Bring deinen eigenen Computer mit

Mit Jahresbeginn startet offiziell das Projekt “School IT Rhein Waal”. Dazu gab es schon ein paar Meldungen (hier von der Euregio, hier und hier von der Uni). Das Projekt hat ein paar spannenden Aspekte.

1) IT-Assistenten
Immer wieder wird betont, dass Schülerinnen und Schüler ihren Lehrkräften im Umgang mit digitalen Medien um Längen voraus sind. Häufig wird dies aber als Hemmnis für den unterrichtlichen Einsatz gesehen, weil es die Lehrkräfte verunsichert. Wir wollen im Projekt aber das Potential Nutzen, das darin steckt und ausgewählte Jugendlichen bewusst als IT-Assistenten einsetzen, die sowohl ihre Lehrer als auch ihre Mitschüler vor allem bei technischen Fragen zum Einsatz digitaler Medien behilflich sein können. Damit sie diesen Aufgaben gewachsen sind, erhalten die Schüler eine Ausbildung, die auch Aspekte des Jugendmedienschutzes berücksichtigt und die die Schulen in Zusammenarbeit mit regionalen IT-Unternehmen gestalten.

2) Projektseminare
Eine wichtige Motivation der euregio das Projekt zu unterstützen, ist der Bedarf der Unternehmen in der Region an jungen Nachwuchskräften, die das nötige Rüstzeug mitbringen, in einem von IT durchdrungenen Arbeitsalltag zu bestehen. Daher werden im Projekt “Projektseminare” durchgeführt, in denen ganze Klasse Projektaufgaben bewältigen, die die Lehrer zusammen mit Mitarbeitern aus IT-Unternehmen entwickeln. Die Schüler können dann bei der Bearbeitung auch auf die Unterstützung der Mitarbeiter bauen.

3) Niederländisch-deutscher Austausch
In einem ersten Schritt arbeiten im Projekt 2 niederländische und 2 deutsche Schulen mit. Schon in der Phase der Projektentwicklung hat sich gezeigt, wie unterschiedliche die Stand der Medienintegration in beiden Ländern ist und wie hoch das Potential ist, voneinander lernen zu können.

4) Bring deinen eigenen Computer mit (BYOD: Bring your own device)
Der letzte Aspekt ist derjenige, der mir persönlich besonders wichtig ist. Wir verzichten im Projekt bewusst auf eine technische Ausstattung der Schüler mit Endgeräten. Projektmaßnahmen beziehen sich auf die Entwicklung einer technischen Infrastruktur, die es den Schüler erlaubt, ihre eigenen Geräte mitzubringen, d.h. die Geräte, über die schon heute verfügen.

Die Chancen, die wir darin sehen:

  • Jede Schülergeneration wird auch ihre eigenen Geräte mitbringen. Die Schulen finden einen Weg aus der “Ausstattungsfalle”.
  • Die Schüler arbeiten mit den Geräte, die sie auch privat Nutzen, d.h. die ihnen vertraut sind und für die sie sich verantwortlich fühlen.
  • Schüler und Lehrer erleben ein Vielfalt von Geräten und Plattformen und lernen mit dieser Vielfalt umzugehen.
  • Letztlich: Wenn jeder Schüler sein eigenes Geräte mitbringen und nutzen kann, können die Geräte auch wirklich immer dann eingesetzt werden, wenn es sinnvoll und gewünscht ist.

Aber auch Herausforderungen sind mit diesem Ansatz verbunden:

  • Überfordert die Heterogenität der Ausstattung die Lehrkräfte?
  • Überfordert die Heterogenität der Technik, die Infrastruktur in der Schule?
  • Haben wirklich alle Schüler eigene Geräte und wie werden soziale Ungleichheiten ausgeglichen?

Zum Teil gilt in den Projektschulen jetzt noch ein Handyverbot. Der Schritt von diesem Verbot zur Aufforderung, Handys, Smartphones, Netbooks, Tablets und Notebooks mitzubringen und zu nutzen ist ein großer. Aber ob die Schulen, das wollen oder nicht: Diese Geräte werden sich immer mehr in den Schultaschen der Jugendlichen finden. Wir wollen im Projekt aktiv gestalten, damit umzugehen und die Chancen zu nutzen.

Ich bin gespannt und werde hier berichten.

 

5 Gedanken zu „Bring deinen eigenen Computer mit“

  1. Hallo Richard,

    ich bin erst durch euren Bericht auf dem EduCamp in Köln auf dieses Projekt aufmerksam geworden. Die Idee von “Bring your own device” auf die Schule zu übertragen ist ausgesprochen spannend. Ich hoffe auf weitere Erfahrungsberichte.

    Liebe Grüße
    Ulf

  2. Mich würde interessieren, wie die Schüler ohne mobile Ausstattung aufgefangen werden. Ein paar davon soll es ja noch geben ;-) Oder eben die Schüler, die Angst haben, dass Ihren Geräten etwas geschieht und sie diese deshalb nicht mit zur Schule bringen (das kenne ich von meinen Schülern).

    1. Auch darüber werde ich berichten. Wir haben die Fragen aber auch schon diskutiert und an anderen Schulen beobachtet. Dort hatten die Schulen Leihgeräte bereitgehalten, für Schüler, die kein eigenes Gerät hatten. Nachgefragt wurden diese Geräte in der Regel nicht. Entweder wollten Eltern und Schüler, dass das Kind in eine entsprechende Klasse kam und haben dann auch ein Gerät besorgen können, oder es war nicht gewünscht, dass das Kind in die Klasse ging. Nachlesen kann man das zT auch hier.

      Das Problem des Transports umgehen Schulen manchmal, indem die Geräte in einer Anfangsphase in der Schule (!) verbleiben – bei Ganztagsschulen können dann sogar am PC noch die Hausaufgaben gemacht werden.

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