Ob das Silicon Valley die Lösung ist?

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Ja, wir können uns freuen. Wir, die wir gerne mal als Digitalisten beschimpft werden – aber vielleicht ist das ja auch ein Titel den wir mit einigem Stolz tragen dürfen. Wir dürfen uns freuen, weil wir wieder mehr gehört werden, denn lange war das Lernen mit digitalen Medien eine nette Spielerei, etwas das wir gerne am Ende des Schuljahrs machen durften, etwas für das wir uns rechtfertigen mussten: Und wann machst du wieder richtigen Unterricht?

Aber die öffentliche Diskussion wandelt sich. Ganz oben in der Politik ist die Botschaft angekommen: Das Internet geht nicht mehr weg. Schlimmer noch: Es wird sich in alles uns jedes einnisten. Es wird nicht nur unser Arbeitsleben noch grundlegend verändern, ganze Berufsgruppen und Berufe werden verschwinden und von digitalen Arbeitsprozessen ersetzt werden. Gut oder schlecht? Das ist nicht die Frage, die Frage ist: Wie gestalten wir das? Und wie gestalten wir es so, dass unsere Gesellschaft auch in Zukunft lebenswert ist.

Der Erkenntnis, dass sich die Arbeitswelt verändern wird, folgt die Schlussfolgerung, dass sich das Lernen in der Schule, im Studium und darüber hinaus auch verändern muss. Ja, wir haben die Rufe nach mehr „Educational Technology“ im letzten Jahrhundert immer wieder gehört – und ungehört verschallen hören. Aber könnte es sein, dass es diesmal anders ist? Das wir vielleicht doch an einer „Zeitenwende“ stehen?

Also: Schule, Lernen verändert sich? Aber wie? Es mehren sich die Versprechungen, dass das Silikon Valley mit seinen Start Ups und viel Geld die Lösung bring. Jörg Dräger und Ralf Müller-Eiselt geben in ihrem Buch, das im Herbst du die Bildungslandschaft rauschte Beispiele, wie Lernpläne für Schüler automatisch errechnet werden, basierend auf den Ergebnissen abertausender anderer Lernender und den bereits erbrachten Leistungen des einzelnen. Die Kommentatoren im Blätterwald sind entsetzt. Von Orwell ist die Rede – wieder mal. Vom Datenschutz. Was wenn ein schlechter Mathetest in der dritten Klasse bei der Bewerbung als Chefarzt ans Tageslicht kommt. Denn das Internet vergißt ja nichts.

Ich kann dem zunächst auch Gutes abgewinnen: Wie viele Grundschul-Lehrerinnen verbringen Stunden damit immer wieder die Testblätter des Hamburger Rechtschreibtests auszufüllen, um ihren Schülern die passenden Übungsblätter herauszusuchen. Warum sollte ein Computer diese Aufgabe nicht übernehmen können? Oder das Üben des kleinen 1×1? Phase6 ist schon jetzt ein sehr erfolgreiches Programm mit dem Schüler Vokabeln lernen. Könnte das Programm nicht noch besser werden, wenn es besser verstehen würde, welche Vokabeln einem oder vielen Lernern schwer fallen und welche Fehler sie machen?

Schauen wir uns die Beispiele genau an, diese hier und die in den Büchern und Zeitungen, dann fällt etwas anderes auf: Immer geht es ums auswendig lernen, richtig machen, üben. Das ist wichtig und  muss gemacht werden. Ohne das geht vieles nicht. Aber muss Lernen in einer digitalen Zeit nicht auch etwas anderes sein? Probleme lösen, gemeinsam Arbeiten, überhaupt erst einmal Fragen stellen und Aufgaben finden? Dabei helfen die Lernprogramme nicht, aber Computer, Tablets und Smartphones und Lehrer, die Schülern helfen, diese als Werkzeuge zu nutzen. Wenn Lernprogramm Lehrern helfen, mehr Zeit zu haben, dann können sei nicht gut genug sein. Aber dann müssen wir auch darüber reden, was die Lehrer mit der gewonnenen Zeit machen. Dann erst fängt die Diskussion um das „Lernen in digitaler Zeit“ an wirklich spannend zu werden. Aber dabei hilft wahrscheinlich so schnell kein Start up aus dem Silikon Valley, die Diskussion müssen wir hier in unseren Schulen führen.

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