Peinlich: Nur Mittelfeld…

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Eine neue Vergleichsstudie und Deutschland landet „nur“ um Mittelfeld. Zwei, drei Tage geht nun ein Rauschen durch den Blätterwald und schon ist alles wieder vergessen. Oder?

Werfen wir einen Blick in den Blätterwald. Die Zeit nennt das Ergebnis, dass Deutschland bei der internationalen Vergleichsstudie ICILS erreicht hat, peinlich. Die Studie vergleicht die  computer- und informationsbezogenen Kenntnisse von Achtklässlern.  Insgesamt landet Deutschland auf einem mittleren Platz. Was ist daran nun peinlich? Vielleicht die Kluft, die sich auftut, zwischen Gymnasiasten und Lernenden anderer Schulformen? Denn die Jugendlichen am deutschen Gymnasium erzielen bessere Werte als die insgesamt führenden Tschechen. Das deutsche System mal wieder hochgradig ungerecht? Peinlich!

Der Stern sprach davon, dass die Digital Natives Nachhilfe benötigen. Der Titel wurde geändert, in der URL lebt er fort. Ein wenig schwingt da die Häme mit: So dolle ist das mit den Jungen gar nicht, wir Alten können doch noch was. Peinlich!

Reflexartig sind dann auch die berichteten Reaktion:
Digitale Medien müssen in die Lehrpläne. Sind sie schon, wenn man genau liest und es wahr haben will.

Die Ausstattung ist „mittelalterlich“. Da muss dringend was geschehen. Ja! Da hat es in den letzten Jahren im Vergleich zum Ausland an Investitionen und vor allem an Strategie gefehlt. Aber die Rede von der mittelalterlichten Ausstattung ignoriert völlig die vielfältig Technik, die Jugendliche täglich mit in die Schule bringen und nicht nutzen dürfen. Peinlich!

Klar, kommt die Forderung nach einer besseren Lehrerausbildung. Sollten wir unbedingt machen, keine Frage. Also: Studienordnung ändern, Studierende aufnehmen. BA machen. MA machen. Referendariat… und in 10 Jahren haben wir die ersten nach neuen Grundsätzen ausgebildeten Lehrkräfte. Prima! Es sei den, sie werden von denen unterrichtet, die selbst noch nicht wissen (wollen) was man mit digitalen Medien im Unterricht machen kann. Peinlich!

Na, gut, dann werden eben mehr Fortbildungen gefordert. Dumm nur: Wenn man wollte könnte man sich fortbilden. Angebote gibt es. Nur: Es geht keiner hin! Und kam eine Schulleitung fordert es ein! Peinlich!

Was in der aktuelle Lage keine Rolle spielt ist die Frage, was in der Schule passiert. Gefordert werden Aktionen der Politik und der Bildungsbürokratie. OK. Gefordert wird Engagement der Lehrkräfte. Auch OK. Aber das der Ort in dem beides zusammenkommt und Unterricht und Lernen gestaltet werden – müssen, die Schule ist, bleibt außen vor.

Meine Meinung:

  • Die Politik und die Bildungsbürokratie sind gefordert: Über zentrale Prüfungen und das genaue Hinschauen auf das Thema kann man einiges bewirken.
  • Die Schulträger sind gefordert. Sie müssen einen Infrastruktur schaffen, die allen das Lernen mit Medien ermöglicht und dabei private Geräte mitdenkt.
  • Die Unis sind gefordert. Digitale Medien können verbindlicher eingesetzt werden.
  • Vor allem aber sind die Schulen gefordert. Jede einzelne von ihnen muss eine Vision vom Lernen mit digitalen Medien entwicklen und eine Strategie, wie diese Vision erreicht werden kann. Dau braucht es
    • eine Schulleitung, die dies unterstützt, fordert und fördert
    • Lehrkräfte, die bereit sind auszuprobieren und Erkenntnisse zu teilen
    • Freiräume, auch etwas zu tun, dass nicht im ersten Schritt klappt
    • Austausch zwischen Schulen, denn nicht jede Schule muss alles selbst entwickeln, aber auf die eigene Schule anpassen
    •  die Offenheit, die Potentiale zu nutzen, die die Lernenden mitbringen. Das betrifft deren Geräte aber auch ihre Kompetenzen diese zu nutzen.

Oder auf den Punkt gebracht: Es braucht Schulentwicklung. Nicht mehr und nicht weniger!

Dumm nur, dass mir in dieser Woche noch ein Mitarbeiter eines großen Projektes zur Schulentwicklung sagt: Naja, wissen Sie: Wir betreiben Schulentwicklung. Das hat ja mit Medien erstmal nichts zu tun. … Peinlich!

Achso: Noch ein Wort zum Qualitätsjournalismus. Die Zeit zitiert aus der Studie, dass sich in Deutschland immer noch 11 Schüler einen Rechner teilen… und bebildert dies mit einem Foto in dem jeder Schüler ein Notebook hat. Von daher die Empfehlung: Die Studie im Original lesen.

http://icils2013.de/

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