtiger aber noch ist es, dass medienunterstütztes Lernen auf Dauer nicht ein Highlight weniger Lehrkräfte bleibt, sondern die Lernkultur einer Schule prägt. Und hier liegt meiner Meinung nach eines der gravierendsten Defizite: Wir schauen immer wieder auf die Lehrerin, den Lehrer, die nicht mit Medien arbeiten, die sich nicht fortbilden. Was wir aber machen sollten, ist Schulen zu unterstützen eine eigene Strategie zu entwickeln, eine Austausch und Kommunikationskultur aufzubauen, die dann einen Wandel der Pädagogik mit Technikunterstützung ermöglicht. In vielen Schulen gibt es die 5, 10 oder 15 % Lehrkräfte im Kollegium, die jetzt schon „können“ und „wollen“. Diese müssen gestärkt werden und mit Unterstützung von Schulleitung angeregt werden, ihre Erfahrungen ins Kollegium zu tragen. Dabei darf man sich nicht von denen aus der Ruhe bringen lassen, die gerne als „Totalverweigerer“ bezeichnet werden. Vielmehr müssen wir diejenigen in den Blick nehmen, die vielleicht wollen, sich aber noch nicht trauen. Ein guter Weg, Schulleitungen und engagierte Lehrkräfte zu unterstützen, ist es, sie miteinander in Kintakt zu bringen, zu vernetzen. So können sie Probleme im Organisatorischen gemeinsam lösen und im Unterrichtspraktischen voneinanderlernen. Das stärkt das Bewusstsein für die eigene Kompetenz und entlastet, weil nicht jede Idee selbst erfunden werden muss.

Was also braucht es:

  • Eine gute und stabile Infrastruktur mit professionellem Support
  • Vernetzung der Schulen und der engagierten Lehrkräfte
  • Offenheit, die Lernerfahrungen und Ideen der Lernenden und die Technik, die sie mitbringen, produktiv zu nutzen.
  • Wertschätung und Anerkennung der Arbeit, die von Schulen und Lehrkräften heute schon geleistet wird. Und nicht das Jammern über jene, die noch nicht so weit sind.

Ein letztes Wort zu den Bildern und den Zitaten im folgenden Foliensatz: Das sind Fotos und Statesments, die ich in den letzten zwei Wochen von vielen Schulen bekommen habe, die auf den Weg gemacht haben, die heute schon versuchen, „digitale Bildung“ zu leben, zu erproben und einzuführen. Sie hatte ich gebeten, mir einen kleinen Gruß mit nach Berlin mitzugeben. Ich finde, die Fotos zeigen, wie Schule auch aussehen kann und wieviel Engagement  jetzt schon vorhanden ist. Am Ende sind die Schulen dann einmal aufgeführt. Sie stehen exemplarisch für viele andere. Auf sie sollten wir schauen, mit ihnen müssen wir arbeiten. Denn für sie bedeutet „Digitale Bildung“ ihre Schülerinnen und Schüler vorzubereiten auf eine digitalisierte Welt.

Folien zum Vortrag als PDF

„Durch Stärkung der Digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“

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Am 22. April war ich als Gesprächspartner im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Bundestages. Diskutiert wurde der Antrag der Fraktionen von CDU/CSU und SPD mit dem Titel „Durch Stärkung der Digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“. Eine Aufzeichnung der Sitzung findet sich in der Mediathek des Bundestages.

Meine Positionen habe ich in der folgenden Stellungnahme zum Antrag zusammengefasst.

Die Diskussion um eine stärkere und systematischere Nutzung digitaler Medien im Unterricht mit dem Ziel Medienkompetenz zu fördern und digitale Spaltung zu verhindern ist zum jetzigen Zeitpunkt richtig und wichtig. Sie muss aber immer in den Gesamtkonzept gesellschaftlicher Entwicklung gestellt werden und fragen, welche Aufgaben Schule in dieser Gesellschaft wahrnehmen muss.

Bildung in und für eine digital geprägte Welt

Schule hatte immer die Aufgabe, junge Menschen in ihrem Bildungsprozess zu begleiten und zu unterstützen. Dabei ist es das Ziel, dass sich selbstständige, problemlösungsfähige und lebenstüchtige Persönlichkeiten entwickeln können. Gemessen werden muss dies aber immer an den gesellschaftlichen Bedingungen, in und mit denen eine Person lebt. Statt von „digitaler Bildung“ sollten wir also präzise von einer „Bildung in und für eine digital geprägte Welt“ sprechen. So wird deutlich, dass es nicht um eine Technisierung von Schule und Bildung geht, sondern um die Befähigung von Schulen, ihre Aufgaben auch in Zukunft erfolgreich zu bewältigen. Dies geht nicht ohne die entsprechende Technik, erfordert aber auch dazu zurücktreten von dieser, um ihre Wirkungen zu reflektieren.

