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Brauchen wir eine radikal geänderte Lehrerrolle?

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Im Konzeptblog habe ich den Hinweis auf einen Artikel von Peter Baumgartner gelesen, der beim Lesen an mancher Stelle meinen Widerspruch hervorrief.

Zunächst scheint mir die Einschränkung sozialer Software auf nur sehr sehr wenige Programme zu eng. Podcast, Wikis und Weblog werden ausgeschlossen, während Bildarchiven und Bookmarksystemen eine besondere Bedeutung zugeschrieben wird. Meine eigenen Erfahrungen sind da andere, durch das lesen, schreiben und kommentieren von Weblog habe ich alleine in den letzten Woche mehr Kontakte knüpfen können, als ich vermutet hätte. Hingegen konnte ich durch die gelegentliche und noch nicht sehr systematische Durchforstung und Nutzung von del.icio.us zwar eine Reihe interessanter Webseiten entdecken, aber bin auf diesem Weg in keinen Kontakt zu anderen getreten.

Die Gleichsetzung von Wiki und Forum halte ich ebenfalls für gewagt, da ich in der Arbeit mit Wikis eine deutlich stärkere Ergebnis- und Produktorientierung sehe, verbunden mit dem Wunsch der einzelnen Beteiligten diese Produkt gemeinsam zu schaffen.

Besonders auffällig sind aber die Probleme die Baumgartner bei der Nutzung sozialer Software im Unterricht sind. Zentraler Punkt ist für ihn dabei der Kontrollverlust nicht nur über Inhalte, die das Internet schon vor dem Web 2.0 mit sich gebracht haben soll, sondern auch über die Kontakte die Lernende nutzen.

Ich habe den „Verlust“ über die Kontrolle der Inhalte im Unterricht immer als Herausforderung empfunden und für die Lernenden als Bereicherung gesehen. Eine Kontrolle habe ich nur in den Fällen versucht auszuüben, wenn ich eine didaktische Reduzierung der Stoffmenge für angezeigt hielt.

Ein LMS würde ich kaum als abgeschotteten Raum mit ausgewählten Inhalten sehen, sondern als vorbereitetes Basislager für die Expedition ins Internet, denn wenn ich aus den engen Räumen nicht in die weiten des Internets losziehen kann, muss ich doch fragen, warum ich überhaupt eine Software im Internet nutze.

Sich der Herausforderung, ein Seminar nicht nur über sondern auch mit Social Software zu gestalten, zu stellen, sollte  eine Selbstverständlichkeit sein. Damit aus dem „Lernen und Reden über“ ein Erleben wird. Und dann bin ich pädagogischen Ansätzen, die es schon lange vor dem Computer, dem Internet und dem Web 2.0 im Unterricht gab.

Die geforderte Änderung der Lehrerrolle besteht auch ebenso lange. Die Frage ist, ob ich mich der Forderung stelle und ob ich vielleicht neue oder geänderte technische Möglichkeiten zum Anlass nehme meine Lehrerrolle zu ändern.

Eine veränderte Lehrerrolle werden wir auch in 10 Jahren noch brauchen, wenn das Web 2.0 längst Geschichte ist. Und Lehrer mit der geforderten Sichtweise gibt es auch heute schon. Und manche von ihnen haben noch nie einen Computer im Unterricht zum Einsatz gebracht.

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