Monats-Archive: September 2009

Is Google Evil?

Nach dem nur wenig subtilen Werbblog-block der letzten Woche ist nun an der Zeit, die kleine Google-Serie zu beenden. Auch wenn der erste Teil nur wenig Scrollradbewegungen weiter unten steht, gibt die mir Werbepause aber die Gelegenkeit für einen kleinen “Was-bisher-geschah”-Einspieler.

Also:

Ausgangspunk war die Frage: Warum googles Angebote auf dem deutschen Bildungsmarkt keinen Anklan finden. Ich habe die Vermutung geäußert, dass es die Angst davor ist, dass googel vielleicht unachtsam mit den Daten seiner User umgehe, ohne das diese darauf Einfluß hätten. Meiner Meinung nach aber basiert das Geschäftsmodell eben auf einem achtsamen Umgang mit Daten, gleichwohl aber auf deren Auswertung zu Werbzwecken. Der wesentliche Unterschied: Im ersten Fall wäre der User dem Treiben des Datensammlers hilflos ausgeliefert, im zweiten Fall könnte er eventuell davon provitieren.

Wie auch immer. Das Ganze leitete etwas weg von der Frage der google’schen Bildungsangebote. Denn die sind komplett werbefrei. Und Sie sind gut. Was mich besonders beeindruckt: Viele der Werbzeuge sehen aus, als wäre der Designer auf halbem Wege durch einen Praktikanten ersetzt worden. Wo andere einen Riesenaufwand treiben bunte und hilfreich Buttons und vermeintlich userfreundliche Navigationen aufzubauen, herrscht bei google Schlichtheit. Und die lässt sich erstaunlich intuituv bedienen, flexibel nutzen und leicht administrieren.

Doch warum dann die Zurückhaltung. Meine Vermutung (neben der Angst vor der Datengier): Die Angst vor dem Unbekannten. Und da geht es denn gar nicht so sehr um google. Da ist google, wie Mircosoft nur Stellvertreter. Es geht, so vermute ich darum, dass mir als Lehrer die Sicherheit genommen wird, dass Geschehen zu überblicken, zu wissen, was passiert. Bin ich auf der schuleigenen Plattform unterwegs, kann ich mich wenigstens dem (Irr-)Glauben hingeben, alles im Blick zu haben. Schöner als ich dies Angst vor dem Unbekannten und den Gefahren des Internets hätte beschreiben können, hat dies Nancy Shui-Yen Cheng vom E.M.A. in Bonn getan. Und damit auch gleich den Ausweg aufgezeigt. Denn die vielschichtige, selbstkritische und unaufgeregte Auseinandersetzung der Lehrerin mit den (vermeintlichen und realen)  Gefahren und Untiefen des Internets ist der “Weg aus der Krise” (um noch einmal einen Slogan der letzten Wochen zu missbrauchen, der nun mehr in der Versenkung verschwinden wird). Nur so kann aus dem Fremden Vertrautes werden. Das ist wahrscheinlich ein schwieriger, langer Weg, bei dem behutsam jeder Schritt erst nach festen Stand tastet, aber er ist gangbar.

Und für den jenigen, der diesen Weg gegangen ist, verlieren auch große Anbieter ihre Stellvertreterfunktion und ihre Angebote können neu bewertet werden, vor allem unter dem Aspekt: Was nutzen sie mir und meiner Einrichtung und dann komme ich zu neuen Ergebnissen und dann steht da eher “google is education”.

N.B.: Eine kleine Hürde gibt es dann doch noch zu nehmen: All die Betreiber kleiner Server in Schulen und bei Schulträgern lieben ihre Server. Und auch ich pflege eine Website lieber mit Drupal als mit google sites. Einfach weil es mir Spaß macht, Module auszutesten und in Skripten rumzufummeln.

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2 Wettbewerbe

Aus gegebenem Anlass möchte ich hier noch auf zwei Wettbewerbe hinweisen:

ExaMedia NRW

Der Wettbewerb möchte die Auseinandersetzung künftiger Lehrerinnen und Lehrer mit den Chancen und Möglichkeiten des Lehrens und Lernens mit digitalen Medien fördern.

