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Erwischt

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Immer wenn mir das Argument begegnet, der Einsatz von Computer und Internet würde schon vorankommen, wenn nur die „alten Lehrer“ aus der Schule seien und neue Generationen nachwachsen, dann singe ich mein „Lob des alten Lehrers“.

Es gibt zuviele Leute, die für Lehrer-Online schreiben oder auch ohne dies zu tun, die Computerräume und Laptop-Wagen ihrer Schule als wichtiges Werkzeug für Ihren Unterricht entdeckt haben und die älter sind als ich. Früher waren sie deutlich ältern, mittlerweile nähern wir uns aneinander an. Ich wage aber immer wieder die These: Von den Nachwachsenden Lehrern sind nicht alle begeisterte Medienverfechter. Und so war es denn auch am Donnerstag in der Uni Köln. Dort stellte ich vor, was wir bei Schulen ans Netz und besonders Naturiwssenschaften entdecken! so machen. In einem Seminar kam viel Widerstand. Es würde gefragt, ob man mit Papier und Bleistift mit besser ausgestatteten Bibliotheken nicht mehr erreichen würde. Die Diskussion war interessant und ich glaube, ich konnte den einen oder die andere zum Nachdenken bringen.

Im zweiten Seminar war die Gruppe aufgeschlossener (zumindest der Teil, der sich an der Diskussion beteiligte). Irgendwann kam dann wieder das Argument: Wir müssen nur warten, bis die „Alten“ in Rente sind.

Ich habe dann gefragt, was denn neben der fraglos bestehenden pädagogischen Mission und dem Bedürfnis, Fachliches zu vermitteln, Motivationen sind, Lehrer zu werden. Vier Gründe habe ich genannt:

  1. Die wirtschaftliche Sicherheit, die der Beamtenstatus bringt.
  2. Die gute Vereinbarkeit von Familie und Lehrer-Beruf.
  3. Die bei aller Arbeitsbelastung immer noch recht großen Anteile, individuell verplanbarer Zeit.
  4. Und in zunehmendem Maße die Hoffnung, sich als Lehrer nicht mit technologischen Entwicklungen auseinandersetzen zu müssen.

Spontan teilte sich die Gruppe, die da vor mir saß in drei etwa gleich große Teile, zu unterscheiden waren sie am Gesichtsausdruck.

  1. Diejenigen, die zustimmten und sich dachten: Ja, die aus Kategorie 4 kenne ich auch.
  2. Diejenigen, die ungläubig schauten und dachten: Das kann doch nicht sein.
  3. Und schließlich diejenigen, die betreten nach Unten schauten, weil sie sich erwischt fühlen und zugeben mussten, dass manches Argument, das sie zuvor angebracht hatten nur vorgeschoben war. Diese Gruppe beteiligte sich an der Diskussion dann nicht mehr.

Dass meine Vermutung stimmt, hatte ich erwartet. Es ist ja auch durchaus legitim solch sekundäre Gründe in die Berufswahl einzubeziehen, wer täte das nicht. Aber dieses spontane mimische Feedback war beeindruckend.

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