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schuelerVZ – Bloggen Schueler?

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Dann versuch ich mal ein paar lose Fäden zusammenzufassen und schau mal, ob sich ein Strick draus drehen lässt.

Daniel Weber machte sich letzthin Sorge um den Berufsstand des Journalisten.

Jan Schmidt hat in seiner Studie „Wie ich blogge!?“ 2005 „nur“ 17,7 Prozent bloggende Teenager gefunden. Nur? Und wie sieht es 2007 aus?

Herr Rau -und nicht nur er- macht sich Gedanken, wie er seine Klassen über die Gefahren des Internets aufklärt. Dafür bekommt er zurecht Lob gespendet.

Und dann erscheint plötzlich und unerwartet (?) der kleine Bruder von studiVZ unter dem Namen schuelerVZ als Alpha-Version.

Und jetzt?

Die Gefahr, dass Herr Weber seinen Job verliert, nur weil ein paar Millionen Menschen bloggen, stufen wir mal als gering ein. Aber die Zahl der bloggenden Schülerinnen und Schüler wird wohl wachsen – und auch fast 18 Prozent sind schon nicht wenige.

In vielen Diskussionen und in vielen Ratgebern haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass sich Jugendliche nicht mit ihrem Namen im Internet bewegen sollen. Zu Ihrem eigenen Schutz. Und das will schuelerVZ mit zweifelhaften Aussagen zum Jugendschutz ändern: Angestrebt ist authentische Kommunikation und die Pribatsphäre soll geschützt werden, wenn im „anonyme“ Usernamen nur der Vorname und das Initial des Nachnamens zu lesen ist. Na dann!

Neben einer Menge Lehrerblogs, die ich mit wachsendem Interesse lese, kenne ich ein paar Blogs, die im Unterricht entstanden sind. Aber ich muss zugeben: Ich kenne kaum Blogs, die von Schülern selbst betrieben werden.

Daher heute mal mein Frage – ganz konkret an Herrn Rau, aber auch an alle anderen Lehrer-:

Kennen Sie die Blogs Ihrer Schülerinnen und Schüler?
Wissen Sie, ob sie bloggen?
Und wurde dies und seine möglichen Konsequenzen schon einmal im Unterricht thematisiert?
Wie uns aus welchem Anlass?

Ich will der schuelerVZ Alpha-Version nicht zu viel Bedeutung zuweisen, aber die Frage scheint mir nicht nicht ganz unberechtigt und vielleicht gibt für den einen oder anderen ganz hilfreiche oder erhellende Antworten.

7 Gedanken zu „schuelerVZ – Bloggen Schueler?

  1. Mein FeedReader klappert regelmäßig 6 Schüler-Weblogs ab. Ich weiß, dass es an unserer Schule weitere Bloger gibt, doch da ich die Schüler nicht im Unterricht habe bzw. hatte, habe ich kein besonderes Interesse an deren Seiten.

    Alle 6 Weblogs bieten ein Kontaktformular, mit dem man bei Bedarf mit dem Autor in Kontakt treten kann. ICQ-Nr., E-Mailadressen oder gar Adressen und Telefonnr. findet man bei den Bloggern nicht (im Gegensatz zu manch anderer Schüler-Homepage aus irgendeinem Homepage-Baukasten wie piczo.com).

    Bedenklich hingegen erscheinen mir die Inhalte mancher Schüler-Blogs: Regelmäßig stößt man auf Videos und Texte mit zivil- und strafrechtlich relevantem Inhalt (Ladendiebstahl, , Kiffen, üble Nachrede…). Leider haben diese Vorfälle noch nicht dazu geführt, dass das Thema systematisch im Unterricht angesprochen wird. Die Kollegen verweisen auf den Verantwortungsbereich der Eltern, die Privatsphäre der Schüler und sogar das Schulklima: Es sei schließlich nicht gut, wenn die Schüler sich von Lehrern im Internet bespitzelt fühlen. In Wahrheit aber liegt das mangelnde Problembewusstsein der Kollegen in der fehlenden Kenntnis der Sach- und Rechtslage begründet.