Durch den Wettbewerb ExaMedia NRW sollen Lehramtsstudierende und Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter darin bestärkt werden,

  • digitale Medien innovativ in der schulischen und wissenschaftlichen Arbeit einzusetzen;
  • Voraussetzungen, Bedingungen und Ergebnisse von Lehr- Lernkonzepten zu erforschen;
  • den Mehrwert digitaler Medien in Lehr- und Lernprozessen anhand eigenständiger Überlegungen zu entfalten und
  • digitale Medien in Schulentwicklungsprozesse einzubinden.

Weitere Informationen hier.

D-Elina

Auch in diesem Jahr suchen wir innovative Lösungen, pfiffige Ideen und kreative Köpfe. Prämiert werden erfolgreiche und erfolgversprechende innovative Konzepte und Lernszenarien, die beispielhaft digitale Technologien und Tools integrieren (E-Learning).
Ihr könnt ab sofort Eure Beiträge einreichen. Verliehen wird der Preis im Februar 2010 auf der LEARNTEC, der Leitmesse für Bildungs- und Informationstechnologie, in Karlsruhe. Neben attraktiven Geld- und Sachpreisen habt Ihr die Möglichkeit direkte Kontakten zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen. Denn auch in diesem Jahr besteht für alle nominierten Projekt die Möglichkeit sich auf der Sonderausstellungsfläche der LEARNTEC der Presse und Fachöffentlichkeit zu präsentieren.

Wie im Vorjahr wird auch 2010 ein Sonderpreis für innovative Lösungen von am Markt erfahrenen Unternehmen vergeben.

Weitere Informationen hier.

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Duisburg Learning Lab

Für alle Onkeln und Tanten und sonstigen Verwandten, Karnevalsvereinmitgliedern, Joggingpartnern, Nachbarn, Straßenbahnhaltestellenbekanntschaften und andere Interessierte, denen ich in den letzten Wochen erklärt habe, was ich jetzt mache und wo ich dies tue, gibt es jetzt ein Video über das Duisburg Learning Lab, in dem alles sehr anschaulich erklärt wird.

Duisburg Learning Lab der Universität Duisburg-Essen from Britta Voß on Vimeo.

Weiterlesen kann man dann hier und hier.

Alle die schon wissen, was das Duisburg Learning Lab ist, bietet der Film ein aktuelles Update und ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

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Kosmopolit – zuhause

Der Köln ist ja Kosmopolit, wenn er zuhause bleiben kann. Die bekannte Tatsache hat mein lokaler Telekommunikationsanbieter nun sehr schon filmisch umgesetzt. Auf der Startseite den Film “Weltreise” (der mittlere) starten. ;-)

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Google is evil

Vor einigen Tagen machte sich Michael Kerres Gedanken, warum Microsoft und Google mit ihren Online-Angeboten keine Chance auf dem deutschen Bildungsmarkt haben. Seit einiger Zeit nutze ich vor allem auch Google-Dienste, die ich bisher nur privat nutzen konnte auch dienstlich und bin damit sehr zufrieden, stoße aber allgemein und vor allem im Gespräch mit “Leuten aus dem Bildungsbereich” immer wieder auf große Skepsis, die sich zunächst (fast) immer mit dem Slogan “Google is evil” oder manchmal auch auf Deutsch “Google ist böse” Bahn bricht.

Wenn man dann nachfragt, dann wird es ein wenig differenzierter: Grundsätzlich wird Google zugetraut, Daten vor dem Zugriff unberechtigter Dritter gut schützen zu können. Die Frage ist aber: Was macht Google mit den Daten? Wie genau schauen die hin? Und wem Verkaufen die meine Daten oder das, was sie daraus lernen. Schließt Google aus meinem Surf-  und Suchverhalten auf meine Medienkompetenz? Analysieren Sie mein Mailaufkommen zeitabhängig und können daher aussahen über meinen Einsatz am Arbeitsplatz machen? Und geben sie dieses Wissen an andere (vielleicht sogar potentielle Arbeitgeber) gegen Bezahlung weiter? So oder ähnlich sind die Befürchtungen.