In einer digital geprägten und zunehmend globalisierten Welt sind vielfältige Kompetenzen erforderlich, die über Medienkompetenz weit hinausgehen. Im englischen Sprachraum hat sich hierfür der Begriff der 21st century skills eingebürgert. Schlagworte sind hier u.a.: critical thinking, communication, collaboration und creativity. Diese beziehen sich einerseits auf digitale Medien als Gegenstand, können anderseits mit digitalen Medien aber auch umgesetzt und unterstützt werden. Die Bedeutung von Wissen verändert sich hierbei. Ziel ist nicht mehr einen vorgegebenen Wissenskanon zu beherrschen, sondern zu lernen, Wissen im Bedarfsfall verfügbar zu haben und es dann im jeweiligen Kontext nutzbar zu machen. (Schulisches) Lernen sollte jeden einzelnen in seinen Fähigkeiten fördern und herausfordern und ihn zu kooperativen Arbeitsformen befähigen. In beiden Fällen können digitale Medien unterstützend eingesetzt werden. Besonders Lernende mit besonderen Bedürfnissen können von diesen Unterstützungsfunktionen profitieren.

Die „Digitalisierung“ der Bildung zielt nicht auf eine Technisierung oder Automatisierung von Bildung und Lernen, sondern auf die Befähigung zu einem erfolgreichen Leben und Arbeiten in einer digital geprägten Welt. Dazu sind umfassende Kompetenzen erforderlich, zu deren Erwerb digitale Medien im Lernprozessen einen festen Platz haben sollten. Grundsätzlich geht es aber darum, unser Verständnis von schulischem Lernen zu überdenken und Schule auf aktuelle gesellschaftliche Anforderungen auszurichten.

Schulentwicklung in regionalen Bildungsnetzwerken

Der Professionalisierung der Lehrkräfte kommt in den erforderlichen Entwicklungsprozessen eine besondere Bedeutung zu. Diese bezieht sich aber nicht nur auf die Kenntnisse der einzelnen Lehrkraft, sondern vor allem auf deren professionelle Kooperation in einer Schule. Die Einzelschule ist als zentraler Ort von Veränderungsprozessen anzusehen. Benötigt werden daher keine (zentralen) (top-down) Fortbildungen. Einzelne Schulen müssen bei Entwicklungsprozessen unterstützt und gefördert werden. (Lokale und regionale) Bildungsnetzwerke können solche Entwicklungsprozesse unterstützen. Gute Ansätze gibt es dabei z.B. zum Thema der individuellen Förderung, die Schulentwicklungsforschung hat hierzu wichtige Erkenntnis hervorgebracht. Allerdings wird die Bedeutung der Digitalisierung in beiden Themenfeldern bisher bestenfalls am Rande diskutiert. Die Diskussionen sollten hier zusammengeführt werden.

In den erforderlichen Veränderungsprozessen können die Lehrkräfte, die bereits Erfahrungen mit digitalen Medien erworben haben, eine wichtige Promotorenfunktion in Schulen wahrnehmen. Dazu ist es wichtig, diesen engagierten Lehrkräften Austauschstrukturen zu bieten und Unterstützung zu gewähren.
Andere Lehrkräfte scheuen vor Veränderungsprozessen häufig zurück, weil damit Grundsätze ihrer bisherigen Arbeitsweise massiv in Frage gestellt werden. Aus eigenständig und getrennt arbeitenden Experten, sollen Teamplayer werden. (Vermeintliche) bessere IT-Kenntnisse von Jugendlichen werden als Bedrohung wahrgenommen und führen zur Angst vor einem Autoritätsverlust. Die Öffnung des Klassenzimmers durch das (stets verfügbare) Internet und eine vielfältige technische Ausstattung in der Klasse nährt die Sorge vor einem Kontrollverlust im Klassenzimmer. Ebenso wächst die Angst von Lehrkräften, durch die Verfügbarkeit von Informationen aus dem Internet in ihrer fachlichen Kompetenz in Frage gestellt zu werden.
Diesen (verständlichen und aus der Sozialisation von Lehrkräften erklärlichen) Ängsten kann nicht durch Fortbildungen begegnet werden. Auch hier sind vor allem schulinterne Austausch und Kooperationsstrukturen erforderlich. Schulen müssen gemeinsame Strategien und kollegiale Beratungsstrukturen entwickeln.
Eine Weiterentwicklung der Lehrerausbildung kann zukünftige Lehrkräfte besser auf die neue Situation vorbereiten.

