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Der Traum vom 100-EUR-Laptop

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Vor zwei Wochen -und ich schüttele noch heute mein sicher nicht weises Haupt- verwunderte mich der Traum von Steve Wozniak. Den nimmt nun auch Joachim Wedekind, der auch den amüsanten Text von Isaac Asimov mit dem Titel „The Fun they had“ kennt, auf den mich Jochenenglisch erst dankenswerterweise aufmerksam gemacht hat, zum Anlass von einem eigen Traum zu berichten, dem Traum von 100-EURO-Laptop.

Gerne sähe er ein solches Laptop in den Händen aller Schüler, staatlich finanziert und über die Einsatzmöglichkeiten würde er sich mit anderen gerne Gedanken machen. Schulen ans Netz so meint ehr könne für die Information der Lehrkräfte sorgen und den Austausch untereinandern unterstützen.

Ja, dieser Traum ist mir schon sehr viel sympatischer. Und die neue kleine Homepage des Arbeitskreises Notebooks, die diese Woche online gegangen ist, will ja einen Austausch der bestehenden Notebook-Schulen untereinander und mit denen, die sich erst auf den Weg machen befördern.

Doch kommen mir ein paar Frage, die ich gerne diskutieren würde und die wir im Arbeitskreis auch schon… wenn auch ohne Ergebnis… immer wieder diskutiert haben:

  • Ist ein 100-EUR-Notebook, speziell für die Schule wirklich besser, als ein mit bedacht ausgewähltes reguläres Laptop?
  • Kann eine korrdinierte Anschaffung der Geräte durch eine Kommune oder gar ein Bundesland nicht ähnlich attraktive Preise erziehlen? Liegen nicht die Preise für ein Laptop im Projekt in Maine bei umrum 250 Dollar?
  • Ist es wirklich sinnvoll, die Eltern bei der Anschaffung der Geräte nicht mit einzubeziehen? Und weiter -hier stimme ich Ulrich Engelen vom ESG in Gütersloh immer wieder zu- muss es gerade bei einem Laptop-Projekt nicht darum gehen, die Eltern nicht nur finanziell sondern vor allem auch inhaltlich mit einzubinden?
  • Ganz unsicher bin ich mir aber, wie eine solche Maßnahme flächendeckend organisiert werden könnte. Das Ergebnis: One Laptop per Child oder -wie Apple es auf deutsch holprig nett: 1-zu-1-lernen halt ich für erstrebenswert, aber wie bringe ich die über den Sachaufwandsträger organisierte Anschaffung, mit der Fortbildung der Lehrer und der Überzeugung der Eltern in eine sinnvolle Ordnung?
  • Und dann bewegt mich durchaus auch noch die Frage, wie man verhindert „unsere Lehrer“ auch hier nicht zu unterschätzen. Die Idee ist gut und viele Lehrkräfte setzen sie ja auch schon um. Auf sie sollte man mit ganz großen Ohren hören.

Joachim Wedekind gerät der Traum bei Gedanken an die Verhandlungen mit 16 Bildungsministerien zum Alptraum. Würde alleine ein Bundesland über die doch überzeugenden Piloten hinaus es wagen, die Idee OLPC umzusetzen, es bräuchte ein starkes Team von Leuten mit einer starken Vision. Aber es wäre eine Aufgabe, deren Lösung vielleicht viele Fragen zum Sinn oder Unsinn des schulischen Medieneinsatzes ein für alle Male in „unserem“ Sinn beantworten würde. … Und schon habe auch ich meinen Traum. 😉

4 Gedanken zu „Der Traum vom 100-EUR-Laptop

  1. Interessant am 100-Dollar-Laptop-Projekt ist, dass Seymour Papert einer der beteiligten Personen am MIT ist. Papert hat die Programmiersprache Logo entwickelt, die für aktives, erforschendes Lernen mit dem Computer steht, auch in Form kooperativen Lernens mit Mitschülern. Logo scheint auf der Installation des 100-Dollar-Laptops zu sein (http://www.laptop.org/laptop/software/specs.shtml). Zumindest diese Tatsache spricht dafür, dass die Väter dieser Bewegung andere Visionen haben als stumme Kinder vor dem Laptop. 🙂

  2. Da sind wir uns schnell einig, klar, stumme Schüler wollen wir nicht, egal ob sie aufs Notebook, ins Buch oder an die Decke starren. Das heisst allerdings nur, das schlechter Unterricht nicht durch Technikeinsatz geadelt wird …

  3. Hallo Jochen,
    Der Link geht jetzt, danke für den Hinweis. Ja und du hast recht: „Unser“ Sinn ist so ne Sache… und kann durchaus wechselnde Gruppierungen meinen. In dem Fall waren damit „wir“ gemeint, die wir einen geplanten zielgerichteten Computereinsatz im Unterricht befürworten.

    Ich gebe dir auch völlig recht: Wenn Schüler stumm im Unterricht vor dem Rechner hocken, dann ist nicht das erreicht, was ich mir vorstelle. Aber wenn mehrere vor einem Rechner sitzen und über das was sie sehen reden, dann ist das nicht schlecht. In meinem eigenen Unterricht (auch Fremdsprache) habe ich es auch vor allem erlebt, dass sich mehrere Schüler vor dem Rechner sitzend über die Texte, die gerade entstanden unterhielten. Mehr als über Texte, die auf einem Blatt entstanden. Zugegeben, dieses Gespräche über die Zielsprache fanden oft in der Ausgangssprache satt.
    Noch vor ein paar Jahren führten Notebook-Lehrer an, dass die Akkulaufzeit dem Einsatz ja eine natürliche Grenze setze. Da hat uns die Technik mittlerweile ein Schnippchen geschlagen. Aber hoffentlich sind wir unabhängig genug, ein Notebook auch dann beiseite zustellen, wenn wir es für nötig halten, es zur Seite zu stellen.
    Dein Bild der stumm und vereinzelt vor dem Rechner hockenden Klasse lässt mich dann wieder gruselig an den Traum von Steve Wozniak denken.
    Über deinen Schlusssatz zum subjektiven Zeitempfinden denk ich jetzt noch ne Weile nach. 😉

  4. Der Link zu ‚Joachim Wedekind‘ funktioniert nicht.

    > ein für alle Male in “unserem” Sinn beantworten würde

    „unseren“ Sinn gibt es nicht, dafür gibt es zu viele verschiedene Auffassungen.

    Mir ist z.B. als Sprachenlehrer die wenige Zeit IN der Schule viel zu wertvoll, als dass die Schüler „stumm“ vor dem PC bzw. Notebook hocken sollten. Das können sie viel besser zuhause, da geht auch erstaunlicherweise alles viel schneller als in der Schule 😉

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