notebooks – laptops – oder wie

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Seit Tagen Wochen trage ich einen kleinen Text mit mir herum. Und ich weiß nicht, ob ich hin nicht einfach liegen lassen soll, denn er ärgert mich – nicht nur – ein wenig. Aber er kann auch ein Aufhänger sein, noch einmal über die Notebookklassen zu schreiben und damit, was vielleicht am Umgang mit dem Thema schief läuft – was dann noch ein zweites Beispiel schön verdeutlicht.

Als dann:

Der erste Text ist eine Reaktion auf unser Seite für den Arbeitskreis Notebooks. Zwei Dinge ärgern mich hier: Die plumpe Verallgemeinerung, Konzepte für Notebookklassen seien oft nicht durchdacht. Und das auch noch mit zwei ebenso plumpen Beispielen zu belegen. Auf der anderen Seite macht sich der Text her über die Schulhomepages einiger Schulen – auch das nicht zurecht. Er sagt zwar, dass man von Schulen nicht erwarten können, dass sie Agenturen seien, dennoch werden -aus Sicht von reticon- Negativbeispiele gegeben. Allerdings ohne einige wichtige Frage zu stellen:

Wer hat die Webseiten gestaltet: Schüler, Lehrer, Eltern? Wer kann, darf -und warum- die Seiten aktualisieren?

Welche Rolle spielt die Website überhaupt für die Arbeit der Schule? Für ihre Öffentlichkeitsarbeit?

Und ganz wichtig: Wie sieht der Unterricht an diesen Schulen in den Notebookklassen aus?

Wieder so ein Fall, in dem ich mir ein wenig mehr Wohlwollen für das geschehen in Schulen wünschte.

Der zweite Text macht sehr treffend auf ein Beispiel aufmerksam, wie man Notebook wahrscheinlich nicht einführen sollte. Es sind passiert in Amerika, dort sollen an einer Schule die Laptop die Bücher ersetzen. Technisch ist alles organisiert und nun wird – nachdem die Laptop in Schülerhand sind – am pädagogischen Konzept gearbeitet. Wenn ich das richtig sehe, dann finden wir auch in Deutschland Beispiel dafür, wie die Ausstattung mit Laptop nicht durch Fortbildungen für die Lehrer und den Aufbau einer passenden Materialsammlung begleitet wurde. Oder anders: Beispiele dafür, dass Sachaufwandsträger und Lehrerkollegien nicht Hand in Hand arbeiten. Aber solche Beispiele gibt es sicher nicht nur für die Ausstattung von Laptopklassen, sondern auch für den Bau von Turnhallen, die Planung von offenen Ganztagsschulen und und und…

Denn stellt sich mir noch einmal die Frage: Wie nenne ich das denn, wenn alle in einer Klasse einen eigenen tragbaren Computer haben. Der Begriff Notebook – oder Laptopklasse beschränkt sich natürlich auf die Ausstattungsfrage und da kann es dann eben auch passieren, dass die inhaltliche Arbeit aus dem Blick der Organisatoren verschwindet und die Lehrerkräfte dann auch erst mit der Arbeit beginnen können, wenn die Situation da ist.

Aber auch der Begriff „Mobiles Lernen“ lernen erscheint mir zunehmend schwierig, weil er mir zu modern ist… die mobile Gesellschaft… Lernen immer und überall… Aber bleibt Lernen nicht doch an dafür geeignete Orte gebunden? Meine Lehrer früher fanden zuviel mobiles Lernen morgens im Bus nicht gut und bei Wille konnte man immer die Weichen bei der Einfahrt des Zuges in den Bahnhof am Schriftbild erkennen.

Auf der anderen Seite denken mir zu viele  Leute beim mobilen Lernen auch gleich an Handys, MP-Player, GPS-Geräte und und und. Ja, die natürlich auch, aber diese Vielfalt und die damit oft verbundene Abkehr vom tragbaren Computer.

Es geht doch eigentlich nur darum, dass ich ein Werkzeug habe, einen Stift oder ein Lineal, einen Zirkel oder einen Taschenrechner oder jetzt eben einem tragbaren multimediafähigen Computer. Gab es das mal „Lernen mit der Schiefertafel“ – „Taschenrechnerklassen“? Irgendwie schräg, dass man das, was eigentlich irgendwann der Normalfall sein könnte mit einem klangvollen Namen belegen muss.

Oder ich zäume das Ganze von der anderen Seite auf, von der Unterrichtsentwicklung, von der Überlegung welche Medien ich wann, wie und warum einsetze. Und welche Methoden ich dabei verwende, welche Materialien, welche Software. Dann komme ich wahrscheinlich zu der Überlegung, dass die Notebook-Klassen nur eine von vielen Alternativen sind, dass ich die Arbeit damit in Klassen mit stationären Rechnern vorbereite, dass es vielleicht sogar sinnvoll ist, dass sich Grund- und weiterführende Schulen abstimmen, wie Medien eingesetzt werden. Dann ist das Ganze keine Ausstattungsfrage mehr, sondern eine Diskussion über guten Unterricht. Dann braucht es auch keinen klangvollen Namen mehr.

Das ist doch mal ein Ziel.

Und irgendwo gibt es auch die Notebook-Schulen, die genau so vorgehen, vorgegangen sind. Auf unserer kleinen Homepage für den Arbeitskreis sind viele davon dabei und sie haben oft keine Homepages, die Designawards bekommen werden. Und eine Menge Gedanken, die sich die Lehrer und Schüler und Eltern dort machen, kann man sich in einem kleinen Film anschauen. Den haben übrigens ein paar Schüler vom Ratsgymnasium Minden gemacht…

2 Gedanken zu „notebooks – laptops – oder wie

  1. Danke für Ihre Kritik – wir wollten ein wenig provozieren und vielleicht sind unsere Beispiele plump.
    Auf der anderen Seite hätte ich mich ja gefreut über interessante Konzepte von Notebook-Klassen zu berichten, nur leider habe ich dazu nichts gefunden.
    Dass eine Schulhomepage nicht allzu einfach zu realisieren ist, keine Frage. Aber die Frage, wer die Seiten erstellt etc. – das sollte doch bitte die Seite selbst beantworten (was sie meist nicht tun) und eine Entschuldigung für schlechte Qualität kann das doch auch nicht sein. Wie der Unterricht in den Notebook-Klassen aussieht, das wird leider viel zu wenig nach außen kommuniziert.
    Und seien Sie versichert, wir stehen Schulen und der Arbeit von Lehrern positiv gegenüber und sehen Medieneinsatz positiv kritisch, gerade da wir aus der Ecke „Pädagogik und Medien“ kommen.

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