Advent

24. Türchen – Stille Nacht

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Die Kinder schlafen. Im Ofen bruzeln zwei Schwerfisch-Steaks. Der Sekt ist gut gekühlt und die erste Flasche schon halb leer. Eine Krabbencremesuppe kam dieses Jahr ausnahmsweise aus der Dose. Die Vorbereitungen auf den Besuch von Tante Gerda, Onkel Robert und meiner dahinfließenden Schwester haben den ganzen Vormittag in Anspruch genommen. Aber dann war alles bereitet und wir konnten mit den Kinder eine ruhige Bescherung und ein paar nette Stunden bei Plätzchen und Tee verbringen.

Der Plan: Wir sind zu viert. Barbara – ohne Mann, Silvia – ohne Freund, Tante Gerda und Onkel Robert. Das macht zusammen acht Mann am Tisch. Wenn wir uns schmal machen bekommen wir 18 unter. Und die werden es auch sein am ersten Feiertag.

1. Anruf: Die Gans ist abbestellt. Das kostet zwar eine kleine Gebühr, weil die schon fast auf dem Weg in den Ofen war. Aber das ist es uns wert.

2. Anruf: Silvia war schnell überzeugt, wir sind die Gastgeber und wir freuen uns auf Ali, und seine Schwester und deren Freund. Damit sind wir bei 12 Personen.

3. Anruf: Die neue Halbtagskraft hatte ihr Coming-Out vor nicht all zu langer Zeit. Die Familie heißt die Beziehung nicht gut. Sie und ihre Freundin freuen sich sehr auf Weihnachten mit Familienanschluß. Damit waren die Plätze 13 und 14 weg.

4. Anruf: Eben erst zugezogen ist ein nettes Paar, dessen beide Kinder so alt sind wie Paul und Paula. Die jüngere geht mit Paula in den Kindergarten. Die Mutter erzählte, das dass Geld dieses Jahr nicht reicht für eine Fahrt zu den Verwandten. Damit waren die Plätze 15 bis 18 auch besetzt.

Die Regeln: Gschenke sind verboten. Erlaubt sind nur Weihnachtsgeschichten, die wirklich passiert sind. Das Menü ergibt sich. Jeder bringt was mit, was es tradidionell zu Weihnachten gibt. Oder noch besser, was es eigentlich immer schonmal zu Weihnachten hätte geben sollen.

Barbara muss damit Leben, dass die junge Familie, die sich die Reise zu den Verwandten nicht leisten kann, aus Danzig stammt. Onkel Robert darf sich mit Silvias zukünftiger Verwandtschaft anfreunden und die Halbtagskraft und ihre Freundin werden dafür sorgen, dass Tante Gerda die „Frohe Weihnacht!“ hoffentlich im Hals stecken lassen.

Die zweite Flasche Sekt ist leer. Die Nacht still. Mögen sie kommen.

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