Getwittert – und jetzt

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Ich gestehe, ich habe getwittert. Ungefähr einen Monat lang und (fast) anonym. Und habe ich was dabei gelernt? Ja! Und ich denke, ich werde mir überlegen, demnächst regelmässiger zu twitter. Auch, wenn das Ganze wahrscheinlich eine Episode ist, die in 2 Jahren keine Bedeutung mehr haben wird, so kann es doch ein Werkzeug sein, das sich hier und heute für unterschiedliche Zwecke nutzen lässt. Haben wir nicht auch alle einmal gedacht, der AOL-Satz „Sie haben Post!“ wäre der Satz des neuen Jahrtausends – und wer hört ihn heute noch, aber wohin hat er uns geführt.
Aber eins nach dem anderen:

Die selbst auferlegte Regel:

  • Ich setzte einen Monat lang ein Update am Tag ab, nicht mehr und nicht weniger.  Ich habe dabei immer Sätze geschrieben, die ich an diesem Tag gehört oder gelesen habe, oder Zitate, die mir in einer Situation des Tages eingefallen sind, oder Gedanken, die mir durch den Kopf gegangen sind. Ich habe dies vor allem gemacht, damit die, denen ich folgte, wenn sie nachschauten, wer da hinter ihnen her war, auch was zu lesen hatten.
  • Ich antworte nicht auf andere Updates, damit ich mich nicht vorschnell in das allgemeine Gezwitscher hineinziehen lasse. Ich wollte ja mal schnuppern, aber auch Abstand halten.
  • Ich folge einer Reihe von Leuten. Das war das wesentlich: Einmal kontinuierlich zu beobachten, welche unterschiedlichen Stimmen sich denn da in dem Gezwitscher heraushören lassen. Ich habe Leute ausgewählt, die ich kenne, und Leute, die Leuten folgen, die ich kenne, und Leute, die interessante Profilbilder oder Namen haben, und Leute, von denen mir ein Update, warum auch immer, aufgefallen ist.

Das Ergebnis:

  • Ich habe eine Wette verloren.
  • Ich folge 49 Leuten, werde von 11 verfolgt und habe 33 Updates geschrieben. (Jetzt folge ich in diesem Account niemandem mehr, damit sich keiner von meinen Aussagen getroffen fühlt.)
  • Ich bin Leuten gefolgt, die mich morgens begrüßt haben und sich abends von mir verabschiedet haben. Einer hat das so grummelig getan, den hätte ich aus jeder WG geschmissen.
  • Ich weiß jetzt, nicht nur Elvis, auch Niklas Luhmann lebt.
  • Ich habe noch keine genau Vermutung, wann die studentische Hilfskraft von Franz Müntefering arbeitet. Ich habe viel banales gelesen, das mich so gelangweilt hat, im echten Leben, wäre ich aus dem Zimmer gegangen oder eingeschlafen.
  • Ich habe Leuten bei der Arbeit zugeschaut. Manche könnte ich sogar beim gemeinsamen Arbeiten beobachten.
  • Ich habe gesehen, wie Twitter Leute miteinander verbindet, die weit entfernt sind.
  • Ich bin auf viele interessante Seiten im Netz aufmerksam gemacht worden.

Fazit:

  • Wie so manches kann auch Twitter zum Guten und zum gut Gemeinten genutzt werden.
  • Wahrscheinlich ist Twitter ein gutes Instrument für PR und Marketing.
  • Wenn ich den Kreis, derer denen ich folge, gute wähle, kann ich einen Tag lang arbeiten und fühlen, dass es andere auch tun und dass wir an der gleichen Sache arbeiten.
  • Ich kann mich mit diesen Leuten gut und schnell austauschen.

Alles prima! Ich kann also mit Twitter eine Menge lernen, wenn ich das will. Kann ich das auch im Unterricht? Wahrscheinlich ja, aber dadurch wird sich der Unterricht nicht ändern. Dadurch findet keine Revolution statt. Twitter ist nett, es macht Spaß und es ist informativ. Aber es wird eine Episode bleiben. Wetten?

2 Gedanken zu „Getwittert – und jetzt

  1. Ja, es ist richtig: Das Werkzeug ist mächtig. Die Idee gut… und ich leide bereits unter Entzugserscheinungen. Aber, dass twitter.com Episode bleiben wird, darauf würde ich wetten.

  2. Hallo Richard, „mal schnuppern, aber auch Abstand halten“ klingt super. Ich denke nicht, dass das Ganze in zwei Jahren bedeutungslos sein wird.

    Twitters Prinzip der SMS-basierten, öffentlichen Kurzkommunikation, angereichert durch @replies und #hashtags ist sehr mächtig, insbesondere vom Handy und beim informellen Lernen. Den Unterricht wird es nicht revolutioren, aber anreichern.

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