Die Befähigung von Lehrkräften, Unterricht so zu gestalten, dass er Lernende auf ein Leben und Arbeiten in einer digital geprägten Welt vorbereitet, ist ein Prozess, der vor allem in der Einzelschule gestaltet werden muss. Lokale und regionale Netzwerke können diese Entwicklungsprozesse unterstützen. Lehrkräfte, die bereits über eigenständig erworbene Kompetenzen verfügen, können schulinterne Entwicklungsprozesse unterstützen und mitgestalten.

Maßnahmen
  • Anpassung der Curricula für die Lehrausbildung
  • Regionale Bildungsnetzwerke als Unterstützungssystem für Schulentwicklung stärken

Leistungsstarke Infrastrukturen, BYOD als Ergänzung, professioneller Support

Medien müssen im Klassenraum verfügbar sein und situativ eingesetzt werden können. Lernende müssen dabei (auch) selbstgestimmt entscheiden können, wann und wie sie Medien verwenden. Lerninfrastrukturen, in denen eine Vielfalt an Geräten vorhanden ist, können zu unterschiedlichen Lernszenarien, aber auch zur Reflektion über den nutzen einzelner Geräte und Anwendungen anregen. In diesem Kontext können private Geräte von Lernenden (BYOD) schulische Ausstattungen sinnvoll ergänzen und bereichern.
Die schulische (bzw. staatliche) Ausstattung von Lernenden mit persönlichen Geräten erscheint dauerhaft weder sinnvoll noch realistisch. Investitionen sollten sich auf eine gute schulische Infrastruktur (offenes und sicheres WLAN), einen breitbandigen Anschluss an das Internet, Präsentationsmedien und Leihgerätepool für besondere Aufgaben und sozial Schwache konzentrieren. Die professionelle Wartung dieser Infrastruktur durch Fachpersonal in den Schulen ist bisher in Deutschland nicht berücksichtigt worden.
Eine Aufteilung der finanziellen Belastung auf Schulen und Elternhäuser führt dabei insgesamt zu mehr Bildungsgerechtigkeit, weil Lernen mit und über Medien in Schulen so ermöglicht wird und der Erwerb von IT-Kompetenzen weniger stark vom Elternhaus abhängig ist.

Eine durchdachte Lerninfrastruktur in Schulen sollte in Zukunft aus einer Mischung schulischer und privater Geräte in einer leistungsstarken, offenen und sicheren Infrastruktur bestehen, die von professionellen Fachkräften vor Ort gewartet wird. Staat und Eltern übernehmen Verantwortung für die Realisierung und ermöglichen so mehr Bildungsgerechtigkeit.

Maßnahmen
  • Breitbandausbau in Schulen
  • Gesetzliche Grundlagen für sicheren und offenen Internetzugang schafften
  • Nutzung privater Geräte grundsätzlich ermöglichen
  • IT-Personal an Schulen aufbauen

OER als Standard für Bildungsmedien

Medienkonvergenz, die Möglichkeit mit einem Geräte Text, Töne, Bilder und Filme anzusehen und zu produzieren, erweitert didaktische Szenarien ungemein. Das aktuelle Urheberrecht schränkt diese Möglichkeiten wieder ein. Lehrkräfte können eigenständig zusammengestellte Kollektionen von Lernmitteln weder austauschen noch dauerhaft digital verfügbar machen. Wichtiger noch: Lernende können vorhandene Lernmittel nicht in eigene Lernprodukte integrieren und dauerhaft zugänglich machen. Eine Lizenzierung von Lernmittel als OER (Open Educational Resources) und / oder eine grundlegende Anpassung urheberrechtlicher Bestimmungen können hier helfen. Damit digitale OER nachhaltig im schulischen Lernen wirken können, bedarf es des systematischen Aufbaus dieser Ressourcen. Dazu ist eine professionelle Arbeitsteilung zwischen Autoren (Lehrkräften) und Medienproduzenten (Verlagen) erforderlich. Die Geschäftsmodelle, nach denen die Akteure agieren, müssen aber neu gestaltet werden. Zudem helfen Metadatenstandards und ein System vernetzter Verweissystem die Auffindbarkeit von OER zu verbessern.
Die Qualität eines Lernmittels entscheidet sich zukünftig nicht nur an seinem Inhalt, sondern daran, ob die „5 R“ von OER erfüllt sind: Reuse, Revise, Remix, Republish und Retain.