  2. > Kennen Sie die Blogs Ihrer Schülerinnen und Schüler?

    Nein, ein paar meiner Klienten haben Websites, aber Blogs kenne ich keine.

    > Und wurde dies und seine möglichen Konsequenzen schon einmal im Unterricht thematisiert?

    In meinem jetztigen gk haben wir im Rahmen von Web 2.0 des öfteren über Blogging gesprochen. Es gab auch schon eine Hausaufgabe zu 9rules (http://9rules.com/). Meinem letzten LK habe ich vorgeschlagen einen Kurs-Blog wie http://djd-elks.blogspot.com/ anzulegen. Mein Vorschlag stieß auf wenig Begeisterung. Viele meiner Schüler sind überraschenderweise PC newbies. Da geht es dann eher um Fragen wie: Wie hänge ich eine Datei an eine E-Mail? Wie formatiere ich eine Überschrift? etc. Blogs sind da ganz weit weg …

  3. Da ich in der Grundschule unterrichte stellen sich mir diese Fragen nur sehr bedingt.
    Ich kenne keinen Grundschüler, der privat bereits ein Weblog betreibt und es regelmäßig füllt.
    Ich kenne zwei Blogs, in denen Eltern gemeinsam mit ihrem Grundschulkind schreiben und Fotos und Bilder veröffentlichen, aber beide Blogs gehören nicht in mein unmittelbares Schulumfeld.

    Natürlich kann ich nicht mit Gewissheit sagen, ob nun unsere Grundschüler privat bloggen, aber ich halte das für eher unwahrscheinlich, da ich gemerkt habe und merke, dass wir mit unserem Klassenblog relativ neue Wege beschreiten.

    Aufgrund des Klassenblogs thematisieren wir selbstverständlich laufend das Thema Publizieren im Internet und haben immer wieder aktuelle Momente und Situationen, die wir aufgreifen und besprechen.

    Ich halte es für unabdingbar Kinder als Internet Nutzer sensibel zu machen für Gefahren und Probleme, die das Netz (eben auch) zu bieten hat.

    Ob die Kinder meiner Klasse mal zu Bloggern werden – oder gehäuft zu Bloggern werden – weil sie bereits zu Grundschulzeiten gemeinsam bloggten, kann ich nicht voraussehen.
    Aber gespannt bin ich schon.

    Liebe Grüße
    Susanne

  4. Ich glaube, dass wir in unserer „Wie ich blogge“-Studie Ende 2005 den Anteil bloggender Schüler unterschätzt haben (das hat was mit der Art zu tun, wie unsere Stichprobe zustande gekommen ist) – ich kann keine Zahlen nennen, aber ich glaube, dass ein beträchtlicher Anteil von Jugendlichen bspw. auf myspace dabei ist, auch Plattformen wie myblog oder livejournal haben denke ich Zulauf von Teenagern. Ich weiss nicht, ob das bei den Schülern immer als „Blog“ firmiert, gerade myspace bietet ja auch mehr Funktionen (Kontaktverwaltung, MP3 einbinden, etc.). Und ich würde auch tippen, dass die Nutzung von Instant Messaging und Foren noch weiter verbreitet ist.
    Fazit: Die Nutzung von „neuen Anwendungen“ bei Jugendlichen ist noch nicht sonderlich gut erforscht.. 🙂

  5. Also, ich kenne einige Kiddos 😉 die Bloggen. Bin selbst Student und bewege mich viel in der Blogosphäre. Mich erstaunt nur, wie wenig sensibel die Schüler gegenüber der Öffentlichkeitswahrnehmung sind. In Ägypten so hieß es die Tage, sei jemand für 4 Jahre ins Gefängnis gekommen, weil er wider die Regierung gebloggt hat. Das würde hier nie passieren, aber dass ich eine meiner Internetbekanntschaften darauf hinweisen muss, dass er einen Kommentar eines Mitschüler in seinem Blog der Lehrer sei „ein Lutscher“ nicht unbedingt stehen lassen sollte, dafür zeigen die Leute wenig Verständnis.

