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Google is evil

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Vor einigen Tagen machte sich Michael Kerres Gedanken, warum Microsoft und Google mit ihren Online-Angeboten keine Chance auf dem deutschen Bildungsmarkt haben. Seit einiger Zeit nutze ich vor allem auch Google-Dienste, die ich bisher nur privat nutzen konnte auch dienstlich und bin damit sehr zufrieden, stoße aber allgemein und vor allem im Gespräch mit „Leuten aus dem Bildungsbereich“ immer wieder auf große Skepsis, die sich zunächst (fast) immer mit dem Slogan „Google is evil“ oder manchmal auch auf Deutsch „Google ist böse“ Bahn bricht.

Wenn man dann nachfragt, dann wird es ein wenig differenzierter: Grundsätzlich wird Google zugetraut, Daten vor dem Zugriff unberechtigter Dritter gut schützen zu können. Die Frage ist aber: Was macht Google mit den Daten? Wie genau schauen die hin? Und wem Verkaufen die meine Daten oder das, was sie daraus lernen. Schließt Google aus meinem Surf-  und Suchverhalten auf meine Medienkompetenz? Analysieren Sie mein Mailaufkommen zeitabhängig und können daher aussahen über meinen Einsatz am Arbeitsplatz machen? Und geben sie dieses Wissen an andere (vielleicht sogar potentielle Arbeitgeber) gegen Bezahlung weiter? So oder ähnlich sind die Befürchtungen.

Gegenzeichnet sind sie durch eine passive Haltung, Hier spricht die Angst, man könne schlecht über mich reden – wobei: Wenn die Analysen gut wären, wäre es ja nur „die Wahrheit“… Und es spricht die, ja ist es Selbstüberschätzung ich als einzelne Person könne für Google von Interesse sein.

Ich sehe die Gefahr eher auf einer anderen Ebene. Google nutzt die Daten um die Werbeangebote zu optimieren und mir damit Dinge zu verkaufen, die ich eigentlich gar nicht will. Und das machen sie noch nicht einmal besonders gut. Andere machen das besser. Ein paar Beispiele: Vor 13 (!) Jahren war ich in meiner damaligen irischen WG u.a. für den Einkauf von Toilettenpapier zuständig – und kaufte daher überproportional viel 2-Lagiges. Ich war im Besitz einer „Better-Value-Card“ und erhielt regelmässig Gutscheine  für besseres (4-lagig) und teureres Papier. Gut gemacht… gewirkt hat es nicht, ich hatte die WG-Kasse im Blick.

Amazon bietet mir immer wieder Produkte (und bei Leibe nicht nur Bücher) an, die andere die das von mir gewählte Produkt gekauft haben, ebenfalls gekauft habe. Da habe ich schon manchen hilfreichen Tipp bekommen.

Auf meinem Computer ist eine Bildbearbeitungssoftware, die mir gleich anbietet aus meinen Bilder ein Fotoalbum zu machen und dieses bei einem Dienstleister ausdrucken, hübsch verpacken und an die Oma schicken zu lassen. Das ist bequem und teuer.

Ein Freund wurde vor fast drei Jahren erstmals Vater, damals mailten wir unter anderem über das Wechseln von Babywindeln. Google warb in der rechten Spalte für tena lady. Vor wenigen Wochen wurde er erneut Vater und es gab eine ähnliche Mail. Der Werbeeintrag, der noch am besten zum Inhalt der Mail passte, war dieser. Viel gelernt hat Google da in den letzten Jahren offensichtlich nicht…. außer dass ich älter werde und damit der Zielgruppe näher komme… aber noch nicht nahe genug.

Worum es mit geht: In allen Fällen werten Unternehmen aus, wie ich mich verhalten, um mir daraufhin passgenau Angebote zu machen, die mein Leben schöner, besser, bequemer, aufregender oder eben entspannter machen. Dabei geht es ihnen aber nicht um mich als Person, sondern schnöde um mein Geld. D.h. ich muss mich damit abfinden, eigentlich uninteressant zu sein. Aber ich bin auf einmal auch in einer anderen Rolle: Ich kann den Versuchen mir in die Tasche zu greifen, aktiv begegnen: Im Supermarkt, habe ich weiterhin das billige Papier gekauft. Angebotene Bücher waren zwar durchaus schonmal interessant, aber auch bei Tauschticket zu bekommen. Das Fotoalbum gab es beim Drogeriemarkt um die Ecke mit weniger Komfort aber zu einem deutlich günstigeren Preis. Tja, und Google Angebot liefen ins Leere.

Also: Ja, die Welt ist böse. Und der Kapitalismus will nur an meinen Kies. Aber ich lebe in dem (Irr-?)Glauben, damit umgehen zu können. An die übergeordneten Verschwörungstheorien zwischen Headhuntern und Suchmaschinen will ich noch nicht glauben.

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