Lernmittel, die (von Lehrenden und Lernenden) wiederverwendet, überarbeitet, neu zusammengestellt und veröffentlich werden können und die ihnen dauerhaft zur Verfügung stehen, stellen eine wichtige Voraussetzung für veränderte Unterrichtsszenarien dar, die a) die Möglichkeiten digitaler Medien ausschöpfen und b) auf einen digitale geprägte Welt vorbereiten. Sie führen aber nicht „automatisch“ zu unterrichtlichen Veränderungen. Bei der Erstellung von Lernmitteln bedarf es einer professionellen Arbeitsteilung. Um die Auffindbarkeit und Wiederverwertung zu gewährleisten müssen informationell offene Ökosysteme geschaffen werden. Über die Qualität von Lernmittel entscheidet ihre Nutzung und Nutzbarkeit im Unterricht.

Maßnahmen
  • Gesetzliche Grundlagen für OER in der Bildung schaffen
  • Über Ausschreibungen und Wettbewerbe OER entwickeln lassen
  • Infrastrukturen schaffen, die OER verfügbar, auffindbar und austauschbar machen.

Schlussbemerkung

Schulen müssen befähigt werden, auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen durch die Digitalisierung vieler Lebensbereiche angemessen zu reagieren, um ihrer Aufgabe auch in Zukunft gerecht werden können. Dies ist nicht nur für den „Wirtschaftsstandort Deutschland“ wichtig, es gebt noch mehr darum, Jugendlichen eine Perspektive zu eröffnen für ein kreatives, selbstbestimmtes und sicheres Agieren in einer digitale geprägten Welt.

Man mag beklagen, dass das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich hier bisher nur „mittelmäßig“, in manchen Bereichen sogar Schlusslicht ist. Diese Sichtweise lässt aber außer Acht, dass an vielen Schulen, in Kommunen und Bundesländern wichtig Ansätze erkennbar sind. Es erscheint zielführend, diese Ansätze stärker zu unterstützen und hervorzugeben. Es bedarf einer deutlichen Wertschätzung der Arbeit, die an vielen Schulen bereits in die richtige Richtung erfolgt.
Die Digitalisierung der Gesellschaft ist ein unumkehrbarer Prozess. Schulen darauf vorzubereiten eine Notwendigkeit. Über das „Wie“ muss man im Detail sprechen. Der Prozess ist aber zu bedeutsam, um ihn übermäßig zu politisieren. Bund und Länder sollten hier zu einer gemeinsamen Unterstützungsstrategie finden. Kritische Stimmen sind wichtig, sollten sich aber aktiv gestalten einbringen. Unterschiedliche Fachdisziplinen aus der Wissenschaft (z.B. Medienpädagogik und Informatik) haben ihre Berechtigung, aber auch hier sind gemeinsame Strategie wichtig und nicht konkurrierende Interessen.

Den Blick heben

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Im September haben wir zum offiziellen Abschluss des Projektes School IT Rhein Waal in Duisburg eine Fachtagung organisiert. Die Frage stand dann im Raum: Und jetzt? Natürlich, ein Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass es einen festen Beginn und ein zeitlich festgesetztes Ende hat. Gleichzeitig war aber auch allen Beteiligten von Beginn an klar: Die angestrebten Veränderungen im Lehren und Lernen mit digitalen Medien brauchen an den Projektschulen mehr Zeit als die 2 Erprobungsjahre. Für die Schulen geht mit dem Projektende also vor allem eine Zeit des organisierten Austauschs und der Zusammenarbeit im Projekt zu Ende. Schulintern geht es weiter. In manchen Fällen wurden aber sowohl die Zusammenarbeit mit den kritischen Fragern von der Uni und der Austausch mit gleichgesinnten Schulen als Hilfe im Entwicklungsprozesse gesehen. Hier keimen gerade neue Netzwerke. Aber wie das mit Keimungsprozessen so ist, sie bedürfen manchmal der Ruhe und Geborgenheit. Dazu also später mehr.

