Schulwelt

Bildung ist uns ganz ganz ganz ganz wichtig

Themenwoche „Schule“ beim ZDF. Ein Kernstück ist die Dokumentation „Klasse 09“. Das ZDF begleitet fünf Jugendliche auf dem Weg durch das letzte Schuljahr. Letzten Dienstag gab es den ersten Teil (das erste Halbjahr) gleich nach der Tagesschau. Teil 2 sollte heute folgen, ebenfalls um 20.15. Aber was nimmt der Rechner auf? Die Rosenheim Cops! Im Ankündigungstext heißt es vielversprechend:

Polizeichef Gert Achtziger staunt nicht schlecht, als Marie Hofer, Miriam Stockl und Patrizia Ortmann im feschen Dirndl vor ihm stehen. Die drei Damen sind zum so genannten Fensterln verabredet.

Die Doku ist auf den hoch attraktiven Sendeplatz Mittwochabend 22:15 verschoben. Warum? Wahrscheinlich, weil dem ZDF das Thema so wichtig ist, dass es damit ganze Innenstädte zu plakatiert, aber es dann doch nicht allen zugänglich machen will. Oder bringt „Schule@primetime“ nicht die gewünschte Quote?

Aber auch ein Blick in die Sendung (den ersten Teil) ist ernüchternd. Es geht um „Entscheidungen“, „Abschiede“, „Chancen“, „die Zukunft“. Die Jugendlichen wollen

  • sich anstrengen
  • nochmal alles geben
  • alles geben
  • jetzt so richtig Gas geben
  • ranklotzen

Große Worte und beeindruckende Bilder: Der Rhein, die Alpen, die Ostsee und Berlin: Deutschland.

Und Emotionen: Die letzte Fahrt über den Rhein, Rosen für den Fährmann, die junge Beziehung auf dem Prüfstand. Aber (fast) nicht darüber, wie sie dass denn nun machen, das Ranklotzen, das Pauken, das Lernen, wie sie sich in der Klasse organisieren, wie die Lehrer sie unterstützen. Die Klasse 09 ein Ort der Emotionen und der großen Worte, aber kein Raum zum Lernen.

Schade eigentlich, dass keiner gefragt hat, was den helfen würde beim Lernen und was der Computer, der auf jedem Schreibtisch  zu sehen ist, damit zu tun hat.

Um im Bilde zu bleiben:

Ich bin habe große Sorge, dass du liebes ZDF das Klassenziel nicht erreichen wirst. Das du dich nun auch noch verspätest lässt nichts Gutes erwarten. Streng dich morgen nochmal richtig an, hau rein, gib alles, dann kommst du vielleicht nochmal mit einem blauen Auge davon.

5 Gedanken zu „Bildung ist uns ganz ganz ganz ganz wichtig

  1. @Sandra: Natürlich funktionieren die Nachrichtenfaktoren. Mein Einwand war auch nicht derart, dass man da was Falscehs lehren würde – das kann ich ja gar nicht beurteilen. Mein Einwand ist, dass man nur lehrt, was ist, was sich aktuell beschreiben lässt und dass man sich wenig normative Gedanken macht, was sein soll. Das nur zur Klärung.

    @Richard: Ich gebe dir ja recht. Es war auch ein bisschen ironisch gemeint mit dem „Was erwartest du …“. Aber Fakt ist doch, dass man mit seriöser Berichterstattung eher wenig Geld machen kann und man wiederum aus Kostengründen gerne die schnellen und einfachen Wege der Recherche geht.

    Gabi

  2. Hallo Gabi, hallo Sandra,

    da auch Teil 2 nicht besser war als Teil 1 versprach, schenke ich mir den ergänzenden Beitrag und komme zu euch in die Kommentare. 🙂

    Es ist ja zunächst einmal in Ordnung, dass Medienschaffende keine Bildungswissenschaftler sind. Aber von einem guten Journalisten würde ich erwarten, dass er sich Experten an die Seite holt. Und die waren nicht wirklich zu erkennen. Weder die „richtigen“ noch die „falschen“. Und das muss man ihnen zum Vorwurf machen: Sie haben es sich zu einfach gemacht!

    Und die Prime Time (egal ob öffentlich oder nicht) erreicht natürlich eher die Breite als der Mittwochabend um 23:00… da kann ich meinen persönlichen Nischenprogrammen (http://www.appendix-blog.de/2009/10/09/auf-nach-frankfurt/) frönen, aber das geht auch schon besser per Podcast.