Gegenzeichnet sind sie durch eine passive Haltung, Hier spricht die Angst, man könne schlecht über mich reden – wobei: Wenn die Analysen gut wären, wäre es ja nur “die Wahrheit”… Und es spricht die, ja ist es Selbstüberschätzung ich als einzelne Person könne für Google von Interesse sein.

Ich sehe die Gefahr eher auf einer anderen Ebene. Google nutzt die Daten um die Werbeangebote zu optimieren und mir damit Dinge zu verkaufen, die ich eigentlich gar nicht will. Und das machen sie noch nicht einmal besonders gut. Andere machen das besser. Ein paar Beispiele: Vor 13 (!) Jahren war ich in meiner damaligen irischen WG u.a. für den Einkauf von Toilettenpapier zuständig – und kaufte daher überproportional viel 2-Lagiges. Ich war im Besitz einer “Better-Value-Card” und erhielt regelmässig Gutscheine  für besseres (4-lagig) und teureres Papier. Gut gemacht… gewirkt hat es nicht, ich hatte die WG-Kasse im Blick.

Amazon bietet mir immer wieder Produkte (und bei Leibe nicht nur Bücher) an, die andere die das von mir gewählte Produkt gekauft haben, ebenfalls gekauft habe. Da habe ich schon manchen hilfreichen Tipp bekommen.

Auf meinem Computer ist eine Bildbearbeitungssoftware, die mir gleich anbietet aus meinen Bilder ein Fotoalbum zu machen und dieses bei einem Dienstleister ausdrucken, hübsch verpacken und an die Oma schicken zu lassen. Das ist bequem und teuer.

Ein Freund wurde vor fast drei Jahren erstmals Vater, damals mailten wir unter anderem über das Wechseln von Babywindeln. Google warb in der rechten Spalte für tena lady. Vor wenigen Wochen wurde er erneut Vater und es gab eine ähnliche Mail. Der Werbeeintrag, der noch am besten zum Inhalt der Mail passte, war dieser. Viel gelernt hat Google da in den letzten Jahren offensichtlich nicht…. außer dass ich älter werde und damit der Zielgruppe näher komme… aber noch nicht nahe genug.

Worum es mit geht: In allen Fällen werten Unternehmen aus, wie ich mich verhalten, um mir daraufhin passgenau Angebote zu machen, die mein Leben schöner, besser, bequemer, aufregender oder eben entspannter machen. Dabei geht es ihnen aber nicht um mich als Person, sondern schnöde um mein Geld. D.h. ich muss mich damit abfinden, eigentlich uninteressant zu sein. Aber ich bin auf einmal auch in einer anderen Rolle: Ich kann den Versuchen mir in die Tasche zu greifen, aktiv begegnen: Im Supermarkt, habe ich weiterhin das billige Papier gekauft. Angebotene Bücher waren zwar durchaus schonmal interessant, aber auch bei Tauschticket zu bekommen. Das Fotoalbum gab es beim Drogeriemarkt um die Ecke mit weniger Komfort aber zu einem deutlich günstigeren Preis. Tja, und Google Angebot liefen ins Leere.

Also: Ja, die Welt ist böse. Und der Kapitalismus will nur an meinen Kies. Aber ich lebe in dem (Irr-?)Glauben, damit umgehen zu können. An die übergeordneten Verschwörungstheorien zwischen Headhuntern und Suchmaschinen will ich noch nicht glauben.

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Entschleunigung

Schnell, schnell da gibt es was neues, tolles im Internet. Wenn ihr noch schnell einsteigt, seit ihr von Anfang an dabei. Wer ab jetzt dabei ist, kann noch alles nachholen, soviel ist noch nicht passiert.

Giesbert Damaschke veröffentlicht den Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller neu. Als Blog. In Echtzeit. Ich habe den RSS-Feed seit ein paar Monaten abonniert. Es macht nicht nur Spaß, die Briefe wieder zu lesen. Ihr Auftauchen zwischen all den täglich, wöchentlich und leider auch stündlich aktualisierten anderen Feeds ist beruhigend langsam. Ich empfehle den Feed als Metronom in den Reader einzubauen.