Eine erste sichtbare Folgeerscheinung des Projektes war die Zukunftswerkstatt, die wir am learninglab in dieser Woche in Zusammenarbeit mit der Stadt Duisburg, der Medienzentrum der Stadt und dem Kompetenzteam durchgeführt haben. Schulleitungen, Medienbeauftragte und Lehrkräfte von 5 Duisburger Schulen haben einen Tag lang geplant, ob und wie sie den Weg gemeinsam gehen könnten, zu dem, was wir mittlerweile gerne hybride oder vielfältige Lerninfrastrukturen nennen. Der Auftakt war spannend und das Engagement groß. Die Zukunft wird zeigen, was sich hier entwickelt. Ein paar Ansatzpunkte aber sind mir wichtig:
– Die Stadt engagiert sich mit verschiedenen Organisationen in der Zusammenarbeit. Der Schulträger übernimmt nicht nur Verantwortung für die technische Ausstattung der Schulen, er setzt sich mit ihnen an einen Tisch, um sie bei der Nutzung dieser Ausstattung zu unterstützen.
– Die Schulen haben sich klar gemacht, dass es bei der gemeinsamen Arbeit zwar auch um technische Lösungen geht. Wichtiger aber ist ihnen, dass sie sich gemeinsam über pädagogische und didaktische Fragestellungen austauschen.
– Sie haben ein Bewusstsein dafür, dass es ein längerer Prozess ist, das gesamte Kollegium mitzunehmen, dass hierfür nicht nur Fortbildungen erforderlich sind, sondern dass in den Kollegien ein Austausch untereinander entwickelt werden muss.
– Es besteht die Hoffnung, dass diese Prozesse besser gelingen können, wenn man sich mit mehreren Schulen gemeinsam auf den Weg macht.

Mit diesen Eindrücken nach einem spannenden Tag fiel mir dann der Artikel in der aktuellen GEO in die Hände. „Digital macht schlau!“ Im Anleser werden die Chancen beschworen, die Tablets und Internet für das Lernen bieten. Der folgende Artikel weist aber einige interessante Leerstellen auf.

  1. Zunächst wird ein Bild entworfen, wie es sein könnte: Also Bespiel werden die Steve-Jobs-Schulen angeführt, die in den Niederlanden im letzten Jahr gegründet wurden. Papier und Bücher scheint es dort nicht mehr zu geben – alles findet am, auf und mit dem iPad statt. Alles? Nicht alles, denn auf dem Schulhof getobt wird trotzdem. Ich will nicht diskutieren, ob digitale Medien (jetzt, heute, in diesem Jahrzehnt) analoge komplett ersetzen können oder sollten. Das wichtige an diesen Schulen in den Niederlanden ist – in meiner Wahrnehmung – aber nicht das digitale, sondern die Organisation von Lernen insgesamt. In offenen altersübergreifenden Lerngruppen, mit individuellen Zielvereinbarungen und Lernplänen. In enger Abstimmung zwischen Lernenden, Eltern und betreuenden (!) Lehrkräften. In dieses visionäre (oder auch alte bekannte?) pädagogische Konzept integriert sind die Tablets, sie dienen einer Vision vom Lernen im 21. Jahrhundert. Sie sind nicht die Vision.
  2. Nach dem Blick über die Grenzen werden zwei Lehrer aus Deutschland vorgestellt, die zeigen wie es „richtig“ gehen könnte. Es wird in beiden Fällen deutlich: Diese Lehrer stehen nicht exemplarisch für ihre Schulen, sondern sind Ausnahmeerscheinungen. Der eine „lebt“ in einem analogen Lehrerzimmer als Exot, der andere wird mit seinen Schülern in den Keller „verbannt“. Die Arbeit von beiden ist richtig und wichtig. Der Artikel stellt aber nicht die Frage: Warum sind die beiden Ausnahmen und nicht Ansporn.
  3. Im Gefolge verliert sich der Artikel in einer Vielzahl von Beispielen und Fragestellungen. Computerspiele versus Bücher. Die Sicherheit analoger Schulbücher versus die rudimentäre Umsetzung digitaler Schulbücher. Der Ruf nach mehr Informatik. Was dabei aber völlig aus dem Blick gerät, ist die Vision davon, wie Lernen gestaltet werden könnte oder sollte. Der Blick bleibt am Detail und am Digitalen hängen. Und mit diesen Einschränkungen hebt er sich auch nicht, auf die Organisation, um die es geht: Die einzelne Schule in ihrer Gesamtheit. Die Frage ist nicht, ob digital schlau macht. Die Frage ist: Wie wollen wir Schule in einer digitalen Welt gestalten?

Peinlich: Nur Mittelfeld…

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Eine neue Vergleichsstudie und Deutschland landet „nur“ um Mittelfeld. Zwei, drei Tage geht nun ein Rauschen durch den Blätterwald und schon ist alles wieder vergessen. Oder?

