Wenn es doch so simpel wäre

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Auf den Stunden, die ich tätglich auf der Autobahn verbinge, höre ich zur Zeit noch die Lesungen, die WDR5 auf der LitCologne mitgeschnitten hat. Dass es da eine Lesung mit Werken von Jaroslav Hašek gab, hatte ich „aus dem Augenwinkel gesehen. Dass das Buch, aus dem gelesen wurde, von Viktor Böll zusammengestellt wurde, wusste ich nicht. Und so traf mich die Nachricht am Beginn der Lesung völlig unvorbereitet auf der A59 kurz vor Spich.

Viktor Böll ist tot. Und das schon seit dem 31.1.

1995/96 habe ich einige Monate als studentische Hilfskraft bei Viktor Böll im Stadtarchiv gearbeitet. Dort erlangte er für mein Leben eine Bedeutung, die uns beiden wohl damals nicht im mindesten bewusst war. Am Ende meines Studiums war für mich klar: Ich möchte für eine Weile ins Ausland. Polen und Tschechien standen oben auf der Liste, was die Angebote anging. Mein Wunschziel war aber Irland. Doch dort waren keine passenden Stellen erkennbar. Bis er eines Tages auf eine Frau deutet, die für ihre Promotion recherchierte und mir sagte: Red mal mit der, die geht nach Irland.

Das Gespräch hatte (to make a lang story short) zur Folge, dass ich wenige Monate später in einem LKW neben eben dieser Frau saß und wir unsere Habseligkeiten nach Irland brachten.

Zwei „Ergebnisse“ dieses Irlandaufenthaltes: In einem Raum, den wir damals CALL-Lab (Camputer assisted language learning)  nannten, begann meine Auseinandersetzung mit dem Internet als Lernwerkzeug. Mit dem Besuch einer alten Freundin in Limerick begann die bis heute glücklichste Zeit meines Lebens.

Im Archiv stand eine Bank aus dem Nachlass Heinrich Bölls, auf der Viktor Böll oft in der Kaffeepause saß und Geschichten von seinem Onkel erzählte. Besucher, die ebenfalls auf der Bank Platz nahmen, irritierte er oft, wenn er ihnen sagte, sie säßen auf dem Platz von Solschenizyn gesessen und Tee getrunken habe.

Während der Jahre in Irland besuchte ich das Archiv immer wenn ich in Köln zu Besuch war. Danach schlief der Kontakt langsam ein. Viktor Bölls Ruhe, Gelassenheit, Freundlichkeit und Zuversicht mit der er sich durch das Archiv bewegte, hat mir in der damaligen Umbruch und Orientierungsphase nach meinem Studium viel Zuverischt gegeben.

Das Nachwort zu Sammlung der Hašek-Texte ist Viktor Bölls letzter Text. Konrad Beikircher hat ihn auf der LitCologne gelesen.

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