Schulwelt

Schlagabtausch

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Die Sache ist so einfach wie banal: Die Initiative D21 setzt das Projekt „Die besten Lehrkräfte für Deutschland“ fort. Das alleine ist löblich. Denn viele kleine Tropfen bilden irgendwann einen großen Strom. Weil aber hinter der Initiative D21 viel Industrie steht, wird das Ganze mit einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne flankiert. Auch das ist noch nicht verwerflich. D21 gibt eine  Studie in Auftrag, die belegt, dass Deutschland Schlusslicht bei der Medienausstattung und -nutzung in Schulen ist. Die Studie wird exklusiv an „Die Welt“, Rene Scheppler nutzt den Projektblog um das Thema in die Lehrer-Blogosphäre bringen. Und da fährt die Kampagne vor die Wand.

Worum geht es: Die Studie zählt Computer und ihre Nutzung und verortet Deutschland ganz am Ende einer langen Liste. Das deutsche Schulsystem wird als zu starr bezeichnet, mehr Autonomie für Schulen gefordert. Bis hierher ist das ja noch OK. Dann aber bekommen die Lehrer ihr Fett weg: Die Schüler bezeichnen deren Medienkompetenz als unzureichend. Und das kann man natürlich nicht machen ohne sich den berechtigten Unmut der Lehrerschaft zuzuziehen.

Herr Rau setzt sich dann auch kritisch mit der Studie auseinander. Als Bayer mahnt er natürlich den differenzierten Blick in die Länder an und rechnet schnell vor, dass in Bayern alles besser ist. (Nagut, wussten wir eigentlich auch schon. Wenn zieht es bei den Verhältnissen dort nicht in die weiß-blaue Welt?) Es folgt der Hieb gegen die sehr gut ausgestatteten amerikanischen Schulen, die diese Ausstattung nicht nutzen und die Selbstkritik, an einer gut ausgestatteten Schule zu sein, die die Potentiale auch nicht hinreichend nutzt, gefolgt von einer gute Begründung, warum auch ihm Medieneinsatz oft zu aufwendig ist. Ein „interessantes“ Selbstverständnis wird allerdings sichtbar, wenn er sich beschwert, dass die Kinder die nötige Medienkompetenz nicht von Zuhause mitbringen. Da wären wir ja nicht weit davon weg, dass die Eltern ihren Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen und und und beibringen und die Schule nur noch prüft und attestiert. Doch zurück zum Thema: Schließlich verweist er auf einen Beitrag von BeeHive. Dort wird der Industrie vorgehalten, sie würde mit der Studie nur ihre eignen Interessen verfolgen (Hardware und Software verkaufen – Jugendliche auf Produkte einschwören).

Damit haben wir den klassischen und hinlänglich bekannten Schlagabtausch und es stehen sich plötzlich wieder zwei als Gegner gegenüber, die eigentlich an einem Strang ziehen sollten. Die Lehrer verteufeln die Industrie, die nur Geld verdienen will. Und die Industrie schimpft auf die „schlechten“ Lehrer. Besonders ärgerlich: Die Lehrer die sich – zu recht – wehren, sind die, die sich durch ihr Handeln durchaus aus kritisch medienkompetent erweisen. Was geht da nun also schief?

Vielleicht zielen beide aufs falsche Ziel. Die Lösung findet sich – wie so oft – im Kleingedruckten. Diesmal in einem Kommentar der – wie immer  – weisen Lisa Rosa auf Renés Beitrag. 😉

2 Gedanken zu „Schlagabtausch

  1. Hallo Richard,
    ich verstehe manchmal die Aufregung nicht. Das die Industrie Geld verdienen will ist doch klar, oder? Von einem Löwen erwartet man ja auch keine Streicheleinheiten. Das Problem ist aber, wenn „die Industrie“ vorgibt, sie würde sich für genuine Staatsaufgaben einsetzen. Das wird dann, damit es nicht so auffällt oder „platt“ wirkt, in Stiftungen oder Initiativen ausgelagert (=>CSR). Am Ende hat man ein Gemengelage aus Staat, Halbstaat, Stiftungen, Interessensvertretungen, Schulen, Privatschulen, Wirtschaftsverbänden, Freiberuflern und „harter“ Industrie. Wo zieht man da die Grenze? Wahrscheinlich ist diese Grenzziehung und das Grenzmanagement wieder so komplex, da verfällt man lieber ins schwarz-weiß. Das ist schön einfach, hilft aber keinem.
    Frank

  2. Was da schief geht… nichts Wichtiges, denke ich. Es spielt letztlich keine große Rolle, was ein paar Lehrer vor sich hin bloggen. Mich stört nur immer wieder, dass ich die so gerne postulierte digitale Grenzlinie zwischen Lehrern und Schülern in meiner Praxis so nicht sehe.

    Aber vermutlich braucht es Enthusiamus und Übertreibungen, wenn man etwas voranbringen will. Was Schulen aber noch mehr brauchen als neue Rechner oder beschulte Lehrer, das sind funktionierende, will heißen: zuverlässig gewartete Rechner. Ohne die geht nichts. Wartung sollte man fordern. (Oder, aber noch viel mehr Zukunftsmusik, Schüler mit Laptops.)

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