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1. Notebook-Klasse in Köln

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Köln hat seine erste Notebook-Klasse. Das FWG in der Severinstraße macht sich auf den Weg und der Stadtanzeiger berichtet. Die Herangehensweise des FWG kenne ich (noch) zu wenig. Doch wieder einmal ist es die Berichterstattung, die mich staunen lässt.

Auf zwei Absätze des Artikels will ich kurz eingehen:

Wer nur noch am Notebook schreibe, könne die Schreibmotorik nicht entsprechend ausbilden und verlerne das Schreiben mit der Hand. Zudem leide Orthographie und Grammatik, „weil es an Laptops Korrekturprogramme gibt.

Wer glaubt denn, dass Kinder die am Rechner lernen, 24 Stunden am Tag vor dem Rechner sitzen? Dynamische Mathematik hilft vieles zu verstehen. Das handwerkliche Erstellen eigener Graphen sollte aber dennoch geübt werden. Simulationen und Webexperimente machen Dinge anschaulich, die sonst nicht sichtbar würden. Die Erhebung und Auswertung von Messdaten mit dem Rechner macht die präzise Durchführung von Versuchen nicht überflüssig. Geheiligte Methodeneinfalt, die hier unterstellt wird…. Und das die Arbeit in Notebook-Klassen gerade den schriftlichen Ausdruck in Qualität und Quantität steigert – und das auch im Handschriftlichen, gehört zu den sicheren Forschungsergebnissen.

Nicht gegen ein gewisses Maß an Wertkonservatismus, aber das Fach „Schönschrift“ hochzuhalten und gegen den Versuch einer umfassenden Unterrichtsentwicklung ins Feld zu führen, … hatten wir nicht mal einen Griechen, der der Meinung war, wir sollten durch Gärten wandeln und reden, um zu lernen und doch bitte nicht vereinzelt über unseren Schriftwerken sitzen. Aber das ist lange her.

In den USA, wo der Hightech-Unterricht längst alltäglich ist, verbannen Schulen die tragbaren PCs mittlerweile wieder. Der Grund: Laut einer Studie des amerikanischen Bildungsministeriums macht es für die Lernleistung der Schüler keinen Unterschied, ob im Unterricht neue Medien eingesetzt werden oder nicht. In vielen Fällen ließen sich die Kinder durch den Laptop im Unterricht sogar mehr ablenken, guckten zum Beispiel heimlich Filme.

Erstaunlich, wie lange sich solche Meldungen halten. Da machen sich die Kritiker des Netzes dessen Gedächtnis zum Freund. Natürlich sammeln einzelne Schulen Die Geräte wieder ein. Aber hat irgendjemand geglaubt, durch das Verteilen von Notebooks würden Lernerfolge besser, so wie man durch das Verteilen von Töpfen und Pfannen Hungersnöte eindämmt? Aber das hatten wir ja schon.

Mehr nicht… sonst werde ich ärgerlich!

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