    Ich persönlich fände den Diskurs über Bildung und Themen aus dem Bereich sehr interessant. Es gab bei AOL damals in den 1990ern ein Nachhilfeforum, als AOL Deutschland noch von vielen ehrenamtlichen Kräften im Hintergrund begleitet wurde. So etwas könnte man mit einem Blog auch realisieren. Lehrer, die Spaß daran haben, Fragen von Schülern zu beantworten. Gut, bei AOL bekamen die werten Damen und Herren damals Freistunden… und eine Vergütung für die Telefonkosten. Aber vielleicht gibt es auch LehrerInnen, die sehr gerne mit ihren Themen umgehen, und wenn sie sich selbst damit auseinandersetzen, können sie eben auch platonisch mit Frage und Antwortspiel auf dem Blog Inhalte erzeugen, die für viele Leute von Bedeutung sein können.

  6. Mal abgesehen von zwei oder drei eher kurzlebigen Blogs, die im Unterricht entstanden sind, kenne ich von Schülern meiner Schule zwei aktive Blogs. Ich kenne außerdem die Blogs von vier nicht mehr schreibenden Schülern meiner Schule. Zumindest fallen mir die jetzt ein.

    Es gibt sicher an meiner Schule und vielleicht auch unter meinen Schülern Blogs, die ich nicht kenne. 17,7% wären ja immerhin 180 Schüler mit irgendeiner Form von Blogerfahrung. So viel sind es nie und nimmer.
    Ich denke, die meisten verlinken sich gegenseitig, und außerdem wollen die Schüler, die bloggen, das schließlich auch herzeigen.

    Thematisiert habe ich das nur wenig. Ich habe einmal für eine 8. und für eine 9. Klasse ein Klassenblog eingerichtet, darin wurde – unter anderem – auch gestritten und geschimpft, über Lehrer, Verwaltung und Mitschüler. Darüber haben wir dann im Unterricht gesprochen und Regeln vereinbart.

    Die beiden lebendigen Blogs lese ich mit großem Interesse und ich kommentiere gelegentlich. Beide halte ich nicht für typische Schülerblogs, vor allem das ältere davon: Das Blog existiert seit zwei Jahren, die Beiträge sind inhaltlich und sprachlich gehoben, sind ausführlich und erscheinen regelmäßig. Wenn mir an diesem Blog ein Problem auffällt, schreibe ich der Autorin eine Mail oder spreche sie in der Schule darauf an. Allerdings weiß sie selber sehr gut, was sie darf und kann und sollte.

    Ich glaube, die Kommunikation und das öffentliche Auftreten unter Schülern findet eher in Foren und Gästebüchern statt. (Denn statische Webseiten, im Gegensatz zu Blogs, haben viele Schüler. Mit Text und Fotos und eben auch Gästebuch.) Das geht von der Unterstufe bis in die Kollegstufe. Da machen viel mehr Schüler mit, auch weil man sich nicht zu längeren, überlegten Texten verpflichtet fühlt, wie das bei Blogs so ist. Und vielleicht auch, weil man schnellere Reaktionen kriegt; bei den Foren, die ich gesehen habe, stand eher das Kommunizieren als Selbstzweck im Vordergrund als das Festhalten oder Austauschen von Informationen.

    Das allgemeinere „Auftreten im WWW“ halte ich für ein mehr Schüler betreffendes Thema als speziell das Bloggen. Unpassende Fotos gibt es in Foren auch.
    Thematisiert habe ich das nur mal in einem Grundkurs (unmoderiertes Forum => man mag sich’s nicht vorstellen).

    Auf Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte gehe ich in der 7. Klasse Informatik ein, da mache ich (öffentlich einsehbare) Wiki-Projekte. Aber die eigentlichen Probleme – was gibt man von sich Preis, wie geht man miteinander um – werden da nur ganz am Rande berührt.

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