Sex im Radio

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Werktäglich fahre ich die A59 vom Dreieck Heumar in Köln bis zum Kreuz Bonn Ost. Dort wechsle ich auf die A 562 nach Bad Godesberg. Folgt man der A59 weiter Richtung Süden wird Sie zu Autostraße und ein Tunnel signalisiert den Anfang des Siebengebirges.

Es muss schon einiges passieren, wenn ich die Abfahrt auf die A 562 verpasse und mich plötzlich im Tunnel befinde.

Heute war es der Montalk. Christiane Westermann hatte Michael Jürgs zu Gast. Das Gespräch allein war schon sehr unterhaltsam. Als dann aber Julia Bonk als Überraschungsgast dazu kam, war das ganze eine Ménage-àtrois, in der sehr virtuos die Rollen gewechselt wurden. Da konnte man eine Menge lernen, über Journalismus, über Politik, über junge Menschen und ältere, über Gelassenheit und Angespanntheit. Und die Ausfahrt zog vorbei.

Eine Woche vorher war Annika de Buhr bei Uwe Schulz zu Gast. Auch das war Radio at its best.

Wie der Flirt, den sich die beiden da einen Abend lang geliefert haben, nach der Sendung weiterging, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Hörenswert war das auf jeden Fall.

Was mir so besonders an dieser Talkshow gefällt: Immer sitzen da zwei Menschen und es ist nicht so als präsentierten sie sich einem Publikum. Immer ist das eine sehr nette, mal oberflächliche, mal tief schürfende, aber immer sehr wohlwollende, persönliche Situation, in der ich mir als Hörer manchmal auch wie der Lauscher an der Wand vorkomme. Oder ich bin einfach dankbar dabei sein zu dürfen.

Da ich ja so gut wie nie Fernsehe, schon gar keine Talkshow, die mich schon beim Einschalten langweilen, und die immer zu Zeiten gesendet werden, da ich alles tue, aber nicht den Fernseher einschalten frage ich mich manchmal: Würde ich nicht täglich im Auto nach Bonn sitzen, sondern im Zug nach — sagen wir mal — Düsseldorf, würde ich dann meinen MP3-Player mit meinen Podcasts eintauschen gegen ein neueres Modell, auf dem ich dann Filme anschauen könnte? Könnte ich mir eine Talkshow im Fernsehen vorstellen, die mich so fesseln könnte, dass ich den Bahnhof verpassen würde.

Ich finde es irgendwie beruhigend, dass das Radio, zumindest bei mir noch, in der Lage ist Bilder zu erzeugen, die den hörenden Betrachter mehr bannen als die Bilder auf einem Bildschirm.

PS: Sollte sich jemand durch die Überschrift animiert gefüllt haben, diesen Beitrag zu lesen … sorry!

PPS: Herrn Jürgs fragte Frau Westermann, was er täte, hätte er an diesem Montagabend frei. Würde sie mich fragen, ich würde sagen: Ich würd‘ auf ein Glas Wein vorbeikommen. Aber sie würde ja nicht fragen.

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