Werfen wir einen Blick in den Blätterwald. Die Zeit nennt das Ergebnis, dass Deutschland bei der internationalen Vergleichsstudie ICILS erreicht hat, peinlich. Die Studie vergleicht die  computer- und informationsbezogenen Kenntnisse von Achtklässlern.  Insgesamt landet Deutschland auf einem mittleren Platz. Was ist daran nun peinlich? Vielleicht die Kluft, die sich auftut, zwischen Gymnasiasten und Lernenden anderer Schulformen? Denn die Jugendlichen am deutschen Gymnasium erzielen bessere Werte als die insgesamt führenden Tschechen. Das deutsche System mal wieder hochgradig ungerecht? Peinlich!

Der Stern sprach davon, dass die Digital Natives Nachhilfe benötigen. Der Titel wurde geändert, in der URL lebt er fort. Ein wenig schwingt da die Häme mit: So dolle ist das mit den Jungen gar nicht, wir Alten können doch noch was. Peinlich!

Reflexartig sind dann auch die berichteten Reaktion:
Digitale Medien müssen in die Lehrpläne. Sind sie schon, wenn man genau liest und es wahr haben will.

Die Ausstattung ist „mittelalterlich“. Da muss dringend was geschehen. Ja! Da hat es in den letzten Jahren im Vergleich zum Ausland an Investitionen und vor allem an Strategie gefehlt. Aber die Rede von der mittelalterlichten Ausstattung ignoriert völlig die vielfältig Technik, die Jugendliche täglich mit in die Schule bringen und nicht nutzen dürfen. Peinlich!

Klar, kommt die Forderung nach einer besseren Lehrerausbildung. Sollten wir unbedingt machen, keine Frage. Also: Studienordnung ändern, Studierende aufnehmen. BA machen. MA machen. Referendariat… und in 10 Jahren haben wir die ersten nach neuen Grundsätzen ausgebildeten Lehrkräfte. Prima! Es sei den, sie werden von denen unterrichtet, die selbst noch nicht wissen (wollen) was man mit digitalen Medien im Unterricht machen kann. Peinlich!

Na, gut, dann werden eben mehr Fortbildungen gefordert. Dumm nur: Wenn man wollte könnte man sich fortbilden. Angebote gibt es. Nur: Es geht keiner hin! Und kam eine Schulleitung fordert es ein! Peinlich!

Was in der aktuelle Lage keine Rolle spielt ist die Frage, was in der Schule passiert. Gefordert werden Aktionen der Politik und der Bildungsbürokratie. OK. Gefordert wird Engagement der Lehrkräfte. Auch OK. Aber das der Ort in dem beides zusammenkommt und Unterricht und Lernen gestaltet werden – müssen, die Schule ist, bleibt außen vor.

Meine Meinung:

  • Die Politik und die Bildungsbürokratie sind gefordert: Über zentrale Prüfungen und das genaue Hinschauen auf das Thema kann man einiges bewirken.
  • Die Schulträger sind gefordert. Sie müssen einen Infrastruktur schaffen, die allen das Lernen mit Medien ermöglicht und dabei private Geräte mitdenkt.
  • Die Unis sind gefordert. Digitale Medien können verbindlicher eingesetzt werden.
  • Vor allem aber sind die Schulen gefordert. Jede einzelne von ihnen muss eine Vision vom Lernen mit digitalen Medien entwicklen und eine Strategie, wie diese Vision erreicht werden kann. Dau braucht es
    • eine Schulleitung, die dies unterstützt, fordert und fördert
    • Lehrkräfte, die bereit sind auszuprobieren und Erkenntnisse zu teilen
    • Freiräume, auch etwas zu tun, dass nicht im ersten Schritt klappt
    • Austausch zwischen Schulen, denn nicht jede Schule muss alles selbst entwickeln, aber auf die eigene Schule anpassen
    •  die Offenheit, die Potentiale zu nutzen, die die Lernenden mitbringen. Das betrifft deren Geräte aber auch ihre Kompetenzen diese zu nutzen.

Oder auf den Punkt gebracht: Es braucht Schulentwicklung. Nicht mehr und nicht weniger!

Dumm nur, dass mir in dieser Woche noch ein Mitarbeiter eines großen Projektes zur Schulentwicklung sagt: Naja, wissen Sie: Wir betreiben Schulentwicklung. Das hat ja mit Medien erstmal nichts zu tun. … Peinlich!

