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Drumherumreden

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Die Arbeit politischer Stiftungen ist ja grundsätzlich sehr zu begrüßen. Schade finde ich es in der Regel, dass man auf den Veranstaltungen dort immer eine sehr homogene Masse mit einheitlicher Meinung vorfindet. Bei der FES gibt es hin- und wieder allerdings attraktive Flügelkämpfe.

Montag war ich erstmal bei der HSS. Und das war eine andere Welt. Eine Aufzeichnung der Veranstaltung fand nicht statt, die Teilnehmerliste war mit deutlichen Hinweisen als streng vertraulich gekennzeichnet und die Moderation hatte offensichtlich die Aufgabe, eine aktive Beteiligung des erfreulich zahlreichen Publikums zu unterbinden. Zum Vergleich die FES: Hier werden ähnliche Veranstaltungen regelmäßig live im Internet übertragen und sogar Wortmeldungen per E-Mail in die Diskussion einbezogen. Aber das nur am Rande und ohne die einen gegen die anderen ausspielen zu wollen.

Doch zum inhaltlichen. Die Frage war: Wie ökonomisch ist die Ökonomisierung der Bildung? Themenabend Schule. Eingeladen hatte zusammen mit der Stiftung der Verein Ökonomie und Bildung.

Vieles ist schon hier, hier, hier und hier über den Abend geschrieben worden. Dennoch möchte „ich-auch“ ein paar Worte dazu verlieren.

Einleitende Worte fand Fritz Böhle. Sein Vortrag, in dem er nicht auf das Thema Bildung einging, bot einige schöne Folien, vor deren Hintergrund der weitere Abend stattfinden konnte. Auf das Statement von Herrn Josef Erhard, Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus gehe ich mal nicht ein. Es folgten die beiden, die wohl von der Planung her, die Gegenpole der Veranstaltung darstellen sollten und die am Ende in Ihren Positionen so nahe beieinander waren, wie sie auf dem Podium nebeneinander saßen. Und das hatte seine Gründe: Prof. Zymek, wohl als „Contra-Ökonomisierung“ eingeladen, glänzte in jedem Fall mit dem besten Eingangstatement. Nahm seiner Position aber dadurch die Kraft, dass er die Entwicklungen in der Bildung insgesamt einem historischen, internationalen und letztlich unvermeidlichen Prozess geschuldet sah. Prof. Wößmann, eingeladen wohl als der „Pro“-Part, verweigerte die Rolle des Buhmanns, die im wohl zugeschrieben war, und formulierte seine Positionen so geschickt, das sie wenig Angriffsflächen boten.

Vor der angekündigten Diskussion gab es dann eine kleine Theatereinlage, die das Thema des Abends sehr plakativ zusammenfasste und viele Ankerpunkte für die weitere Diskussion bot. Besonders zu erwähnen sicherlich Frank Vohle, der in der Rolle des rheinisch-kleinbürgerlichen doch bildungsbeflissenen Vaters brillierte.

Zur Diskussion möchte ich nicht viel sagen. Sie wurde von der Moderation verhindert, die an einer Stelle nur mit Mühe von Podium und Publikum daran gehindert werden konnte, das Thema des Abends komplett zu wechseln und dem Podium alle Möglichkeiten gab, sich in unterschiedlichen Beliebigkeiten zu ergehen. Geschenkt!

Was für mich als Fazit bleibt:

  • „Ökonomisierung in der Bildung“ scheint mir ein Schlagwort zu sein, hinter dem so einiges an politischen und ideologischen Interessen versteckt wird.
  • Die Politik und Kultusbürokratie steht zum Teil hilflos vor Ihren Schulen und Lehrern und schaffen es nicht, die Anreize (wenn die These Wößmanns stimmt) zu schaffen, die Veränderungen bewirken.
  • Und ganz entscheidend, dass was Zymek nur in einem kleinen Nebensatz sagte: Letztlich geht es nicht um die Ökonomisierung der Bildung, sondern um Konsequenz in der Bildungspolitik auf allen Ebenen.

Ein Gedanke zu „Drumherumreden

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