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Die Reputation verteidigen

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Privat oder öffentlich? Ich oute mich dann mal als Kölner Immi. D.h. ich lebe in dieser Stadt und ich liebe ihre fünfte Jahreszeit. Gestern musste ich aber wieder mal erleben, dass Menschen sich der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Handlungen nicht bewusst sind. Die Sitzung einer kleinen Karnevalsgesellschaft war mit guten bis sehr guten Nummern vollgestopft. Traditionscours beim Tanz muss ich nicht wirklich sehen, aber sie gehören dazu. Danken muss ich Bernd Stelter für die neue Version von 54, 74, 90, 2010. Bei ihm heißt es : 54, 57, 61 und B1 und wer hier in der Gegend wohnt, weißt was man da macht: Im Stau! Und das auch ein Immi was vom Karneval versteht, zeigt sein neues Köln-Lied. Da heißt es:

„Darum haken wir jetzt Arme unter Ellenbogen ein,
und singen endlich mal ne Hymne auf die schöne Stadt am Rhein… “

Und auf das Lied kann man alles, nur nicht schunkeln. So gebrochen macht Karneval dann wieder richtig Spaß. Nicht wenn da ein anderen steht und weint, dass es die alten Redner nicht mehr gibt, das die Neuen nur noch Comedians sind und auch kein Kölsch mehr sprechen.

Aber darum geht es nicht. Da stand ein Elferrat auf der Bühne, der bestand aus 7 oder 8 Personen, warum auch immer. Die hatten alle viel Spaß da oben. Nur 4 oder 5 nicht. Die standen da, als wäre ihnen der Kanarienvogel gestorben. Die haben nicht gelacht, die haben nicht getanzt, die haben keine Minute daran gedacht, dass ihnen 2000 Menschen bei ihrer zur Schau getragenen Trostlosigkeit zuschauen. Die waren sich ihrer Öffentlichkeit in keinster Weise bewusst. Und sie waren Thema: Wie kann man sich nur dahin stellen und dann so gucken!

So und jetzt kommt der Link zum Internet. Die Welt schreibt über die Probleme, die Spuren im Internet bereiten können. Eine amerikanische Firma hilft nun dabei, diese Spuren zu beseitigen. Das Internet ist hier nicht böse. Das Internet zerstört nicht, wie der Artikel es nahe legen will, die Karriere. Wenn ich auf Partyfotos im Netz immer wieder nicht fröhlich feiernd sondern volltrunken zu sehen bin, dann wir das mein neuer Arbeitgeber vielleicht auf der ersten betrieblichen Feier auch mitbekommen. Im Artikel wird ein Mensch zitiert, der unter „enormen seelischen Problemen“ litt und diese in Foren unter seinem Namen diskutierte. Wird er das nicht wahrscheinlich auch im Tennisverein oder der Kaffeepause tun?

Wenn ich nicht will, dass bestimmte Informationen über mich andere erreichen, dann darf ich sie nicht mit meinem Namen verknüpfen. Weder im Internet noch im realen Leben. Wer sich seiner Schandtaten im Internet rühmt, darf sich nicht wundern, wenn sie von realen Menschen gelesen werden. Wer sich seiner Seitensprünge im Internet rühmt und sich dann wundert, wenn er zuhause Ärger bekommt, ist schlicht dumm.

Also, immer gut überlegen, was man sagt oder schreibt. Das schränkt die Möglichkeiten des Mit-mach-Webs nicht ein. Vielleicht erhöht es aber seine Qualität.

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