Achso: Noch ein Wort zum Qualitätsjournalismus. Die Zeit zitiert aus der Studie, dass sich in Deutschland immer noch 11 Schüler einen Rechner teilen… und bebildert dies mit einem Foto in dem jeder Schüler ein Notebook hat. Von daher die Empfehlung: Die Studie im Original lesen.

http://icils2013.de/

Die Macht der Bilder

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Irgendwas ist ja immer. Mal ist die Webseite unübersichtlich und die Registrierung eine Tortur. Mal ist das Catering mässig oder die Räumlichkeiten zu klein, zu groß, zu unübersichtlich. Am schlimmsten aber ist es, wenn das Programmkommitee die falschen Leute ausgesucht hat oder die Abstracts mehr versprachen als die Vorträge halten können. Um so erfreulicher, dass von alledem auf die Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE nichts von alledem zutraf. Ich saß Freitagabend im Zug und war auf dem Weg nach Hause und hatte eine rundum gelungene Tagung hinter mir. Angefangen von der ersten Keynote bis zur Postersession und den letzten Vorträgen. Dem Kerstin Mayerberger und ihrem Team dafür ein großes Lob und herzliches Dankeschön.
Was mich gefreut hat, das die Zuhörer meinen Gedanken zur Verbindung von Medienintegration und Schulentwicklung gefolgt sind und sich entlang dieser Überlegungen eine angeregte Diskussion entwickelt hat, wie Schwerpunktsetzungen bei zukünftigen Ansätzen zur Medieninteration in Schule erfolgen sollten… könnten… müssten.
Im Zug nach Hause kam mir aber noch ein anderer Gedanke, der in den letzten Tagen und Wochen beim Lesen oder Überfliegen des einen oder anderen Artikels in Zeitung und Online-Magazin schon mal am Rande aufgetaucht war. Michael Kerres hatte sich am Beginn der Tagung in seinem Vortrag Gedanken darüber gemacht, wie die Metaphern, die wir Nutzen, um das Lernen mit digitalen Medien zu beschreiben auf unsere Wahrnehmung eben dieses Lernens zurückwirken. Viel Aufmerksamkeit widmete er dabei der Raum-Metapher und zeigte an Bildern, wie die Gestaltung von Räumen Rückschlüsse auf die Didaktik erlaubt, die dem Lernen in diesen Räumen zugrunde liegt. Und hier schließen sich nun meine Gedanken an.
Im Rahmen der „digitalen Agenda“ wird in letzte Zeit auch immer öfter die Digitalisierung der Schule thematisiert – und die entsprechenden Artikel werden bebildert. Das Foto in der Frankfurter Neuen Presse zeigt offentlicht ein altes Archivbild. Aber wir sehen hier Lernen eingekeilt zwischen großen Bildschirmen und Rechnern. Offensichtlich ist jeder einzelne Schüler mit einer ähnliche Aufgabe befasst. In der Augsburger Allgemeinen findet sich ein Bild von zwei Grundschüler mit Tabletts. Die Tabletts dominieren die Bücher, auf denen sie abgestellt sind und die vereinzelt Lerner verschwinden hinter den Bildschirmen. Ein Beitrag in der Welt zeigt Schüler ebenfalls alleine hinter Notebook-Deckeln. Das leuchtenden Logo der Geräte und der abgedunkelte Raum verbreiten eine bedrückende Atmosphäre. Diese wird noch durch den Titel des Artikels betont. Es geht nicht nur um Digitalisierung, sondern um die totale (sic!) Computerisierung. Da scheint dann doch deutlich der Luhmannsche Technologie-Verdacht durch, denke ich.
Anders zwei Artikel (Heise und Spektrum), die eine BYOD-Situation zeigen. Hier sehen wir jeweils Lernende, die gemeinsam auf Smartphones und Tabletts blicken. Mit im Bild in beiden Fällen auch ein Desktop-Rechner. Hier ändert sich die Aussage grundlegend: Mobile Endgeräte verbinden, animieren zum gemeinsamen Arbeiten. Die kleinen Geräte ersetzen dabei die Schulischen Rechner aber nicht, sondern ergänzen die schulische Ausstattung. Hier wird auch sichtbar, dass es bei BYOD nicht um die Art Technologisierung geht, die die anderen Bilder suggerieren und die in der Diskussion um den Computer in der Klasse oft mitschwingt. Es geht nicht um das Abarbeiten von Programmen, das Lernen im durch den Computer vorgegebenen – man mög mir verzeihen – Gleichschritt. Es geht um das gemeinsame Entwickeln von Idee, Kommunikation, Kooperation und Konstruktion. Und da dreht sich die Herausforderung vor der wir stehen wieder: Die totale Computerisierung abzulehnen, kann aus bildungstheoretischer Sicht gut argumentiert werden. Das Wahrnehmung von BYOD, wie es sich in den beiden Bilder darstellt, unterstützt aber eben diese bildungstheoretische Sicht  – und stellt diese Position vor die Herausforderung, ihren Technologieverdacht kritisch zu hinterfragen.

