Advent

13. Türchen – Weihnachtsfeier

Veröffentlicht

Also dann: Die Frage ist ja nun eher, muss man den Wein in sich hineinschütten, um den Chef zu ertragen oder geht es einfach nur darum die Rechnung in die Höhe zu treiben, damit es auch schön weh tut. Die Lokalität, dieses Jahr vom Vertrieb ausgesucht, ist ok. Nicht eine lange Tafel, sondern viele kleine Nischen, in denen man zu sechst einen netten Abend haben kann, ohne von anderen Kolleginnen und Kollegen allzusehr belästigt zu werden. Über Vorspeise und Suppe hinweg hatten wir uns vom Weißen zum Roten vorgearbeitet und waren so langsam dabei, dem Abend eine ausgelassen unterhaltsame Note zu geben, als plötzlich der Herr Verwaltungsleiter an unserem Tisch saß und dröhnend Witze erzählte, über die wir nur sehr gezwungen lachen könnten. Die netten Nischen entpuppten sich mit mal als Fallen, aus denen es kein Entkommen gab.

Die Situation begann zu eskalieren, als Herr Verwaltungsleiter beim Abservieren der Suppenteller die Gelegenheit nutze, unserer neuen Halbtagskraft näher zu rücken. Bei seiner nächsten Pointe, über die niemand so schallend lachte, wie er selbst, landete seine Hand ebenso kräftig auf ihrem Bein, wie ihre Hand auf seiner Backe. Ob der Rotwein bei der Gelegenheit umgestoßen wurde, oder ob einer von uns die Gelgenheit ergriffen und dem Glas den nötigen Schwung gegeben hat, war im nachhinein nicht mehr zu ergründen.

In der folgenden sekundenlangen Stille erwarteten wir einen Wutausbruch, doch nichts passierte außer einem genuschelten „T’schuldigung!“ und weg war er. Wir guckten uns kurz verdutzt an, brachen in Gelächter aus und beschlossen wortlos, dem Abend den Rest zu geben. Die Neue winkte dem Keller und orderte Grappa – auf Kosten des Verwaltungsleiters.

Kommentar verfassen