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Draußen: ein Ort namens Wrist

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Wrist liegt in Schleswig-Holstein. Zwischen Neumünster und Kiel, soweit ich mich erinnere. Dazu aber später. Wenn man verschlossene Glasflaschen mit Flüssigkeiten in Gefrierfächer legt und dort vergißt, können diese platzen. Die austretende Flüssigkeit gefriert umgehend und von de Flasche abgebrochene Scherben können gefährlich aufragen. Beim Griff in das Tiefkühlfach, kann man sich dann schwere Schnittwunden am linken Daumen zuziehen.

So erging es mir heute. Doch dann…bat mich meine Tochter beim Zubettgehen, ihr noch etwas vorzulesen. Da wir gestern ein Buch beendet hatten, holte sie ein neues aus dem Schrank. Dies begann so:

Blut! Daran gab’s keinen Zweifel!
Er starrte durch das Vergrößerungsglas auf den roten Fleck. Dann schob er die Pfeife in den anderen Mundwinkel und seufzte. Natürlich war das Blut. Was sollte denn auch sonst kommen, wenn man sich in den Daumen geschnitten hatte?

Da gruselte mir dann doch ein wenig. Das Buch (Wer es erkennt und sich meldet, hat was gewonnen!) steht seit Weihnachten ungelesen im Regal. Warum nun wurde es gerade heute gegriffen?

So war das auch mit Wrist. Das ist mehr als elf Jahre her. Ich saß im Zug nach Kiel und las Sten Nadolnys „Netzkarte“. Irgendwo zwischen Hamburg und Kiel las ich  auf Seite 112:

In meinen tatsächlichen oder eingebildeten Dialogen mit Judith kam sehr oft die Wendung „hinter meinem Rücken“ vor. Dabei kann ich doch gar nicht verlangen, daß alles vor meinen Augen passiert. Ich wende mich immer nur der halben Welt zu, die andere Hälfte ist hinter mir.
Draußen: ein Dorf namens Wrist.

Ich hob den Blick vom Buch und sah aus dem Fenster. Der Zug stand in einem kleinen Bahnhof. Auf dem Stationsschild stand: Wrist.

Sowas passiert mir seither immer wieder.

Es gibt ja die Theorie, das zwei Menschen immer nur sieben Menschen voneinander entfernt sind. Zwischen Sten Nadolny  und mir steht nur eine einzige Frau. Aber das weiß Herr Nadolny nicht.

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