lit.COLOGNE – Familienwahn

Stellt dir vor, deine Mutter denkt, du könntest deinen Vater umbringen. Deinen Vater der im Wachkoma liegt und offensichtlich noch eine Filiale unterhielt.
Stell dir vor, deine Schwester, die du jahrelang verdrängt und nicht gesehen hast, drängt sich mit Macht wieder in dein Leben und auch in die Betten, in denen du sonst liegst.
Stell dir vor, das Osterfest rückt wieder einmal näher und wieder einmal machen sich alle auf zur gemeinsamen Weihnachtsfeier, wissend alle peinlichst genau darauf achten werden, nicht, aber auch gar nichts zu sagen, was eines der unter eine nur brüchigen, dünnen Decke versteckten Familiengeheimnis an die Oberfläche schnellen lassen könnten. Daher wird kaum einer überhaupt etwas sagen und zu ertragen ist das alles nur unter starkem Alkoholeinfluss.Es war eine sehr schöne blaue Stunde, am Ende des Tages, am Übergang zur Nacht. Ich wusste vorher nicht, dass die Franzosen diese Stunde auch die Stunde zwischen Hund und Wolf nennen. Die Decke aus Glasbausteinen in alten Pfandhaus nahe der Severinstorburg färbte sich immer grauer, immer blauer, immer schwärzer. Und vor dem halbrund der Zuhörer lasen drei junge Autoren aus ihren jeweils ersten Romane. Zwei der Bücher (abwesend von Gregor Sander und Die Stunde zwischen Hund und Wolf (sic!) von Silke Scheuermann) stapele ich mittlerweile neben meinem Bett und werde sie bald anknabbern. Das dritte war nicht ganz mein Fall (Ostersonntag von Harriet Köhler).

Herausheben möchte ich aber vor allem Georg M. Oswald, der die Veranstaltung, die unter dem Titel Familienwahn moderiert, der seine Aufgabe die jungen Schriftsteller vorzustellen und Lust auf ihre Bücher zu machen, hervorragend löste. Immer wieder versuchte er dabei auch zu schauen, wieweit das Thema Familienwahn acuh aus der Geschichte der Autoren zu erklären ist. Die weigerten sich aber klugerweise und beharrlich dies zuzugeben.

Seit zwei Tagen liegt der Text jetzt hier und will nicht werden. Wahrscheinlich deshalb, weil ich gar nicht sosehr über die Veranstaltung schreiben will, sondern einfach nur die Atmosphäre erhalten und ihr nachspüren will. Das Gefühl von der Arbeit in Bonn gleich in die Kölner Südstadt zu fahren. Nach nur drei Runden um den Block einen Parkplatz zu finden. In der Abendsonne durch die Südstadtstraße zu schlendern, um dann schon im Raum auf Karin zutreffen. Anschließend schwabten wir dann mit mindestens einem Drittel der Zuschauer (es war eine kleinere Veranstaltung) is gleiche Restaurant und erzählen über die vier Autoren und ihre Bücher all das, das zu schreiben ich hier jetzt doch keine Lust habe. Vielleicht schreib ich ja über die Bücher, wenn ich sie gelesen habe.

abwesend steht auf dem Programm sobald (und das sind heute nur noch 10 Seiten) mein erstes Ani Jugendbuch (Wie Licht schmeckt) aufgekabbert ist. Und das ist nun wirklich grandios und empfehlenswert und könnte an mancher Stelle den Fänger im Roogen ablösen, was ja auch mal überfällig wäre. …

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