Die Macht der Bilder

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Irgendwas ist ja immer. Mal ist die Webseite unübersichtlich und die Registrierung eine Tortur. Mal ist das Catering mässig oder die Räumlichkeiten zu klein, zu groß, zu unübersichtlich. Am schlimmsten aber ist es, wenn das Programmkommitee die falschen Leute ausgesucht hat oder die Abstracts mehr versprachen als die Vorträge halten können. Um so erfreulicher, dass von alledem auf die Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE nichts von alledem zutraf. Ich saß Freitagabend im Zug und war auf dem Weg nach Hause und hatte eine rundum gelungene Tagung hinter mir. Angefangen von der ersten Keynote bis zur Postersession und den letzten Vorträgen. Dem Kerstin Mayerberger und ihrem Team dafür ein großes Lob und herzliches Dankeschön.
Was mich gefreut hat, das die Zuhörer meinen Gedanken zur Verbindung von Medienintegration und Schulentwicklung gefolgt sind und sich entlang dieser Überlegungen eine angeregte Diskussion entwickelt hat, wie Schwerpunktsetzungen bei zukünftigen Ansätzen zur Medieninteration in Schule erfolgen sollten… könnten… müssten.
Im Zug nach Hause kam mir aber noch ein anderer Gedanke, der in den letzten Tagen und Wochen beim Lesen oder Überfliegen des einen oder anderen Artikels in Zeitung und Online-Magazin schon mal am Rande aufgetaucht war. Michael Kerres hatte sich am Beginn der Tagung in seinem Vortrag Gedanken darüber gemacht, wie die Metaphern, die wir Nutzen, um das Lernen mit digitalen Medien zu beschreiben auf unsere Wahrnehmung eben dieses Lernens zurückwirken. Viel Aufmerksamkeit widmete er dabei der Raum-Metapher und zeigte an Bildern, wie die Gestaltung von Räumen Rückschlüsse auf die Didaktik erlaubt, die dem Lernen in diesen Räumen zugrunde liegt. Und hier schließen sich nun meine Gedanken an.
Im Rahmen der „digitalen Agenda“ wird in letzte Zeit auch immer öfter die Digitalisierung der Schule thematisiert – und die entsprechenden Artikel werden bebildert. Das Foto in der Frankfurter Neuen Presse zeigt offentlicht ein altes Archivbild. Aber wir sehen hier Lernen eingekeilt zwischen großen Bildschirmen und Rechnern. Offensichtlich ist jeder einzelne Schüler mit einer ähnliche Aufgabe befasst. In der Augsburger Allgemeinen findet sich ein Bild von zwei Grundschüler mit Tabletts. Die Tabletts dominieren die Bücher, auf denen sie abgestellt sind und die vereinzelt Lerner verschwinden hinter den Bildschirmen. Ein Beitrag in der Welt zeigt Schüler ebenfalls alleine hinter Notebook-Deckeln. Das leuchtenden Logo der Geräte und der abgedunkelte Raum verbreiten eine bedrückende Atmosphäre. Diese wird noch durch den Titel des Artikels betont. Es geht nicht nur um Digitalisierung, sondern um die totale (sic!) Computerisierung. Da scheint dann doch deutlich der Luhmannsche Technologie-Verdacht durch, denke ich.
Anders zwei Artikel (Heise und Spektrum), die eine BYOD-Situation zeigen. Hier sehen wir jeweils Lernende, die gemeinsam auf Smartphones und Tabletts blicken. Mit im Bild in beiden Fällen auch ein Desktop-Rechner. Hier ändert sich die Aussage grundlegend: Mobile Endgeräte verbinden, animieren zum gemeinsamen Arbeiten. Die kleinen Geräte ersetzen dabei die Schulischen Rechner aber nicht, sondern ergänzen die schulische Ausstattung. Hier wird auch sichtbar, dass es bei BYOD nicht um die Art Technologisierung geht, die die anderen Bilder suggerieren und die in der Diskussion um den Computer in der Klasse oft mitschwingt. Es geht nicht um das Abarbeiten von Programmen, das Lernen im durch den Computer vorgegebenen – man mög mir verzeihen – Gleichschritt. Es geht um das gemeinsame Entwickeln von Idee, Kommunikation, Kooperation und Konstruktion. Und da dreht sich die Herausforderung vor der wir stehen wieder: Die totale Computerisierung abzulehnen, kann aus bildungstheoretischer Sicht gut argumentiert werden. Das Wahrnehmung von BYOD, wie es sich in den beiden Bilder darstellt, unterstützt aber eben diese bildungstheoretische Sicht  – und stellt diese Position vor die Herausforderung, ihren Technologieverdacht kritisch zu hinterfragen.

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