    Also: Die Berichterstattung über Schule (und aus unserer Sicht über Schule und Medien) ist wichtig. Sie gehört auch in „große“ Fernsehen. Aber ich würde mir wünschen, die Leute dort würden mal bei euch in Augsburg oder bei uns in Duisburg nachfragen, BEVOR sie drehen. OK, drei, vier andere Orte würden mir auch noch einfallen, wo man fragen könnte. 😉

    Grüße in den Süden!

    Richard

  3. Hallo Ihr,

    hm, ich sehe ein größeres Problem in den Fernseh“anstalten“ selbst. Denn sie sind in der Lage, Themen auf die Agenda zu setzen oder nicht. Und es eben auch – etwa bei schlechten Einschaltquoten – durchzuhalten. Ich glaube tendenziell nicht, dass es hier am Thema „Bildung“ liegt – bei anderen Themen wird das genauso gehandhabt (so werden regelmäßig teure Eigenproduktionen abgesetzt, wenn sie nicht laufen, oder eben auf ungeliebte Sendezeiten verschoben… das leidige Postulat der Ökonomie). Von daher würde ich mir mehr Durchsetzungsvermögen und Stärke insbesondere von den öffentlich-rechtlichen (ö-r) Sendern wünschen. Auch um ihren Programmauftrag weiter zu erfüllen und sich wieder mehr von privat-kommerziellen Anbietern zu unterscheiden. Denn der Einheitsbrei im deutschen Fernsehen (Konvergenz) kann sich nicht mehr lang halten, da sich Zielgruppen unterscheiden, teils gar nicht mehr als solche identifizierbar sind und erste Medienformate bereits der Hybridisierung und Individualisierung Rechnung tragen. Das gilt nicht für die großen Anbieter im deutschen Fernsehen, sondern eher für kleine Formate, die vorwiegend im Internet stattfinden. Ich würde daher ungern alle Medienleute in einen Topf werfen… ein paar haben durchaus erkannt, wohin der Weg geht. Nur sind die nicht Mainstream und produzieren anderswo als in der Prime Time des ö-r Fernsehens 😉

    Viele Grüße,

    Sandra

    PS: Prinzipiell stimme ich Gabi natürlich zu, dass man sich in der Kommunikationswissenschaft stark auf alte Erkenntnisse beruft und erst langsam auf den Trichter kommt, neue Entwicklungen im Medienbereich zu erforschen. Wobei ganz interessant ist, dass gerade Nachrichtenfaktoren offenbar immer noch funktionieren (selbst, wenn man sich Blogs und die Abrufzahlen ansieht!). Nur gibt es nicht mehr ein Medium, das ausgewählte Informationen in die Welt trägt, sondern viele, wodurch es prinzipiell mehr News auf die Agenda schaffen können… zumindest auf die private von den Leuten, die sich die „Nachrichten“ nach ihrem Geschmack zusammenstellen und nicht mehr auf die 20.00-Uhr-Tagesschau warten (bzw. dies nur ergänzend schauen). Was sich also verändert und in der Kommunikationswissenschaft mit Sicherheit neu gedacht werden muss, ist Wandel und heutige Rolle des „Rezipienten“.

  4. Hallo Richard,

    was erwartest du von den klassischen Medien? Schau dir doch an, was angehende Medienleute in ihren Studengängen, in Journalismus und Kommunikationswissenschaften z.B., lernen – Nachrichtenfaktoren etwa (nur so als Bsp. gedacht). Das soll Antwort geben auf die Frage, was beim Publikum ankommt und was nicht. Die Wissenschaftler beschreiben hier, wie die Realität funktioniert, bringen den Studierenden bei, wie die Realität ist und diese tragen dann dazu bei, dass die Realität bleibt, wie sie ist – wie sie es gelernt haben. Der Versuch, Bildungs- und Kommunikationswissenschaft wie bei uns zusammenzudenken, ist und bleibt schwierig: Der bildungsiwssenschaftliche Anteil ist bei den Studierenden eher der ungeliebte. Was ich sagen will: Auch die Ausbildung von Medienleuten spielt vielleicht ein wenig eine Rolle bei der Beobachtung, die wir machen können – u.a. gilt das auch für deine aus meiner Sicht völlig berechtigte Kritik.

    Gabi

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