Aber auch dem schnellen sei Tribut gezollt: Ein Interview von Denis Scheck mit Rüdiger Safranski über die Freundschaft der beiden Briefeschreiber.

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Bildungsexpedition

Gestern war die Bildungsexpedition bei uns in Duisburg. Die Mädels und Jungs haben in 10 Tagen ein irres Pensum vor. Beachtlich, dass sie nach 4 Tagen noch aussahen, wie der junge Morgen.

Einer der schönsten Sätze für mich in dem fast dreistündigen Gespräch:

Es gibt auch ganz normale Schulen, die tolle Sachen machen!

Das ist wahrscheinlich auf das spannenden an einer solchen Expedition: Man findet Perlen, wo man sie zunächst vielleicht nicht vermutet.

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Unboxing – Schreibschrift und bunte Klinger

Keine Sorge: Hier folgt eine Geschichte “Wie ich mein neustest Spielzeug aus dem Karton hole”. Aber es geht schon um ein neues Geräte, das mich vor einigen Tagen per Post erreichte. Der neue Classmate PC. Die 3. Generation ist als TablettPC realisiert. Die Frage nun: Hilft das beim Lernen? Und wem?

Von Schulversuchen kann ich noch nicht berichten, aber ich habe “den Kleinen” einfach mal in der Küche liegen lassen, wo er sogleich von meiner Tochter entdeckt wurde. “Papa, ist das ein neuer Computer? Darf ich den mal ausprobieren?” Schnell war die Stifteingabe entdeckt und als cool bewertet. “Papa, kann man da auch was mit machen? Malen, oder so?” Malen geht, auch spielerische Experimente mit dem vorinstallierten Algodoo. Aber das motivierte nicht lange. “Papa, was sollten denn die Kinder damit in der Schule machen?” “Was macht ihr denn gerade?”"Schreibschrift und bunte Klinger.” “Ok! Dann schreibt mir doch mal auf, was du heute gemacht hast – in Schreibschrift. Und dann machst du die bunten Klinger bunt, so wie im Heft.”

Die Handschrifterkennung ist intuitiv bedienbar. Ihr wird der wortlose Vorwurf , nicht deutlich geschrieben zu haben, nicht nur verziehen, er weckt den Ehrgeiz leserlich zu schreiben. Die wenigen Klicks zum farblichen Markieren der bunten Klinger (Vokale!) sind schnell erklärt. Nach einer Viertelstunde schauen wir uns das Ergebnis gemeinsam an. Das berichtigen von Fehler erfordert jetzt aber doch das Öffnen der Tastatur und die Arbeit mit dem Touchpad. Frage zum Schluß: “Papa, darf ich den auch mal mit in die Schule nehmen?” “Mal gucken!”

Spannend ist das schon und ich kann mir vorstellen, dass sich hier tatsächlich sinnvolle Einsatzszenarien besonders in der Grundschule umsetzen lassen.

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Anfänge

Willkommen und Abschied liegen ja bekanntlich manchmal nahe beieinander. Besonders wenn die Reihenfolge andersherum ist und auf den Abschied ein Anfang folgt. Nach dem Abschied von Schulen ans Netz und meinem “Naturwissenschaften-entdecken!”-Team folgte schon Mitte Juli der Anfang in Duisburg bei Michael Kerres. Eine ganze Reihe netter Kolleginnen und Kollegen hat mir den Anfang dort leicht gemacht.

Heute nun startet unser erstes Schulprojekt. Mit fünf Lehrerinnen und Lehrer von drei Gesamtschulen aus Krefeld und Meerbusch haben wir den ersten Durchgang des Schülerkollegs geplant. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Schulen, die Besuche der Schülerinnen und Schüler und auf deren Sicht auf die Medienwelt.

Vor allem aber freut es mich, nun rheinabwärts dem Thema “Schule und Medien” meine Aufmerksamkeit schenken zu dürfen.

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