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Rotweinnase und Lachfältchen

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Schön wieder so lange her, die Tage auf der Buchmesse und nun sind auch alle Podcasts aus der Messewoche aufgehört. Der Podcast der Buchmesse aus dem Web-2.0-Wohnzimmer war… ich sag da mal gar nichts zu. Das war einfach nur schade und vertane Zeit. Auf zwei Folge aus dem Literaturcafe möchte ich aber noch kurz eingehen.

Da sagt in einer Folge einer, der sich anhört, als habe er seine überdimensionierte Nase gerade tief in ein Glas Rotwein gesenkt, von sich selbst, er sei facettenreich. Dann spricht er über seine eigene Literatursendung und zählt die Großen und Größten aus der Literaturszene auf, die schon alle bei ihm zu Gast waren. Walser, Grass, die Dische… und es hört sich so an an, als täte er die ausschließlich, um seine eigene Bedeutung und den Rang seiner aus dem Fernsehen ins regionale Radio verlegten Sendung zu belegen. Das hat Herr Wickert aber eigentlich nicht nötig.

Hörenswert ist die Folge vor allem wegen der Einleitung zu einer Frage. Herr Tischer beschreibt die Vorbereitung von Herrn Wickert und seinen Umgang mit den Gästen in dieser Sendung. Besser kann man aber Herrn Tischer Vorbereitung und seinen Umgang mit seinen Interviewpartnern gar nicht beschreiben. Das schöneste Lob für seine Interviews hat somit Herr Tischer selbst formuliert … und es selbstlos auf einen anderen gemünzt.

Unbedingt zu empfehlen ist auch die Folge mit Herr Willemsen. Man spürt direkt, wie sich hier zwei Gesprächspartner schon übers Jahr auf das Wiedersehen gefreut haben. Faszinierend an der Sprache von Roger Willemsen ist, dass er in der Lage ist, seinen Stil, seine Tonlage, seine Wortwahl von Frage zu Frage zu variieren und dem jeweiligen Thema anzupassen. Im Gegensatz zu manch anderem (s.o.) spricht er sehr bescheiden über seine Arbeit, die ihm ganz offensichtlich Freude bereitet und nutzt jede Gelegenheit seine Partner, mit denen er gearbeitet hat, in der Vordergrung zu rücken und sich selbst an den Rand zu stellen. Das alles immer mit sehr sympathischen und gut hörbaren Lachfältchen in den Augenwinkeln.

Schade nur, dass er „Das schiefe Buch“ nicht erwähnt hat. Denn so klein es ist, es macht große Freude und ich lese es seit einer Woche immer wieder und immer wieder vor. (Kleine Frage: Weiß jemand, ob es die Lesung mit Roger Willemsen aus dem Lesezelt irgendwo als Download gibt?)
Vielen Dank Herr Tischer und bis zum nächsten Jahr!

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