Listen, die die Welt erklären

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Es mindestens 10 Jahre her, da veröffentlichte eine deutsche Wochenzeitung die „Listen, die die Welt erklären“.  (Gefunden habe ich sie heute noch hier.) In all diesen Listen war mein absoluter Lieblingssatz dieser:

„Ich klau mir was vom Aufschnitt, Reiner.“

Und was hat das mit der deutschen Bloggerszene 2009 zu tun? Ganz einfach: Die Süddeutsche erklärt uns mit einer Liste, warum wir nicht bloggen!
Michael Kerres hat auf die Liste aufmerksam gemacht und dazu aufgerufen, sie zu kommentieren. Gabi Reinmann hat das ausführlich getan und dort, in einem Kommentar findet sich ein Hinweis, der die Liste erklärt. Plötzlich geht es nicht mehr darum, dass „wir Deutschen“ nicht bloggen, sondern darum, dass wir keine Zeitung mehr lesen und ein übereifriger Journalist ein paar Details vergessen hat. Denn dem Amerikaner, der die Liste aufstellte, ging es gar nicht um „den deutschen“ Blooger, sondern um den deutschen „Wirtschaftsblogger“. Und der Süddeutschen versucht wohl in einem verzweifelten Kampf um die Gunst der Leser das Web 2.0 „wegzuschreiben“. Das ist eigentlich sehr schade – und wahrschenlich der falsche Weg. Aber geschenkt.

Die Liste der Thesen ist gut und die Beiträge, die sich nun in diversen Blogs sammeln, zeigen, wie sie geeignet ist, sich über sein eigenes Bloggen zu vergewissern. Das ist gut, findet aber wieder im Kreise der „usual suspects“ statt. Was mir noch an der Liste aufgefallen ist: Der Autor hat ganz offensichtlich ein bestimmtes Deutschlandbild. Ein Deutschlandbild, das ich an vielen Stellen nicht teile. Umgekehrt hätte ich Eigenschaften, die er uns zuweist, eher den Amerikanern zugewiesen. Der Aspekt des Interkulturellen an dieser Liste, wäre einen eigenen Beitrag wert.

Soweit war ich mit meinen Erkenntnissen bis heute morgen. Und hatte beschlossen, dass ich zu dem Thema hier nichts sage. Bis mich im Laufe des Tages mehrer Mails dazu bewegten, meine Meinung zu ändern. Mein eigenes Bloggen wird ja nun von verschiedenen Seiten auch kritisch beäugt. Und aus diesen Richtungen erschallten heute die Unkenrufe:

„Hast du es gelesen, bloggen funktioniert in Deutschland nämlich nicht. Ätsch Bätsch. Kannst du nämlich lesen, bei Spiegel-Online.“

Vielleicht sollte die Süddeutsche nicht gehen die Blogger wettern, sondern sich mit ihnen gegen die nicht bloggenden Spiegel-Online-Leser verbünden. Nur so als Idee…

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