BYOD oder Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen

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Lernifra5Unter dem Schlagwort BYOD – Bring your own device hat das Projekt School IT Rhein Waal, an dem ich in den letzten 2 1/2 Jahren intensiv gearbeitet habe, einige Sichtbarkeit erlangt und Interesse hervorgerufen. Dazu gehört auch, dass es in der Transferphase nicht nur Einzelschulen waren, die Interesse gezeigt haben, sondern oft Kommunen, die hier neue Lösungen für Lerninfrastrukturen an ihren Schulen kennen lernen wollten.

Mit der Fachtagung „Individuelles Lernen in vielfältigen Lernumgebungen“ am 25.9.2014 hat nun die Schlussphase des Projektes begonnen. Ca. 170 Interessierte waren in das neuen Audimax am Campus Duisburg gekommen, um erst im Plenumsteil nicht nur in unser Projekt zu schauen, sondern auch Einblicke in anderen Projekte zu nehmen, die sich ebenfalls mit den Möglichkeiten von Tablets und Smartphones im Unterricht beschäftigt haben. Am Nachmittag standen in den Workshops dann die Erfahrungen der Projektschulen in Moers und Xanten und von Transfer-Schulen und -Kommunen im Mittelpunkt. Die Veranstaltung ist hier dokumentiert und hier ist ein Teil des Medienechos zusammengefasst.

Wir haben insgesamt versucht deutlich zu machen: Im Projekt ging es zwar auch darum, eine WLAN-Infrastruktur zu schaffen, die das Einbinden privater Geräte erlaubt. Wichtiger aber war es, in den Schulen Strategien zu entwicklen, wie mit einer heterogenen Vielfalt an Geräten im Unterricht gut gearbeitet werden kann. Dabei wurde in den Projektschulen auch deutlich: BYOD ist immer nur eine Ergänzung zur schulischen Ausstattung, kann dabei aber der entscheidende Baustein sein, um digitale Medien im Klassenraum zu verankern. Zudem wurde deutlich: Genauso wie andere technische Konzepte hat auch BYOD das Potential Lehrer zu untersützten einen schülerzentrierteren, projektorientierteren und an individuellen Bedürfnissen ausgerichteten Unterricht zu gestalten. Automatisch passiert das aber nicht. Vielmehr mussten sich die Projektteams in den Schulen zunächst darauf verständigen, wie sie den Unterricht in den Projektklassen gestalten wollen, dann konnten Smartphones und Tablets als Werkzeuge in Schülerhand auch einen Beitrag leisten.

Ich bin gespannt, was in den nächsten Wochen und Monaten in den beiden deutschen Pilotschulen passiert. Pläne zur Weiterentwicklung haben beide. Noch mehr bin ich aber gespannt, wie sich die Idee weiterverbreitet und verbreiten lässt. Auch hier gilt wohl: Ein Selbstläufer ist das zunächst nicht, sondern erfordert Unterstützung und Vernetzung der Schulen und Kommunen.

Ein sehr erfreulicher Nebeneffekt der Fachtagung: Wir konnten so die vor vier Jahren in Duisburg begonnene Reihe der Workshops „Lerninfrastruktur an Schulen“ vorsetzen. Damals in Duisburg haben wir als Workshop im Rahmen der DeLFI 2010 mit vielleicht 20 Personen zusammengesessen und diskutiert. Weitere Stationen waren dann die DeFLI in Dresden und Hagen und die GMW in Frankfurt. Glücklich waren wir mit der Lösung nie wirklich. Die DeLFI war eine gute Heimat für den Workshop, aber als Konferenz der GI  zog sie vor allem Informatiker an. Die GMW wiederrum ist eher auf den Hochschulbereich ausgerichtet. Dazu kommt: Für Lehrkräfte ist das Format ungewohnt. In diesem Jahr haben wir den Workshop dann als eigenständige Verstaltung im Kontext eines Projektes gemacht. Damit haben wir dann tatsächlich Lehrkräfte in großer Zahl erreicht und auch der Wissenschaft Raum gegeben. Ich bin gespannt, ob wir das so als Format weiteführen können.